Sigmar Polke in Tübingen Seit dem Wochenende widmet sich die Kunsthalle Tübingen speziell einem Werkzyklus von Sigmar Polke. Die Ausstellung biete die Möglichkeit zur Erst- oder Widerbegegnung mit einem „Meilenstein der neueren Kunstgeschichte“, so Martin Hellmold, Direktor der Kunsthalle. Denn seit den 1970er Jahren wurde der Zyklus „Original + Fälschung“ nur selten gezeigt. Die Gemäldegruppe entstand 1973 für eine Ausstellung im Westfälischen Kunstverein zu Münster. Für den damals 32jährigen Sigmar Polke, der seit Mitte der 1960er Jahre mit Galerieausstellungen und Aktivitäten an der Seite von Gerhard Richter und Konrad Lueg auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde es der „Durchbruch“. Die 24 Haupt- und 14 Kommentarbilder ebneten ihm den Weg zu Einzelausstellungen an etablierten Institutionen der deutschen und der internationalen Kunstszene. Polke jongliert darin mit alten Mythen der Malerei wie auch mit den neuen Motiven einer jugendbewegten, im Umbruch befindlichen Zeit. Er wirbelt künstlerische Techniken und Bildelemente durcheinander und animiert die Betrachtenden dazu, sich selbst als Teil dieses Panoptikums zu sehen. Die Frage nach „Original + Fälschung“ wird im Rausch der Bildbausteine zugleich gestellt und auf den Kopf gestellt.
Den Ausgangspunkt für Polkes frühes Meisterwerk bildet eine skurrile Sammlung zeichnerischer und fotografischer Vorlagen, die zumeist aus Zeitschriften entnommen sind. Neben Werbeanzeigen, Witzbildchen und Filmstandbildern findet sich dabei auch eine Interpol-Liste der meist gesuchten gestohlenen Gemälde alter Meister. Aus diesen Inspirationsquellen entnahmen Polke und sein Mitarbeiter Achim Duchow die Zitate ihres ebenso vielfältigen wie virtuosen Bilderkosmos. Zu den Variationen über Werke von Rembrandt, Peter Paul Rubens oder Henri de Toulouse-Lautrec gesellen sich Affen auf Motorrädern, bunt karierte Tanzkapellen, Tapeten mit Flower-Power-Mustern und blumenberankte Tischdecken. Sigmar Polkes „Original + Fälschung“ steht mitten in der explosiven Kunstentwicklung der 1960er und 1970er Jahre. Er verbindet den Zitatcharakter und die schillernde Bilderwelt der Pop Art mit der traditionellen Kunstgeschichte.
Die Ausstellung „Sigmar Polke – Original + Fälschung, 1973“ ist bis zum 24. Februar 2008 zu sehen. Geöffnet ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, dienstags zusätzlich bis 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Schüler zahlen 1 Euro. Der Katalog kostet 14 Euro.
Kunsthalle Tübingen
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