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Marktberichte |
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Alte und Neuere Meister bei Karl & Faber  Die Welt anno 1493

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 |  | Hartmann Schedel, Liber chronicarum (Schedelsche Weltchronik), 1493 | |
„Germania magna“ ist bloß ein kleines Gebiet südlich von „Saxonia”, westlich von „Lusacia“ und nördlich von „Mixia“, der Rhein fließt in einem geraden Strich von Süden nach Norden, „Colonia“ liegt gleich vor der Mündung in den „Oceanus Germanicus“, und zu „Marburg“, einer der wenigen eingezeichneten Städte, scheint der Kartograf eine besondere Affinität gehabt zu haben. England besteht nur aus einem platten, gestaltlosen Land ohne Städte und mit nur drei Landschaftsbezeichnungen, Skandinavien liegt am oberen Bildrand wie eine große Krake, und die Nordseeinseln, die sich heute bekanntlich recht sauber an den Küsten Deutschlands und der Niederlande entlangziehen, waren damals offenbar wie ein paar Kieselsteine ungeordnet ins Meer geplumpst. Die Himmelsrichtungen stimmen aber. Im Osten geht die Sonne auf, zu „Mitag“ legt man sich im Süden in die Sonne, im „Occident“ geht dieselbe unter, und gegen „Mitnacht“ schläft man in Norwegen.
Trotz mancher Unstimmigkeiten ist das „Liber chronicarum“, besser bekannt unter dem Namen „Schedelsche Weltchronik“, die vom Nürnberger Humanisten Hartmann Schedel geschrieben, von Hans Pleydenwurff und Michael Wolgemut mit insgesamt 1808 kolorierten Textholzschnitten ausgestattet wurde und bei Anton Koberger 1493 in Druck ging, ein hochbedeutendes Zeugnis der Weltkenntnis und Weltsicht des späten Mittelalters. Viele Städte sind darin erstmals bildlich dokumentiert. Beim Münchner Auktionshaus Karl & Faber ist ein solches Exemplar der Erstauflage in originaler Fassung am 24. Mai im Angebot, ausgestattet mit einem Schätzpreis von 100.000 bis 120.000 Euro.
Alte Meister
Rund 120 Lose gehören den grafischen Arbeiten Alter Meister. Die deutsche Frührenaissance muss diesmal fast ganz ohne Albrecht Dürer auskommen, von dem lediglich einige weniger bedeutende Abzüge im drei- und niedrigen vierstelligen Preissektor zum Aufruf kommen, darunter „Die Auferstehung“, ein Kupferstich von 1512 für 1.300 Euro. Umso größer ist das Angebot seiner Zeitgenossen aus deutschen Landen. Den Anfang macht Albrecht Altdorfer mit einer Folge von vierzig kleinen Holzschnitten, in denen er um 1513, ganz typisch für die auf der Schwelle zur Glaubensspaltung stehende Zeit, den Sündenfall und die Erlösung der Menschheit durch Christi Leiden verbildlicht. Die Folge ist in guten Drucken komplett erhalten und soll 16.000 bis 18.000 Euro kosten.
Zu den ältesten Stücken gehört ein kolorierter Einblattholzschnitt mit der Darstellung der Muttergottes mit dem Kind, die zwischen den heiligen Ulrich und Afra thront, den Schutzpatronen des Bistums Augsburg. 1493 ging das Blatt bei Erhard Ratdolt in Druck (Taxe 28.000 bis 32.000 EUR). Der spätgotischen Grafik gehört schließlich auch ein kleines koloriertes Blatt mit der Verkündigungsszene aus dem Umkreis Israhel van Meckenems an (Taxe 28.000 bis 32.000 EUR).
Einen der bedeutendsten Beiträge zur Auktion liefert Lucas Cranach d.Ä. Dabei kommen auch die verschiedenen Techniken des Meisters zur Anschauung. Sein Kupferstich „Die Buße des heiligen Johannes Chrysostomus“ aus dem Jahr 1509 zeichnet sich durch eine reiche, fast flirrende Gestaltung aus, in der die Menschen – der Heilige sowie eine nackte Frau mit ihrem kleinen Jungen – fast unmittelbar mit der sie umgebenden Natur zusammenwachsen (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Die gleichzeitigen Holzschnitte mit der „Kreuztragung Christi“ und der „Auferstehung“, das zehnte und vierzehnte Blatt aus einer vierzehnteiligen Serie mit der Passion, sind dagegen sehr viel klarer (Taxe zwischen 10.000 und 14.000 EUR). Zu seinen Hauptwerken zählt die Darstellung des heiligen Christopherus, der sich gerade mit dem Transfer des kleinen Christuskindes abmüht. 1506 wurde das Blatt als einfacher Holzschnitt abgedruckt, drei Jahre später allerdings noch durch eine schiefergraue Tonplatte ergänzt (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR).
Auf niederländischer Seite glänzt etwa gleichzeitig Dürers Freund Lucas van Leyden unter anderem mit dem realistischen Kupferstich einer Dornenkrönung von 1519 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Wenig später verbildlichte Hans Sebald Beham in einer Serie von acht winzigen Kupferstichen derbe Bauerngestalten während eines Hochzeitszuges – eine frühe Form von Sozialstudien im Alltagsleben (Taxe 7.500 bis 8.500 EUR). Von 1585 stammen Jost Ammans sechs originale Holzdruckstöcke, die sich bisher in süddeutschem Adelsbesitz befanden und zusammengesetzt und gleichsam ausgedruckt eine Allegorie auf den Handel ergäben (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR).
Auch ein paar barocke Grafiken stehen zur Verfügung, so Melchior Küsels reich erzählender Kupferstich „Gideon prüft sein Heer am Jordan“ aus der Zeit um 1655/60, der nach einem Gemälde Johann Heinrich Schönfelds entstand (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR), und eine Reihe von Radierungen Giovanni Battista Piranesis, in denen der italienische Meister seiner Leidenschaft für mal intakte, mal ruinöse Architekturen huldigt (Taxen bis zu 4.500 EUR). Einige Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen ergänzen das Programm. Von Giovanni Francesco Barbieri, besser bekannt unter dem Namen Il Guercino, ist die braun lavierte Federzeichnung einer weiten Landschaft mit zwei Reisenden von etwa 1640 vielleicht für 10.000 bis 12.000 Euro zu haben. Italienaffin, aber aus der Ueckermark stammend war Jakob Philipp Hackert, dessen Blick auf Capistrello, eine Sepiazeichnung von 1793, sein Interesse an abseits der Piste gelegenen Orten der mediterranen Halbinsel dokumentiert (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR).
An Piranesi erinnert wieder Giovanni Paolo Paninis freilich etwas blasses Aquarell einer ruinösen römischen Phantasiearchitektur, in der einige Reisende die Zeugnisse der Vergangenheit bestaunen (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Das beste Ölgemälde stammt von Gerrit Willemsz Heda und stellt um 1655 ein Stillleben mit umgekipptem Nautilusbecher, Römerglas und Zinntellern mit halb abgeschälten Zitronen und angeknabbertem Maulbeerkuchen dar (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Bei den Landschaftern vermag Cornelis Huysmans’ im Atelier komponierte arkadische Landschaft zu überzeugen (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Das Genre wird durch Jan Miense Molenaers fröhliche Gesellschaft in einer Bauernschänke (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) und Cornelis Saftlevens großes Interieur mit Magd, Vieh und Knecht aus dem 17ten Jahrhundert vertreten, dessen Schätzung seit dem Auftreten vor einem Jahr etwa um 3.000 Euro auf nun 15.000 bis 18.000 Euro gesunken ist.
Neuere Meister
Den zeitlichen Anfang des 19ten Jahrhunderts macht – nach Rechnung des Hauses noch im späten 18ten Jahrhundert – Johann Georg von Dillis, der in einem mit flüchtig kolorierendem Pinsel und doch säuberlich hingeworfenen Aquarell einen Blick auf Kloster Tegernsee mit der Kirche von Egern im Hintergrund gewährt (Taxe 80.000 bis 90.000 EUR). Auch Wilhelm von Kobell wird mit seiner Hirtengruppe im bergigen Weideland aus dem Jahr 1794 gemeinhin als ein Vorläufer der impressionistischen Malerei angesehen (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Romantische Ideen verfolgte der früh verstorbene Carl Philipp Fohr, und so erinnert sein Konterfei der gotischen Ehrsheimer Kapelle unter Burg Hirschhorn von etwa 1816 ein wenig an Wackenroders „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders“ (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Nicht viel älter starb 1833 Ernst Fries, der als Ölstudie eine fast impulsive Ansicht aus Italien lieferte (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).
Wilhelm Gails gotische Klosterruine aus der Campagna von Valencia setzt dagegen mehr auf den Effekt. Mit Bildern wie diesen gehörte er aber immerhin zum Entdecker der Schönheit der spanischen Landschaft für die deutsche Kunst (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). In heimischen Landen bleiben dagegen Johann Adam Klein mit einem etwas störrischen „Dreispännigen Pferdefuhrwerk auf der Landstraße“ von 1829 (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR) und zeitlich später der Hamburger Maler Hermann Kauffmann d.Ä. mit seiner norddeutschen Winterlandschaft eines Kirchgangs in Alt-Rahlstedt (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).
Andreas Achenbach kommt mit einem tosenden Gebirgsbach von 1843 zum Einsatz, in dem sich ein paar Rehe tummeln (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Wer eher auf italienische Veduten steht, sollte sich an Antonietta Brandeis und ihre lichtvolle Piazza del Popolo in Rom oder ihren Blick über die Ewige Stadt von der Accademia di Francia aus halten (Taxe je 10.000 bis 12.000 EUR). Eduard von Grützner steht einmal mehr mit einem weinprobenden Mönch zwischen großen Fässern gerade (Taxe 16.000 bis 18.000 EUR). Ihr steht der Däne Janus Andreas La Cour mit einem Blick über einen See auf eine weite italienische Landschaft zur Seite (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Carl Spitzwegs Skizzenbuch der Schweizer Reise von 1841, das mit 61 in Bleistift festgehaltenen Eindrücken von Natur und Kultur aus dem Alpenland ausgestattet ist, kann man eventuell schon für 20.000 bis 25.000 Euro erwerben.
Die Auktion beginnt am 24. Mai ab 10 Uhr. Die Vorbesichtigung findet noch bis zum 22. Mai täglich von 9 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr und am 23. Mai von 9 bis 12 Uhr statt.
|  | Kontakt: Karl & Faber Auktionen Amiraplatz 3 DE-80333 München |
 | Telefon:+49 (089) 22 18 65 | Telefax:+49 (089) 22 83 350 |  |  | E-Mail: info@karlundfaber.de |
18.05.2007 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 19 | Seiten: 1 • 2 • 3
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (16) |  | •  | Veranstaltung vom: 24.05.2007, Alte Meister, 19. Jahrhundert,
Moderne und Zeitgenössische Kunst |  | •  | Bei: Karl &
Faber Auktionen |  | •  | Bericht: Auf dem Weg in
die Moderne |  |  | •  | Kunstwerk:  Giovanni Francesco Barbieri, genannt Il Guercino, Weite Landschaft mit zwei Reisenden, um 1640 |  | •  | Kunstwerk:  Israhel van Meckenem Umkreis, Verkündigung Mariae |  | •  | Kunstwerk:  Melchior Küsel, Gideon prüft sein Heer am Jordan, um 1655/60 |  |  | •  | Kunstwerk:  Janus Andreas La Cour, Italienische Landschaft, 1885 |  | •  | Kunstwerk:  Giovanni Paolo Panini, Römische Phantasiearchitektur |  | •  | Kunstwerk:  Hans Sebald Beham, Der Hochzeitszug, um 1540 |  |  |
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 Janus Andreas La
Cour, Italienische
Landschaft, 1885 |  | Taxe: 4.000 - 5.000 EURO Losnummer: 298 |  |  |  |  |  | 
 Jakob Philipp
Hackert, Blick auf
Capistrello, 1793 |  | Taxe: 12.000 - 14.000 EURO Losnummer: 153 |  |  |  |  |  | 
 Lucas Cranach d.Ä.,
Die Auferstehung,
1509 |  | Taxe: 12.000 - 14.000 EURO Zuschlag: 8.000,- EURO Losnummer: 25 |  |  |  |  |  | 
 Gerrit Willemsz
Heda, Stillleben mit
Nautilusbecher,
Römerglas und
Zinnteller mit
Zitrone und
Maulbeerkuchen, um
1655 |  | Taxe: 60.000 - 80.000 EURO Losnummer: 155 |  |  |  |  |  | 
 Wilhelm von Kobell,
Hirte mit Lasttieren
im bergigen
Weideland, um 1794 |  | Taxe: 15.000 - 18.000 EURO Losnummer: 280 |  |  |  |  |  | 
 Johann Georg von
Dillis, Blick auf
Kloster Tegernsee,
um 1790/92 |  | Taxe: 80.000 - 90.000 EURO Zuschlag: 83.000,- EURO Losnummer: 229 |  |  |  |  |  | 
 Hans Sebald Beham,
Der Hochzeitszug, um
1540 |  | Taxe: 7.500 - 8.500 EURO Zuschlag: 5.000,- EURO Losnummer: 10 |  |  |  |  |  | 
 Lucas Cranach d.Ä.,
Die Buße des heiligen
Chrysostomus, 1509 |  | Taxe: 12.000 - 14.000 EURO Losnummer: 23 |  |  |  |  |  | 
 Lucas van Leyden, Die
Dornenkrönung, 1519 |  | Taxe: 5.000 - 6.000 EURO Losnummer: 76 |  |  |  |  |  | 
 Wilhelm Gail,
Klosterruine aus der
Campagna von
Valencia, 1838 |  | Taxe: 30.000 - 35.000 EURO Losnummer: 253 |  |  |  |  |  | 
 Carl Spitzweg,
Skizzenbuch der
Schweizer Reise von
1841 |  | Taxe: 20.000 - 25.000 EURO Losnummer: 355 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni Francesco
Barbieri, genannt Il
Guercino, Weite
Landschaft mit zwei
Reisenden, um 1640 |  | Taxe: 10.000 - 12.000 EURO Losnummer: 129 |  |  |
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