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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Christie’s triumphiert mit Monet, Rodin, Vuillard, Giacometti und Miró

Der Kunstmarkt-Zug dampft weiter



Claude Monet,  Le Pont du chemin de fer à Argenteuil, 1873

Claude Monet, Le Pont du chemin de fer à Argenteuil, 1873

Mit Claude Monet lief bei Christie’s alles glatt. Er war der unangefochtene Star der Auktion „Impressionist and Modern Art“ am Dienstagabend in New York. Dafür musste der Vielmaler schon mit einem exzeptionellen Werk aufwarten. Das 1873 datierte Gemälde „Le Pont du chemin de fer à Argenteuil“ gilt als eines seiner Hauptwerke und des Impressionismus überhaupt, das noch in privaten Händen verblieben war. Monet hatte sich im Jahr der Entstehung der Eisenbahnbrücke über die Seine immer wieder malerisch mit dem Bauwerk beschäftigt. Herausgekommen ist eine klassisch austarierte Komposition, die mit der technoiden, schmucklosen Brücke gar etwas unterkühlt wirkt. Dennoch konnte sie drei Käufer verlocken, um ihren Erwerb zu ringen. Bei 37 Millionen Dollar schlug schließlich der Hammer auf das Auktionspult, mit Aufgeld musste ein nicht genannter Sammler knapp 41,5 Millionen Dollar hinblättern. Damit war Christie’ ganz zufrieden; kam doch der neue Rekord zusammen, der den alten des Erzrivalen Sotheby’s von 16,5 Millionen Pfund aus dem vergangenen Sommer um rund 2 Millionen Pfund übertraf. Gefreut haben dürfte sich vor allem auch die international tätige Kunsthändlerfamilie Nahmad, die „Le Pont du chemin de fer à Argenteuil“ 1988 bei Christie’s in London für 6,2 Millionen Pfund erwarb. Garantiert war ihnen jetzt eine Summe von etwa 35 Millionen Dollar.


Spitzenpreise gab es zum Auftakt der New Yorker Auktionswochen auch für Auguste Rodins 1881 modellierte „Eve, grand modèle-version sans rocher“. Rodin erdachte sich die Bronze eigentlich für das berühmte Höllentor, griff dann einzelne Figuren heraus und setzte sie als eigenständige Werke um, wie die lebensgroße Eva, die sich duckend den Zorn Gottes zugezogen hat. Die Schätzung lag bei 9 bis 12 Millionen Dollar schon hoch, wurde aber mit einem Zuschlag von 16,9 Millionen Dollar aber noch übertroffen. Der nächste Rekord mit 15,2 Millionen Dollar zur oberen Grenze der Schätzungen gebührt Joan Miró und dem Ölgemälde „La carasse des étoiles“, das trotz seiner Entstehung 1938 während des Spanischen Bürgerkriegs spielerisch, freudvoll und optimistisch anmutet. Der vierte im Bunde der neuen Spitzenreiter war Alberto Giacometti. Bei seiner 274 Zentimeter hohen, extrem schlanken und verhärmten Bronze „Grande femme debout II“ von 1960 schlug der selten öffentlichkeitsscheue New Yorker Galerist Larry Gagosian zu und setzte sich erst bei netto 24,5 Millionen Dollar gegen die Konkurrenz durch. Bei 18 Millionen Dollar soll die nicht offiziell genannte Taxe gelegen haben.

Mit der gesamten Auktion lief am 6. Mai es allerdings nicht so glatt. Zu oft gab es Ausfälle auch in den oberen Preisregionen, dass nur 44 von den 58 angebotenen Kunstwerken sich in neuen Händen wiederfanden, zu oft wurden die unteren Taxgrenzen nicht erreicht, dass brutto nur ein Umsatz von 277,3 Millionen Dollar zusammenkam. Die untere Schätzpreissumme lag ohne Aufgelder bei 287 Millionen Dollar, die obere gar bei 405 Millionen Dollar. Dennoch ist es das drittbeste Ergebnis, das Christie’s in dieser Kategorie verbuchen konnte. Auf der Rückgangsliste trafen sich etwa Claude Monets etwas schwammige Venedigimpression „Le Rio de la Salute“ von 1908 (Taxe 8 bis 12 Millionen USD), Berthe Morisots Portrait einer jungen Frau von 1871 (Taxe 1,2 bis 1,6 Millionen USD), Vincent van Goghs Landschaft „Route aux confins de Paris, avec paysan portant la bêche sur l’épaule“ von 1887 (Taxe 13 bis 16 Millionen USD), die beiden Tahiti-Bilder Paul Gauguins aus dem Jahr 1892 für bis zu 15 Millionen Dollar oder Kees van Dongens lasziver Tanzakt „Anita en almée“ von 1908 (Taxe 12 bis 16 Millionen USD). Angesichts der internationalen Finanzmarktkrise sprach Marc Porter, der Präsident von Christie’s Amerika, dennoch von einem erfreulichen Gesamtergebnis und einem starken internationalen Kunstmarkt.

Skulpturen hatten es diesmal den Sammlern angetan. Zu Giacomettis überlebensgroßer Dame gesellte sich noch sein abstrakt-geometrischer „Homme (Apollon)“ in Gips, ein Frühwerk des Schweizers von 1929, bei guten 3,2 Millionen Dollar (Taxe 800.000 bis 1.200.000 USD), die fünf dünnen, zittrigen Menschen auf „La Place II“ von 1948/49 bei 13 Millionen Dollar, oder die nur 14,7 Zentimeter hohe Figurine aus Gips bei 550.000 Dollar (Taxe 500.000 bis 700.000 USD). Miró war dann noch mit der ebenso fröhlich und bunt bemalten Bronzefigur „Personnage“ vom Ende der 1960er Jahre vertreten, die sich mit 5,1 Millionen Dollar ebenfalls gut behauptete (Taxe 3 bis 4 Millionen USD). Hans Arps glatt polierte Bronze „Déméter“ ergeht sich dagegen nun bei 600.000 Dollar ganz in Formschönheit (Taxe 500.000 bis 700.000 USD). Henry Moores aufgebrochene Bronzeplastik „Family Group“ aus dem Jahr 1946, gegossen 1969, reüssierte bei 3,6 Millionen Dollar (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen USD), sein ebenfalls deformiertes „Working Model für Reclining Figure: Angles“ von 1975 bei 2,9 Millionen Dollar (Taxe 2 bis 3 Millionen USD). Rembrandt Bugattis „Grand tigre royal“ um 1913 schritt stolz zum neuen Rekord bei 2,3 Millionen Dollar (Taxe 2 bis 3 Millionen Dollar USD), Edgar Degas’ „Cheval arrêté“ folgte zur oberen Schätzung von 600.000 Dollar. Lediglich Aristide Maillols späte Bronze „Etude pour l’Harmonie“ wurde verschmäht (Taxe 500.000 bis 700.000 USD).

Claude Monet schickte zudem das helle, grünblaue Seerosenbild „Nymhéas“ von 1908 erfolgreich bei 10,4 Millionen Dollar ins Rennen (Taxe 10 bis 15 Millionen USD). Für den französischen Impressionismus stand dann noch mit fünf Gemälden Camille Pissarro, der davon vier Landschaften gut absetzten konnte, am besten „Le grand noyer, matin, Eragny“ von 1901 für 3,6 Millionen Dollar (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen USD). Pierre-Auguste Renoir überzeugte mit dem Figurenbild „Au Théâtre, la loge“ von 1894 bei 5,4 Millionen Dollar (Taxe 5 bis 7 Millionen USD), Edgar Degas nicht so sehr mit seinem Pastell „Trois danseuses“ um 1899 bei 3,8 Millionen Dollar (Taxe 4,5 bis 6,5 Millionen USD). Mit Paul Signac und seinem pointillistisch gestrichelten „La Corne d’or (Constantinople)“ aus dem Jahr 1907 war der Impressionismus überwunden und mit 5,9 Millionen Dollar auch die untere Taxgrenze von 5 Millionen Dollar.

In die Moderne führte auch Paul Cézannes Aquarell mit Waldimpressionen um 1890 für 600.000 Dollar (Taxe 700.000 bis 1.000.000 USD). Auch Edouard Vuillards, etwa ein Jahr jüngeres Gemälde „Fillettes se promenant“ steht am Anbruch der neuen Epoche. Gezahlt wurde dafür die neue Höchstmarke von 7,1 Millionen Dollar (Taxe 7 bis 10 Millionen USD). Höhepunkte gab es weiter mit Henri Matisses farbkräftigem Bildnis seiner Muse Lydia Delectorskaya „Portrait au manteau bleu“ von 1935 bei erwateten 20 Millionen Dollar oder seinem Pastell „La Danseuse“ von 1927 knapp unterhalb der Schätzung bei 7,5 Millionen Dollar, mit Pablo Picassos kubistischem Stillleben „Partition, Guitare, Compotier“ aus dem Jahr 1924 bei 11 Millionen Dollar (Taxe 12 bis 16 Millionen USD), dem Bildnis seiner Kinder „Claude et Paloma dessinant“ von 1954 bei 7,9 Millionen Dollar (Taxe 7 bis 10 Millionen USD), mit Fernand Légers ebenfalls kubistisch zerlegten „Les femmes à la toilette“ aus dem Jahr 1920 bei taxgerechten 9 Millionen Dollar oder mit Georges Braques querovalem Stillleben „Verre et pipe Jour“ von 1913/14 bei 3,4 Millionen Dollar (Taxe 3 bis 4 Millionen USD). Egon Schiele gewann die anwesenden Käufer mit seinen vier verkrümmten Frauenakten, bis zu 1,55 Millionen Dollar für die Zeichnung „Liegender Akt mit angezogenem linken Bein“ von 1914 auszugeben (Taxe 600.000 bis 900.000 USD). Auch Paul Klees kindliche Abstraktionen gefielen: Der „Dünenfriedhof“ von 1924 bei 750.000 Dollar, „Außerdem ein Mänchen“ von 1938 bei 950.000 Dollar (Taxe je 800.000 bis 1.200.000 Millionen USD).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Christie’s Rockefeller Center

20 Rockefeller Plaza

US-NY 10020 New York

Telefon:+1 (212) 6362000

Telefax:+1 (212) 6362399

E-Mail: info@christies.com

Startseite: www.christies.com



08.05.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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06.05.2008, Impressionist And Modern Art Evening Sale

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Christie’s

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Ein Mantel für Miró

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Claude Monet, Le Pont du chemin de fer à Argenteuil, 1873
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Edgar Degas, Cheval arrêté, um 1865-1881
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Pierre-Auguste Renoir, Au Théâtre, la loge, 1894
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 Forêt, um 1890
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Camille Pissarro, Pâturage, coucher de soleil, Eragny, 1890
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Pierre-Auguste Renoir,  Au Théâtre, la loge, 1894

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Camille Pissarro,  Le grand noyer, matin, Eragny, 1901

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