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Ergebnisse: Zeitgenossen bei Sotheby’s in London

Ein neuer Star am Kunsthimmel



Fotografie und Kunst gehen in Peter Doigs Kunst Hand in Hand, ein „Fotorealist“ ist er gleichwohl nicht. Die Dschungelimpression des 1959 geborenen Künstlers mit weißem Kanu aus den Jahren 1990/91 geht auf eine Filmaufnahme von 1980 zurück, die der amerikanischen Fernsehserie „Friday the 13th“ entnommen ist. Die malerische Umsetzung des Motivs durch Doig ist im Wortsinne fulminant. Denn wie Blitze zucken die weißen Lichtreflexe durchs Bild, spiegeln sich die Bäume auf der scheinbar eisglatten Wasseroberfläche. Doch gleichzeitig löst sich alles in einem Wirrwarr von Farbfragmenten auf, aus denen Bruchstücke von Ästen, Blättern, Wasser und Ufern hervorblitzen. Mittendrin ruht stoisch das schneeweiße Boot auf seinem eigenen Spiegelbild. Doig ist der neue Star der Auktionsszene. Das bewies die Auktion „Contemporary Art“ am Mittwoch bei Sotheby’s in London: Nachdem der bisherige Rekord vom Juni letzten Jahres noch bei 1 Millionen Pfund lag – für einen Künstler seines Alters freilich auch schon stattlich –, schoss sein Marktwert jetzt völlig unerwartet in die Höhe. Auf 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund war das Gemälde angesetzt. Erst bei 5,1 Millionen Pfund schlug das Hämmerchen von Chefauktionator Tobias Meyer schließlich auf Pult – Rekord für Künstler und Auktion.



Von den 79 angebotenen Werken großteils lebender Künstler konnte Sotheby’s 64 unter die reichen Leute bringen und brutto knapp 46 Millionen Pfund einnehmen – ein Umsatzrekord für zeitgenössische Kunst in Europa, der tags darauf aber gleich von Erzrivale Christie’s mit gut 70 Millionen Pfund getopt wurde. Amerikanische und englische Künstler dominierten. Das eigentliche Hauptlos der Auktion, Roy Lichtensteins Pop Art-Stillleben mit Fischen, Buch und Austern, beanspruchte mit einem Erlös von 2,4 Millionen Pfund schließlich Platz 3 der Versteigerung (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP). Auch Andy Warhol konnte die Hoffnungen weitgehend erfüllen, aber nicht übertreffen. Sein mit Acryl übergangener Siebdruck „Hammer und Sichel“ von 1976, auf dem die Werkzeuge abgelegt nur noch irgendwo herumstehen, erbrachte 1,35 Millionen Pfund (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP), 1,3 Millionen waren es für sein dämonisches Selbstbildnis in ähnlicher Technik von 1986 (Taxe 1,2 bis 1,5 Millionen GBP), und die obere Grenze von 500.000 bis 700.000 Pfund erreichte Mao in einer bescheiden dimensionierten Version von etwa 1972/72. Nur seine blauen und gelben Blüten von 1964 wurden auf 900.000 Pfund geweht (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP).

Jean-Michel Basquiat, ein eifriger, früh zugrunde gegangener Verehrer Warhols, schaffte mit seinem anarchischen Totenkopfbild von 1982 1,7 Millionen Pfund (Taxe 1,4 bis 1,8 Millionen GBP). 1,2 Millionen Pfund machte Robert Ryman mit einem unbetitelten Gemälde von 1962/63 locker, in dem er das Verhältnis der unbunten Farbe Weiß zu den bunten Farben ergründet (Taxe 600.000 bis 800.000 GBP). Etwas zu hoch bewertet war Willem de Koonings rot-blaues, abstraktes Linienspiel, ein Spätwerk von 1984. Auf immerhin 1,2 bis 1,5 Millionen Pfund angesetzt, blieb es schon bei 800.000 stecken und wurde trotzdem zugeschlagen. Bei 1,6 Millionen Pfund ließ sich Francis Bacons deformierter Kopf eines Mannes in blauem Kittel aus dem Jahr 1961 bitten (Taxe 1 bis 1,5 Millionen GBP). Der Italiener Lucio Fontana konnte mit einigen seiner von Schlitzen durch die Leinwand bereicherten „Concetto Spaziale“-Bildern beeindrucken, so beispielsweise mit einer breitformatigen Version von 1964, die bei 900.000 Pfund landete (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP), und die meerblaue Leinwand mit acht vertikalen Raumaufbrechungen erreichte mit 550.000 Pfund genau die Mitte der Schätzung von 450.000 bis 650.000 Pfund. 620.000 Pfund erlöste Zhang Xiaogangs porzellanhafte Dreiergruppe in Grau mit rotem Lebensfaden von 1996 (Taxe 300.000 bis 400.000 GBP).

Mancher Künstler wurde mit neuen Rekordpreisen bedacht. Piero Manzoni zum Beispiel, dessen stofflich Kaolinmuster in Horizontalstrukturen auf Leinwand von 1959 ein anonymer Bieter für 1,5 Millionen Pfund zur unteren Grenze des Schätzpreises mit nach Hause nahm. 200.000 Pfund mehr brachte Frank Auerbachs neoexpressionistische Hommage an das Camden Theatre in London von 1977 ein (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP). Für Jean Dubuffet wurde ein neuer Spitzenpreis bei 800.000 Pfund aufgestellt. Sein kindlich naives, ausdruckstarkes Art Brut-Bild „Le Bon Marché I“ vom 4. Mai 1961 steigt ins Gewirr der modernen Kaufhauskultur ein (Taxe 180.000 bis 250.000 GBP). Bei den kleinen Preisen punkteten George Condo mit einem surrealistischen, gleichsam ironischen Bild „The Insane Cardinal“ von 2003 bei 160.000 Pfund (Taxe 70.000 bis 90.000 GBP) sowie Tim Noble & Sue Webster mit einem Rotlicht-Herz von 1997, das 300.000 Pfund erbeutete (Taxe 180.000 bis 250.000 GBP).

Auch deutsche Künstler markierten neue Rekorde. Der diesjährige Jubilar Gerhard Richter wurde mit 2,5 Millionen Pfund für sein abstraktes Bild in Blutrot von 1991 beehrt (Taxe 1,4 bis 1,8 Millionen GBP). Für Jörg Immendorffs monumentales Ölbild „Ende gut, alles gut“, eine Reaktion auf die politischen „Wandlungen“ in der wieder mehr bürgerlich geprägten Bundesrepublik im Entstehungsjahr 1983, wurden 240.000 Pfund gezahlt (Taxe 180.000 bis 250.000 GBP). Vom „jungen Wilden“ Albert Oehlen konnte ein unbetiteltes gelbes Ankerkreuz von 1988 im Vordergrund eines wirren Farbgeflimmers für 220.000 Pfund abgesetzt werden (Taxe 180.000 bis 250.000 GBP). Und Joseph Beuys’ mit Olivenöl übergossener Sandsteinblock aus dem 18ten Jahrhundert, 1984 zwei Jahre vor seinem Tod zum Kunstwerk deklariert, steigerte sich von 90.000 bis 120.000 Pfund auf 330.000 Pfund.

Den Höhepunkt der deutschen Rekordliste bildete allerdings ein Fotograf, Andreas Gursky, dessen Diptychon „Cent II“, ein großformatiger Blick über die endlosen Regalreihen eines 99-Cent-Ladens beinahe impressionistische Wirkungen entfaltet. 1,5 Millionen Pfund waren der Lohn. Allerdings wurde im vergangenen Mai bei Sotheby’s in London ein Einzelbild Gurskys mit aus selber Motivserie für 2 Millionen Dollar verkauft – der neue Rekord ist also Auslegungssache. Ansonsten bewegten sich die Preise mehr oder minder im Rahmen. Josef Albers’ „Homage to the Square“ auf der Basis Rot und Blau von 1957 kletterte von 200.000 bis 300.000 Pfund auf 380.000 Pfund. Chris Ofilis schillernde, schwarzhäutige Schönheit „Strange Eyes“ auf Elefantendungbollern von 2001 machte 280.000 Pfund locker (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP). Der jüngste im Bunde war ein Vertreter der Neuen Leipziger Schule, David Schnell, dessen „Pilze“ – Eröffnungslos der Auktion – bis 55.000 Pfund in die Höhe schossen (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP). Das Gemälde „Kromp“ seines Leipziger Künstlerkollegen Thomas Scheibitz kam dagegen nicht an (Taxe 70.000 bis 100.000 GBP).

Alle Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Sotheby’s London

34-35 New Bond Street

GB-W1A 2AA London

Telefax:+44 (020) 72 93 59 24

Telefon:+44 (020) 72 93 51 84

Startseite: www.sothebys.com



09.02.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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