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Kunst und Antiquitäten bei Fischer in Luzern

Dauernd Enten



Sieneser Meister, Madonna mit Kind, Engeln und Heiligen, um 1515/20

Sieneser Meister, Madonna mit Kind, Engeln und Heiligen, um 1515/20

In zwei stattlichen Katalogen präsentiert das Luzerner Auktionshaus Fischer seine Alten Meister und die Moderne Kunst. Dabei tritt es fast zu bescheiden auf: Nichts außer einer kleinen Zahl auf dem Buchrücken lässt ahnen, dass es sich um eine Jubiläumsauktion handelt. Zum vierhundertsten Mal ruft das 1907 gegründete Auktionshaus vom 14. bis 16. November nach Luzern. Grund zum Feiern eigentlich, aber Fischer ist nicht der Typ, groß aufzutrumpfen. Diese Bescheidenheit spiegelt sich aber nicht im Auktionsangebot wider. Einmal mehr beeindruckt eine Reihe hochkarätiger Arbeiten aus allen Zeiten und Orten der Malerei, angefangen von einer mystischen Madonna der Sieneser Schule des frühen 16ten Jahrhunderts für 45.000 bis 55.000 Franken bis hin zu einheimischen Künstlern der Gegenwart wie dem inzwischen über 70jährigen Rolf Iseli, der unter anderem mit einer spanischen Landschaft in freilich ganz abstrakter Reduktion für 8.000 bis 10.000 Franken an den Start geht.



Alte Meister

Den Beginn machen am Mittwoch die Gemälde, zunächst weit über dreihundert Werke für die eher dünnen Geldbeutel und anschließend am Nachmittag die Alten Meister. Bereits im Juni scheiterte ebenfalls bei Fischer ein heiliger Christophorus, der sich sichtlich unter der Last des Christuskindes auf der Schulter durch einen kleinen Fluss hindurchquält. Die schön bemalte Kupferplatte sieht zwar aus wie von Albrecht Dürer, ist aber wahrscheinlich von einem Prager Meister erst um 1600 wohl im Auftrag Kaiser Rudolphs II. als Kopie des großen Frührenaissancemeisters entstanden. Der Preis hat sich indes nicht verändert: 60.000 bis 80.000 Franken werden erwartet.

Original oder Fälschung lautet die Frage bei einem winzigen Bild in großem Rahmen, das ein von ihrem Buch aufschauendes Mädchen an einem Steinfenster vor einem Vorhang präsentiert. „Dou“ steht unten rechts die Signatur, kein anderer als Gerrit Dou ist gemeint, mit einem Schätzpreis von 4.000 bis 6.000 Franken geht Fischer allerdings offenbar von einem Nachahmer aus – oder von der Lust der Verlockung. Auch das anmutige Kinderbildnis der „Little Miss Chaddock“ aus der Hand des englischen Malers John Hoppner ist hübsch anzusehen. Es stammt aus dem späten 18ten Jahrhundert und verweist schon auf die einfühlsamen Kinderbildnisse Philipp Otto Runges (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR).

Unter den Stillleben seien ein frühes Jagdstück mit Huhn und Horn von Melchior de Hondecoeter vor pechschwarzem Hintergrund für 60.000 bis 80.000 Franken und zwei einander ähnliche Früchtebilder des Nürnberger Malers Franz Rösel von Rosenhof aus dem Jahr 1671 für jeweils 16.000 bis 18.000 Franken genannt. Noch lebendig sind die Tiere bei Jacob Samuel Beck aus Erfurt: Mit präzisem Strich und aus nächster Nähe gibt er in zwei Gegenstücken Enten und Hühner als etwas äußerst Bildwürdiges wieder (Taxen je 36.000 bis 42.000 SFR). Prächtig blühen die Blumen auf zwei Pendants vermutlich des spanischen Meisters Juan de Arellano aus dem 17ten Jahrhundert (Taxen je 25.000 bis 35.000 SFR). Ansichten aus Stadt und Land stellen unter anderem Jan Griffier d.Ä. – hier sogar als „Rheinlandschaft“ mit mehreren Burgen tituliert – und Francesco Tironi mit der Seufzerbrücke in Venedig zur Verfügung (Taxen 40.000 bis 45.000 und 60.000 bis 80.000 SFR).

Auch einige Portraits hat Fischer zu bieten, darunter wiederum zwei alte Bekannte vom vergangenen Juni. Der spätere König Wilhelm III. von England noch als Statthalter der Niederlande in einer Fassung von Benedetto Gennari und François Pascal Simon Gérards Ovalbildnis vermutlich Charles-Alexandre-Armands, duc de Maillé, suchen erneut zum gleichen Preis wie damals von jeweils 50.000 bis 75.000 Franken neue Bekanntschaften. Bereits im Mai 2006 wanderte bei Fischer Giovanni Domenico Tiepolos Bildnis eines weisen alten Mannes wieder an den Vorbesitzer zurück. Es erinnert an die Portraitstudien von Charakterköpfen, mit denen schon die alten Niederländer wie Anthonis van Dyck im frühen 17ten Jahrhundert ihre großen Werke vorbereitet haben. Jetzt hat man sich auf die Hälfte der damaligen Schätzung, nämlich auf 45.000 bis 60.000 Franken geeinigt.

Den Maler Martin van Meytens d.J., aus dessen Umfeld zwei etwas flache Bildnisse Leopold Joseph Graf von Dauns und der Fürstin Maria Amalia von Bayern vertreten sind (Taxen zwischen 6.000 und 10.000 SFR), hielt sein Kollege Georges Desmarées wohl 1726 während einer Begegnung in Venedig fest – mit rauschender Stofflichkeit und herrschaftlicher Eleganz, die eigentlich nur Fürsten zukommt (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR). Weniger herrschaftlich als vielmehr keck schaut die Melonenesserin Giacomo Cerutis aus dem Goldrahmen heraus (Taxe 45.000 bis 55.000 SFR). Erwähnung verdient auch ein Portrait Papst Innozenz XI. von Giovanni Battista Gaulli für 4.000 bis 5.000 Franken.

Neuere Meister

Mit Landschaften etwa von François Diday, der 1843 badende Frauen am Brienzersee mit dem Pinsel fotografiert (Taxe 28.000 bis 35.000 SFR), und Wolfgang-Adam Töpffer, dessen Blick in den späten 1810er Jahren über ein Bauernhaus hinweg auf den Mont Blanc geht (Taxe 35.000 bis 50.000 SFR), setzt das 19te Jahrhundert fort. Von besonderem Interesse ist eine Gebirgslandschaft, die vorne ziemlich genau eine kleine Berghütte mit Leuten wiedergibt, im Hintergrund aber das Well- und Wetterhorn wie ungeschlachte Farbmassen auftürmt. Auch die Verbindung zum Vordergrund ist eher marginal. Kein anderer als der blutjunge Ferdinand Hodler ist es, der sich hier schon um 1870 vom Verdikt der gängigen Landschaftskunst seiner Zeit zu befreien sucht (Taxe 12.000 bis 15.000 SFR).

Doch waren die Gepflogenheiten des 19ten Jahrhunderts lange vorherrschend. Pietro Saltini zeigt dies mit dem gefälligen Genrebild „Familienglück“ ebenso wie Michael Neher mit einer detailgetreuen und gleichwohl romantisierenden Ansicht des Fischmarktbrunnens in Basel aus dem Jahr 1852 (Taxen 40.000 bis 60.000 und 65.000 bis 85.000 SFR). Auch Georg Heinrich Crola hatte schon in den 1830er Jahren eine große Landschaft am Inn mit Blick auf Kufstein und das Kaisergebirge vor allem als erhebendes Naturgebilde vor Augen (Taxe 30.000 bis 45.000 SFR). Etwas früher, in das Jahr 1812, datiert die Landschaft mit der Ansicht von Roslyn Castle, einigen lagernden Kühen und Frauen bei der Wäsche, die der Engländer Julius Caesar Ibbetson schon im frühromantischen Gestus gestaltete (Taxe 18.000 bis 24.000 SFR).

Für die Tierwelt sind im 19ten Jahrhunderts Carl Jutz, der kämpfende Erpel beobachtet, und Heinrich von Zügel mit einer obligatorischen Schafherde von etwa 1876/77 zuständig (Taxen 20.000 bis 24.000 und 35.000 bis 45.000 SFR), und für die Blumenwelt etwa der Däne William Hammer mit Aurikel und Anemonen in einer Vase von 1847 für 18.000 bis 20.000 Franken. Als Meister der Historienmalerei tritt Albert Ludwig Landerer mit Karls des Kühnen Schlacht bei Grandson auf, in der Held eine herbe Niederlage gegen die Schweizer erlitten hatte (Taxe 15.000 bis 18.000 SFR). Auf die Malerei der Renaissance greift Franz von Lenbach zurück, wenn er seine musizierende Frau 1896 in Rückenansicht mit zurückblickenden Kopf wiedergibt (Taxe 14.000 bis 16.000 SFR).

Moderne Kunst

Einige der teuersten Werke finden sich bei den Meistern des frühen 20ten Jahrhunderts, die den zweiten Katalog beanspruchen. Pierre-Auguste Renoirs in der Höhe kaum zehn Zentimeter messender „Tête de jeune fille“ ist freilich kein Werk großer Güte. Der Malername zählt beim Schätzpreis von 70.000 bis 90.000 Franken. „Auf dem Divan“ räkeln sich zwei nackte Damen Leo Putz’ um 1920 (Taxe 100.000 bis 120.000 SFR). Enten beehren uns noch ein drittes Mal bei Alexander Koester, dem Meister aller Enten, für 28.000 bis 35.000 Franken. Zu nennen ist noch Félicien Rops’ vielleicht noch ins Jahr 1879 datierende Gouache einer fernöstlichen Dame in weißem Kleid, die gerade gedankenverloren durch ein westliches Museum streift (Taxe 16.000 bis 20.000 SFR).

Spätestens mit Max Gublers grob hingeworfener Antivedute von „Venedig“ aus der Zeit um 1949 mit rauchenden Dampfern im Hintergrund und den beiden ebenso abstrahierenden Berglandschaften Cuno Amiets aus dem Jahr 1947 ist die Moderne wirklich erreicht (Taxen zwischen 40.000 und 70.000 SFR). Für die Kunst von Kubismus und Co. steht Le Corbusier, der bereits 1926 eine „Puristische Komposition“ mit ineinander verschränkten Flaschen, Bechern und anderen Dingen in die Fläche kippte, technisch anspruchslos mit schwarzer und roter Kreide (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR). Max von Moos schuf mal einen „Kopf mit Schlangen“ (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR), mal ruft eine „Grabesstimme“ als Totenkopf von 1958 nach 20.000 bis 25.000 Franken. Germaine Richier steuert die Terrakottabüste eines Damenkopfes bei (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR), und Raymond Duchamp-Villon ein sich kubistisch auflösenden „Petit Cheval“ von 1911 (Taxe 10.000 bis 12.000 SFR).

Kunsthandwerk

Der dickste Katalog schließlich birgt die Arbeiten für den zierlichen Hausgebrauch. Möbel in Hülle und Fülle werden präsentiert – ein prächtiger süddeutscher Hallenschrank in architektonischer Gliederung von etwa 1700 für 15.000 bis 20.000 Franken, eine feine Kommode aus der Werkstatt des Berner Meisters Matthäus Funk von etwa 1770 (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR), das durch reiche Bronzebeschläge veredelte Stück eines unbekannten Pariser Meisters für 30.000 bis 35.000 Franken oder zwei Kommoden, die ihre Herkunft aus dem Umfeld des norditalienischen Ebenisten Giuseppe Maggiolini nicht verleugnen und als Titellos prangen (Taxen je 16.000 bis 18.000 SFR) –, aber auch Uhren, darunter eine klassizistische Wanduhr aus vergoldetem Holz. Zwei Putten mühen sich damit ab, das Zifferblatt emporzuheben (Taxe 14.000 bis 16.000 SFR).

Über eine französische Tapisserie des 18ten Jahrhunderts mit der Darstellung einer exotischen Gartenszene für 22.000 bis 25.000 Franken geht es weiter zu den Skulpturen, die diesmal eher zurückhaltende Erwartungen erfordern. Ein spätgotisches Relief mit der Beschneidung Christi oder ein Paar fast einen Meter hohe Leuchterengel der Barockzeit können hier stellvertretend genannt werden (Taxen zwischen 4.000 und 12.000 SFR). Schon in anderen Auktionen vergeblich auf Kundenfang waren vier französische Holzmedaillons des 18ten Jahrhunderts mit den Schnitzereien von Fischen, Früchten und – wer hätte es gedacht – noch mehr Enten (Taxe 18.000 bis 24.000 SFR).

Beim Silber beeindruckt ein vermutlich in Augsburg angefertigter Deckelhumpen des 17ten Jahrhunderts mit Putten in einer Waldlandschaft auf der silbernen Wandung (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Mit Glas, unter anderem aus der Sammlung Buchecker, klingt das umfangreiche Auktionsprogramm allmählich aus. Insbesondere zwei allegorisch geschmückte Pokale des thüringischen Meisters Georg Ernst Kunckel von etwa 1730 ziehen hier die Blicke auf sich (Taxen zwischen 6.600 und 12.000 SFR). Für vielleicht 1.900 bis 2.300 Franken ist ein böhmischer Deckelpokal des Art Déco aus der Zeit um 1930 zu haben.

Die Auktion beginnt am 14. November um 14 Uhr mit den Alten und Neueren Meistern, am 15. November um 9 Uhr mit den Möbeln und Einrichtungsgegenständen, um 14 Uhr mit der Modernen Kunst und am 16. November ab 9 Uhr mit Keramik, Silber, Glas und Porzellan. Der Katalog ist im Internet unter www.fischerauktionen.ch einsehbar.

Kontakt:

Galerie Fischer Auktionen AG

Haldenstrasse 19

CH-6006 Luzern

Telefax:+41 (041) 418 10 80

Telefon:+41 (041) 418 10 10

E-Mail: info@fischerauktionen.ch

Startseite: www.fischerauktionen.ch



12.11.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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