 |  | Johann Philipp Veith, Zwei Landschaften mit der Flucht nach Ägypten sowie Acis und Galathea, 1804 | |
Es sind paradiesische Szenerien, die Johann Philipp Veith 1804 auf Bütten bannte: Weite Landschaften mit Wasser, Bäumen, idyllischen Uferpartien, winzigen Gebäuden als Ausdruck einer fortgeschrittenen Zivilisationsstufe und einer im Nichts endenden Ferne, die Raum für weite Gedanken lässt. Sie bergen Szenen, die man nur auf den zweiten Blick wahrnimmt. Die Flucht nach Ägypten inmitten einer Pastorelle ist auf dem einen Blatt dargestellt, die Liebesszene mit Acis und Galathea auf dem anderen. Hinzu kommt eine technische Präzision, die auch das kleinste Blatt und den letzten Grashalm nicht vergisst. Entstanden sind die Arbeiten freilich als Kopien von Erfindungen Claude Lorrains, die der in Dresden lebende Veith aus der dortigen Gemäldegalerie kannte. An ihnen studierte er und formulierte neu, Barockes in klassizistische Form. Jetzt sollen sie 35.000 bis 40.000 Euro wert sein, aufgestellt zur kommenden Grafikauktion im Wiener Dorotheum.
Grafik
Auf den Zeichnungen liegt das Schwergewicht der Versteigerung am 17. Oktober. Bei den grafischen Arbeiten bestechen einige deutsche Altmeisterwerke, etwa Albrecht Dürers um 1497 entstandener Kupferstich „Der Traum des Doktors“, dessen Gelehrtentum ganz faustisch auch mit den bösen Mächten zu paktieren bereit wäre (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR), oder fünf Kupferstiche aus einer siebenteiligen Serie Heinrich Aldegrevers mit dem Titel „Die Geschichte von Ammon und Tamar“ in eleganten Frührenaissanceformen (Taxe 2.800 bis 3.200 EUR).
Von den Niederländern kommt außer einer kleinen Kaltnadelradierung Rembrandts, die einen Mann mit Kappe, Pelzmantel und Gehstock darstellt (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR), noch Anthonis van Dyck zum Einsatz, dessen Portrait des Malers Frans Snyders sich ganz auf die feinen Zügen des Gesichtes konzentriert (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR). 10.000 bis 15.000 Euro sollen Allart van Everdingens 27 Radierungen mit meist baumbestandenen Landschaften nach Motiven zeitgenössischer Maler einfahren.
Zeichnungen und Aquarelle
Nur mit wenigen Federstrichen und doch als vollgültige Bildanlage und gleichmäßig ausformuliert skizziert Luca Cambiaso die Szene Christus und die Emmausjünger. Der auferstandene Heiland wirkt darauf wie ein einfacher Wandersmann mit Stock und Hut, der um unterhaltende Gesellschaft bittet (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Ein Münchner Meister im Umfeld Friedrich Sustris’ scheint sich mit seinem Jüngsten Gericht, das als Vorzeichnung für ein heute im Germanischen Nationalmuseum befindliches Gemälde diente und viel Volk versammelt, an italienischen Vorbildern der zweiten Hälfte des 16ten Jahrhunderts zu orientieren (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).
Abraham Bloemaerts schwarze und braune Federzeichnung mit der Darstellung der Madonna auf einer von Engeln umspielten Wolke beschränkt den Gegenstand dagegen auf Innigkeit und menschliche Wärme (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Aus Frankreich kommen im 18ten Jahrhundert ein Meister aus dem Umkreis Jean-Antoine Watteaus mit einer galanten Rokokoszene und (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR) und Jean-Baptiste Huets Landschaft mit Hirten und ihrer Herde in einer felsigen Ruinenlandschaft, 1790 als farbige Bleistift- und Pinselzeichnung aufs Papier gebracht (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR).
Souverän beherrscht Antonio Canal, besser bekannt unter dem Namen Canaletto, die Kunst der Vedute, offenbar auch in der Zeichnung, wie ein DIN A4-großes Blatt vermutlich der 1740er Jahre mit einem Capriccio bei Venedig erweist. Der Blick geht zusammen mit dem zweier Wanderer im Vordergrund an einem Brunnen und entlaubten Bäumen vorbei auf die jenseits des Wassers aus dem Dunst in der Ferne aufragende Lagunenstadt, genauer gesagt auf San Pietro di Castello. Von der rechten Seite her ragt eine starke Bastion ins Meer. 40.000 bis 60.000 Euro werden für die Skizze verlangt. In zwei Gouachen, die Joseph Werner gemalt haben soll, wird mit Pyramus und Thisbe sowie wiederum Acis und Galathea klassische Mythologie nach Ovid verhandelt (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).
Außer Veith kommt noch ein weiterer deutscher Klassizist zum Zuge, Jakob Philipp Hackert, dessen Ansicht eines mächtigen Baumes, der „Sophora Japonica“ im Englischen Garten von Caserta, sich ebenfalls ins Detail verliebt. Darunter liegt ein Zeichner mit seinem schlafenden Begleiter, etwas, das aussieht wie ein kleiner Löwe, aber wohl ein Hund sein soll (Taxe 4.500 bis 5.000 EUR). Peter Birmann schließt sich mit einem verträumten Wasserfall bei Tivoli für 1.800 bis 2.400 Euro an. Richtig historisch wird es bei Josef Karl Stieler. Seine beiden Grisailleaquarelle, die Gemälde Angelika Kauffmanns kopieren, beziehen sich auf Begebenheiten aus der englischen Geschichte. Stilistisch bewegen sie sich wie die Werke des weiblichen Vorbilds zwischen barockem Pomp und klassizistischer Kühle, allerdings mit einem Schuss historistischer Affektiertheit (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR).
Eine Reihe von Kopfstudien auf einem einzigen Blatt von Adolph von Menzel (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), eine Bismarck-Studie Franz von Lenbachs (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) und die Studie eines kompliziert liegenden Jünglings von Julius Schnorr von Carolsfeld (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR) machen große Künstler auch für kleinere Geldbeutel erschwinglich. Eine Reihe schöner Veduten des versierten Giuseppe Canella von seiner Heimat Verona und Umgebung als Erinnerungsblätter kosten bis zu 3.000 Euro. Preislich nach unten gerutscht sind erneut die Bleistiftzeichnung Eduard Jakob von Steinles, die in gedämpften Brauntönen Frankfurt am Main mit ihrer Alten Brücke wiedergibt (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR), und Hippolyte Henri d’Orschwillers lustiges Aquarell „Zwei Affen bei der Arbeit“, das sich wohl als Karikatur auf die menschliche Häuslichkeit versteht (Taxe 2.200 bis 2.400 EUR).
Tiefer in die Tasche langen muss man für Arbeiten Rudolf von Alts und Thomas Enders. Alts unfertiger Blick auf das mährische Benediktinerstift Raigern wahrscheinlich von 1838 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) und Enders Burg Karneid bei Bozen repräsentieren die Meister österreichischer Landschaftsmalerei im 19ten Jahrhunderts (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Johann Nepomuk Schödlberger zieht mit einem Aquarell, das 1837 wohl eine Landschaft bei Graz einfängt, mit 4.000 bis 5.000 Euro nach.
Bei den drei Aquarellen Peter Fendis handelt es sich eher um witzige Karikaturen und Genremotive im Sinne des jüngeren Carl Spitzweg (Taxen zwischen 3.000 und 9.000 EUR). Beste biedermeierliche Miniaturkunst lässt sich vortrefflich an Moritz Michael Daffingers Bildnis einer jungen Dame in weißem Kleid samt Rose am Dekolletee studieren (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR). Für den kräftigen Schakal, den Aloys Zötl 1832 als riesiges, Häuser und Bäume niederrennendes Ungeheuer in Aquarelltechnik verbildlichte, sollte man 20.000 bis 25.000 Euro mitbringen. Bei Hans Thoma zieht schon der dekorative Symbolismus in Gestalt zweier tanzender Faune herauf (Taxe 1.400 bis 2.000 EUR).
Die Auktion beginnt am 17. Oktober um 16 Uhr. Die Vorbesichtigung findet vom 6. Oktober bis zum Auktionsbeginn täglich außer am 7. Oktober von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr statt. Der Katalog ist im Internet unter www.dorotheum.com abrufbar.
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