Gerhard Richters „Tante Marianne“ in Dresden Von heute an präsentieren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in der Sempergalerie das Gemälde „Tante Marianne“ von Gerhard Richter. Es gilt als eines der Schlüsselwerke Richters aus dem Jahr 1965. Als Vorlage diente dem deutschen Malerfürsten ein Familienfoto aus dem Jahr 1932, das ihn im Alter von vier Monaten auf dem Schoß seiner damals 14jährigen Tante Marianne Schönfelder zeigt. Das Ölgemälde wurde im Juni vergangenen Jahres bei Sotheby’s in London für 1,9 Millionen Pfund versteigert. Auch die Staatlichen Kunstsammlungen waren am Kauf des Bildes interessiert, konnten aber in der Kürze der Zeit nicht die erforderlichen Summen zusammenbringen. So ging es an den Taiwanesen Pierre T. M. Chen, einen kunstsinnigen Unternehmer aus der fernöstlichen Elektronikbranche, der eine Sammlung mit Werken chinesischer, amerikanischer und europäischer Künstler aufgebaut hat.
Nach Gesprächen mit Martin Roth, dem Direktor der Kunstsammlungen, überlässt Chen Richters „Tante Marianne“ dem Museum nun mindestens bis 2009 als Leihgabe, um das Gemälde am authentischen Ort, der Heimatstadt Richters zeigen zu können. In dem scheinbar harmlosen, fotorealistischen Gemälde kulminiert konkretes persönliches Schicksal mit deutscher Geschichte. Diagnostizierte man doch bei Marianne Schönfelder wenige Jahre nach der Fotoaufnahme Schizophrenie. Darauf hin wurde sie zwangssterilisiert und in die Psychiatrie eingewiesen. Im Februar 1945 starb sie als eines von fast 8.000 Euthanasie-Opfern in einer Anstalt der Nationalsozialisten in Großschweidnitz in der Oberlausitz. |