Richters „Tante Marianne“ geht als Leihgabe nach Dresden Gerhard Richters „Tante Marianne“ kommt als Leihgabe in die Galerie Neuer Meister nach Dresden. Das gab gestern der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Martin Roth, bekannt. Das Ölgemälde aus dem Jahr 1965 ist erst am 21. Juni bei Sotheby’s in London für 1,9 Millionen Pfund, umgerechnet rund 3,1 Millionen Euro, versteigert worden. Auch Martin Roth hatte sich im Vorfeld der Versteigerung dafür eingesetzt, das Werk für Dresden zu erwerben, was allerdings in der Kürze der Zeit und angesichts des hohen Preises nicht möglich war. Bei einem Treffen in Taiwan konnte er nun den Käufer von der Bedeutung des Gemäldes für Dresden überzeugen. Ab März 2007 wird es im Interimsquartier der Galerie Neuer Meister, der Sempergalerie am Zwinger, bis auf weiteres zu sehen sein.
Nach einer Fotografie aus dem Jahr 1932 malte sich der gebürtige Dresdener Gerhard Richter als vier Monate altes Baby auf dem Schoss seiner damals 14jährigen Tante Marianne Schönfelder. In dem scheinbar harmlosen Bild kulminiert konkretes persönliches Schicksal mit deutscher Geschichte. Diagnostizierte man doch bei Marianne Schönfelder wenige Jahre nach der Fotoaufnahme Schizophrenie. Darauf hin wurde sie zwangssterilisiert und in die Psychiatrie eingewiesen. Im Februar 1945 starb sie als eines von fast 8.000 Euthanasie-Opfern in einer Anstalt der Nationalsozialisten. |