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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Kunst und Antiquitäten bei Fischer in Luzern

Hodlers Hausfrauen



Jean-Baptiste-Marie Pierre, Meleager überreicht Atalante den Kopf des kalydonischen Ebers, um 1747/48

Jean-Baptiste-Marie Pierre, Meleager überreicht Atalante den Kopf des kalydonischen Ebers, um 1747/48

Wohlwollend bedachte die Kundschaft an den Tagen des 14. bis 16. November die 400ste Versteigerung des Luzerner Auktionshauses Fischer. Der Mittwochnachmittag gehörte den Alten und Neueren Meistern. Hier schafften gut 47 Prozent den Absprung. Freilich stellte sich eine Reihe der Schätzpreise als zu niedrig heraus, so dass von den Rückgängen nur wenige der hochkarätigen Werke betroffen waren. Und die hatte Fischer in beachtlicher Anzahl im Angebot, gleich zu Beginn in Form einer schönen Madonna mit Heiligen und einem Engelsreigen. Schöpfer ist ein Sieneser Meister der Zeit um 1515/20, Goldgrund und Darstellungstyp weisen allerdings auf einen ziemlichen Traditionalisten. Dennoch kamen für die Tafel 85.000 Franken zusammen (Taxe 45.000 bis 55.000 SFR).



Alte Meister

Nach wiederholtem Antritt hat auch der dürerartige Christopherus eines Prager Meisters aus dem Umfeld des Kaiserhofes Rudolphs II. um 1600 einen Abnehmer gefunden, wenngleich nur für 54.000 Franken (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR), ebenso wie Jean-Baptiste-Marie Pierre Antikenhistorie „Meleager überreicht Atlante den Kopf des kalydonischen Ebers“ zur unteren Taxe von 50.000 Franken. Die Auktionswanderschaft von Georg Friedrich Eberhard Wächters starr klassizistischem Belisar als Bettler von etwa 1797 wurde jetzt ebenfalls bei 10.000 Franken beendet (Taxe 9.000 bis 12.000 SFR). Francesco Tironis Venedigvedute mit der sogenannten Seufzerbrücke muss dagegen noch ein wenig warten (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR).

Mit 8.000 bis 10.000 Franken deutlich zu niedrig war eine niederländische Darstellung der Vertreibung aus dem Paradies des 17ten Jahrhunderts. 44.000 Franken wurden für den von Blumen umkränzten Rausschmiss schließlich gezahlt. Unterstützt wurde der gute Abschluss der Niederländer durch 85.000 Franken für Melchior de Hondecoeters Jagdstillleben, möglicherweise eine frühe Arbeit des noch nicht Dreißigjährigen (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR). Oder waren es die Tierbildnisse, auf die es die Fischerkundschaft besonders abgesehen hatte? Jedenfalls erzielte das Doppelpack „Enten“ und „Hühner“ des Erfurters Jacob Samuel Beck aus der Mitte des 18ten Jahrhunderts stattliche 65.000 Franken (Taxe 36.000 bis 42.000 SFR). Franz Rösel von Rosenhofs zwei Stillleben mit Früchten aus dem Jahr 1671 erlösten im Rahmen der Schätzung 17.000 und 18.000 Franken.

Bei guten 30.000 Franken schloss Giovanni Battista Gaullis mit 4.000 bis 5.000 Franken ebenfalls sehr günstig angesetztes Portrait Papst Innozenz’ XI. ab. Bei Georges Desmarées’ Kollegenbildnis Martin van Meytens griff ein Bieter schon bei 54.000 Franken zu (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR). Frans Luyckx’ verabschiedete sein Bildnis des Kardinals Ernst Adalbert, Reichsgrafen von Harrach, bei taxgerechten 7.000 Franken. Unveräußert blieben einige andere Portraits, etwa ein hübsches Kinderbildnis „Little Miss Chaddock“ von John Hoppner (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR), sowie gleich drei alte Bekannte: Benedetto Gennaris König Wilhelm III. von England als Statthalter der Niederlande, François Pascal Simon Gérards Ovalbildnis vermutlich Charles-Alexandre-Armands, duc de Maillé, (Taxen je 50.000 bis 75.000 SFR) und Giovanni Domenico Tiepolos Bildnis eines weisen alten Mannes (Taxe 45.000 bis 60.000 SFR). Nicht besser erging es Giacomo Cerutis Melonenesserin (Taxe 45.000 bis 55.000 SFR). 11.000 Franken waren der Lohn für Pietro Paltronieris etwas steifes Architekturcapriccio mit kleinen Staffagefigürchen (Taxe 6.800 bis 7.500 SFR).

Neuere Meister

Die Neueren Meister starteten mit Károly Markós d.J. Badeszene in einer arkadischen Landschaft für 22.000 Franken recht erfolgreich (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR). Gleich der nächste Landschafter, François Diday, hatte mit seinen Badenden am Brienzersee von 1843 dagegen kein Glück (Taxe 28.000 bis 35.000 SFR), ebenso wie später Georg Heinrich Crolas weites Panorama am Inn mit Blick auf Kufstein und Kaisergebirge (Taxe 30.000 bis 45.000 SFR). Mit 58.000 Franken war Julius Caesar Ibbetsons wildromantische Ansicht von Roslyn Castle aus dem Jahr 1812 überraschend die begehrteste Landschaft. Nur 18.000 bis 24.000 Franken standen auf dem Etikett. Ferdinand Hodlers frühes und für den späteren Symbolismusmeister noch fast ganz untypisches Jugendwerk eines Chalets mit Well- und Wetterhorn machte sich bei 24.000 Franken davon (Taxe 12.000 bis 15.000 SFR).

Auf den Mont Blanc blickt Wolfgang-Adam Töpffer über eine reiche Figurenstaffage im Vordergrund hinweg. 54.000 Franken blieben daran hängen (Taxe 35.000 bis 50.000 SFR). Friedrich Voltz’ Kühe, Ziegen und Schafe suchten bei 12.000 Franken „Zuflucht vor dem Gewitter“ in einem allzu kleinen Unterstand (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). 1.000 Franken mehr erzielte Carl Heinrich Adolph Grimms Biedermeierbildnis einer „Vor dem Hauseingang“ sitzenden jungen Dame mit allerlei Gemüse, Blumen und Kräutern (Taxe 12.000 bis 15.000 SFR). Der dänische Blumenmaler Johan Laurentz Jensen gab seine Centifolienrosen mit einigen anderen weißen Blüten zur unteren Taxe von 5.000 Franken ab.

In die Stadt zum Fischmarktbrunnen in Basel begab sich der Münchner Michael Neher 1852. Die präzise und doch romantisch verklärte Wiedergabe der gotischen Bildsäule inmitten einer pittoresken Mittelalterbebauung fand bei 68.500 Franken einen Abnehmer (Taxe 65.000 bis 85.000 SFR). Den Hauptpreis gewann indes das italienische Genre. Der Florentiner Pietro Saltini zeichnet das Glück einer Familie trotz aller Armut als etwas Idyllisches, fast von der Welt Abgeschlossenes, jenseits aller Widrigkeiten. Hinzu kommt ein feiner Duktus, der auch die letzten Details erfasst und fast fotografische Genauigkeit anstrebt. 85.000 Franken waren der wohlverdiente Lohn (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR). Die wenigen Historienbilder des 19ten Jahrhunderts bei Fischer wurden durch Albert Ludwig Landerers opulente Entscheidungsschlacht Karls des Kühnen bei Grandson von 1855 mit 18.000 Franken würdig angeführt (Taxe 15.000 bis 18.000 SFR).

Moderne und zeitgenössische Kunst

Am folgenden Donnerstag ging es um die moderne und zeitgenössische Kunst. 53 der 83 Bilder und damit gute 64 Prozent der Offerte fanden sich anschließend in neuem Besitz wieder. Auch hier konnten die meisten hochpreisigen Stücke vermittelt werden, für 100.000 Franken zur unteren Schätzpreisgrenze beispielsweise Leo Putz’ charakteristisches Bild zweier nackter Schönheiten auf dem Diwan im Stil eines moderaten Expressionismus von etwa 1920. Von 18.000 auf 28.000 Franken kletterte Angelo Barabinos neoimpressionistische Badende am Ufer einer leuchtenden Teichlandschaft. Alexander Koesters Enten am Ufer schwammen für taxgerechte 30.000 Franken davon. Nicht zu den Glücklichen zählte Pierre-Auguste Renoirs rasch hingepinselte Studie eines Mädchenkopfes für hohe 70.000 bis 90.000 Franken.

Aus Ungarn waren Béla Czóbels unscharfes, rotbetontes Stillleben bei 42.000 Franken (Taxe 10.000 bis 12.000 SFR) und Dávid Jándis volkreiche Badeszene mit starken Schattierungen bei 26.000 Franken (Taxe 5.000 SFR) angereist. Le Corbusiers puristische Komposition in Kreide auf Papier von 1926 wurde für 15.000 Franken eingeschlagen (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR). Einer der prominentesten Schweizer Künstler der Nachkriegszeit ist Max Gubler, dessen abstrakte und keinesfalls verklärend schöne Venedigansicht von etwa 1949 bei angemessenen 40.000 Franken landete.

Auch der alternde Cuno Amiet, eigentlich noch im Realismus des 19ten Jahrhunderts groß geworden, malte 1947 eine Landschaft mit Alpenkette im Hintergrund, als taste er sich unsicher zu neuen Ausdrucksmöglichkeiten vor. Fast authentisch könnte man dieses kleine Bild nennen, das sich bei 90.000 Franken an die zweite Position setzte (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR). 44.000 Franken blieben für die nicht ganz so zittrige Hügellandschaft mit dem Jura aus demselben Jahr übrig (40.000 bis 60.000 SFR). Jeweils 16.000 Franken schafften Martin Dislers abstrakter Expressionismus in einer Spachtelei von 1984 (Taxe 16.000 bis 20.000 SFR) und als eine der wenigen Plastiken Raymond Duchamp-Villons kleines, stückweise zusammengestelltes Pferd aus dem Jahr 1911 (Taxe 10.000 bis 12.000 SFR). Für Hans Schärers beinahe naiv zu nennende „Madonna mit Spiralen“ von 1975 blieben 14.000 Franken übrig (Taxe 12.000 bis 15.000 SFR), für Max von Moos’ abstrakt-surrealistischen „Kopf mit Schlangen“ die untere Schätzung von 10.000 Franken.

Arbeiten auf Papier

Die fast zwanzig Prozentpunkte Unterschied zwischen der Älteren und der Neuesten Kunst spiegeln auch die Werte bei den Arbeiten auf Papier wieder: Knapp 50 Prozent beträgt die Zuschlagsquote bei den Alten und Neueren Meistern, gut 65 bei den Modernen und Zeitgenossen. Unter den älteren Künstlern ist ein Nachfolger von Giovanni Francesco Barbieri, genannt Guercino, erwähnenswert, dessen Rötelzeichnung einer Madonna mit Kind sich von 2.000 Franken auf 14.000 Franken verbesserte. Jakob Suters abendlich verklärter Blick gegen das Lauterbrunnental mit der Jungfrau auf einem Aquarell von 1856 erreichte 8.000 Franken (Taxe 7.400 bis 7.800 SFR).

Höhere Preise kamen bei den jüngeren Meistern zusammen, etwa beim 1886 in Japan geborenen und 1968 in Zürkch gestorbenen Tsuguharu Foujita, dessen 1924 datierte, an die sicheren Skizzen Matisses gemahnende Tuschfederzeichnung einer sitzenden Dame im Profil von 14.000 bis 18.000 auf 24.000 Franken kletterte. Ferdinand Hodlers fünf stilisierte Frauen in Hausfrauenlook und statischen Tanzbewegungen machten sich bei taxgerechten 18.000 Franken vom Acker. Auf 15.000 Franken verdreifachte sich der Wert von Alberto Giacomettis Lithografie „Nu debout II“ aus dem Jahr 1961. Pablo Picassos schöner Linolschnitt „Tête“ mit dem Datum des 17. Januar 1963 brachte es auf 24.000 Franken (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR). 26.000 Franken schaffte Richard Tuttles einmaliges Künstlerbuch aus dem Jahr 1977 (Taxe 20.000 bis 25.000 SFR).

Kunsthandwerk

Bei den zu 73 Prozent vergebenen Möbeln lagen die Preise meist etwas niedriger als die angegebenen Schätzungen. Ein prächtiger süddeutscher Kasten der Zeit um 1700 verbuchte noch die untere Grenze von 15.000 bis 20.000 Franken, schon an 35.000 Franken und 29.500 Franken blieben indes eine Kommode aus der Berner Werkstatt Matthäus Funks von etwa 1770 (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR) sowie eine Pariser Kommode des Louis XV hängen (Taxe 30.000 bis 35.000 SFR). Zwei klassizistische Kommoden im Stil Giuseppe Maggiolinis machten bei jeweils 15.000 Franken einen Abgang (Taxen je 16.000 bis 18.000 SFR). 14.000 Franken ist jetzt ein französischer Bücherschrank des Empire wert (Taxe 14.000 bis 18.000 SFR). Nur ein alter Refektoriumstisch konnte sich von 1.800 Franken auf 15.000 Franken deutlich verbessern; Refektoriumstische sind ja in jüngster Zeit auch in anderen Auktionshäusern zum Teil ungewöhnlich hoch gegangen.

Über eine französische Tapisserie des 18ten Jahrhunderts mit der Darstellung einer exotischen Gartenszene für 46.000 Franken (Taxe 22.000 bis 25.000 SFR) ging es weiter zu den Skulpturen, die freilich eher zurückhaltende Erwartungen geweckt haben dürften. Immerhin, ein farbig gefasstes Relief der Beschneidung Christi aus der deutschen Spätgotik wurde von 8.000 Franken auf 28.000 Franken gehoben. Wieder einmal umsonst zu Besuch waren dagegen vier Medaillons des 18ten Jahrhunderts mit Jagd- und Blumenstillleben. Dabei eignen sich die französischen Schnitzereien so schön als Weinfassdeckel (Taxe 18.000 bis 24.000 SFR). Das Silber beeindruckte durch einen vermutlich in Augsburg angefertigten Deckelhumpen des 17ten Jahrhunderts mit Putten in einer Waldlandschaft auf der silbernen Wandung bei 15.000 Franken (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Sehr guten Absatz fanden anschließend die Glasobjekte aus der bedeutenden Sammlung Buchecker, wenngleich die Schätzpreise selten übertroffen wurden. Bei 6.500 und 10.000 Franken schlossen zwei Pokale Georg Ernst Kunckels um 1730 ab (Taxen zwischen 6.600 und 12.000 SFR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Galerie Fischer Auktionen AG

Haldenstrasse 19

CH-6006 Luzern

Telefax:+41 (041) 418 10 80

Telefon:+41 (041) 418 10 10

E-Mail: info@fischerauktionen.ch

Startseite: www.fischerauktionen.ch



07.01.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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