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Marktberichte |
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Resultate: Alte und Neuere Meister bei Karl & Faber in München  Die Pilze der Frau von Lormstein

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 |  | Petrus Apianus, Astronomicum Caesarum, Ingolstadt 1540 | |
Toplos der Alten Meister und der Auktion Alter und Neuerer Kunst überhaupt bei Karl & Faber am 28. Mai wurde eine bibliophile Ausnahmeerscheinung. Denn Petrus Apianus’ „Astronomicum Caesareum“ in einer Ausgabe aus Ingolstadt von 1540 hat eher praktischen Nutzen, ist mit 35 astronomischen Holzschnittfiguren von prächtiger Gestalt ausgestattet, die teilweise mit zahllosen beweglichen Scheiben und Seidenfäden ihre didaktischen Zwecke erfüllen. Auf 180.000 Euro steigerte sich dieses Werk, das mit 45.000 bis 50.000 Euro eher im Rahmen der sonstigen Alten Meister angesetzt war. Denn im Ergebnis, das in Gesamtheit der Zuschläge bei knapp der Hälfte lag, kamen die Beträge über die mittlere Fünfstelligkeit nicht hinaus. Dabei war es ausgerechnet ein völlig unerwarteter Außenseiter, der mit 52.000 Euro den zweiten Platz belegte: Die in schwarzer Kreide und brauner Lavierung festgehaltene Ansicht eines Bauernhofes mit Weiden, die eigentlich nur auf 1.200 Euro angesetzt war. Aber wer weiß, vielleicht stammt das kleine Blatt ja gar nicht aus dem Umkreis Claude Lorrains, wie das Haus vermutete, sondern vom Meister selbst.
Ansonsten gebärdeten sich die Alten Meister im Rahmen der Erwartungen, mitunter auch etwas darüber. Albrecht Dürers Kupferstich „Christus am Kreuz“ von 1508 kletterte von 18.000 bis 20.000 auf 30.000 Euro, weitere Grafiken seiner Offerte wurden mit bis zu 4.000 Euro ebenfalls recht ansprechend bezahlt. Ohne Abnehmer blieben die prächtigen Bauaufnahmen nach Raffaels Vatikanischer Loggia von Giovanni Volpato und Giovanni Ottaviani für bis zu 20.000 Euro, aufgeteilt in drei Losen. Merkwürdigerweise mussten auch alle sechs Arbeiten Rembrandts ihre Heimreise antreten. Vielleicht war sein Angebot trotz günstiger Preise insgesamt zu schwach. Der Engländer Richard Earlom reüssierte mit seinem „Liber Veritatis, Vol. I“ von 1777 an der unteren Grenze von 4.000 bis 4.500 Euro. Jusepe de Riberas „Kleiner grotesker Kopf“, eine Radierung von 1622, musste sich mit 2.000 Euro zufrieden geben (Taxe 2.500 EUR).
Auch bei den Zeichnungen gab es abgesehen von Lorrain wenig Aufregendes. 2.500 Euro für einen Grünwald Franz Kobells (Taxe 2.600 bis 2.800 EUR), 2.200 Euro für Franz Joseph Spieglers Verherrlichung der Immaculata bewegten sich jeweils etwa im Bereich des Erwartbaren. Mit 2.600 Euro und 1.500 Euro lagen Johann Carl Loths Federzeichnung „Äneas trägt seinen Vater Anchises aus dem brennenden Troja“ (Taxe 2.000 EUR) und François Duquesnoys Galatea auf dem Delphin-Wagen über den Schätzungen (Taxe 700 EUR), mit 1.500 Euro ein Bühnenentwurf Ferdinando Galli Bibienas knapp darunter (Taxe 1.800 EUR). Pierre Paul Prud’hons fliegender Genius mit einer Draperie in schwarzer und weißer Kreide auf nächtlich blauem Papier schaffte den Abflug nicht (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR), ebenso wie die bergige Flusslandschaft mit Reisenden Roelant Roghmans (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Dafür verabschiedete sich Johann Heinrich Tischbeins strenges Portrait des Fräulein Wiegling im Profil bei 5.000 Euro (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR).
Etwas zäh gestaltete sich der Absatz einiger älterer Ölgemälde sowohl bei den Alten wie bei den Neueren Meistern. Abraham Jansz Begeyns zwei Waldlandschaften mit Ziegen waren davon betroffen (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR) und die Landschaften von Heinrich Bürkel (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR), Johann Christoph Georg Fries – trotz des schönen Motivs der Magdalenenklause im Nymphenburger Schlosspark – (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR) und August Christian Geist mit Blick auf eine Klosteranlage am Vierwaldstättersee (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).
Mehr Erfolg hatten ausländische sowie jüngere Künstler. Eine erotische Augenweide war Vlaho Bukovacs symbolistische Träumerei von 1903, die 48.000 Euro erlöste (Taxe 45.000 bis 55.000 EUR), Camille Corots Strandlandschaft mit verlassenen Booten und stillen Figuren vermutlich aus den 1830er Jahren kletterte von 16.000 bis 18.000 auf 23.000 Euro, und eine spätsommerliche, vor freier Natur gemalte Waldlandschaft Virgilio Narcisso Diaz de la Peñas brachte mit 18.000 Euro etwas Wind in die Auktion (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Auf 16.000 Euro verdreifachte sich eine abendliche Landschaft des Florentiner Meisters Telemaco Signorini, der zur Künstlergruppe der „Macchiaioli“ gehörte. Diese nahmen sich die französische Schule von Barbizon um Corot und Courbet zum Vorbild. Maler wie Aurelio Zingoni, der zu den akademisch geschulten Salonlöwen gehörte, fanden sie dagegen grässlich. Heute ist Zingonis „Polenta-Mahlzeit“ immerhin noch 11.000 Euro wert (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR).
Genre pur war auch auf deutscher Seite gefragt, wie 32.000 Euro für einen Eduard von Grützner belegen. Ausnahmsweise nicht Wein schlürfende Mönche mit feisten Gesichtern geben sich hier im Jahr 1906 ein Stelldichein, sondern eine sympathisch-heitere Dreierrunde aus Mönch, Jäger und Pfarrer, alle mit Bierglas oder -krügen, die gemütlich beim Kartenspiel sitzen (Taxe 9.000 bis 10.000 EUR). Noch ein wenig teurer wurde es für Lesser Ury. Dieser nach Liebermann, Corinth und Slevogt wohl bedeutendste deutsche Impressionist war mit zwei frühen Gemälden der 1880er Jahre zugegen. „An der Nähmaschine“ widmet sich mit Liebermannschem Blick den Dingen des Alltags, ein Bauerngehöft mit Brunnen kennzeichnet den ganz eigenen, mit viel Licht und teilweise tiefschwarzen Verschattungen arbeitendenden Landschaftsstil des Meisters. Mit 28.000 und 38.000 Euro wurde jeweils die untere Taxe erreicht.
Ferner hatten die Zeichnungen bei den Meistern des 19ten Jahrhunderts guten Erfolg. Samuel Amslers sitzender weiblicher Rückenakt kletterte von 600 auf 7.000 Euro, die gleiche Preisentwicklung nahm Johann Adam Kleins 1816 aufgenommenes Portrait seines jüngeren Bruders Georg Gottfried Christian, der schon zehn Jahre später starb. Pflügende Bauern auf dem Felde, die Johann Georg von Dillis auf einer seiner vielen Reisen aufnahm, stellten bei 4.000 Euro die Arbeit ein (Taxe 2.000 EUR), und zwei unvollendete Landschaftsstudien aus Italien von Thomas Ender kosteten 1.800 und 5.000 Euro (Taxen 1.800 und 1.500 EUR). Die Beliebtheit des Schweizers Friedrich Salathé schlug sich bei Karl & Faber in 10.500 Euro für seine detailreiche und aquarellierte Wiedergabe der Giessbachfälle im Berner Oberland nieder (Taxe 3.500 bis 4.500 EUR). Und für Claude-Emile Schuffenecker Kopfstudien, darunter von Odilon Redon, blieben 3.600 Euro übrig (Taxe 2.400 bis 2.600 EUR).
Erfreulich waren auch die 6.500 Euro für ein mehrere Dutzend Einzelblätter umfassendes Skizzenbuch Alfred Rethels, das sich während eines Aufenthalts 1830 in der Umgebung Krefelds füllte (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Eher botanische und zoologische Interessen verfolgte eine unbekannte Malerin mit dem Namen „von Lormstein“ in der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts mit seinen exakten Wiedergaben von Pilzen, Obst, Schnecken und anderen Tieren. Auf 3.000 Euro verfünffachten sich die drei schönen Studienblätter trotzdem. Ganz andere Leidenschaften wiederum trieben Auguste Rodin zu seiner fast obszönen Darstellung einer knienden nackten Frau von hinten, die für 13.500 Euro neue Bekanntschaft schloss (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Karl & Faber Auktionen Amiraplatz 3 DE-80333 München |
 | Telefon:+49 (089) 22 18 65 | Telefax:+49 (089) 22 83 350 |  |  | E-Mail: info@karlundfaber.de |
02.06.2008 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 22 | Seiten: 1 • 2 • 3
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (19) |  | •  | Veranstaltung vom: 28.05.2008, Alte Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts |  | •  | Bei: Karl &
Faber Auktionen |  | •  | Bericht: Wer kriecht denn
da? |  |  | •  | Kunstwerk:  Samuel Amsler, Sitzender weiblicher Rückenakt, 1819 |  | •  | Kunstwerk:  Johann Georg von Dillis, Pflügende Bauern auf dem Felde |  | •  | Kunstwerk:  Thomas Ender, Castellano zwischen Florenz und Perugia |  |  | •  | Kunstwerk:  Eduard von Grützner, Mönch, Jäger und Pfarrer beim
Kartenspiel, 1906 |  | •  | Kunstwerk:  Johann Adam Klein,
Portrait des Georg Gottfried Christian Klein, 1816 |  | •  | Kunstwerk:  Virgilio Narcisso Diaz de la Peña,
Spätsommerliche Waldlandschaft |  |  |
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 Aurelio Zingoni, Die
Polenta-Mahlzeit |  | Taxe: 7.000 - 9.000 EURO Zuschlag: 11.000,- EURO Losnummer: 466 |  |  |  |  |  | 
 Jean-Baptiste
Camille Corot, Plage
de Sable avec Bateaux
et Pecheurs,
Sainte-Adresse,
1830er Jahre |  | Taxe: 16.000 - 18.000 EURO Zuschlag: 23.000,- EURO Losnummer: 222 |  |  |  |  |  | 
 Virgilio Narcisso
Diaz de la Peña,
Spätsommerliche
Waldlandschaft |  | Taxe: 7.000 - 9.000 EURO Zuschlag: 18.000,- EURO Losnummer: 363 |  |  |  |  |  | 
 Franz Joseph
Spiegler,
Verherrlichung der
Immaculata |  | Taxe: 1.800,- EURO Zuschlag: 2.200,- EURO Losnummer: 187 |  |  |  |  |  | 
 Johann Georg von
Dillis, Pflügende
Bauern auf dem Felde |  | Taxe: 2.000,- EURO Zuschlag: 4.000,- EURO Losnummer: 242 |  |  |  |  |  | 
 Lesser Ury, An der
Nähmaschine, 1885 |  | Taxe: 28.000 - 32.000 EURO Zuschlag: 28.000,- EURO Losnummer: 444 |  |  |  |  |  | 
 Eduard von Grützner,
Mönch, Jäger und
Pfarrer beim
Kartenspiel, 1906 |  | Taxe: 9.000 - 10.000 EURO Zuschlag: 32.000,- EURO Losnummer: 281 |  |  |  |  |  | 
 Auguste Rodin, Femme
nue agenouillée de
dos |  | Taxe: 10.000 - 12.000 EURO Zuschlag: 13.500,- EURO Losnummer: 388 |  |  |  |  |  | 
 Claude Lorrain,
Claude Lorrain
Umkreis, Ansicht
eines Bauernhofes
mit Weiden |  | Taxe: 1.200,- EURO Zuschlag: 52.000,- EURO Losnummer: 167 |  |  |  |  |  | 
 Thomas Ender,
Castellano zwischen
Florenz und Perugia |  | Taxe: 1.500,- EURO Zuschlag: 5.000,- EURO Losnummer: 250 |  |  |  |  |  | 
 Albrecht Dürer,
Christus am Kreuz,
1508 |  | Taxe: 18.000 - 20.000 EURO Zuschlag: 30.000,- EURO Losnummer: 42 |  |  |  |  |  | 
 Friedrich Salathé,
Die Giessbachfälle
im Berner Oberland,
um 1821/22 |  | Taxe: 3.500 - 4.500 EURO Zuschlag: 10.500,- EURO Losnummer: 394 |  |  |  |  |  | 
 Franz Kobell,
Grünwald, um 1810 |  | Taxe: 2.600 - 2.800 EURO Zuschlag: 2.500,- EURO Losnummer: 159 |  |  |
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