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AktuellAktuell:Künstler

Die Kunst Teresa Margolles’

Virtuelle Kunstwelten vergangener Leben


Teresa Margolles, Geweint, 2004

Das Tuch von zwei mal vierundzwanzig Metern Größe trägt die Abdrücke menschlicher Körper. Gegen ihre Verwesung wurden Chemikalien eingesetzt, die nun einen beißenden Geruch auslösen. Ursprünglich waren in diesem Gewebe nicht identifizierte Tote eingewickelt, bevor sie auf den Seziertisch der Universitätsmediziner landeten. „Das Leichentuch“ wird als Gemälde inszeniert. Körper erscheinen durch Spuren, die ein vages Bild ihrer nicht mehr vorhandenen Existenz vermitteln. So verlagert Teresa Margolles körperliche Leibhaftigkeit ins Wahrnehmungsfeld der Kunst. Ihre ins Jahr 1995 datierende Arbeit „Dermis“ besteht aus Laken samt Krankenhauslogo, die blutige Abdrücke von Leichen aufweisen. Auch die „Estudio de la ropa de cadáveres“, schmutzige Hemden verunglückter Kinder, rufen Erinnerungen an Yves Kleins „Anthropométries“ wach. ...mehr

Zum Tod von Tom Wesselmann

Zu kalt, um erotisch zu sein


Tom Wesselmann, California Nude No. 3, 1981

Als Väter der Pop Art können die beiden Künstler der Klassischen Moderne Marcel Duchamp und Fernand Léger angesehen werden. So bereitet Duchamp mit seinen Readymades und Léger mit seinem Interesse für die Maschine das Feld für die Verwendung von Gegenständen der amerikanischen Alltagskultur in der Kunst. Als „kommunistisch“ wurde die heute Pop Art benannte Strömung der 1960er Jahre in den USA kritisiert, die zunächst unter dem Titel des „Neuen Realismus“ in Erscheinung trat. Den Begriff Pop Art prägte neben Lawrence Alloway auch Lucy Lippard, die damit zunächst die Verwendung von Dingen aus der Massenkultur meinte. ...mehr

Zum Tod von Agnes Martin

Die Inseln steigen auf und sterben; Ruhig kommen und gehen sie


Agnes Martin im Jahr 1991

„Die Inseln steigen auf und sterben; Ruhig kommen und gehen sie.“ Dieser Satz stammt von der am 16. Dezember 92järig verstorbenen amerikanischen Malerin Agnes Martin und umschreibt das platonische Weltbild der Künstlerin ebenso wie es einen Hinweis auf ihre Sicht der Erhabenheit der Natur gibt - eine Natur, die nicht nachzubilden, sondern deren Struktur nachzuempfinden ist, ganz im Sinne Cézannes mit seiner Malerei als „Schema parallel zur Natur“ oder Pollocks Aussage „I am nature“. „Hier in New Mexiko malte ich früher Berge, und ich dachte, meine Berge schauten wie Ameisenhügel aus. Als ich aus den Bergen New Mexikos hinausfuhr, sah ich die Ebene, und ich dachte: das ist es nur die Fläche. Wenn du eine Diagonale ziehst, die an beiden Enden ins Leere verläuft.“ ...mehr

Eine Göre im Kampf für die Emanzipation

„Sarah Lucas zahlt kräftig heim“


Sarah Lucas, Chicken Knickers, 1997

„Sie ist eine Code-Brecherin, eine Spielverderberin, eine Saboteurin und eine Spionin“, schreibt der „Village Voice“-Kritiker Jerry Saltz über Sarah Lucas. „Lucas ist eine dreckige Göre, deren unzweideutiges Werk roh, laut und schockierend ist. Es ist aber auch aussagekräftig und prägnant. In ihrer Kunst nimmt Lucas kein Blatt vor den Mund, sie macht aber nicht viele Worte. Sie kommt schnell auf den Punkt – und der hat in der Regel mit der Art und Weise zu tun, wie Frauen in der Gesellschaft gesehen und gezeigt werden. Sarah Lucas ist die Art Künstlerin, die nur redet, wenn sie etwas zu sagen hat. Sie hat keinen Stil per se, nur einen Kontext, den sie sich selbst geschaffen hat.“ ...mehr

Jørn Utzon

Der Architekt im Schatten der Oper von Sydney


Mit Jørn Utzon verhält es so, wie es häufig im Schlagergeschäft anzutreffen ist. Da hat jemand einen Hit, und kurze Zeit später versinkt der Interpret in der Versenkung. Taucht er mal wieder auf, geschieht es stets in Zusammenhang mit dem alten, einzigen Erfolg. Wohl kaum ein anderer Architektenname ist so eng mit einem Bauwerk verknüpft wie der von Jørn Utzon mit dem Opernhaus in der australischen Metropole Sydney. Nähere Details zum Leben des Baumeisters sowie zu weiteren Werken treten völlig in den Hintergrund. Will man sich informieren, ist man überrascht, wie wenig selbst in einschlägigen architekturhistorischen Übersichtsdarstellungen Utzon und sein Werk erwähnt geschweige denn gewürdigt werden. Selbst sein berühmtester Bau findet in vielen Monografien keinerlei Beachtung. Die Verleihung des Pritzker-Preises an Utzon im Jahr 2003 und wenige neue Publikationen werfen ganz sparsam einige Schlaglichter in das Dunkel, das den berühmten Baumeister und seine architektonischen Werke umgibt. ...mehr

Die Finalisten des "blueOrange 2004": Santiago Sierra

Ein Provokateur unter den Künstlern


Santiago Sierra, Spanischer Pavillon auf der Biennale, Juni 2003

Der üblicherweise uneingeschränkte Zutritt in das Innere des spanischen Ausstellungspavillons auf der Biennale in Venedig war durch eine Mauer aus schlecht wie schnell aufgemörtelten Steinen minderer Qualität versperrt. Auch Versuche, den Hintereingang zu benutzen, scheiterten. Uniformierte spanische Wachleute mit Sonnenbrillen kontrollierten jeden ähnlich wie bei einem Grenzübergang. Wer keinen spanischen Pass vorweisen konnte, musste draußen bleiben: Eine spanische Enklave inmitten des internationalen Ausstellungstourismus. Die unaufgeregt lockere Biennalestimmung in den venezianischen Giardini im Jahr 2003 wurde hier auf den Prüfstand gestellt. ...mehr

Die Finalisten des "blueOrange 2004": Eija-Liisa Ahtila

Gefühlvolle Minidramen


Eija-Liisa Ahtila, The House, 2002

Jung ist sie und hübsch, vielleicht von einer zerbrechlichen Schönheit. Wir begegnen ihr in einem Haus. Ohne einen weiteren Menschen zu sehen, hält sich die Frau trotz des warmen Sommerlichts in ihren blau-kühlen Räumen auf. Allein ist sie aber nicht. Sie hört Stimmen. Und diese Stimmen beeinträchtigen immer mehr ihre Wahrnehmung, beeinträchtigen die Zeit und den sie umgebenden Raum. Die Frau, deren Blick sich immer wieder in der Leere verliert, begibt sich in eine Isolation, um den Stimmen näher zu kommen. Sie verlässt die Realitäten um sich herum und tritt in die Welt der Stimmen ein, die nach ihren eigenen Gesetzen funktioniert. ...mehr

Die Finalisten des "blueOrange 2004": Francis Alÿs

Spaziergänger mit Vogelbotschafter



Was für andere zum obligatorischen Sonntag-Nachmittag-Programm gehört, wird bei Francis Alÿs zum Kunstobjekt. Seine künstlerische Karriere begann er mit Bildern, die er von Signaltafeln kopieren ließ. Doch bekannt wurde er mit seinen Spaziergängen. Seinen ersten "paseo" unternahm Alÿs 1991 in Mexiko City, der Stadt, in der er lebt und arbeitet. Begleitet wurde er dabei von einem magnetischen Hund auf Rädern, der sämtliche auf der Straße der Millionenstadt liegenden Metallstücke einsammelte. ...mehr

Johann Georg Grimm

Ruheloser deutscher Landschaftsmaler in Brasilien


Georg Grimm, Fazenda Recreio, 1881

Sein Name ist in Deutschland praktisch unbekannt, in den einschlägigen Lexika wird er nicht erwähnt, seine Bilder spielen auf dem deutschen Kunstmarkt keine Rolle. Und doch sind die Gemälde des deutschen Malers Johann Georg Grimm in Brasilien sehr gesucht. Und wenn, was selten genug vorkommt, eines seiner Landschaftsbilder bei einer Auktion zum Aufruf kommt, bewegen sich die Zuschlagpreise in luftigen Höhen. So beispielsweise im Mai 2001 bei Bolsa de Arte in Rio de Janeiro, als seine „Fazenda Recreio“ aus dem Jahr 1881 für umgerechnet rund 150.000 Dollar den Besitzer wechselte. ...mehr

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