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Marktberichte |
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Jubiläumsauktion zum Zehnjährigen von Quittenbaum  Eine Hyazinthe für Dreyfus

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 |  | Gabriel Argy-Rousseau, Vase, Paris 1929 | |
Nach zehn Jahren sind die Kataloge dicker geworden im Münchner Auktionshaus Quittenbaum. Am 11. Mai 1998 fand dort die erste Auktion statt, mit „Historismus, Jugendstil, Art Déco und Modernem Design“. Inzwischen sind die Sektionen aufgeteilt, und nur noch Jugendstil und Art Déco geben sich die Ehre, am 29. April zur Jubiläumsauktion in die neuen Geschäftsräume an Münchner Theresienstraße zu laden, gleich neben der Pinakothek der Moderne. Allein die ersten zweihundert Lose widmen sich fast ausschließlich Vasen und sonstigen Glasarbeiten der großen französischen Firmen. Den Anfang macht Gabriel Argy-Rousseau, unter anderem mit einer grünlichen und graubläulichen Vase des Jahres 1929, in deren unterem Bereich antikisch anmutende Masken schimmern (Taxe 10.000 EUR) oder einer humorvollen Deckeldose auf der ein Ibis thront (Taxe 1.800 EUR). Mehr als fünfzig Lose gehören Daum Frères. Besonders anziehend sind hier zwei Schalen im Entwurf von Amalric Walter, die wunderbar lebensnah in ein Chamäleon und einen hockenden Frosch übergehen, als seien lebendige und tote Materie ein und dasselbe (Taxen je 12.000 EUR). Nicht zu verachten ist ferner eine große Tischlampe in Pilzform, deren Schaft und Schirm sich durch einen besonders klar gezeichneten Blatt- und Blütendekor auszeichnet. Gerade jetzt im Frühling blühen die Kirschbäume wie auf dieser Lampe ja besonders schön (Taxe 18.000 EUR).
Emile Gallé zieht bald darauf mit fast der gleichen Anzahl an Losen nach, darunter einer recht frühen Vase aus der Zeit um 1894. Quittenbaum legt viel Symbolik in dieses Stück, sieht die entwurzelte Hyazinthe als Zeichen verlorener Treue im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre, die Gallé auf Seiten der mit dem wegen Spionage zu Unrecht verurteilten Soldaten sympathisierenden Linken sah (Taxe 6.600 EUR). Politisch etwas unbelasteter ist die Etude-Vase „La nuit japonaise“ um 1900, die sich allein ihres Dekors aus flatternden Schmetterlingen erfreut (Taxe 7.000 EUR). Verreries Schneider sendet ein balusterförmiges Exemplar mit Fuchsien aus den 1920er Jahren ins Rennen (Taxe 3.200 EUR), und Amalric Walter, nun als Unternehmer, versucht es mit der Deckeldose „Eglantiers“ von Henri Bergé (Taxe 7.000 EUR) sowie drei Schalen, die wie die von Daum Frères mit Chamäleon (Taxe 1.500 EUR), schwarzem Nachtfalter (Taxe 5.000 EUR) und Biene (Taxe 2.000 EUR) geschmückt sind. Daneben kommen aber auch Burgun, Schverer & Co. und François-Emile Décorchemont zum Einsatz, mit weniger, aber ebenso beachtlichen Exponaten meist im niedrigen vierstelligen Bereich.
Bei den Porzellanen und Fayencen hört die Großgruppenbildung erst einmal auf. Eine mächtige, nach Entwurf Marcel Pruniers mit bläulichen Blattformen geschmückte Bodenvase von Sèvres (Taxe 5.000 EUR), Jean Besnards Kugelform mit weitem Trichterhals, abstrakt dekoriert fast wie ein Gemälde Piero Manzonis (Taxe 2.500 EUR), und Clément Massiers Cachepot aus dem Jahr 1890, das in grünen und goldenen Fichtennadeln sich die gierigen Hände der Verehrer vom Leib zu halten versucht (Taxe 4.500 EUR), sind hier als besondere Höhepunkte zu nennen. Lucien Lévy-Dhurmer entwarf ebenfalls für Massier zur selben Zeit eine Vase „Afghan“, auf der goldene Disteln über schwarzem Grund glänzen (Taxe 2.500 EUR). Pierre Adrien Dalpayrats hohe Bodenvasen in schlichter Verlaufsglasur kosten bis zu 7.000 Euro. Wie aus Glas gearbeitet, in Wahrheit aber aus Kupfer besteht Camille Faurés ovaloide Vase mit abstraktem, futuristischem Dekor der 1930er Jahre (Taxe 4.000 EUR). Das Toplos stellt eine 1913 hergestellte Deckenlampe der Firma René Lalique aus Wingen-sur-Moder. Wie eine Baumkrone ist sie zu denken, mit Blättern samt feinen Äderchen, Ästen und Vögeln, die auf Zweigen sitzen. 50.000 Euro möchte Quittenbaum für diese Arbeit sehen.
Die Wiener Werkstätte leitet die Abteilung Österreich-Ungarn ein, unter anderem mit einer Tischlampe und einem Mädchenkopf nach Entwürfen Gudrun Baudischs aus dem Jahr 1928 (Taxen je 7.000 EUR), vergleichbar bei den Deutschen mit Max Laeugers Majolikascherbenskulptur Elefant mit Akrobatin aus demselben Jahr (Taxe 14.000 EUR). Das beste Stück der Wiener Werkstätte ist zugleich wohl eines der kleinsten, eine Brosche von 3,6 Zentimetern Durchmesser, von Josef Hoffmann entworfen und reich mit bunten Edelsteincabochons zwischen stilisierten, a jour gearbeiteten Ranken bestückt (22.000 EUR). Daneben beeindrucken Franz von Zülows Porzellanvase „Wilde Pferde“ aus den späten 1920ern (Taxe 5.500 EUR) sowie zahlreiche Arbeiten von Johann Lötz Witwe für bis zu 4.500 Euro. Von geradezu organischer, ursprünglicher Kraft sind die massigen Formungen des Ungarn Vilmós Zsolnay, unter anderem eine dreiteilige Röhrenvase für 1.800 Euro, deren Füße leider nicht ganz unbeschädigt blieben. Für die leichte Muse eignen sich die gewohnt lustigen Ideen Franz Hagenauers, etwa seine vier Kanuten im langen Boot (Taxe 1.000 EUR). Dass diese Firma dagegen auch edel konnte, beweist ein gemuldetes, von Rillen durchzogenes Messingtablett für geschätzte 3.000 Euro.
Höhepunkt des französischen Silbers ist das den schwungvollen Jugendstilformen angenähertes Kaffee- und Teeservice „Iris“ mit Schwertliliendekor, das im letzten Jahrzehnt des 19ten Jahrhunderts bei Emile Puiforcat in Paris vom Band lief (Taxe 14.000 EUR). Übertroffen wird es später nur noch von einer deutschen Produktion um 1.000 Euro, Moritz Elimeyers Tee- und Mokkaservice der Jahrhundertwende, dessen prächtiger Dekor fast an deutsche Renaissancekrüge erinnert. Auch Josef Hoffmanns Mokkaservice „Cylindrische Form aus angestossenen Zargen“ von 1926 ist seiner konsequenten Durchbildung wegen ein echter Hingucker (Taxe 7.000 EUR). Bei den Chronometern konkurrieren eine Art Déco-Kaminuhr mit Diana der Pariser Firma Georges Lavroff um 1930 (Taxe 4.000 EUR), eine Josef Hoffmann zugeschriebene und von der Wiener Werkstätte hergestellte Portaluhr aus der Zeit um 1903 (Taxe 5.000 EUR) und Karl Kainz’ quadratische, verschließbare Tischuhr aus geschnitztem Alabaster von circa 1900 (Taxe 4.500 EUR).
Meißens Tafelaufsatz mit drei Flamingos von Paul Walther (Taxe 4.000 EUR) und Rosenthals großes Seepferdchen von Gustav Oppel auf dem Jahr 1927 in einer Ausführung nach 1975 (Taxe 2.800 EUR) erscheinen als Vertreter des reichhaltigen deutschen Porzellans, Friedrich Adler und die Krefelder Firma J.P. Kayser Sohn mit ihrem fünfarmigen Leuchter aus Zinn, eine Entwurf von Hugo Leven (Taxe 2.800 EUR), repräsentieren die Metallwaren. Eine fernöstlich inspirierte Deckeldose stellt die Haagsche Plateelbakkerij Rozenburg nach Entwurf Jacobus Willem van Rossums 1902 zur Verfügung (Tax 6.500 EUR), Tiffany aus New York versucht es mit schön schimmernden Lampen und Vasen bei marktüblichen 4.000 Euro und darunter. Dieses Haus zeichnet auch für einen mächtigen, maurisch anmutenden Armlehnstuhl des späten 19ten Jahrhunderts verantwortlich (Taxe 6.000 EUR).
Die Möbelofferte hat ferner das von Gertrud Kleinhempel und Richard Riemerschmid gestaltete Schlafzimmer des Göttinger Arztes Adolph Frank parat. Betten, Kommode, Schrank, Nachtkästchen, Stühle sowie eine Frisierkommode sollen als Einzelposten nicht mehr als 1.500 Euro kosten. Bei 3.000 Euro rangiert Riemerschmids großer Esstisch von etwa 1910 aus demselben Haushalt. Hans Christiansens Stuhl um 1908/10 lässt es ebenfalls elegant und schlicht angehen (Taxe 2.000 EUR), Jacques Adnets Paar Armlehnsessel nimmt um 1930 die neue Nüchternheit der Zeit ohne allen Pomp auf (Taxe 6.000 EUR). Der Vollständigkeit halber muss auch auf Adrianus Eversens „Schützen-Hof in Mechelen“ hingewiesen werden, das als Ölgemälde gegen Ende der Auktion scheinbar noch für etwas frischen Wind sorgen möchte (Taxe 15.000 EUR).
Die Auktion beginnt am 29. April um 12 Uhr. Die Vorbesichtigung findet vom 24. bis zum 28. April täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr statt. Der Katalog ist im Internet unter www.quittenbaum.de abrufbar. |  | Kontakt: Quittenbaum Kunstauktionen Theresienstraße 60 DE-80333 München |
 | Telefon:+49 (089) 273 702 125 | Telefax:+49 (089) 273 702 122 |  |  | E-Mail: info@quittenbaum.de |  | Startseite: www.quittenbaum.de |
23.04.2008 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 36 | Seiten: 1 • 2 • 3 • 4
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (33) |  | •  | Veranstaltung vom: 29.04.2008, Jubiläumsauktion: Jugendstil -
Art Déco |  | •  | Bei:
Quittenbaum Kunstauktionen |  | •  | Bericht: Kurioser Stuhl
|  |  | •  | Kunstwerk:  Verreries Schneider, Vase „Fuchsia“, 1924-1927 |  | •  | Kunstwerk:  Franz von Zülow, Vase „Wilde Pferde“, um 1928 |  | •  | Kunstwerk:  Vilmós Zsolnay, „Tulipan“-Kelch, Pécs um 1898 |  |  | •  | Kunstwerk:  Josef Wagner, Tablett, 1930er Jahre |  | •  | Kunstwerk:  Moritz Elimeyer, Tee- und Mokkaservice, Dresden um 1900 |  | •  | Kunstwerk:  Friedrich Adler, Tischlampe, 1901/02 |  |  |
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 Clément Massier,
Cachepot,
Golfe-Juan 1890 |  | Taxe: 4.500,- EURO Losnummer: 226 |  |  |  |  |  | 
 Josef Hoffmann,
Brosche, 1906-1908 |  | Taxe: 22.000,- EURO Zuschlag: 30.000,- EURO Losnummer: 332 |  |  |  |  |  | 
 Henry van de Velde,
Henkelvase, 1903 |  | Taxe: 2.000,- EURO Zuschlag: 2.000,- EURO Losnummer: 536 |  |  |  |  |  | 
 Emile Puiforcat,
Kaffee- und
Teeservice „Iris“,
Paris um 1890/1900 |  | Taxe: 14.000,- EURO Losnummer: 261 |  |  |  |  |  | 
 Josef Wagner,
Tablett, 1930er
Jahre |  | Taxe: 3.000,- EURO Losnummer: 453 |  |  |  |  |  | 
 Louis Comfort
Tiffany, Louis
Comfort Tiffany und
Samuel Colman,
Armlehnstuhl, nach
1892 |  | Taxe: 6.000,- EURO Zuschlag: 44.000,- EURO Losnummer: 792 |  |  |  |  |  | 
 Paul Walther,
Tafelaufsatz mit
drei Flamingos, um
1904 |  | Taxe: 4.000,- EURO Losnummer: 583 |  |  |  |  |  | 
 Emile Gallé, Vase „la
nuit japonaise“, um
1900 |  | Taxe: 7.000,- EURO Zuschlag: 7.000,- EURO Losnummer: 87 |  |  |  |  |  | 
 Pierre Adrien
Dalpayrat, Große
Vase,
Bourg-la-Reine um
1900 |  | Taxe: 7.000,- EURO Zuschlag: 7.000,- EURO Losnummer: 238 |  |  |  |  |  | 
 Jacques Adnet, Paar
Armlehnsessel,
Paris um 1930 |  | Taxe: 6.000,- EURO Zuschlag: 5.000,- EURO Losnummer: 313 |  |  |  |  |  | 
 Adrianus Eversen,
Der Schützen-Hof in
Mechelen |  | Taxe: 15.000,- EURO Losnummer: 760 |  |  |  |  |  | 
 Emile Gallé, Vase
„Jacinthe“, um 1894 |  | Taxe: 6.600,- EURO Zuschlag: 8.200,- EURO Losnummer: 79 |  |  |
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