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Marktberichte |
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Rückblick: Kunstgewerbe bei Lempertz in Köln  Mit der Sammlung Schuster gut aufgestellt

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 |  | Deckelvase, Meißen, 1710-1713 | |
Exzellent waren die Porzellane, die Lempertz am 16. Mai in seine Auktionsräume am Kölner Neumarkt treten ließ, noch grandioser aber waren die Zuschläge, mit denen sie anschließend wieder hinauskomplimentiert wurden. Schon die Verkaufsquote von fast 60 Prozent nach Losen lässt ahnen, dass die Bieter die erlesene Kollektion, die in diesem Frühjahr auf dem deutschsprachigen Auktionsmarkt allenfalls von der des Schlosses Ahlden übertrumpft wurde, wie dort mit Kusshand begrüßten. Ein Grund war die Sammlung Hans-Siegfried und Jutta Schuster, deren Erlös der Kinderkrebshilfe der Mildred-Scheel-Stiftung zugute kommt. Schon Jutta Schusters Vater Johannes Lehmann, Bankier in Leipzig, legte den Grundstein zur Sammlung. Die eine Hälfte gelangte nach seinem Tod 1971 an das Landesmuseum Sachsen-Anhalt in Halle, die andere wurde bis zu Jutta Schusters Tod im vergangenen Jahr laufend ausgebaut. Nun dient sie noch einmal einem guten Zweck. Lempertz gibt die Zuschlagsquote für diese Sammlung mit 100 Prozent an.
Porzellan und Fayencen
Erstes bedeutendes Los von Sammlung und Porzellanabteilung zugleich war auch eines der außergewöhnlichsten: Eine vollkommen bild- und schmucklose, anthrazitfarben gebrannte Deckelvase aus Böttgersteinzeug, die allein durch ihre balusterartige Form ihre Wirkung erzielt – und natürlich durch ihre Seltenheit. Um 1710/13 stand Meißen noch am Anfang seiner Glanzzeit. Von 20.000 bis 25.000 Euro steigerte deutscher Handel das gute Stück noch einmal auf 44.000 Euro. Dem selben Material entstammen auch ein ziegelrotes Koppchen und dann schon als Böttgerporzellan ein Becher mit dem Relief eines Prunuszweiges. Mit 10.500 Euro und 6.500 Euro wurden diese Arbeiten ebenfalls zum Doppelten der Taxen honoriert. Ganz zu schweigen von einer Teekanne samt Deckel mit Schmelzfarbendekor wohl von Georg Funcke. Fünf Telefone stritten sich um dieses ebenfalls der Frühzeit um 1713/19 entstammende, seltene Werk bis auf 47.000 Euro hinauf (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).
Doch es kam noch besser. Mit Kakiemondekor in Form von Schmetterlingen und Blumen reich, aber nicht überreich bedeckt, war eine Kumme um 1730/35 auf moderate 3.000 bis 4.000 Euro angesetzt. 62.000 Euro aber musste ein Bieter am Ende auftreiben, um die hartnäckige Konkurrenz aus dem Rennen zu schlagen. Absoluter Höhepunkt wurde schließlich eine Figurengruppe nach einem Modell um 1738 von Johann Joachim Kändler. Sie trägt den Titel „Herzdosenkauf“ und zeigt in reich bewegter Rokokomanier einen feinen Herrn, zwei Damen – davon eine in einem prächtigen schwarzen und geblümten Kleid – sowie einen Mohren in reger Geschäftigkeit. Ein amerikanischer Sammler zeigte sich besonders interessiert und investierte schließlich 86.000 Euro in die brillante Gruppe (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).
Viele weitere Stücke sind noch zu nennen, so Koppchen und Untertasse von etwa 1725/30 mit dem Wappen des Königreiches Dänemark und ein etwas jüngerer Walzenkrug mit Blumen und Vögeln für jeweils 20.000 Euro (Taxen 7.000 bis 8.000 und 20.000 bis 25.000 EUR), eine Flasche wiederum mit Kakiemondekor von et 1730 für 14.000 Euro (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR) oder – etwas später – ein Paar Amphorenvasen mit Pâte-sur-pâte-Dekor aus dem 19ten Jahrhundert nach einem Modell aus der Marcolinizeit für 8.500 Euro (Taxe 1.500 EUR). Ja sogar ein Teller aus dem nun wirklich nicht selten auftauchenden Schwanenservice des Grafen von Brühl schaffte noch eine Steigerung von 9.500 auf 18.500 Euro, und eine Maria Immaculata um 1735, wohl eine Idee Johann Gottlieb Kirchners, von 6.000 auf 15.000 Euro.
Gegen soviel Übergewicht Meißens hatten es die anderen Manufakturen schwer. Von den drei erhaltenen Jahreszeitenfiguren Jean Jacques Desoches, die um 1769/70 in Fürstenberg vom Band liefen, wurde nur der Winter für 7.000 Euro übernommen (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Wenigstens schaffte eine zweifigurige Sommerallegorie aus Limbach um 1775 statt 1.500 Euro erfreuliche 5.500 Euro. Mehr zum Zuge kamen die anderen Betriebe bei den Fayencen, Delft zum Beispiel, wo Harlekin und Harlekine des 18ten Jahrhunderts für 5.500 Euro weggingen (Taxe 3.000 EUR), oder Dorotheenthal im thüringischen Arnstadt, das eine fein bemalte Deckelvase der Zeit um 1720 für 2.500 Euro einschickte und mit 7.000 Euro wieder herauskam. Bei einem Erfurter Walzenkrug des Jahres 1737 mit der etwas unbeholfenen Darstellung eines Doppeladlers zeigte man sich zur unteren Taxe von 8.000 Euro bereit. Mit 10.300 Euro bildete schließlich eine rotbraune Teekanne des frühen 18ten Jahrhunderts, vielleicht im brandenburgischen Plaue mit feinem Golddekor, darunter einem Hirsch, und einem Schnabelausguss gefertigt, den kleinen Höhepunkt dieser Abteilung (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).
Jugendstil und Art Déco
Große Sprünge ließ auch die Abteilung Jugendstil und Art Déco nicht zu, wobei hier fast kein Aufruf unbeantwortet blieb und die Zuschlagsquote mit Abstand am höchsten lag. Die großen französischen Glasfirmen wurden meist über den Schätzpreisen bedacht, mit bis zu 8.900 Euro für eine landschaftliche geschmückte Daum Frères-Lampe der Zeit um 1910/14 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), 9.000 Euro für eine extravagante Phänomen-Vase aus der Firma Lötz Witwe von 1899 (Taxe 2.500 EUR) und 8.000 Euro für ein siebenteiliges Trinkensemble aus der Serie „La Ballade des Dames du Temps iadis“, das Emile Gallé 1900 anlässlich der Weltausstellung nach 16 Jahre älteren Vorlagen noch einmal auflegte (Taxe 2.500 EUR). Unerwartete Bewegung kam erst gegen Ende dieser Glasstücke auf, als René Lalique seine beiden Kühlerfiguren „Comète“ und „Victoire“ aus modelgeformtem Glas vorstellte. Letztere aus den 1930er Jahren hielt sich mit 8.300 Euro noch etwas bedeckt, der irgendwann zwischen 1928 und 1947 gefertigte „Comète“ mit langem Schweif aber ging erst für 34.000 Euro an einen Händler in Paris (Taxe 1.200 EUR). Auf bis zu 8.000 Euro brachten es noch zwei Geschirrensembles der Haagschen Plateelbakkerij Rozenburg aus den Jahren 1902 und 1909 (Taxen zwischen 4.000 und 8.000 EUR).
Silber
Mit fast 64 Prozent schloss das Silber noch ein wenig besser als das Porzellan ab, doch blieben die Preise insgesamt niedriger. Zu den ältesten Stücken gehörte ein Nürnberger Bechergewichtssatz mit der Datierung 1598 wieder aus der Sammlung Schuster, der seinen Wert auf 16.000 Euro etwa verzehnfachen konnte. Nicht ganz so weit kam ein etwa hundert Jahre später am selben Ort vielleicht von Johann Eißler gefertigter Deckelhumpen mit Darstellung der Geburt und der Taufe Christi. Er vereinigte nur 10.000 Euro auf sich (Taxe 11.000 bis 12.000 EUR). 48.000 Euro markierten den Höchstpreis, erzielt von einem Augsburger Régence-Reiseservice aus dem ersten Drittel des 18ten Jahrhunderts in originaler Lederschatulle (Taxe 38.000 bis 40.000 EUR). Besonderer Beliebtheit erfreuten sich einige Produkte der klassizistisch strengen französischen Directoire-Zeit, darunter ein Kerzenleuchterpaar für stattliche 13.000 Euro (Taxe 3.200 EUR). Unveräußert blieb dagegen ein elegantes Kaffee- und Teeservice nach Entwürfen des 2007 verstorbenen Architekten Oswald Mathias Ungers (Taxe 19.000 EUR).
Möbel
Die einzigen Schwächler der Auktion waren die Möbel. Zusammen mit den sonstigen Einrichtungsgegenständen und Teppichen lag die Quote hier nur bei gut 41 Prozent. Die teuren Stücke blieben stehen: Eine wohl aus Braunschweig stammende Aufsatzschreibkommode mit Elfenbeinintarsien der Zeit um 1740 (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR), ein reich dekorierter und auch in seiner architektonischen Gliederung anspruchsvoller Aufsatzschrank aus Mainfranken oder dem Moselgebiet für 60.000 bis 80.000 Euro, ein vierteiliges Ensemble venezianischer Kanapees des fortgeschrittenen 19ten Jahrhunderts (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) und eine Léon Benouville zugeschriebene, spielerisch unsymmetrische Vitrine im Art Nouveau-Stil des ausgehenden 19ten Jahrhunderts (Taxe 23.000 bis 26.000 EUR). Sogar die Louis XV-Kommode des Pariser Meisters Pierre Roussel wollte für eigentlich moderate 40.000 bis 60.000 Euro niemand haben. Erst im Nachverkauf verabschiedete sich bei 34.000 Euro Gérard-Jean Galles Bronzependule in Form der dunkel patinierten Pallas Athene mit goldenem Ziffernblattschild um 1820 (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR).
Mit 29.000 Euro blieb ein Kölner Leinenschrank aus dem Umkreis Melchior von Rheidts der Zeit um 1600 mit schönen Architekturmotiven 1.000 Euro unterhalb der Erwartungen. Einige Erfolgsmeldungen gibt es aber doch: Von 6.000 bis 8.000 Euro auf 12.000 Euro kletterte ein barocker Spiegelrahmen vielleicht aus Sachsen. Den gleichen Preis erzielte eine rheinische Kommode des Frühklassizismus um 1780/90 (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Um 6.000 Euro über die obere Taxe von 8.000 sattelte ein wohl in einer der zahllosen portugiesischen Kolonien entstandener Aufsatzschrank mit etwas aufdringlichen Ornamenten drauf. Das 19te Jahrhundert hatte hier das Sagen. Und wieder einmal für schöne Steigerungen war die umfangreiche und vielseitige Sammlung Schuster gut. Zwei Pariser Arbeiten des frühen 19ten Jahrhunderts gehörten dazu, ein Kandelaberpaar mit schönen Viktorien nach einem Entwurf Pierre Philippe Thomires um 1810 und ein durch drei geflügelte Genien präsentierter Tafelaufsatz wohl aus der Werkstatt Feuchère zehn Jahre später. Sie kletterten von den Taxen zwischen 3.000 und 4.000 Euro weit hinaus auf 19.000 und 11.000 Euro).
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Kunsthaus Lempertz Neumarkt 3 DE-50667 Köln |
 | Telefon:+49 (0221) 92 57 290 | Telefax:+49 (0221) 92 57 296 |  |  | E-Mail: info@lempertz.com |
11.06.2008 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 27 | Seiten: 1 • 2 • 3
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (24) |  | •  | Veranstaltung vom: 16.05.2008,
Kunstgewerbe |  | •  | Bei: Kunsthaus
Lempertz |  | •  | Bericht: Antiquitäten für einen guten
Zweck |  |  | •  | Kunstwerk:  Jean Jacques Desoches, Der Winter, Fürstenberg 1769/70 |  | •  | Kunstwerk:  Johann Gottlieb Kirchner zugeschrieben, Maria
Immaculata, Meißen um 1735 |  | •  | Kunstwerk:  Paar als Sommer, Limbach, um 1775 |  |  | •  | Kunstwerk:  Teekanne, wohl Plaue, Anfang 18. Jahrhundert |  | •  | Kunstwerk:  Daum Frères, Lampe au paysage, Nancy wohl um 1910/14 |  | •  | Kunstwerk:  Emile Gallé, Karaffe und sechs Gläser, 1900 |  |  |
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 Paar Leuchter,
Paris, 1798/1809 |  | Taxe: 3.200,- EURO Zuschlag: 13.000,- EURO Losnummer: 488 |  |  |  |  |  | 
 René Lalique,
Kühlerfigur Comète,
1925 |  | Taxe: 1.200,- EURO Zuschlag: 34.000,- EURO Losnummer: 332 |  |  |  |  |  | 
 Johann Eißler,
Deckelhumpen,
Nürnberg Ende 17.
Jahrhundert |  | Taxe: 11.000 - 12.000 EURO Zuschlag: 10.000,- EURO Losnummer: 427 |  |  |  |  |  | 
 Koppchen und
Untertasse, Meißen,
um 1725/30 |  | Taxe: 7.000 - 8.000 EURO Zuschlag: 20.000,- EURO Losnummer: 45 |  |  |  |  |  | 
 Johann Lötz Witwe,
Vase „Phänomen“,
1899 |  | Taxe: 2.500,- EURO Zuschlag: 9.000,- EURO Losnummer: 342 |  |  |  |  |  | 
 Gérard-Jean Galle,
Gérard-Jean Galle
zugeschrieben,
Pendule mit Pallas
Athene, Paris um 1820 |  | Taxe: 35.000 - 40.000 EURO Zuschlag: 34.000,- EURO Losnummer: 854a |  |  |  |  |  | 
 Jean Jacques
Desoches, Der
Winter, Fürstenberg
1769/70 |  | Taxe: 8.000 - 10.000 EURO Zuschlag: 7.000,- EURO Losnummer: 139 |  |  |  |  |  | 
 Samuel Schellink,
Samuel Schellink
zugeschrieben,
Sechs Tassen und
Untertassen, 1909 |  | Taxe: 4.000 - 5.000 EURO Zuschlag: 8.000,- EURO Losnummer: 366 |  |  |  |  |  | 
 Paar Amphorenvasen,
Meißen, 19.
Jahrhundert |  | Taxe: 1.500,- EURO Zuschlag: 8.500,- EURO Losnummer: 114 |  |  |  |  |  | 
 Kumme, Meißen, um
1730/35 |  | Taxe: 3.000 - 4.000 EURO Zuschlag: 62.000,- EURO Losnummer: 69 |  |  |  |  |  | 
 Koppchen, Meißen, um
1710/15 |  | Taxe: 4.000 - 6.000 EURO Zuschlag: 10.500,- EURO Losnummer: 29 |  |  |  |  |  | 
 Georg Funcke, Georg
Funcke
zugeschrieben,
Teekanne, Meißen um
1713/19 |  | Taxe: 6.000 - 8.000 EURO Zuschlag: 47.000,- EURO Losnummer: 33 |  |  |
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