Balthus in Köln Der französische Künstler Balthus ist nun erstmals in einer Einzelausstellung in Deutschland zu sehen. Das Museum Ludwig in Köln zeigt unter dem Titel „Balthus – Aufgehobene Zeit“ von morgen an rund siebzig Gemälde und Zeichnungen der Jahre 1932 bis 1960 internationaler Provenienz. Diese Zeit umfasst auch die seinerzeit skandalöse Pariser Einzelausstellung von 1934 in der Galerie Pierre, wo die altmeisterlich gemalten, aber provokante Erotik, ja nahezu exhibitionistische Sexualität darstellenden Bilder Balthus‘ der etablierten Pariser Gesellschaft auf den Magen schlug. Seine scheinbar alltäglichen, aber schonungslos offenen Gemälde, Straßenszenen, eine Musikschule oder ein Mädchen am Fenster, brachte ein damaliger Kritiker auf die Formel, Balthus sei der „Sigmund Freud der Malerei“. Diese Haltung sollte er auch in den späteren Jahren pflegen. Zeitlebens stand er den zeitgenössischen, abstrakten Tendenzen kritisch gegenüber und behielt auch in technischer Hinsicht klassische Mittel und Formen bei. „Zeitlosen Realismus“ nannte er selbst seine Kunst.
Balthus, eigentlich Balthasar Klossowski, kam 1908 als Sohn des polnischen Kunsthistorikers und Malers Erich Klossowski und der deutschen Malerin Elizabeth Dorothea Klossowski in Paris zur Welt. Sein älterer Bruder war Pierre Klossowski, der erst mit 67 Jahren zur Malerei fand und zu Beginn dieses Jahres ebenfalls im Museum Ludwig mit einer Ausstellung gewürdigt wurde. Balthus, der diesen Künstlernamen von seinem Patenonkel Rainer Maria Rilke erhielt, dem zeitweiligen Geliebten seiner Mutter, galt nicht nur künstlerisch als Sonderling abseits von großer Kunstszene und Öffentlichkeit, dabei jedoch durchaus als luxuriös und exzentrisch. Sein Stil bedient sich einer Mischung aus Neuer Sachlichkeit und Surrealismus, nachhaltig beeinflusst durch das italienische Quattrocento und den französischen Klassizismus. Alberto Giacometti, Antonin Artaud, Paul Éluard und Albert Camus gehörten dennoch zu seinen Bewunderern und Freunden. Bevorzugte Modelle waren junge oder pubertierende Mädchen in aufreizenden Posen. Wie sein Bruder Pierre starb Balthus im Jahr 2001.
Die Ausstellung „Balthus – Aufgehobene Zeit“ läuft vom 18. August bis zum 4. November. Das Museum Ludwig hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, jeden ersten Freitag im Monat zusätzlich bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt regulär 7,50 Euro, ermäßigt 5,50 Euro.
Museum Ludwig
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