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Marktberichte |
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Rückblick: Schweizer Kunst bei Sotheby’s  Höhepunkte bei A und Z

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 |  | Robert Zünd, Haus zwischen Nussbäumen (Schellenmatt) | |
Mit zwei Schweizer Malern des 19ten Jahrhunderts hat sich Sotheby’s bei der vergangenen Versteigerung in den neuen Züricher Geschäftsräumen in der Talstrasse 83 effektvoll in Szene gesetzt und eigene Rekordmarken vom November 2007 eingestellt: Albert Anker und Robert Zünd. Letzterer trat gleich zu Beginn der Auktion in Erscheinung und brachte die sommerliche Landschaft „Haus zwischen Nussbäumen“ mit. In atmosphärischer Stimmung hielt Zünd die Schellenmatt bei Kriens mit ihren mächtigen Nussbäumen und Menschen bei der Ernte fest. Da ihn dieses Motiv faszinierte, wiederholte er es in mehreren Gemälden, von denen ein Exemplar im Kunstmuseum Luzern hängt. Mit 300.000 bis 500.000 Franken war solch ein Hauptwerk Zünds entsprechend hoch taxiert und dennoch bei den Käufern beliebt. Ein internationaler Sammler behielt bei 540.000 Franken die Oberhand, verbesserte den bisherigen Spitzenpreis um 220.000 Franken und legte mit Aufgeld letztendlich 649.000 Franken hin.
Während eine skizzenhafte Eichwaldlichtung Zünds als erstes Los noch taxgerecht bei 24.000 Franken abschloss, verdreifachte seine vollgültig ausgeführte „Mühle von Rathausen“ mit 260.000 Franken in etwa ihre Schätzung, so dass schließlich für die „Landschaft bei Luzern mit Blick auf die Rigi“ in etwas kitschiger Lichtstimmung kein Geld mehr vorhanden war (Taxe 150.000 bis 200.000 SFR). Auch bei Albert Anker verschob sich die Messlatte ein gehöriges Stück nach oben. Nicht mehr bei 1,1 Millionen Franken liegt nun sein Auktionsrekord, sonder bei 2,3 Millionen Franken, den ein Telefonbieter für das fein charakterisierte Genrebild „Die Kartenlegerin“ samt zweier junger Damen in holzvertäfelter Stube bewilligte. Das Gemälde aus dem Jahr 1880, mit 800.000 bis 1,2 Millionen Franken bewertet, tauchte erst unlängst in England auf. Bei Anker gab es ebenfalls einige Ergänzungen, die dem Publikum gefielen, so sein Aquarell eines strickenden Mädchens von 1905 bei 210.000 Franken (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR), die Vergänglichkeitsszene „Auf dem Friedhof“ von 1872 mit trauernder Mutter und Tochter bei 500.000 Franken und die Mutter, die liebevoll bei Kerzenlicht ihr schlafendes Kind betrachtet, von 1875 bei 550.000 Franken (Taxen je 400.000 bis 600.000 SFR). Ankers „Bildnis der Söhne Chrétien“ von 1880 blieb bei 500.000 bis 700.000 Franken dagegen liegen. Mit „Le Château de Glérolles à Rivaz“ von François Bocion und hohen 180.000 Franken fand die Suite mit Schweizer Kunst des 19ten Jahrhunderts einen guten Abschluss.
Nicht ganz zufrieden dürfte Sotheby’s mit dem Umsatz der Auktion gewesen sein. Lag doch die Gesamtschätzung für die 154 Positionen bei 19 bis 27 Millionen Franken und damit so hoch wie noch nie. Herauskamen brutto aber nur 15,9 Millionen Franken oder 65 Prozent. Das ging hauptsächlich auf das Konto eines der 57 nicht veräußerten Lose: Der Favorit des Abends hieß „Genfer See mit Jura (Landschaftlicher Formenrhythmus)“, stammte von Ferdinand Hodler aus dem Jahr 1909 und sollte an dessen Rekordmarke für den „Genfer See von Saint-Prex aus“ anknüpfen. Letzteren verkaufte Sotheby’s vor einem Jahr für 9,7 Millionen Franken. Doch nun lag die Schätzung für die farblich reduzierte Wolkengruppe über dem Genfer See mit vier bis sechs Millionen Franken zu hoch. Auch die übrige Hodler-Offerte kam nicht so gut bei den Sammlern an. Nur fünf der zehn Positionen wurden übernommen. Den höchsten Preis errang mit 680.000 Franken das stilisierte „Bildnis Clara Pasche-Battié“, eine Schülerin Hodlers, die ihm verschiedentlich Modell stand, so für den „Blick in die Unendlichkeit“ (Taxe 500.000 bis 600.000 SFR). 1.000 Franken über den anvisierten oberen 250.000 Franken platziere sich seine Landschafsstudie mit Bach, die Hodler um 1890 in der sumpfigen Gegend um Veyrier am Fuß des Mont Salève aufnahm. Einträglich war seine Zeichnung zu „Der Buchenwald“, die von 50.000 Franken auf 130.000 Franken schnellte.
Giovanni Giacometti ging es da besser. Nur sein „Cavallo rosso“ von 1922 in etwas unförmiger Ansicht des Pferdehinterteils wurde verschmäht (Taxe 500.000 bis 700.000 SFR), die übrigen sechs Gemälde fanden ihre Abnehmer, vier Landschaften kamen gar unter die besten zehn Ergebnisse der Auktion. Ein Schweizer Sammler am Telefon griff schon für 1,3 Millionen Franken ohne Gegenwehr bei dem alpinen „Blick über Capolago auf den Silsersee“ von 1927 zu (Taxe 1,5 bis 2,5 Millionen SFR), 1 Million Franken waren es für die schneebedeckte Hochebene „Winter bei St. Moritz“ mit den im Sonnenlicht leuchtenden Flanken des Piz la Margna von 1916 (Taxe 1,4 bis 1,8 Millionen Franken). In sommerliche Gefilde entführten die „Casa rossa nel verde“ von 1921 bei 600.000 Franken zur oberen Schätzung und „Capolago“, diesmal gegen die Bergkulisse gesehen, von 1929 bei 440.000 Franken (Taxe 300.000 bis 400.000 SFR).
Mit der Schweizer Bergwelt in ähnlich stilisierter oder expressiver Weise wie Hodler und Giacometti beschäftigten sich etwa auch Alexandre Perrier in dem „Vue du Mont-Blanc“ für 40.000 Franken (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR), Walter von Ruckteschell 1912 in der „Winterlandschaft bei Maloja“ für taxgerechte 26.000 Franken, Hans Beat Wieland 1923 mit dem „Abend bei der Silvrettahütte“ für 10.000 Franken (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR) oder Rudolf Löw mit seiner Sicht auf Piz la Margna zur unteren Taxe von 8.000 Franken. Gottardo Segantini pflegte sein Leben lang eine vom Pointillismus inspirierte, immer etwas distanzierte Malweise, etwa 1949 in der „Abendstimmung“ mit zwei Berghütten für 120.000 Franken (Taxe 120.000 bis 180.000 SFR) oder 1943 in der „Herbstlandschaft“ am Gebirgssee mit einsamer junger Frau für 260.000 Franken (Taxe 200.000 bis 300.000 SFR). Dass sich auch ein Fotograf unter den vielen Landschaftsmaler findet, ist seinem Motivrepertoire geschuldet. Seit einigen Jahren hat Albert Steiner seinen Ruf als kitschiger Postkartenbildner abgelegt und gilt als einer der besten Naturschilderer seiner Heimat. Mit hohem gestalterischem Blick hat er beispielsweise einen „Novemberabend am Silvaplanersee“ bei Sonnenuntergang eingefangen und war damit bei 48.000 Franken erfolgreich (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR).
Den Übergang in die Moderne markierte Ernest Biéler mit seinem flächigen, konturgebundenen Malstil in der Gouache „Deux jeunes Valaisannes“ bei häuslicher Arbeit von 1923. Sie wurde mit 340.000 Franken bedacht (Taxe 280.000 bis 350.000 SFR). Bei Félix Vallotton schätzen die Sammler die stilisierte Form in neusachlichem Gewand und kräftigen Farben und nahmen alle seine fünf Gemälde mit. Exemplarisch führt er dies in der dekorativen Naturdarstellung „Les blés“, eingefangen im Sommer 1900 bei Romanel-sur-Lausanne, für 400.000 Franken (Taxe 300.000 bis 500.000 SFR) oder in der „Famille d’arbes“ für 750.000 Franken vor, die er 1922 als majestätische Baumgruppe in der Normandie schuf (Taxe 800.000 bis 1.200.000 SFR). Cuno Amiet hat in letzter Zeit etwas mit Absatzproblemen zu kämpfen; trotz guter Sujets und qualitätvoller Ausführung ging nur eines seiner sechs Werke unterhalb der Erwartung weg: Die „Schale mit Äpfeln“ von 1926 kam nur auf 180.000 Franken (Taxe 200.000 bis 250.000 SFR). Augusto Giacometti, Wegbereiter der Abstraktion in der Schweiz, reüssierte mit einem gut zwei Meter langen Fries für anvisierte 300.000 Franken, den er 1916 für ein Züricher Kinderheim entsprechend als Zug von Müttern mit Kindern schuf.
Richtig expressiv nach deutschem Muster gestalteten 1924 der Kirchner-Schüler Albert Müller sein Bildnis Ursulina mit rückseitiger Tessiner Landschaft in kantigen Formen, das die obere Taxe von 250.000 Franken erreichte, und Max Sulzbachner einige Landschaftsaquarelle um 1925, so „Mendrisiotto“ für 6.000 Franken (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR) oder „Blick auf Gempenstollen“ für 6.800 Franken (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR). Erfolg hatte auch der Spätexpressionist Carl Walter Liner junior mit seinem 1955 entstandenen Gemälde „Engadin gegen Moratsch“ bei 19.000 Franken (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). Paul Camenisch, Müllers Künstlerfreund in der Gruppe „Rot-Blau“, schickte ein eindringliches Selbstportrait um 1928 um die Gunst der Käufer ins Rennen und kam mit 48.000 Franken heraus (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR).
Zur unteren Schätzung bei 40.000 Franken gingen Walter Kurt Wiemkens skurrile „Variationen über Basel I“ von 1931 weg, ebenso bei 80.000 Franken Alois Carigiets wehmütige „Figur in der Mitte“ samt zwei Schauspielerkollegen von 1952. Varlins von wenigen Menschen bevölkerter „Wartesaal in Ouchy“ von 1943 schaffte 46.000 Franken (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR), Alice Baillys lyrische „Petite famille“ von etwa 1925 nur 42.000 Franken (Taxe 45.000 bis 55.000 SFR). Als einzige Vertreterin der Konkreten Kunst schnellte eine unbetitelte weiße Leinwand von Verena Loewensberg mit vier verschiedenfarbigen und –gewinkelten Strichen auf 48.000 Franken (Taxe 18.000 bis 25.000 SFR) und die 1933 aus dem Holzblock geschnitzte „Figure surréaliste“ von Serge Brignoni, eine der wenigen Skulpturen der Auktion, auf 32.000 Franken (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR).
Die Preise verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Sotheby’s Zürich Talstrasse 83 CH-8001 Zürich |
 | Telefax:+41 (044) 226 22 01 | Telefon:+41 (044) 226 22 00 |  |  | Startseite: www.sothebys.com |
08.08.2008 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 20 | Seiten: 1 • 2 • 3
 Events (1) • Adressen (1) • Kunstwerke (18) |  | •  | Veranstaltung vom:
27.05.2008, Schweizer Kunst - Swiss Art |  | •  | Bei: Sotheby's
|  | •  | Kunstwerk:  Max Sulzbachner, Blick auf Gempenstollen, um
1925 |  |  | •  | Kunstwerk:  Giovanni Giacometti, Capolago, 1929 |  | •  | Kunstwerk:  Alexandre Perrier, Vue du Mont-Blanc |  | •  | Kunstwerk:  Giovanni Giacometti, Winter bei St. Moritz, 1916 |  |  | •  | Kunstwerk:  Albert Müller, Bildnis Ursulina, 1924 |  | •  | Kunstwerk:  Giovanni Giacometti, Blick über Capolago auf den Silsersee,
1927 |  | •  | Kunstwerk:  Robert Zünd, Haus zwischen Nussbäumen (Schellenmatt) |  |  |
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 Alexandre Perrier,
Vue du Mont-Blanc |  | Taxe: 8.000 - 12.000 SFR Zuschlag: 40.000,- SFR Losnummer: 85 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni
Giacometti,
Capolago, 1929 |  | Taxe: 300.000 - 400.000 SFR Zuschlag: 440.000,- SFR Losnummer: 116 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni
Giacometti, Winter
bei St. Moritz, 1916 |  | Taxe: 1.400.000 - 1.800.000 SFR Zuschlag: 1.000.000,- SFR Losnummer: 91 |  |  |  |  |  | 
 François Bocion, Le
Château de Glérolles
à Rivaz |  | Taxe: 180.000 - 250.000 SFR Zuschlag: 180.000,- SFR Losnummer: 20 |  |  |  |  |  | 
 Albert Anker, Junge
Mutter, bei
Kerzenlicht ihr
schlafendes Kind
betrachtend, 1875 |  | Taxe: 400.000 - 600.000 SFR Zuschlag: 550.000,- SFR Losnummer: 9 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni
Giacometti, Blick
über Capolago auf den
Silsersee, 1927 |  | Taxe: 1.500.000 - 2.500.000 SFR Zuschlag: 1.300.000,- SFR Losnummer: 101 |  |  |  |  |  | 
 Robert Zünd, Die
Mühle van Rathausen |  | Taxe: 80.000 - 120.000 SFR Zuschlag: 260.000,- SFR Losnummer: 10 |  |  |  |  |  | 
 Félix Vallotton, Les
blés, 1900 |  | Taxe: 300.000 - 500.000 SFR Zuschlag: 400.000,- SFR Losnummer: 38 |  |  |  |  |  | 
 Albert Anker, Auf dem
Friedhof, 1872 |  | Taxe: 400.000 - 600.000 SFR Zuschlag: 500.000,- SFR Losnummer: 28 |  |  |  |  |  | 
 Max Sulzbachner,
Blick auf
Gempenstollen, um
1925 |  | Taxe: 4.000 - 6.000 SFR Zuschlag: 6.800,- SFR Losnummer: 109 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni
Giacometti, Casa
rossa nel verde, 1921 |  | Taxe: 400.000 - 600.000 SFR Zuschlag: 600.000,- SFR Losnummer: 100 |  |  |  |  |  | 
 Albert Anker, Die
Kartenlegerin, 1880 |  | Taxe: 800.000 - 1.200.000 SFR Zuschlag: 2.300.000,- SFR Losnummer: 11 |  |  |  |  |  | 
 Albert Müller,
Bildnis Ursulina,
1924 |  | Taxe: 180.000 - 250.000 SFR Zuschlag: 250.000,- SFR Losnummer: 101 |  |  |
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