geboren am 14. März 1853 in Bern, gestorben am 19. Mai 1918 in Genf Schweizer Maler
Der 1853 in Bern geborene Maler Ferdinand Hodler wurde schon in seiner Kindheit mit schwierigen Lebensverhältnissen konfrontiert. Neben der ärmlichen finanziellen Situation der Familie prägten Hodlers Kindheit auch die frühen Tode seiner Eltern. Sein Vater starb 1858, seine Mutter 1867. Auch neun seiner Geschwister und Stiefgeschwister verstarben früh. Bei seinem Stiefvater, dem Dekorationsmaler Schüpbach, geriet Hodler erstmals in Kontakt mit dem Handwerk der Malerei. 1867 ging er in die Lehre bei dem Dekorations- und Vedutenmaler Ferdinand Sommer-Collier in Thun, die er jedoch nach einer Meinungsverschiedenheit mit seinem Lehrer bald wieder abbrach.
1871 kam Hodler nach Genf, wo er sich sein Leben mühsam durch den Verkauf von Landschaftsveduten finanzierte. Hier begann die eigentliche Entwicklung seiner Kunst, vornehmlich unter dem Einfluss seines Lehrers Barthélémy Menn, der Hodler vom Eintritt in die Kunstschule von 1871 bis 1876 anleitete. Menn konnte ihn an die Kunst von Ingres, Delacroix, Courbet und Corot heranführen, auch Velasquez, Rembrandt, Rubens und Holbein haben Hodler beeinflusst. Eine Reise nach Spanien, die Hodler zwischen 1878 und 1879 unternahm, belebte sein Interesse an der Freilichtmalerei. Es entstanden Bilder wie die „Alpenlandschaft“ von 1882 oder das „Zwiegespräch mit der Natur“ von 1884.
Von 1874 bis 1895 nahm Hodler häufig an Kunstwettbewerben teil und wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. So triumphiert er beispielsweise 1876 mit dem Gemälde „Turnerbankett“ über die üblichen Historienbilder. 1890 vollzog Hodler mit dem Bild „Nacht“ einen Umbruch in seiner Kunst. Mit der „Nacht“ entfernte sich Hodler von der Plein-air Malerei und tat den entscheidenden Schritt zur Ideenmalerei, wodurch er gleichzeitig dem vorherrschenden Kunstverständnis seiner Zeit widersprach.
Kurz vor der Eröffnung des Genfer Frühjahrssalons wurde das Bild aus den Räumen entfernt, da es „gegen die guten Sitten“ verstoße. Hodler stellte die „Nacht“ daraufhin eigenständig aus – nicht nur in Genf, sondern auch in Paris, wo es bei der Société du Champs-de-Mars großen Anklang fand und in den Ehrenraum gehängt wurde. Auf der VII. internationalen Kunstausstellung bekam Hodler für die „Nacht“ eine Goldmedaille und auch 1899 fand das Bild in Venedig große Beachtung. Hodlers Abkehr vom Naturalismus, sein Hinneigen zu symbolistischen Inhalten, seine rhythmischen Flächenkompositionen, die Hodler selbst unter dem Begriff „Parallelismus“ zusammenfassen suchte, fanden Anregung in seinem Kontakt mit den Rosenkreutzern und den Farbtheorien der Neoimpressionisten. Die Betonung der Linie als Ausdrucksträger rückt Hodler auch in die Nähe des Jugendstils.
Hodlers Werk umfasst monumentale Wandbilder, in denen er sich mit den Möglichkeiten des Historienbildes auseinandersetzt, wie zum Beispiel „Der Rückzug von Marignano“ von 1898 bis 1900 oder „Auszug der Jenenser Studenten in den Freiheitskrieg“ von 1908 bis 1909, aber auch zahlreiche Landschaftsbilder, die seine Entwicklung über Pleinair und Impressionismus deutlich werden lassen, sowie ausdrucksstarke Porträts in expressiver Handschrift.
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