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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Grafik, Gemälde und Zeichnungen des 15ten bis 19ten Jahrhunderts bei Bassenge

Nicht ohne meine Landschaft



Albrecht Dürer,  Bildnis Kaiser Maximilians I., nach 1519

Albrecht Dürer, Bildnis Kaiser Maximilians I., nach 1519

Manieristen erheben hohe Ansprüche auf der Grafikauktion des Berliner Hauses Bassenge am 29. Mai. Allen voran Hendrick Goltzius, von dem nicht nur mehrere kraftvolle Antikenheroen in Kupferstichen für bis zu 2.400 Euro aufmarschieren, sondern auch Neptun und Galatea, die der Künstler auf zwei zusammengehörige Clair-obscure-Holzschnitte bannte (Taxe 4.500 EUR). Jacob Matham schließt sich mit seinen Kupferstichen, etwa den drei Blättern mit den schönen alttestamentlichen Frauengestalten Sarah, Rebecca, Lea und Rahel für 1.800 Euro direkt an Goltzius an. Jan Harmensz Muller nimmt sich den Deutschen Bartholomäus Spranger zum Vorbild und sticht dessen kraftvolle Szene „Lot und seine Töchter“ sowie „Bellona, die kaiserliche Armee gegen die Türken anführend“ nach (Taxen je 6.000 EUR).


Druckgrafik

Die beiden Großmeister der Grafik fehlen freilich nicht. Zunächst kommt Albrecht Dürer an die Reihe unter anderem mit zwei Holzschnittbildnissen des Kaisers Maximilian I. für je 7.500 Euro und seinen Kupferstichen „Jungfrau mit dem Wickelkind“ für 6.000 Euro und „Maria von einem Engel gekrönt“, ebenfalls von 1520, für 10.000 Euro. Gruselig wird es beim Wappen mit dem Totenkopf aus dem Jahr 1503 (Taxe 6.000 EUR). Dürers etwa zwanzig Jahre jüngerer Zeitgenosse Wolf Huber versucht sich mit der in einer prächtigen Kirche angesiedelten Beschneidung Christi an 12.000 Euro. Nur insgesamt 13 Exemplare sind von diesem etwa 1512/13 entstandenen Holzschnitt bekannt. Als eines der ältesten Stück kommt Martin Schongauers Dornenkrönung um 1480 zum Einsatz (Taxe 6.000 EUR). Für die erste Hälfte des 17ten Jahrhunderts ungewöhnlich spartanisch, dafür aber umso eindringlicher sind die je dreiteiligen Holzschnitte Jacques Stellas, die die Fußwaschung und das letzte Abendmahl zeigen (Taxen je 3.500 EUR).

Rund 150 weitere bedeutende Arbeiten deutscher und niederländischer Grafiker des 15ten und 16ten Jahrhunderts hält der Sonderkatalog der Sammlung Herman und Ruth Engel bereit. Herman Engel starb vor drei Jahren im Alter von hundert Jahren, kurz zuvor hatte das Los Angeles County Museum of Art noch eine Ausstellung mit Blättern aus der Sammlung ausgerichtet. Der Bestand reicht von Heinrich Aldegrever, etwa das Bildnis des Albert van der Helle für 2.500 Euro, bis zu Nikolaus Wilborn, schließt die bedeutendsten Geister der sogenannten Donauländischen Schule, Albrecht Altdorfer oder Lucas Cranach d.Ä. etwa, ein und umfasst eine erkleckliche Anzahl von Arbeiten Barthel Behams und vor allem seines älteren Bruders Hans Sebald Beham für günstige, selten vierstellige Preise. Bei Hans Baldung Grien bekommen sich die „Sieben Pferde“ auf einem Holzschnitt von 1534 gerade in die Haare (Taxe 4.500 EUR), bei Hans Leinberger hat der heilige Georg gerade martialisch den Drachen besiegt (Taxe 1.800 EUR), und bei Lucas van Leyden flieht Joseph eben vor Potiphars Weib (Taxe 2.400 EUR).

Für die Renaissancekunst stehen Hanns Lautensacks ebenso schonungsloses wie würdevolles „Bildnis der Felicitas von Eckh“ aus dem Jahr 1553 (Taxe 1.800 EUR)oder seine Landschaft mit einer Burg auf dem Felsen (Taxe 4.000 EUR), Dirk Jakobsz Vellerts Kupferstich „Christus und die Samariterin“ von 1523 (Taxen 1.800 EUR) und Augustin Hirschvogels Schlangentod der Kleopatra vor einer weiten Landschaft (Taxe 6.000 EUR). Freilich ist auch hier wieder Albrecht Dürer mit fast fünfzig Losen der eigentliche Star. Seine Holzschnitte „Marter des Evangelisten Johannes“ von 1498, ein Einzeldruck vor dem Text, und der etwas ältere „Engelkampf“ stehen bei 7.500 und 6.000 Euro am höchsten. Für 6.000 Euro ist vielleicht der beeindruckende Holzschnitt des Diplomaten Ulrich Varnbüler zu haben, ein Freund des Künstlers, der später noch am Reichskammergericht in Speyer Karriere machen sollte. Als eines der kleinsten Blätter kommt Martin Schongauers Wappenschild mit Einhorn, das eine Dame hält, für 7.500 Euro zum Aufruf.

Mit der malerischen Radierung „Die Hütte bei dem großen Baum“ von 1641 für 25.000 Euro stellt Rembrandt wieder im Hauptkatalog das teuerste Los der ganzen Auktion. Je 12.000 Euro sollen „David betend“ und „Abraham, die Engel bewirtend“ kosten, 9.000 „Abraham Isaak liebkosend“ und sein Bildnis des Malerkollegen Jan Asselijn aus dem Jahr 1647. Giovanni Battista Piranesis, Bernardo Bellottos und Giovanni Antonio Canals wunderbare Veduten aus Italien und Dresden für bis zu 12.000 Euro bestreiten einmal mehr einen Teil des 18ten Jahrhunderts. Seltener anzutreffen ist Benigno Bossi mit seinen 28 radierten Wiedergaben „Raccolta di Disegni Originali Di Fra.co Mazzola detto il Parmigianino“ von 1772 (Taxe 6.000 EUR) oder einer „Mascarade à la Grecque“ von 1771. Unter diesen zehn Radierungen findet sich eine Frau, die sich aus Gesimsen, Gebälken, einer kannelierten Säule und Pinienzapfen zusammensetzt – letztere pikanterweise anstelle der Brüste (Taxe 9.000 EUR).

Merkwürdig auch Louis-Jean Desprez’ Aquatintaradierung eines ägyptischen Grabmonuments mit dem Tod als Sphinx und Weltenherrscher (Taxe 4.000 EUR) und seine kolorierte Illumination der Paulinischen Kapelle aus der Zeit um 1779, an der auch Francesco Piranesi mitgewirkt hat. Sichtlich hatte der Franzose etwas für kultische Handlungen und Inszenierungen übrig (Taxe 6.000 EUR). Schnell zum Strand zwischen Zandvoort und Wijk op Zee eilte Hendrik Spilman 1762, um einen gestrandeten Wal festzuhalten (Taxe 4.500 EUR). Mit der stimmungsvollen und seltenen Radierung „Der Centaur Chiron unterrichtet den Knaben Achilles in Spiel der Leier“ von Gaetano Zompini schließt die Grafikabteilung des 18ten Jahrhunderts (Taxe 1.500 EUR).

Mit vier farbigen Lithografien symbolistischer Art von Paul Herrmann für bis zu 600 Euro und Sigmund Ferdinand Pergers Radierung „Romulus und Remus von der Wölfin genährt“, für die Entstehung 1811 ungewöhnlich realistisch gehalten (Taxe 1.200 EUR), tritt das 19te Jahrhundert preislich eher bescheiden auf. Ausnahmen bilden Edouard Manets Radierung „La Toilette“ von 1862 (Taxe 4.500 EUR) und vor allem zwei Lithografien Johann Gottfried Schadows, in denen der Berliner 1826 „Achtzehn Bildnisköpfe zur Künstlerreise nach Potsdam“ versammelt (Taxe 7.500 EUR) und ein Jahr zuvor „Die Lacher“ portraitiert (Taxe 3.000 EUR). James Abbott McNeill Whistlers etwas geziert aussehendes Mädchen „I am Flo“ von 1873 kostet 1.600 Euro, Anders Zorns „Neues Stubenmädchen“ von 1909 will mit 900 Euro umworben werden.

Gemälde

Am 30. Mai folgen die Gemälde und Zeichnungen, den Anfang machen die Alten Meister mit einem Programm von rund zwei Dutzend Werken. Eine schöne Frau als Allegorie der käuflichen Liebe, entstanden im Umkreis des Florentiners Francesco Furini, ist hier zu nennen (Taxe 9.000 EUR) und eine schöne Winterlandschaft, die Frans de Momper zugeschrieben wird (Taxe 6.500 EUR). Eine kleine Holztafel Cornelis van Poelenburghs mit Nymphen in einer arkadischen Landschaft ist mit 9.000 Euro bewertet. Zu den ältesten Werken gehören zwei Bildnisse aus der Werkstatt Jan Cornelisz Vermeyens, die – in freilich nicht allzu hoher Qualität – Kaiser Karl V. und seine Gemahlin Isabella von Portugal zeigen (Taxe 7.500 EUR).

Etwas reichhaltiger ist das Angebot an Neueren Meister, wenngleich die Preise kaum höher klettern. Hier geht fast nichts ohne Landschaften. Die schönste stellt Ignaz Raffalt mit einer sommerlichen Dorfstraße 1845 zur Verfügung (Taxe 9.500 EUR), eine der interessantesten Antonín Chittussi, dessen „Winter in Nanteuil-les-Meaux“ um 1880 sichtlich dem französischen Impressionismus nachstrebt (Taxe 9.000 EUR), und die günstigsten Edmund Berninger in Form von sechs kleinen Skizzen auf Pappe oder Leinwand für jeweils nicht mehr als 750 Euro. Durch Karl Hagemeisters Sturmstimmung an der bewaldeten Küste der herbstlichen Ostsee weht bereits der deutsche Impressionismus (Taxe 4.000 EUR). Wie wenig sich Henri-Joseph Harpignies’ Stil verändert, machen ein herbstlicher Wald mit Lichtung und ein herbstliches Waldstück mit Sturm deutlich. Beide zeigen eine ähnliche Freilichtmalerei, entstanden jedoch im Abstand von über sechzig Jahren 1848 und 1909 (Taxen 6.000 und 2.200 EUR).

Pech hat Heinrich Bürkels umgestürzter Heuwagen, zumal auch noch ein Gewitter droht. Und keiner hilft dem armen Kutscher, der einsam in die Weite ruft (Taxe 9.500 EUR). Eine schöne Entdeckung machte Albert Emil Kirchner 1848 mit dem ruinösen Palazzo Fondaco dei Turchi am Canal Grande in Venedig. Die malerische Ansicht musste natürlich sofort im abendlichen Licht festgehalten werden (Taxe 12.000 EUR). Als Pendants gibt es ein italienisches Gebirge am Abend und eine italienische Küste bei Vollmond von Lorenz Adolf Schönberger für 9.000 Euro. Auch Otto Greiners ruhender Männerakt von hinten aus dem Jahr 1891 kommt ohne landschaftliche Umgebung, hier mit einem stillen Wasser, nicht aus (Taxe 4.500 EUR). Das einzige nennenswerte Portrait ist Paul Friedrich Meyerheims junge Frau mit Blumen im Eisenbahnabteil. Aber auch da zieht die Landschaft noch am Fenster vorüber. Das Ölgemälde entstand um 1905 und soll 12.000 Euro kosten. Nur bei Adolf Senff und Andreas Christian Ludwig Tacke kann man sich anstrengen, wie man will: Auf Senffs Raffael-Kopie von 1835 der vier Sybillen aus Santa Maria della Pace in Rom (Taxe 9.500 EUR) und auf Tackes mystischer Innenansicht des Kölner Doms von 1866 wird man partout keine Landschaft entdecken können (Taxe 3.500 EUR).

Zeichnungen

Was Arcimboldo mit Früchten macht, kann Heinrich Göding mit allen Arten von Vögeln. „Aere“ gehört zu einer vierteiligen Serie der Elemente, die vermutlich der 1531 in Braunschweig geborene Künstler im Stil des Italieners als Federzeichnung in Schwarz auf blauem Grund gebildet hat (Taxe 7.500 EUR). Drei Finken auf Baumzweigen stehen dagegen im abbildenden Interesse Johannes Bronkhorst. Auch ein vorbeifliegender Schmetterling sagt hallo (Taxe 3.000 EUR). Derer fünf sind es auf einem Studienblatt Nicolas Struycks (Taxe 4.500 EUR). Für 7.500 Euro ist vielleicht ein Baldassare Franceschini zugeschriebenes Bildnis eines jungen Mannes mit Turban zu haben, das als Selbstbildnis des Meisters aus frühen Jahren gelten kann. Noch höher steigen die Ansprüche mit einem 7 mal 5,6 Zentimeter großen Jünglingskopf in brauner Feder. Nach Knab, Mitsch und Oberhuber stammt die Zeichnung aus der Schule Raffaels und ist dementsprechend mit hohen 12.000 Euro bewertet.

Derb geht es auf einem Fisch- und Fleischmarkt Matthäus Gundelachs zu (Taxe 6.000 EUR), fein gestaltet dagegen ein Meister des 15ten Jahrhunderts in der Nachfolge Stefan Lochners die drei Illuminationen eines lateinischen Stundenbuches (Taxe 15.000 EUR). Streng erscheint Papst Clemens VII. auf einem Blatt Jan van der Straets von etwa 1573/74, die als Vorstudie für einen Bildteppich diente. Der hohe Herr hat auch allen Grund zu seiner Ermahnung Ippolitos de’ Medici, tritt dieser doch nicht einmal äußerlich als würdiger Kardinal seinem Vorgesetzten gegenüber, sondern als sehr diesseitiger Militär (Taxe 4.500 EUR). Johann Heinrich Bleulers in Aquarell und Gouache kolorierte Kreidelithografie des Landschaftsparks in Kassel-Wilhelmshöhe wird zwar noch bei den Alten Meistern gelistet, gehört aber bereits ins 19te Jahrhundert (Taxe 2.200 EUR), der lebensnahen Auffassung nach ebenso drei Rötelzeichnungen des preußischen Künstlers Daniel Nikolaus Chodowiecki für bis zu 5.000 Euro.

Giuseppe Pietro Bagettis feines, 1815 datiertes Aquarell mit der Gesamtansicht Münchens von Gasteig aus ist ähnlich vedutenhaft wie die Arbeiten Bleulers, befindet sich aber tatsächlich schon in der Neueren Abteilung (Taxe 12.000 EUR). Da finden sich als schöne Ansichten auch Adrien Dauzats’ Blick auf die Giralda mit der Kathedrale von Sevilla aus dem Jahr 1855 (Taxe 3.500 EUR) und Friedrich Otto Georgis Abendblick auf das Kolosseum in Rom (Taxe 7.500 EUR). Also wieder überwiegend Landschaften mit oder ohne Architektur, darunter auch Carl Maria Nicolaus Hummels Ziegenhirten vor antiken Ruinen in den Abruzzen (Taxe 4.800 EUR), Franz Skarbinas 1883 genossener Blick auf den Strand von Marina Piccola auf Capri (Taxe 3.500 EUR), Heinrich Oliviers Ansicht des Dessauer Schlosses aus dem Jahr 1820 (Taxe 7.500 EUR) und Friedrich Salathés unvollendetes Aquarell einer Burgruine (Taxe 4.500 EUR). Einzige namhafte Ausnahme ist Wilhelm Leibls Kreidezeichnung des Sohnes von Dr. Reindl, die – nach langer Wanderschaft – im vergangenen Jahr an die Erben Ernst von Simsons zurückgegeben wurde (Taxe 12.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 29. Mai um 10 Uhr mit der Grafik des 15ten bis 17ten Jahrhunderts und der Sammlung Engel und wird um 15 Uhr mit der Grafik des 18ten bis 19ten fortgeführt. Am 30. Mai um 10 Uhr stehen zunächst die Gemälde Alter und Neuerer Meister auf dem Programm, um 15 Uhr dann die Zeichnungen. Die Vorbesichtigung ist noch am 27. Mai von 10 bis 19 Uhr und am 28. Mai für auswärtige Besucher von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Katalog ist im Internet unter www.bassenge.com einsehbar.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com

Startseite: www.bassenge.com



27.05.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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