Festspielhaus Hellerau wiedereröffnet Das Festsspielhaus gilt als das wichtigste Bauwerk der Gartenstadt Dresden-Hellerau. Nach zweijähriger Renovierung wurde das zwischen 1910 und 1912 von Heinrich Tessenow errichtete Gebäude heute mit einem Festakt wiedereröffnet. Damit hat das 2004 gegründete Europäische Zentrum der Künste Hellerau (EZKH) seinen zentralen Austragungsort erhalten. Das Festspielhaus ist das Herz der ehemaligen „Bildungsanstalt für Musik und Rhythmik“, die gemeinsam mit der sozialen Reformbewegung der Gartenstadt Hellerau und ihrer humanistischen Ideale zu Beginn des 20sten Jahrhunderts zahlreiche Künstler anzog. Neben den vor Ort tätigen Adolphe Appia und Emile Jaques-Dalcroze sind Besuche unter anderem von George Bernard Shaw, Serge Diaghilew, Max Reinhardt, Henry van de Velde, Oskar Kokoschka, Le Corbusier, Gerhart Hauptmann, Franz Werfel, Ferrucio Busoni oder Darius Milhaud verbürgt. Der erste Weltkrieg beendete schon 1914 kulturelle Leben in der Gartenstadt.
Heinrich Tessenow gestaltete das Festspielhaus als schlichten und zugleich monumentalen Bau. Die Fassade gliedern vier mächtige Pfeiler zwischen Eckpilastern. Darüber erhebt sich der spitze Dreiecksgiebel, der als Programm der Bildungsanstalt das Yin-Yang-Symbol trug. Nach dem Foyer und den beiden eleganten, seitlichen Treppenaufgängen öffnet sich der bühnenlose, weite Saal, der damals fortschrittlich die Trennung von Zuschauerraum und Bühne aufhob. Mit der Renovierung wurde jetzt der alte Orchestergraben wieder hergestellt. Ausgelegt ist der Zuschauersaal auf 500 Personen. Teile der von Tessenow geplanten eingeschossigen Logierhäuser, die den ausladenden Platz vor dem Festspielhaus locker schlossen, wurden schon 1939 von den Nationalsozialisten abgerissen und durch zweigeschossige Mannschaftsunterkünfte ersetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Anlage bis 1992 der Roten Armee. Nun soll das EZKH unter seinem Intendanten Udo Zimmermann das Festspielhaus wieder mit Leben erfüllen. So wird der der Choreograf William Forsythe morgen mit der deutschen Erstaufführung von „Human Writes“ sein neues Domizil beziehen. Danach folgen ab Ende September die „Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik“.
1908 initiierte der Unternehmer Karl Schmidt für seine expandierenden „Dresdener Werkstätten für Handwerkskunst“ und die nötigen Wohnungen für seine Arbeiter und Angestellten die erste deutsche Gartenstadt. Der Entwurf der Gesamtanlage basiert maßgeblich auf den Ideen von Richard Riemerschmid. Neben ihm und Tessenow beteiligten sich weitere renommierte Architekten der Moderne an Gebäuden der Gartenstadt, so Hermann Muthesius, Curt Frick, Bruno Paul, Wilhelm Kreis, Oswin Hempel, Theodor Fischer oder Erich Loebell. Mit öffentlichen und privaten Mitteln wurden bisher insgesamt rund zehn Millionen Euro in die Restaurierung Helleraus investiert. |