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Das flanierende Paar / Max Stern

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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Rheingauer Sammlung bei Nagel in Stuttgart

Inmitten klassizistischer Welten



Andrea Appiani d.Ä.,  Bildnis einer jungen Dame

Andrea Appiani d.Ä., Bildnis einer jungen Dame

Der Markt bestimmt, was Sache ist. Zur Zeit scheint der Klassizismus en vogue zu sein. Dies ist jedenfalls für die kommende Sonderauktion des Stuttgarter Versteigerers Nagel zu hoffen, die am 20. September die über sechshundert Positionen umfassende Privatsammlung fast ausschließlich klassizistischer Gegenstände der „Villa Hardt“ aus dem Rheingau auf den Markt wirft. Das Angebot ist in diesem Rahmen reichhaltig und bedient Kunden gebundener Kunst wie praktischer Einrichtungsgegenstände ebenso wie Freunde absoluter Malerei. Das Porzellan beispielsweise wartet mit einem umfangreichen Wiener Service mit mythologischen Szenen aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts auf (Taxe 10.500 EUR). Auch ein Pariser Kaffeeservice, wohl aus der Manufaktur Marc Schoelcher um 1820, entführt mit den Portraitmedaillons im Stil von Kameen in die griechisch-römische Götterwelt (Taxe 3.800 EUR). Dies setzt sich fort bei zwei amphorenartigen Vasen des Empire von Eduard Honoré um 1820, die auf dem lachsfarbenen Fonds Szenen mit Kriegern, Athleten, Musikern und Siegeskranz reichenden Frauen offenbaren (Taxe 1.200 EUR).


Die Skulpturensammlung besteht unter anderem aus mehreren Büsten berühmter Personen der Geschichte, wie Napoleon oder Kaiserin Joséphine, für bis zu 3.000 Euro. Dass bei einer solchen Kollektion auch die alten Römer nicht fehlen dürfen, versteht sich von selbst. Kaiser Augustus grüßt mit erhobenem Arm, fein nach dem Vorbild von Prima Porta in dunkle Bronze gegossen (Taxe 4.000 EUR). Auch Joseph Chinard bezog sich auf die Antike, dabei aber auf die Mythologie, und schuf 1785 einen bulligen Stier als Metapher für Jupiter. Die marmorne Arbeit mit originalem Ebenholzsockel samt Bronzebeschlägen ist ebenfalls auf 4.000 Euro angesetzt.

Auch die Möbel, Uhren und sonstigen Einrichtungsgegenstände, selten im oberen vierstelligen Bereich und des öfteren als Nachahmungen klassizistischer Produkte im späten 19. Jahrhundert aufgekommen, lassen in diese dezidiert klassizistische Vorstellungswelt eintauchen, die jetzt auseinanderbricht. Nur ein großer Empire-Tafelaufsatz Pariser Provenienz um 1820 sprengt mit seiner Taxe von 25.000 Euro den sonst eingehaltenen Preisrahmen. Neben architektonischen Aufbauten waren in der klassizistischen Uhrengestaltung erzählende Motive beliebt. So schildert eine fein ausgeführte Pariser Pendule um 1815 den Raub des Goldenen Vlieses vom heiligen Baum durch Jason. Geschickt hat der Modelleur hier den Kontrast von vergoldeter und dunkel patinierter Bronze eingesetzt (Taxe 6.000 EUR). Der ruhigen heimischen Muse steht die Pendule „La Liseuse“ nahe, die in Paris um 1810 nach einem Entwurf von Jean-André Reiche gefertigt wurde. Zeigt sie doch eine am Tisch in ihre Lektüre vertiefte junge Frau (Taxe 5.000 EUR).

Ein immerhin 217 Zentimeter langes Bett aus dem Empire mit Baldachin, auf dessen Mahagonifurnier vergoldete Bronzefestons und –füllhörner samt einer Viktoria und Amoretten auf Schmetterlingsfang blinken, stammt ebenfalls aus der französischen Hauptstadt dieser Zeit (Taxe 6.000 EUR). Ergänzt werden sie durch ein Paar Empire-Girandolen, bei dem wiederum eine Viktoria, diesmal in Braun, die sechsflammigen, goldenen Kerzenhalter trägt (Taxe 9.000 EUR), oder einen kristallenen Korblüster mit einem Reigen tanzender Jungfrauen für ebenfalls 9.000 Euro. Als Bodenbeläge oder Wandbehänge gibt es stilgerecht einige Aubussons, beispielsweise den „Tapis de Pied“ mit schlichtem Blumendekor um 1800 für 1.500 Euro oder die aufwendiger gestaltete Savonnerie mit Adlermotiven, Füllhörnern, Lorbeerzweigen und Musikinstrumenten für 4.000 Euro.

Am wichtigsten sind die rund sechzig Gemälde. Spitzenstück ist „Der Tod des Paris“, ein ganz in der Manier Jacques-Louis Davids gehaltener Historienschinken mit technisch beeindruckender Komposition, Lichtführung und Körperbehandlung, der dessen Schüler Anne Louis Girodet-Trioson in die Schuhe geschoben wird (Taxe 12.000 EUR). Eine Mänade, von einem ulkig dreinschauenden Satyr überrascht, stammt von Charles Meynier und erscheint ebenfalls so kalt wie in Stein gehauen (Taxe 10.000 EUR). Auch eine Frau tummelt sich in der von Männern dominierten Malerriege. Die 1775 in Conflans geborene Angélique Mongez hat sich dann aber doch einem eher weiblichen Thema zugewandt, nämlich der „Erziehung Amors“. Die 1852 datierte Leinwand schildert den kleinen Amor im Schoß des thronenden Zeus’ mit der beobachtenden Venus (Taxe 3.000 EUR).

Als Vertreter des italienischen Klassizismus gibt Andrea Appiani ein elegantes, kühles Damenbildnis um die Gunst der Bieter ins Rennen (Taxe 8.000 EUR). Marco und Sebastiano Ricci werden dann zwei zusammengehörige hochovale Bilder zugeschrieben, die als Ruinencapricci von Reitern, Herrschern, Soldaten und vornehmen Damen mit Dienerschaft bevölkert werden (Taxe je 8.000 EUR). Die deutsche Kunst dieser Zeit, weniger akademisch wirkend, wird durch Ferdinand Kobell mit sechs ihm zugewiesenen Flusslandschaften samt Tier- und Menschenstaffage vorgestellt, die einmal als Wandvertäfelungen einen Salon geschmückt haben dürften. Sie sollen jeweils 6.500 Euro kosten.

Die Versteigerung aufgrund einer Anordnung des Vollstreckungsgerichts beginnt am 20. September um 14 Uhr. Die Stücke der Auktion sind vom 15. bis 17. September von 11 bis 18 Uhr und am 18. September von 11 bis 20 Uhr zur Vorbesichtigung ausgestellt.

Kontakt:

Nagel Auktionen

Neckarstraße 189-191

DE-70190 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 649 69 696

Telefon:+49 (0711) 64 96 90

E-Mail: contact@auction.de



12.09.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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20.09.2006, Jubiläumsauktion: Privatsammlung aus dem Rheingau

Bei:


Nagel Auktionen

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Bett, Paris, um 1820
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Andrea Appiani d.Ä., Bildnis einer jungen Dame
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Angélique Mongez, Die Erziehung Amors, 1852
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Anne Louis Girodet-Trioson zugeschrieben, Der Tod des Paris
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wohl Manufaktur Schoelcher, Kaffeeservice, Paris um 1820
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 Paris, Tafelaufsatz, um 1820

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Taxe: 25.000,- EURO

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Marc Schoelcher, wohl Manufaktur Schoelcher, Kaffeeservice, Paris um 1820

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Taxe: 3.800,- EURO

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Anne Louis Girodet-Trioson, Anne Louis Girodet-Trioson zugeschrieben, Der Tod des Paris

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Taxe: 12.000,- EURO

Losnummer: 200

 Paris, Bett, um 1820

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Taxe: 6.000,- EURO

Losnummer: 388

 Paris, Pendule, um 1815

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Taxe: 6.000,- EURO

Losnummer: 352

Joseph Chinard,  Jupiter als Stier, 1785

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Taxe: 4.000,- EURO

Losnummer: 142

Ferdinand Kobell, Ferdinand Kobell zugeschrieben, Flusslandschaft mit einem Turm und Hirten

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Taxe: 6.500,- EURO

Losnummer: 241

Angélique Mongez,  Die Erziehung Amors, 1852

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Taxe: 3.000,- EURO

Losnummer: 213




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