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Surreale Filme, hybride Formen und immer wieder Malerei: An der Hochschule für bildende Künste in Hamburg zeigen 56 Absolventen ihre Arbeiten

Letzte Runde auf dem Hochschulkarussell



Adrian Alecu – Plakate

Adrian Alecu – Plakate

Mit dem Diplom in der Tasche ist der Weg frei in die weite Welt: ins erste eigene Atelier, in eine neue Stadt, zum Auslandstipendium. Spätestens jetzt sollten die frisch diplomierten Künstler erste Kontakte zu Galerien knüpfen, in Off-Räumen experimentieren oder im Idealfall neugierigen Galeristen und Kuratoren begegnen. Nicht jeder wird freilich ein neuer Daniel Richter oder Jonathan Meese, aber die Ausbildung an einer Kunsthochschule ebnet den Weg in viele kreative Berufe. 120 Studenten haben in den letzten beiden Semestern an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg ihr Diplom gemacht. 56 davon stellen jetzt auf dem Diplomrundgang ihre Abschlussarbeiten aus. Wie in jedem Jahr wurde der mit 7.500 Euro dotierte Karl H. Ditze Diplompreis verliehen. Die Jury entschied sich in diesem Jahr, gleich drei 1. Preise, jeweils mit 2.500 Euro ausgestattet, zu vergeben. Die drei Preisträger im Bereich Freie Kunst heißen Nadja Frank, Ulf Groote und Anna Belle Jöns.


Ein Rundgang: Jakob Perko zeigt einen 4minütigen Videofilm auf drei Projektionswänden. Ausgangspunkt der Arbeit ist eine selbst komponierte und gespielte Klaviermusik. „Die Musik muss ein harmonisches Ganzes sein“, sagt er. Dazu reiht er assoziative Bilder aneinander: Menschen am Meer, Reisende, eine Frau im Treppenhaus, einen Friedhof, einen Mann, der auf einem Stuhl auf der Straße sitzt. Geschwindigkeit mischt sich mit Momenten der Stille. Rhythmus und melancholische Klänge unterstreichen den Fluss der Zeit. Bilder aus Ost- und Westeuropa, Szenen des Transits und des Übergangs.

Kontrastprogramm dann im dritten Stock. Der Rumäne Adrian Alecu präsentiert eine kleine Retrospektive seiner Arbeiten unter dem Titel „I believe in Joy“. Alecu mixt in verschiedenen Medien kritische Beobachtungen der postkommunistischen Bukarester Gesellschaft mit westlichen Elementen. Videos, Skulpturen und grafische Arbeiten fügen sich zu einem assoziativen Ganzen. „Ich versuche ständig, die konventionelle narrative Form zu brechen, um zu einer neuen Erzählung zu kommen“, so Alecu. Eine Wand hat er mit schwarzweißen Plakaten beklebt, die den Schriftzug „ZIMBRU“ tragen – eine Anspielung auf den Auerochsen (rumänisch: Zimbru), der die erste rumänische Briefmarke ziert. Diese wiederum reproduziert Alecu auf farbigen Siebdrucken. In seinen Filmen mischen sich halb private und fiktive Szenen. Die unterlegten Texte sind sowohl Politikerzitate als auch eigene Texte. Bewusst verwischt Alecu in seinen Arbeiten die Spuren. „Ich habe den Hang zur absurden Erzählform“, sagt er.

Im selben Raum zeigt Patrick Farzar unter dem Ausstellungstitel „Kussbakka“ Zeichnungen, Collagen, Malerei und Skulpturen. Ein ganzes Konvolut von Papierarbeiten hat er unkonventionell auf eine grau gestrichene Wand gehängt. Es sind schnelle Zeichnungen, Collagen und comicartige Bildfindungen in verschiedenen Materialien und Papierqualitäten. Die blockartige Präsentation will Farzar auch für zukünftige Ausstellungen beibehalten. Auch kleine Gemälde werden neben- und übereinander präsentiert. Ganz neu entstanden sind Skulpturen. Die Objekte stehen auf Rollen und erinnern an Schornsteine, Industrieanlagen oder altmodische Heizungen. Sie sind mit Blech, Tapete oder Kacheln beklebt und verkleidet. Vergleiche mit Martin Kippenbergers Installationen sind durchaus erlaubt. Patrick Farzar gefällt dieser Bezug. „Wobei ich mich vom Zynismus Martin Kippenbergers fernhalten möchte“, sagt er. „Lieber Humor und Freude als Bitterkeit und Zynismus.“

Ein Stockwerk tiefer geht es bei der Koreanerin Hye Yeon Park um Fragen des Raumes in der Fotografie. Sie nennt ihre kleine Ausstellung „Die Fotografie im Raum, vom Raum“. Lange Zeit war sie unzufrieden, wenn sie sich in der Fotografie von architektonischen Gebäuden und Elementen auf nur eine Blickrichtung beschränken musste. „Das, was eigentlich niemals zusammenhängt, interessiert mich sehr“, so Park. Deshalb ging sie weg vom Einzelbild und kombinierte mehrere fotografische Ansichten eines Motivs aus verschiedenen Perspektiven zu einem neuen, überraschenden Gebilde. Ein Spiel mit irritierenden Fluchtpunktverschiebungen, weg von der gewohnten Zentralperspektive.

Weiter geht es mit Fotografie bei Burkhard Wurzer. Er studierte bei Silke Grossmann und Jitka Hanzlová. Seine kleinformatigen, farbigen Handabzüge zeigen beiläufige Szenen und Momente. Sie sind zeit- und ortlos und könnten in Osteuropa ebenso entstanden sein wie in Hamburg oder in der französischen Provinz. Ein einsamer Mann im Café, eine Hochhaussiedlung hinter Bäumen, ein altmodisches Badezimmer, ein verhängtes Fenster, leere Straßen, ein stiller Wald. Die Bilder sind erzählerisch und verrätselt zugleich. Sie deuten an und vermitteln Stimmungen, erscheinen melancholisch und nostalgisch. Eindringliche Fotografien, die Züge der Vergangenheit nicht ohne einen Hauch von Wehmut tragen.

Bilder des städtischen Alltags dann auf den Gemälden des Chinesen Sun Guo aus der Norbert Schwontkowski-Klasse. „Ich male jeden Tag“, versichert er grinsend und unterstreicht damit selbstironisch das Klischee des chinesischen Werktätigen: fleißig, schnell, produktiv. Die Farbe ist sehr flüssig aufgetragen, die Gemälde erhalten dadurch eine faszinierend glatte Oberfläche, fast als wären sie mit Wachs überzogen. Die Sujets sind stets wiedererkennbar: eine nächtliche Straßenkreuzung, eine wilhelminische Reiterstatue im Stadtbild, ein abgestelltes gelbes Fahrrad an einer Hausecke. Hamburg, Venedig oder Las Vegas: ein blaues Kanu vor einer Brücke, dahinter das in aller Welt vorstellbare, archetypische „Australian Café“ mit einer Passantengruppe. Sun Guos Alltagsbilder sind interkulturell lesbare, atmosphärische Momentaufnahmen einer globalisierten Welt, deren visuelle Oberflächen immer austauschbarer werden. Die seit vier Jahren in Hamburg lebende Chinesin Li Wang malt, ähnlich wie Guo, Hamburger Alltagsszenen. Ihre Farbpalette ist heller, Pastell- und Grautöne vermitteln wechselnde Stimmungen. Regenschlieren und tanzende Schneeflocken treffen auf heitere Sommerimpressionen.

Ebenfalls aus der Schwontkowski-Klasse stammt Volker Hueller, der seine Präsentation schlichtweg „nur Himmel und Dreck“ genannt hat. Mit großer Leichtigkeit stellt er großformatige Collagen und kleine Gemälde her. Dabei verwendet er häufig die Form der Ellipse und harmonisch komponierte Erdfarben. Die Oberflächen der Collagen erscheinen haptisch. Es sind Leder- und Stoffstücke, manchmal scheint die rohe Leinwand durch. Hueller arbeitet in vier bis fünf Schichten, unterteilt und übermalt die Leinwand immer wieder aufs Neue. Vorher fertigt er Skizzen an. „Ich arbeite eher malerisch als konzeptuell“, sagt er. Eine Aussage, die für fast alle malenden Absolventen dieses Jahrgangs gilt: Die Zeit der großen Konzepte scheint vorerst mal wieder vorbei zu sein. Es wird bedenkenlos und unverkrampft gemalt. Solange die Ergebnisse so frisch und gut aussehen, ist dagegen eigentlich nichts einzuwenden.

Im Keller geht es dann in die Bildhauerklasse von Pia Stadtbäumer. In einem Raum stellen Almut Grypstra und Anna Belle Jöns gemeinsam aus. Grypstra nennt ihre Präsentation „Transmission“. Sie hat kinetische Holzskulpturen gebaut. Schaltet sie den Strom ein, springen die Motoren an, und unter lautem Getöse setzen sich spinnenartige Wesen träge in Bewegung: ein unbeholfen wirkendes Auf und Ab. Man denkt an unheimliche Wesen aus Thrillern oder Video-Games.

Aus der Arbeit an der Skulptur leiten sich auch die fotografischen Arbeiten von Anna Belle Jöns ab. Sie hat Alltagsumgebungen nachgebaut und mit der Mittelformatkamera abgelichtet. Nichts ist hier digital bearbeitet, aber dennoch gibt es in jeder Aufnahme einen Twist. So hat Jöns die Kleider in einem Schrank falsch herum aufgehängt und dann auf dem Foto wieder gedreht. Eine Kleiderstange sieht man nicht, die Bügel schweben scheinbar frei im Raum. Eine unauffällige Skulptur steht davor: In einem wie beiläufig abgestellt wirkenden Farbeimer wechselt fast unmerklich die Farbpalette. Der Trick dahinter ist eine raffiniert versteckte Projektion. Jöns, die zu den Preisträgern gehört, nennt ihre Gesamtpräsentation: „6 oder 7 Gespräche, die zu meiner Zufriedenheit verlaufen sind.“

Mit Auszeichnung bestand auch die Andreas Slominski-Studentin Cordula Ditz. Sie drehte einen 5minütigen Film mit surrealen Elementen: eine Frau im weißen Kleid, eine einsame Villa, eine andere Frau, die ihren Kopf verliert, fünf geheimnisvolle weiße Türen, ein gezücktes Mördermesser. Unterlegt ist das absurde Geschehen mit der Musik des Avantgarde-Komponisten György Ligeti. Er komponierte übrigens auch für Stanley Kubrick. Kommentiert wird der Film von großformatigen Gemälden mit Schriftelementen. Ein fast zu übersehendes Detail am Rande: Auf der Fensterbank steht ein Telefon mit einer roten, digitalen Anzeige. Cordula Ditz hat kurzerhand die Buchstabenfolge auf „DEATH“ programmiert.

„Mein Körper ist mein Medium“, sagt Wolfgang Fütterer. Er hat einen Film gedreht, in dem er Menschen zu Wort kommen lässt, die beruflich mit dem Thema Körper zu tun haben. Vor ihnen posierte er nackt und bat sie darum, seinen Körper zu beschreiben. Ein Schlachter übt sich in professioneller Fleischbeschau, ein Boxer bemängelt Fütterers Hüftgold, ein Schönheitschirurg lobt die regelmäßige Körperbehaarung und Symmetrie des Körperbaus. In einer Vitrine präsentiert Fütterer selbstironisch sein „Hüftgold“ als Bronzeskulpturen, daneben übt er sich in einem kleinen Nebenfilm in orientalischem Bauchtanz.

Jonas Kolenc präsentiert im selben Raum einen 12minütigen Filmloop, eingeteilt in fünf Sequenzen. Die einzelnen Szenen sind nicht sofort greifbar, sondern erscheinen eher beiläufig. Aufgenommen in stereotypen Räumen wie einer Tennishalle, einem leeren Bürogebäude oder einem Vergnügungspark, gehen verschiedene Personen schematischen Handlungen nach. Kolenc hat ursprünglich fotografiert. Dem Film, den er in einer Art Trichtergebilde präsentiert, stellt er auf der gegenüberliegenden Seite ein Standbild gegenüber. Es zeigt eine Frau in einem Schlaflabor. Sie steht am Fenster und blickt nach draußen, der Vorhang ist halb geöffnet. Kolenc interessierte bei dieser Aufnahme der wissenschaftliche Aspekt von Schlaf und Traum.

Ein Vorhang taucht auch in der Arbeit „Hors d’œuvre du dancing“ von Katrin Connan auf. Sie teilt einen Raum durch einen halb transparenten, halb spiegelnden Vorhang aus elastischem Plastikmaterial. Er hängt wie eine Säulenreihe von der Decke bis zum Boden. Der Herstellungsprozess war kompliziert und mühsam, das metallisch glänzende, empfindliche Material durfte nämlich nicht knittern. Connan, die freie Kunst und Bühnenbild studiert hat, gelingt es, aus einem fast schwerelosen Material eine immense skulpturale Präsenz herauszuholen.

Ihr Diplom mit Auszeichnung bestand Nadja Frank, die ebenfalls bei Schwontkowski studiert hat. Ihre Arbeit „Top Speed Polish“ überrascht mit einer zunächst klaustrophobisch wirkenden Raumsituation. In einer kleinen Kammer stehen zwei riesige monochrom lackierte Körper, der eine violett, der andere türkis. Sie sind Hybride aus klassischem Tafelbild und Skulptur. In einem arbeitsintensiven Prozess hat Frank die skulpturalen Objekte von Hand hergestellt. Die beiden spiegelnden Objekte spielen mit dem Nebeneinander von geraden und geschwungenen Linien. Daneben platziert sie, fast als ironische Brechung, eine Kugel aus Resten des verwendeten Füllmaterials: Schaumstoffstücke in Klarsichtfolie gehüllt. Eine graue, gekippte Wand ist der abschließende Eingriff in den Raum. Nur die obere, ebenfalls schräge Oberlichtreihe bleibt offen. Der klaustrophobische Effekt wird noch verstärkt, indem Frank kurzerhand die Neonlampen von der Decke mit einem Draht extrem abgesenkt hat. Ein ebenso monumentales wie subtil umgesetztes Raumkonzept, das auch die Jury überzeugte. Frank erhielt einen der drei Ditze-Preise. Der einzige Wermutstropfen: Nach der Ausstellung muss die prämierte Arbeit leider wieder zerstört werden – sie passt nicht durch die Tür.

Die Diplomausstellung 08 ist noch bis zum 24. Februar zu sehen. Sie hat täglich von 14 bis 20 Uhr geöffnet.

Kontakt:

Hochschule für bildende Künste Hamburg

Lerchenfeld 2

DE-22081 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 989 205

Telefax:+49 (040) 428 989 206

E-Mail: presse@hfbk-hamburg.de

Startseite: www.hfbk-hamburg.de



23.02.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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 Hueller
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 Fütterer – Video-Still
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 von Nadja Frank mit „Top speed polish“
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 Patrik Farzar
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 Skulpturen
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Gemälde von Sun Guo

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Wolfgang Fütterer – Video-Still

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Raum von Nadja Frank mit „Top speed polish“

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Collage von Patrik Farzar

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Patrick Farzar – Skulpturen

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Programmiertes Telefon von Cordula Ditz

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Anna Belle Jöns, 6 oder 7 Gespräche, die zu meiner Zufriedenheit verlaufen sind

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