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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Resultate: Kunst und Antiquitäten bei Nagel in Stuttgart

Königlich geadelte Provenienzen



 Kaiserliche Porzellanmanufaktur St. Petersburg, Kaiserliche Porzellanmanufaktur St. Petersburg, Paar Prunkvasen mit Landschaftsmalerei, um 1850

Kaiserliche Porzellanmanufaktur St. Petersburg, Kaiserliche Porzellanmanufaktur St. Petersburg, Paar Prunkvasen mit Landschaftsmalerei, um 1850

Prunkvoll und mit schönen Motiven bemalt müssen sie sein – und russische Kundschaft wird bei Ware aus der Heimat in Begeisterung ausbrechen. So ging es einem Paar Vasen, die um 1850 in der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur St. Petersburg vom Band liefen. Allseits ornamental matt oder glanzvergoldet, lassen sie nur auf der Vorderseite des Korpus jeweils ein großes Rechteckfeld frei, das der Maler Alexander Tychagin I. mit Landschaftsdarstellungen nach Vorlage deutscher und französischer Meister des 18ten Jahrhunderts, unter anderem Christian Wilhelm Ernst Dietrich, versah. Auf der Versteigerung von Kunst und Antiquitäten, die vom 6. bis 8. Dezember im Stuttgarter Auktionshaus Nagel stattfand, waren die fast neunzig Zentimeter hohen Stücke mit 150.000 Euro veranschlagt. Damit gaben sich die Bieter längst nicht zufrieden, erst bei 630.000 Euro wurde der Sieger die lästige Konkurrenz los.



Russisches Kunsthandwerk punktete noch einige weitere Male. Ein Fotoalbum mit feiner Silberplatte als Rennpreis der Rallye Leninigrad-Tiflis-Moskau 1925 aus der Moskauer Werkstatt Chlebnikows verdoppelte sich auf 9.000 Euro, stattliche 45.000 Euro beanspruchten zwei Kosaken, eine schlichte Bronzeplastik aus dem 19ten Jahrhundert (Taxe 3.000 EUR). Lediglich ein Paar Prunktafelaufsätze aus dem Wappenservice Kaiserlichen Porzellanmanufaktur St. Petersburg von etwa 1855/81 wurde bei 80.000 Euro unter Vorbehalt zugeschlagen, weil 10.000 Euro fehlten. Ohnehin kann sich Nagel mit der Auktion zufrieden geben. 70 Prozent prangten als losbezoge Zuschlagsquote, wenngleich etliches nur unter Vorbehalt vergeben wurde, so dass ein Nettoergebnis von 52 Prozent herauskam. Viele der hochgehandelten Objekte wechselten den Besitzer.

Von den 37 grafischen Arbeiten wurden zwanzig verkauft, fünf davon vorsorglich mit Rückfahrschein. Auf 3.000 Euro versechsfachte sich der Preis für ein Ludovico Cardi zugeschriebenes Blatt, das Apoll mit Pegasus und zwei Amoretten auf dem Parnass zeigt. 4.500 Euro gab es für die weiß gehöhte Bleistiftzeichnung eines franko-flämischen Meisters, der Hermes und Zeus bei Philemon und Baucis wiedergibt (Taxe 1.000 EUR). Johann Elias Ridingers Pferdestudie, eine Federzeichnung in Braun datiert auf 1722, stieg von 1.000 Euro auf 2.400 Euro. Vorbehaltliche 4.700 Euro wurden für Rembrandts Radierung „Der kleinen Löwenjagd“ von etwa 1632 ausgegeben (Taxe 5.200 EUR). Von 3.000 Euro auf 14.000 Euro kletterten Jacques Philippe LeBas’ zehn kolorierte Radierungen aus der Folge „Les Ports des France“, die um 1760/67 nach Ideen Joseph Vernets entstanden. Ohne Verehrer blieb dagegen die orientalische „Tänzerin mit Tamburin“ von Cesare Biseo (Taxe 10.000 EUR).

Die Gemälde Alter und Neuerer Meister fanden zu etwa 73 Prozent Eingang in neue Sammlungen, gute 60 Prozent waren es abzüglich der vorläufigen Zuschläge. Unter den nicht wenigen erheblichen Preissteigerungen ist ein hoch aufgehäuftes Früchtestillleben der pfälzisch-kurfürstlichen „Kabinettmalerin“ Catharina Treu zu nennen, das sich von 800 Euro auf 5.000 Euro entwickelte. Ihr Zeitgenosse Johann Amandus Winck machte sich mit zwei reichhaltigen Blumenstillleben von 1796 bemerkbar, die sich erst bei 26.000 Euro mitnehmen ließen (Taxe 8.000 EUR). Ein an der venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts orientierter „Selbstmord der Lukretia“, der dem aus der Schweiz stammenden Würzburger Hofmaler Johann Rudolf Byss zugeschrieben wird, nahmen die Bieter bei 2.800 Euro mit (Taxe 2.000 EUR).

Keinen Abnehmer fand eine fröhliche Gesellschaft dreier Männer und einer Frau, die sich im 17ten Jahrhundert im Gefolge Frans Hals’ vergnügt (Taxe 15.000 EUR). Auch das mit 150.000 Euro wohl von Vornherein zu hoch angepriesene, reichlich rückschrittliche Altarbild Saverio dalla Rosas mit der Anbetung der Gottesmutter aus dem 18ten Jahrhundert wollte niemand haben. Nur unter Vorbehalt erfolgte die Vergabe eines Tiroler Gnadenstuhls aus dem späten 15ten Jahrhundert, weil für die vorgesehenen 9.000 Euro 500 Euro fehlten.

Höhepunkt bei den Malern des 19ten Jahrhunderts war Carl Spitzwegs türkisches Kaffeehaus mit zwei gemütlich rauchenden Osmanen. Der Schätzpreis, mit dem Nagel nur auf Anfrage herausrückte, schlug sich in einem Ergebnis von moderaten 57.000 Euro nieder. Eine weitere Größe der Zeit, Ferdinand Georg Waldmüller, hatte mit dem detailgetreuen Biedermeierbildnis einer eleganten Dame im schwarzem Kleid dagegen kein Glück (Taxe 18.000 EUR). 1.000 weniger als die erhofften 14.000 Euro schaffte Franz Richard Unterbergers lichtvoller Blick auf die Bucht von Amalfi mit zwei Mönchen auf einer Terrasse im Vordergrund. Von 900 Euro auf 7.500 Euro schoss Teodoro Duclères heitere, süditalienische Landschaft mit Landleuten an einem Brunnen. Kein Glück hatten Josef Eberl mit der 1857 lieblich wiedergegebenen Süditalienerin mit ihrem Kind im Garten (Taxe 8.000 EUR) und Jean-François Demay, der das Heidelberger Schloss als Kulisse für eine Wallfahrt genutzt haben soll (Taxe 12.000 EUR).

73 Prozent der Möbel und Einrichtungsgegenstände zogen um, darunter besonders erfolgreich ein paar Uhren. Eine Pariser Pendule aus Porzellan der Zeit um 1800 mit geweißten Darstellungen aus der antiken Mythologie auf goldenem Grund steigerte sich von 2.500 Euro auf 8.500 Euro. 10.000 Euro gab es für eine Amsterdamer Bodenstanduhr mit einer Mondphasenwerk von Gerrit Ter Vooren (Taxe 3.500 EUR), 11.000 Euro für eine hohe Barockuhr aus Deutschland oder England mit einem Werk von Stephen Rimbauld (Taxe 10.000 EUR).

Auf besonderes Interesse stieß ein sechsflammiger Leuchter nach Entwurf Karl Friedrich Schinkels aus der Zeit um 1820/30, der denn auch seinen Schätzpreis von 3.300 Euro weit hinter sich ließ und bei 23.000 Euro landete. 8.000 Euro unter Vorbehalt waren das Ergebnis für ein fünfteiliges klassizistisches Ameublement aus dem Baltikum oder Russland von etwa 1830 (Taxe 9.500 EUR). Ansonsten betrafen einige Preissteigerungen konventionelle Möbel wie eine westdeutsche Barockkommode von etwa 1740/50, die von 3.000 auf 7.500 Euro hochging, einen etwa gleichzeitigen süddeutschen Tabernakelaufsatzsekretär, der bei 10.000 Euro reüssierte (Taxe 2.800 EUR), und einen schönen Biedermeierschrank, der mit 800 Euro jedenfalls zu niedrig angesetzt war und auf 4.800 Euro stieg.

Sonstiges Kunsthandwerk fand zu gut 64 Prozent einen Abnehmer, allerdings nur knapp 45 Prozent mit Sicherheit. Außer den russischen Glanzstücken wurden eher moderate Preise erzielt, von wenigen Ausnahmen wie der italienischen Porzellanplastik eines Pierrots mit Affen aus dem 19ten Jahrhundert abgesehen, die sich bis auf 31.000 Euro hochkämpfte (Taxe 2.000 EUR). Die Meißner Figurengruppe mit der Illustration der herkuleischen Heldentaten blieb dagegen beim Vorbesitzer, vielleicht auch deshalb, weil der nicht ganz unwichtige Umstand ungeklärt blieb, ob die Plastik aus dem 18ten oder aus dem 19ten Jahrhundert stammt (Taxe 16.800 EUR).

In der Abteilung Silber wurde ein fünfteiliger Satz schwedischer Leuchter des späten Rokoko um 1770 vorbehaltlich um 17.000 Euro neu zugewiesen (Taxe 18.000 EUR). Vasen der Firma Lötz Witwe fanden wieder besonderen Anklang, allerdings kann man 1.200 Euro für eine mit silbergelben Fäden verzierte Vase und hellgrünen Verschmelzungen auf orangem Fond nicht anders denn als Lockangebot bezeichnen. Das Exemplar von 1902 verließ erst bei 16.000 Euro das Haus. 8.000 Euro waren es bei einer anderen Jugendstilvase der selben Zeit und Firma (Taxe 600 EUR).

Die Sonderauktion mit Beständen aus württembergischen und anderem adligen Besitz fand mit 70 respektive 52 Prozent Zuschlagsquote einen würdigen Beschluss. Ein Empire-Stellschirm für König Wilhelm I. von Johannes Klinckerfuß mit einer Stickerei der Königin Charlotte Mathilde höchstpersönlich von etwa 1810/20 wurde bei 22.000 Euro vorläufig übernommen (Taxe 25.000 EUR). Klinckerfuß zeichnete auch für ein rundbogiges Spiegelgestell verantwortlich, das nur 18.000 Euro erreichte (Taxe 25.000 EUR). Aus dem Arbeitszimmer der Villa Marienwald in Ludwigsburg stammt ein historistisches Ensemble aus Schreibtisch, Stuhl und Aktenschrank, das 5.500 Euro einfuhr (Taxe 5.000 EUR).

Für Überraschungen sorgte die Abteilung Kinderspielzeug. Märklin-Fans überboten sich für eine große Feuerwehrstation von etwa 1900 für ihre heimischen Eisenbahnen soweit, bis der Sieger schließlich 55.000 Euro auf den Tisch blättern musste (Taxe 3.500 EUR). 6.000 Euro waren das Ergebnis für einen Speisewagen derselben Firma (Taxe 900 EUR). Wohl Meißner Herkunft ist eine Porzellanplastik aus dem 19ten Jahrhundert, die eine noch immer ungedeutete Persiflage darstellt: Einen Schneider auf einem Ziegenbock. Er ritt jetzt bei 8.500 Euro davon (Taxe 500 EUR). Ansonsten waren in der Auktion auch Gebrauchsgegenstände sehr gefragt, so ein fein besticktes Nähetui der Herzogin Vera von Württemberg, das seinen Wert auf 25.000 Euro verfünffachte.

Ferner gab es einige Gemälde zu ersteigern, darunter eine Gemeinschaftsarbeit der Gebrüder Hermann und Franz Xaver Winterhalter mit der Darstellung der Zarin Alexandra Feodorowna von Russland. Aber niemand wollte die gute Dame zu sich nach Hause einladen (Taxe 8.000 EUR). Ganz allein von letzterem stammt ein Portrait des Prinzen Karl von Württemberg in Uniform, der vorbehaltlich für 18.000 Euro andere Gesellschaft fand (Taxe 20.000 EUR). 8.500 Euro verbuchten Anakreon und seine Geliebte in einer Version Wilhelm von Kaulbachs für sich, die einst im Wilhelmspalais in Stuttgart hing (Taxe 5.000 EUR). Aus dem Besitz des Finanzministers Johann Christoph Herdegen stammen die zusammengehörigen Portraits seiner Selbst und seiner Frau, die Gottlob Wilhelm Morff anfertigte. 17.000 Euro dürften zur Zufriedenheit des Vorbesitzers nicht ganz gereicht haben (Taxe 20.000 EUR). Ganz ohne Abnehmer blieb Ferdinand Kobells Portrait Alexander Freiherr von Bowinghausen-Wallmerode als Generalfeldmarschall zu Pferde (Taxe 10.000 EUR). Alle Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Nagel Auktionen

Neckarstraße 189-191

DE-70190 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 649 69 696

Telefon:+49 (0711) 64 96 90

E-Mail: contact@auction.de



18.01.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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