Die Kunst, online zu lesen.

Home


Kunst + Kapital

Analyse


Strategie


Kunstsponsoring


Kunstinvestment





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Das flanierende Paar / Max Stern

Das flanierende Paar / Max Stern
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Winterlandschaft, Blick von Hoflößnitz / Theodor Rosenhauer

Winterlandschaft, Blick von Hoflößnitz / Theodor Rosenhauer
© Döbele Kunst Mannheim


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Analyse

Bei den Kunstgalerien in Deutschland läuft es nicht gut. Das legt die aktuelle Studie des Berliner Instituts für Strategieentwicklung nahe. Dennoch sind sie für das Kunstsystem unerlässlich

Zwischen künstlerischer Vision und wirtschaftlicher Realität



Die Galerien in Deutschland spielen im Kunstsystem eine zentrale Rolle

Die Galerien in Deutschland spielen im Kunstsystem eine zentrale Rolle

Der Galerienmarkt in Deutschland kann sich nicht von globalen Entwicklungen absetzen und muss einen deutlichen Umsatzeinbruch hinnehmen. Laut der gestern vorgelegten Studie des Berliner Instituts für Strategieentwicklung (IFSE) sank der Gesamtumsatz der annähernd 700 professionell agierenden Galerien in Deutschland von etwa 890 Millionen Euro im Jahr 2020 auf rund 600 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Dabei verdienen etwa 59 Prozent der Firmen jährlich weniger als 400.000 Euro. Zum mittleren Segment bis zu einem Jahreserlös von 1,5 Millionen Euro gehören 28 Prozent, zum oberen, darüber liegenden Segment 13 Prozent. Damit folgt die Branche dem weltweiten Trend: Laut dem Art Basel & UBS Art Market Report lag das Umsatzvolumen des globalen Kunstmarkts im vergangenen Jahr bei 57,5 Milliarden US-Dollar, was einem Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Hergen Wöbken, der Autor der Studie, spricht daher von anspruchsvollen wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen die deutschen Galerien arbeiten: „Sie müssen künstlerische Vision und wirtschaftliche Realität täglich in Einklang bringen.“


Das IFSE, das nach 2013 und 2020 nun die dritte Galerienstudie für Deutschland veröffentlicht und dafür Fragebögen von 160 Galerien ausgewertet hat, ermittelte erstmals den Rohertrag einer Galerie als zentralen Indikator für die wirtschaftliche Stabilität. Dabei ergibt sich laut Wöbken ein aufschlussreiches, teils ernüchterndes Bild: Der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der Honorare für Künstler*innen sowie der unmittelbaren Produktions- und Transportkosten für Personal, Miete, Messen und nicht zuletzt für den eigenen Lebensunterhalt zur Verfügung steht, liegt durchschnittlich bei 30 Prozent, der Median fast gleichauf bei 32 Prozent. Dabei sei die Streuung enorm: Einige Galerien geben Rohertragsanteile von unter 10 Prozent an, andere von über 70 Prozent. Der Medianwert des Rohertrags beträgt 50.000 Euro, bezogen auf einen Medianumsatz von 300.000 Euro. Ein hoher Umsatz führt gemäß der Studie nicht automatisch zu einem hohen Rohertrag.

Nur 32 Prozent der Galerien verzeichnen gestiegene Einnahmen, während sich die Betriebskosten durch Mieten, IT oder Messebeteiligungen um 10 Prozent erhöht haben. Stabile Einnahmen sicherten sich Galerien, die mit etablierten Künstler*innen der Nachkriegszeit , der Moderne und der Alten Meister handeln; bei der zeitgenössischen Kunst hingegen fielen sie um 11 Prozent. Die Malerei bleibt unangefochten die zentrale Gattung des deutschen Galerienmarkts; mit 97 Prozent haben nahezu alle Unternehmen sie im Programm, zwei Drittel nennen sie als wirtschaftlich wichtigste Gattung. Hingegen spielen digitale Formate, NFTs oder KI-Kunst mit 5 Prozent nur eine Nebenrolle. Der Schwerpunkt des Umsatzes rangiert inzwischen stärker im mittleren und unteren Preissegment. In 39 Prozent der Galerien wird das meiste Geld mit Arbeiten zwischen 1.000 und 5.000 Euro erzielt, bei weiteren 30 Prozent im Bereich von 5.000 bis 10.000 Euro.

Die wichtigsten wirtschaftlichen Tätigkeitsfelder sind mit 91 Prozent vor allem der Verkauf von Kunst und mit 69 Prozent die Kunstberatung. Für die Wirtschaftlichkeit gaben die meisten Galerien deutlich an, dass der persönliche Kontakt und die Beziehungspflege zu Sammler*innen ökonomisch weiter trägt, als die Reichweite durch Soziale Medien, die zwar zu 88 Prozent betrieben werden, aber bei der wirtschaftlichen Wirksamkeit kaum eine Rolle spielen: Der Online-Verkauf in Deutschland ist gegenüber der letzten Erhebung auf 12 Prozent des Umsatzes gesunken und liegt deutlich unterhalb des internationalen Vergleichswerts von 22 Prozent. Nach eigenen Angaben erwirtschafteten Galerien rund 22 Prozent ihres Jahresumsatzes auf Kunstmessen. Somit rangiert Deutschland unter dem internationalen Vergleichswert von 31 Prozent. Dabei sind es eher die großen Galerien, die von Messen profitieren, die kleineren verzeichnen eher einen Umsatzrückgang.

Das IFSE nahm auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in den Blick. Belastungen finden sich in ungelösten politischen Fragen wie dem Geldwäschegesetz oder der steuerlichen Behandlung von Kunst. Als Erfolg wertet die Studie, dass für den Verkauf von Kunst seit diesem Jahr wieder der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent gilt, allerdings nicht für die Gattungen Fotografie, Video oder fotobasierte Drucktechnik. Diese „Differenzierung“ beruht auf einer überholten Definition im Zolltarif, die Kunstwerke nur dann als steuerbegünstigt einstuft, wenn sie „vollständig mit der Hand geschaffen“ sind. Diese Rechtsauffassung werde von vielen Galerien als willkürlich empfunden, mit unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen für die Sichtbarkeit und Vermittelbarkeit dieser Medien. Entsprechend fordern viele Galerist*innen bessere Rahmenbedingungen und Zugang zu Fördermitteln.

Die Galerien vertraten 2024 im Durschnitt sechszehn Künstler*innen, bundesweit also insgesamt rund 14.600 Künstler*innen. Nur 15 Prozent der Galerien können mehr als 30 Künstler*innen listen. Insgesamt sichern Galerien in Deutschland 3.000 bis 5.000 Arbeitsplätze in meistens kleinen Gruppen aus drei Beschäftigten. Etwa 10 Prozent der Galerien haben mehr als zehn Angestellte. Der Frauenanteil steigt weiter an: 39 Prozent der Galerieleitungen und 41 Prozent des Galerienprogramms sind weiblich. Prägend ist auch der Generationenwechsel, da 29 Prozent der Galerien eine Übergabe in den kommenden fünf Jahren planen, 20 Prozent sehen dies in etwa zehn Jahren anstehen. Dabei gestaltet sich die Suche nach Nachfolgern schwierig.

Trotz der wirtschaftlich schwierigen Bedingungen bleibt die kulturelle Reichweite der Galerienszene in Deutschland hoch. Sie veranstaltete 2024 mehr als 4.000 Ausstellungen und zog rund zwei Millionen Besuchende an. Gerade vor dem Hintergrund des deutlichen Rückgangs der Umsätze bezeichnet Hergen Wöbken das als „bemerkenswert“ und betrachtet Galerien als Teil eines evolutionären Modells des Kunstsystems, das in Wechselwirkung mit wirtschaftlichen, politischen und weiteren gesellschaftlichen Systemen steht. Galerien nehmen in diesem Kreislauf eine zentrale Rolle ein: Sie vermitteln zwischen Künstler*innen und Markt, Kunstbetrieb und Öffentlichkeit, schaffen Sichtbarkeit und tragen zur wirtschaftlichen Absicherung künstlerischer Arbeit bei. Diese Leistung beruht laut Wöbken auf gewachsenen Strukturen, die über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurden und den Galerien eine bemerkenswerte Stabilität verleihen.

Die gesamte Studie ist unter folgendem Link abrufbar:

ifse.de/Pdf/IFSE_Galerienstudie_III_2025.pdf



08.09.2025

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Variabilder:

Die Galerien in Deutschland spielen im Kunstsystem eine zentrale
 Rolle
Die Galerien in Deutschland spielen im Kunstsystem eine zentrale Rolle










Copyright © '99-'2026
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Kunst + Kapital

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce