 |  | Gerhard Richters neues Glasfenster im Kölner Dom | |
Gerhard Richter, Ehrenbürger Kölns, äußerte sich wie häufig recht bescheiden: Das Fenster sei gut gelungen. Erst auf Nachfragen fügte er hinzu, es überwältige und erfülle ihn mit Stolz. Gemeint ist das neue, monumentale Kirchenfenster im Kölner Dom, das am vergangenen Samstag in einem festlichen Gottesdienst mit einem alten Weihrauchritus eingeweiht wurde. Als Vorlage für das farbleuchtende Glas im südlichen Querhaus diente Richters Farbfeldbild „4096 Farben“, das er bereits 1974 gemalt hat. Angedacht waren zunächst gegenständliche Darstellungen von Figuren wie Märtyrern des 20ten Jahrhunderts, bevor sie durch Richters Idee der abstrakten Gestaltung in einer Reduktion auf Farbe abgelöst wurden.
Das Fenster misst über 9 Meter in der Breite und knapp 19 Meter in der Höhe, einschließlich des Triforiums. 72 Farben sind im gotischen Maßwerk auf einer Fläche von 113 Quadratmetern nun 72mal vertreten. Das Kolorit entspricht teilweise der mittelalterlichen Farbgebung der übrigen Querhausfenster. Erstellt hat Richter das Fenster in einem komplexen Zusammenspiel von Zufall und Kalkül. Auf einer computerunterstützten Zufallslosung entstanden Farbwürfelungen, die später durch kalkuliertes Eingreifen zum endgültigen Entwurf des Glasmosaiks führten. „Es war für mich interessant, den Zufall an eine ganz starre Ordnung zu binden“, so Richter. Die Ausführung der aufwendigen Verglasung übernahm dann die Firma Derix in Taunusstein.
Bereits seit 1966 beschäftigt sich Gerhard Richter mit Farbtafeln, zunächst noch in weißem Raster gefasst, ähnlich den Farbkarten aus der Malerbranche. Später stoßen Farbquadrate direkt aneinander. In diesen Gemälden untersucht der heute 75jährige die Konstanten der Malerei schlechthin – Farbe und Fläche. Für die Erstellung des schon mit „Meer der Farben“ betitelten Kölner Glasfensters verzichtete Richter, dessen Werke weltweit Höchstpreise erzielen, auf sein Honorar. Die Kosten für die Herstellung von 370.000 Euro wurden im Ganzen von knapp über 1.000 Spendern gedeckt, die als Gäste zum Festgottesdienst geladen waren.
Die Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner äußerte sich in einem früheren Interview gegenüber der Zeitung „politik und kultur“, herausgegeben vom Deutschen Kulturrat, dass die Kirche mutiger in der Beauftragung von Künstlern werden und die Auswahl danach treffen solle, ob der Künstler etwas zu sagen habe. Denn zeitgenössische Kunst kann auch ein Anziehungspunkt für alte Kirchenräume darstellen. Bei der Pressekonferenz vor der Einweihung sagte sie: „Das Fenster ist strahlend, hell leuchtend und von fast überirdischem Glanz.“ Gleichzeitig sehe es so aus, als sei es immer schon da gewesen. Niemand habe es bislang als Fremdkörper empfunden.
Auch Josef Sauerborn, Künstlerseelsorger des Erzbistums Köln, lobte das Kunstwerk beim Weihegottesdienst ob „seiner überwältigenden Farbenfülle“ als „eine Symphonie des Lichtes, in der alle Farben des Domes erklingen“. Die von Domorganist Winfried Bönig komponierte Musik mit dem passenden Titel „Lux et color“ bot einen weiteren Höhepunkt an dem von Sonnenschein durchfluteten Vormittag.
Parallel zur Weihe hat das Kölner Museum Ludwig eine Studiopräsentation eröffnet, in der Gerhard Richters Entwürfe und die Entstehungsgeschichte des neuen Fensters zu sehen sind. Außerdem stellt Richter dort das neue, knapp sieben Meter im Quadrat messende Farbtafelbild „4900 Farben“ aus Lackfarbe vor. Das Werk besteht aus 196 quadratischen Aludibondplatten, auf denen sich jeweils fünf mal fünf farbige Quadrate befinden. Trotz ähnlichen Prozesses der Farbwürfelung besitzt dieses Werk in seiner Materialität und Auswahl von 25 Farbtönen eine wiederum andersartige Anmutung als das Domfenster.
Die Ausstellung „Gerhard Richter – Zufall“ ist bis zum 13. Januar 2008 zu sehen. Das Museum Ludwig hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, jeden ersten Freitag im Monat von 10 bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7,50 Euro, ermäßigt 5,50 Euro. Der Katalog kostet 28 Euro und ist in den Verlagen Kölner Dom und Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen.
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