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Marktberichte |
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Gemälde, Zeichnungen und Grafik bei Winterberg in Heidelberg  Rayskis Hase zum 200sten

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 |  | Ferdinand von Rayski, Hase im Schnee, 1875 | |
Ferdinand von Rayski, am 23. Oktober 1806 geboren und exakt 84 Jahre später gestorben, wird in diesem Jahr mit Ausstellungen unter anderem in Dresden und in wenigen Tagen auch in Würzburg gewürdigt. So ist es mit den Feierlichkeiten zum Jubiläum im Hintergrund sicher kein Zufall, dass die Sammlung Ludwig Blucke in Chemnitz zur fast auf den Tag genau zweihundert Jahre nach Rayskis Geburt stattfindenden Auktion von Gemälden, Zeichnungen und Grafik beim Heidelberger Versteigerer Winterberg eines seiner schönen Tierbilder einliefert. Der „Hase im Schnee“, 1875 für den bekannten und von Rayski mehrmals portraitierten Kurt Graf von Einsiedel festgehalten, befand sich seit 1931 im Besitz Bluckes. Nun soll die Bieterschar die ebenso präzise wie stimmungsvolle Momentaufnahme – mitten im Schnee stößt der Betrachter plötzlich auf das einsame Tier – zum Geburtstag mit mindestens 12.000 Euro würdigen.
Wie gewohnt hat Winterberg für seine Herbstauktion am 28. Oktober ein umfangreiches Programm vor allem mit Grafiken aller Art, aber auch dezidiert künstlerischen Zeichnungen und Gemälden zusammengetragen. Zu ersteren gehören einige Atlanten, zum Beispiel ein Fragment des „Ander Theil Novi Atlantis“ von etwa 1634/35 für geschätzte 19.000 Euro, und einzelne Karten wie eine „Himmelkugel in sechs Karten abgebildet“ nach Vorlagen von Ignace Gaston Pardies in der deutschen Ausgabe von 1789 (Taxe 8.500 EUR). Eine „Warhafftige Contrafactur der heiligen Römischen Reichs Freistat Regenspurg“ als Holzschnitt von 1598 nach Franz Kirchmaier ist vielleicht für 4.000 Euro zu haben.
Knapp zwanzig Arbeiten Albrecht Dürers sind im Angebot, berechnet mit bis zu 4.200 Euro beispielsweise für den Stich „Vier Engel, die Winde aufhaltend“ aus der Apokalypse von 1496/98. Der zweite große Meister dieser Gattung ist Rembrandt. Sieben seiner Radierungen stehen für Bewertungen bis zu 9.800 Euro, hier auf einen Zeichner bezogen, der um 1641 bei Kerzenschein sein Können an einer Frauenbüste erprobt, zur Disposition. Gleich mehrere Namen verbinden sich mit vier zusammengehörigen Ansichten St. Petersburgs von 1753: Giuseppe Valeriani schuf die Wanddekorationen, nach denen sie mutmaßlich erstellt wurden, Mikhail Ivanovitsch Makhaev erstellte die Vorlagen, und einige Techniker machten sie als Radierungen der Allgemeinheit zugänglich. Jede soll 7.800 Euro kosten.
Auch mehrere Miniaturen sind im Angebot, die Weihnachtsdarstellung (Taxe 6.500 EUR) und als schmucke Initialen die Auferstehung und das Pfingstwunder auf zwei Notenblättern aus einem Kölner Graduale der Zeit um 1500 (Taxe 12.500 EUR). Unter den Zeichnungen sind die zwölf Apostel in sechs Paaren interessant, die möglicherweise Gottfried Bernhard Göz 1769 wahrscheinlich als Ausmalungsentwürfe für Zwickel in einer Gewölbearchitektur geschickt aufs Papier warf (Taxe 2.400 EUR). Studien religiösen Inhaltes der Zeitgenossen Januarius Zick und Paul Troger ergänzen die Offerte des 18. Jahrhunderts (Taxe 4.200 und 5.800 EUR).
Das Hauptwerk der Gemälde Alter Meister ist eine Madonna, eine kleine Holztafel, die wegen der bescheidenen Anmut der Mutter und des Detailreichtums der Landschaft im Hintergrund in Zusammenhang mit Lucas Cranach d.Ä. gebracht wird, jedoch nicht dessen technische Brillanz und Bewältigung des Räumlichen erreicht und als Werkstattarbeit um 1520 gilt. Die Taxe von 32.000 Euro dürfte auch wegen des mäßigen Erhaltungszustandes nicht zu niedrig sein. Anfang Oktober erreichte beim Wiener Auktionshaus Dorotheum die selbe Darstellung, aber in höherer malerischer Qualität und besserer Erhaltung 95.000 Euro.
Wohl aus dem Umkreis Dürers stammt eine kleine Holztafel mit der Grablegung Christi, die vor allem die Farbenlehren des großen Nürnbergers regelgerecht umsetzt (Taxe 9.800 EUR). Weiterhin ist ein Kaffeekränzchen einiger um einen runden Tisch in guter Stube sitzender Damen mit einer Lautenspielerin erwähnenswert, das dem in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts lebenden Haarlemer Richard Brakenburgh zugeschrieben wird (Taxe 6.800 EUR). Um eine Werkstattarbeit Frans Franckens d.J. dürfte es sich bei einer etwas altersschwachen Anbetung der Hirten im Oval handeln (Taxe 7.800 EUR). Mit 1785 datiert ist eine Schweizer Seenlandschaft mit weitem Horizontblick zwischen hohen Bergen. Die Signatur „Dalberg“ gibt aber vorerst keinen konkreten Künstler preis (Taxe 6.800 EUR).
Die folgenden rund 240 Katalognummern gehören dem 19. Jahrhundert. Eine im Wortsinn großartige Landschaft, die im Breitformat die Bucht von Neapel von den Cumaeischen Feldern mit den gewaltigen Bergen der Inseln Procida, Ischia und Capri im Hintergrund zeigt, wird aus stilistischen Gründen Carl Blechen zugeschrieben, der sich 1829 dort aufhielt (Taxe 15.000 EUR). Blechens Sehnsucht nach dem mediterranen Klima könnte auch August Löffler verspürt haben, als er um 1849 Kairo von den Anlagen des Ibrahim Pascha aus wiedergab, mit reichlich Palmen und viel Licht (Taxe 4.200 EUR). Der Monumentalität eines Findlings in einer Friedrichschen Waldlandschaft widmete sich gegen 1826/28 Georg Heinrich Crola (Taxe 8.500 EUR). Drei konventionelle Stadtansichten Karl Weyssers, ein bisschen in Spitzweg-Manier, sind zwischen 4.800 bis 8.500 Euro wert.
Christian Morgenstern verkörpert in seiner romantischen Landschaft mit Hirschen an einem Teich im Abendlicht von 1843 die Tradition der Münchner Malerschule im Gefolge Carl Rottmanns (Taxe 9.500 EUR). Im Stimmungsgehalt ähnlich ist Russell Smiths Landschaft mit zwei Rastenden an einem Fluss, doch entstand das Ölgemälde jenseits des großen Teiches „im Staate Washington“, wie es heißt (Taxe 5.400 EUR). Die figürliche Malerei repräsentiert das Titellos der Auktion, Jacques François Momals Allegorie auf die Poesie und Musik, am signifikantesten, ein blasses Aquarell der Napoleonzeit um 1805 (Taxe 4.800 EUR). Zu den ambitioniertesten Künstlern der Offerte gehört Wilhelm Trübner. 6.400 Euro verlangt sein stehender Kürassier in Rückenansicht, eine kraftvolle Ölmalerei von 1899, die ganz in die Zeit des deutschen Impressionismus passt. Außerdem gibt es wie schon im Mai dieses Jahres wieder eine seiner Variationen des Parks Knorr am Starnberger See mit Blick auf Schloss Berg von 1908 (Taxe 19.500 EUR).
Zu den bedeutenden Österreichern gehörte Josef von Führich, der mit einer typisch nazarenischen, etwas sterilen Zeichnung der Beschneidung Christi vertreten ist (Taxe 7.500 EUR). Etwas aufgelockert ist eine weißgehöhte Bleistiftzeichnung der den Heiland salbenden Sünderin Maria Magdalena von 1832, die Eduard Jakob von Steinle in die Schuhe geschoben wird (Taxe 4.800 EUR). Mit einem Schätzpreis von 22.500 Euro ganz auf auswärtiges Publikum zugeschnitten ist eine flüchtige Federzeichnung „Indians“ des Amerikaners Alfred Jacob Miller von 1854.
Mehr als die Hälfte des Angebots wird von Kunst des 20. Jahrhundert bestritten. Bekannte Grafiker und Zeichner wie Edvard Munch (Taxe 7.200 EUR), einige Grafiken Georges Braques und Marc Chagalls für bis zu 5.800 Euro, Otto Dix mit späten Pastellen für bis zu 4.500 Euro, Conrad Felixmüller mit einer Mappe von sieben expressionistischen Holzschnitten (Taxe 7.500 EUR), George Grosz in einer steifen „Konferenz“ (Taxe 9.500 EUR) und Georg Tappert (Taxe 5.400 EUR) sind keine Seltenheit. Mit die höchsten Taxen tragen drei Lithografien des „Brücke“-Angehörigen Otto Mueller. Zwischen 19.800 und 22.500 Euro erwartet man für seine eindringlichen Mädchenbilder, 1919 bis 1924 teilweise als Portraits, teilweise als Akte festgehalten. Natürlich ist auch Pablo Picasso zu finden, unter anderem mit einer kindlichen Umdrucklithografie „Personnage assis et personnage couché“ von 1952/60 (Taxe 12.500 EUR).
Max Ernst soll mit zwei Lithografiekonvoluten punkten, seinen Illustrationen zu Patrick Waldbergs „Aux petits Agneaux“ aus dem Jahr 1971 (Taxe 12.500 EUR) und einer Separatsuite zur Vorzugsausgabe von Georges Ribemont-Dessaignes’ „La Ballade du Soldat“ von 1972 (Taxe 12.800 EUR). Von der Literatur profitiert auch Aristide Maillol: 14 Holzschnitte und zwölf Lithografien umfasst seine Mappe zu Ovid, ergänzt durch mehrere Separatmappen mit weiteren Grafiken, alles aus dem Jahr 1935 (Taxe 14.800 EUR). Alberto Giacometti beeindruckt mit einer raschen und überwältigend treffsicheren Zeichnung seiner Selbst im Spiegel (Taxe 5.400 EUR). In dieser Abteilung findet sich auch endlich das Hauptlos, obwohl die Datierung 1886/87 eigentlich noch ins 19. Jahrhundert verweist. Lovis Corinth wird offenbar als so wegweisend angesehen, dass er schon zur Moderne gehören soll. Sein verführerisches Aktbildnis einer ruhenden Frau gehört aber ganz in die Tradition des französischen und deutschen Historismus, den Corinth erst später überwand, und wirkt fast ein wenig salonhaft. 56.000 Euro verspricht sich das Auktionshaus als Erlös.
Den Einfluss des Leibl-Kreises verrät Albert Haueisen in einem Stillleben mit Ente, Messer und Suppenterrine von 1903 (Taxe 4.500 EUR), die malweise Ferdinand Hodlers macht sich in einem weiblichen Rückenakt desselben Malers circa zehn Jahre später bemerkbar (Taxe 6.400 EUR). Konstruktivistische Tendenzen verfolgte der Kölner Gottfried Brockmann, wie die 1924 in jungen Jahren angelegte Zeichnung einer Frau beim Abwasch zeigt (Taxe 3.400 EUR). Unter den Altmeistern des Expressionismus ist Karl Hofer nennenswert, dessen Ölgemälde eines sitzenden und eines stehenden weiblichen Aktes immerhin 1930 noch relativ früh entstanden ist, aber schon die typischen Merkmale seiner späteren Aktmalerei birgt (Taxe 32.000 EUR).
Die Auktion beginnt am 28. Oktober um 9 Uhr. Die Vorbesichtigung findet noch bis zum 24. Oktober täglich von 9 bis 12:30 Uhr und 14 bis 17:30 Uhr, am 25. Oktober zusätzlich bis 19:30 Uhr und am Samstag und Sonntag von 10 bis 13 Uhr statt. Der Katalog ist im Internet unter www.winterberg-kunst.de abrufbar.
|  | Kontakt: Winterberg Kunst Hildastraße 12 DE-69115 Heidelberg |
 | Telefon:+49 (6221) 915 990 | Telefax:+49 (6221) 915 99 29 |  |  | E-Mail: info@winterberg-kunst.de |  | Startseite: www.winterberg-kunst.de |
20.10.2006 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 16 | Seiten: 1 • 2
 Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (14) |  | •  | Bei: Winterberg Kunst
|  | •  | Bericht: Corinths hageres Mädchen
|  | •  | Kunstwerk:  Otto Mueller, Mädchen auf Liege, 1919 |  |  | •  | Kunstwerk:  Albert
Haueisen, Stillleben mit Ente, Messer und Suppenterrine, 1903 |  | •  | Kunstwerk:  Lovis Corinth, Ruhender weiblicher Akt, 1886/87 |  | •  | Kunstwerk:  Wilhelm Trübner, Park Knorr am Starnberger See, 1908 |  |  | •  | Kunstwerk:  Eduard
Jakob von Steinle zugeschrieben, Maria Magdalena salbt Jesus, 1832 |  | •  | Kunstwerk:  Christian Morgenstern, Romantische Landschaft mit Hirschen an einem Teich, 1843 |  | •  | Kunstwerk:  Carl Blechen zugeschrieben, Bucht von Neapel, 1829 |  |  |
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 Albert Haueisen,
Stillleben mit Ente,
Messer und
Suppenterrine, 1903 |  | Taxe: 4.500,- EURO Losnummer: 890 |  |  |  |  |  | 
 Lovis Corinth,
Ruhender weiblicher
Akt, 1886/87 |  | Taxe: 56.000,- EURO Zuschlag: 37.500,- EURO Losnummer: 724 |  |  |  |  |  | 
 Eduard Jakob von
Steinle
zugeschrieben,
Maria Magdalena
salbt Jesus, 1832 |  | Taxe: 4.800,- EURO Losnummer: 506 |  |  |  |  |  | 
 Carl Blechen, Carl
Blechen
zugeschrieben,
Bucht von Neapel,
1829 |  | Taxe: 15.800,- EURO Zuschlag: 12.000,- EURO Losnummer: 312 |  |  |  |  |  | 
 Paul Troger, Paul
Troger
zugeschrieben,
Moses und die eherne
Schlange |  | Taxe: 5.800,- EURO Losnummer: 294 |  |  |  |  |  | 
 Christian
Morgenstern,
Romantische
Landschaft mit
Hirschen an einem
Teich, 1843 |  | Taxe: 9.500,- EURO Zuschlag: 9.000,- EURO Losnummer: 440 |  |  |  |  |  | 
 Otto Mueller,
Mädchen auf Liege,
1919 |  | Taxe: 22.000,- EURO Losnummer: 1148 |  |  |  |  |  | 
 Richard
Brakenburgh,
Richard Brakenburgh
zugeschrieben,
Musikalisches
Damenkränzchen |  | Taxe: 6.800,- EURO Losnummer: 119 |  |  |  |  |  | 
 Miniatur, Köln, um
1500 |  | Taxe: 12.500,- EURO Losnummer: 177 |  |  |  |  |  | 
 Rembrandt,
Rembrandt, Der
Zeichner, 1641 |  | Taxe: 9.800,- EURO Losnummer: 200 |  |  |  |  |  | 
 Himmelskarten,
Nürnberg, 1789 |  | Taxe: 8.500,- EURO Losnummer: 3 |  |  |  |  |  | 
 Lucas Cranach d.Ä.,
Werkstatt Maria
reicht Jesu einen
Teller mit Kirschen,
um 1520 |  | Taxe: 32.000,- EURO Zuschlag: 16.000,- EURO Losnummer: 127 |  |  |
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