 |  | Joseph Anton Koch, Heroische Landschaft mit Regenbogen, 1824 | |
Als Epochenwerk kam man getrost die „Heroische Landschaft mit Regenbogen“ von Joseph Anton Koch bezeichnen. Gemalt 1824 im Auftrag des Berliner Altertumsforschers und Buchhändlers Gustav Parthey, zieht hier Koch die Summe seines künstlerischen Schaffens, verleiht dem Klassizismus noch ein letzten großen Auftritt und öffnet das Tor zur Romantik. In dieser von ihm als „Große griechische Landschaften“ betitelten Gemäldegruppe verbindet er in idealisierender Weise Motive, die er an den Küsten Italiens bei Salerno gefunden hatte, mit antiken Bauwerken sowie Mensch und Tier und lässt daraus in deutlich konturierten Flächen und klaren, leuchtenden Farben ein Arkadien entstehen. So schwärmt er in einem Brief von der schönen Umgebung Salernos auf dem Weg nach Paestum, von den in eindrucksvolles Licht getauchten antiken Stätten, dem Ausblick auf das Meer mit blau schattierten Bergen im Hintergrund, den Schäferinnen und Schäfern. Dass es ihm dabei nicht nur um ein irdisches Paradies geht, sagt der doppelte Regenbogen aus, der die Komposition umschließt. Als Symbol für den göttlichen Frieden umfängt er die Einheit von Natur, Mensch und Kultur und ist Sinnbild für eine erlöste und konfliktfreie Erde.
Basierend auf dem Aquarell „Vietri am Golf von Salerno“ aus dem Jahr 1795, fertigte Joseph Anton Koch von der „Heroischen Landschaft“ in den Jahrzehnten danach vier Versionen in Öl an. Eine befindet sich in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, eine weitere in Münchens Neuer Pinakothek. Eine dritte kam nun bei Sotheby’s in London zur Auktion und brach den 17 Jahre alten Auktionsrekord für Koch. Damals wurde eben jenes Werk bei Christie’s in London für 760.000 Pfund gehandelt, jetzt setzte die Konkurrenz 1,6 Millionen Pfund um. Der Münchner Kunsthändler Konrad Bernheimer bewilligte mit Aufgeld schließlich gut 1,8 Millionen Pfund gegenüber der Schätzung von 1 bis 1,5 Millionen Pfund. Die Versteigerung „19th Century European Paintings“ am 30. Mai, die mit den verschiedenen Sparten zusammen brutto 19,5 Millionen Pfund in Kassen spülte, hielt darüber hinaus noch einige Deutschrömer bereit, als frühe Vertreter etwa Franz Ludwig Catel mit seinem Blick auf Neapel von Posillipo zur oberen Schätzung von 30.000 Pfund und der Schweizer Rudolf Müller mit dem in der Abendsonne gelegenen Castel Gandolfo am Nemisee für 7.000 Pfund (Taxe 6.000 bis 8.000 GBP) oder am Ende der Bewegung Oswald Achenbachs Panoramasicht über die Bucht von Sorrent mit wanderndem Mönch für 50.000 Pfund (Taxe 30.000 bis 40.000 GBP).
Deutsche, österreichische und ungarische Maler
Aber auch heimische Sujets nördlich der Alpen waren im ersten Auktionsabschnitt gefragt, der bei einer losbezogenen Verkaufsquote von 64 Prozent 3,7 Millionen Pfund einspielte: Heinrich Bürkels Wirtshaus auf der Alm mit Alpzug von 1842 für 28.000 Pfund (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP), Ferdinand Georg Waldmüllers figurenreiche „Kranzeljungfer“ in der Berghütte von 1839 für 190.000 Pfund (Taxe 150.000 bis 250.000 GBP) oder die abendlich impressionistische Straßenbahn in Prag des Tschechen Jakub Schikaneder für 45.000 Pfund – der neue Spitzenpreis in seinem Ranking (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP). Auch bei Alexander Koester hat sich die Messlatte ein wenig nach oben auf 120.000 Pfund verschoben. Dafür mussten 21 Enten dekorativ bei Sonnenschein in den Teich mit Seerosen watscheln (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP). Die Portraitkunst Wilhelm Leibls errang mit einem nur skizzenhaft in Öl ausgeführten Bauernmädchen gute 105.000 Pfund (Taxe 60.000 bis 80.000 GBP), während Albin Egger-Lienz’ forsches Bildnis Otto Kunz liegenblieb (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP).
Das deutsche Genre wollte diesmal nicht so recht gefallen. Einzig Carl Spitzweg reüssierte mit dem „Historienmaler“ zur oberen Taxe von 30.000 Pfund und seinem charakteristischen Thema des eingeschlafenen Einsiedlers in einsamer Berghütte über weiter Landschaft für 72.000 Pfund (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR). Da liefen österreichische und slawische Maler schon eher zu Hochform auf, etwa der Pole Alfred von Wierusz-Kowalski auf 170.000 Pfund mit seiner Pferdetroika, die von zur Winterszeit von Wölfen verfolgt wird (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP), Friedrich von Amerling mit seiner Allegorie auf die Caritas bei 28.000 Pfund (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP) oder Olga Wisinger-Florian mit Wäscherinnen am Morgen beim Strand im istrischen Abbazia von 1890 auf 70.000 Pfund (Taxe 30.000 bis 50.000 GBP). Recht gemütlich geht es in dem Militärlager zu, das Wilhelm Richter 1858 aus dem italienischen Feldzug mit nach Hause brachte und nun für 12.000 Pfund veräußerte (Taxe 15.000 bis 20.000 GBP). Exotisches schickten Wilhelm Kuhnert mit einem Löwen in der Steppe samt Beute für 45.000 Pfund (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP) und Paul Friedrich Meyerheim mit der Zeichnung eines lauernden Löwenpaares für taxgerechte 6.000 Pfund ins Spiel.
Mit László Mednyánszkys Waldlandschaft stand ein realistisches Werk der Freiluftmalerei auf dem Programm, das mit 28.000 Pfund heftig umworben wurde (Taxe 8.000 bis 12.000 GBP), und sein ungarischer Kollege János Vaszary entdeckte auf seiner Spanienreise des Jahres 1905 ein Paar in Sevilla bei der Mittagsruhe, das nun mit 78.000 Pfund vom einem Kunsthändler aus Ungarn hoch bedacht wurde (Taxe 60.000 bis 80.000 GBP). Den Übergang zur Kunst des 20ten Jahrhunderts markierten ebenfalls Max Liebermanns „Jäger in den Dünen“ bei 120.000 Pfund zum Doppelten der unteren Schätzung, Edward Cucuels Gemälde „Am Badeplatz“ mit zwei weiblichen Badenden für 70.000 Pfund (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP), Paul Baums hingestrichelte Herbstlandschaft bei Knokke für 20.000 Pfund (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP) und vor allem Mela Muters schon expressionistischer Hafen von Collioure aus den 1920er Jahren für gute 42.000 Pfund (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP).
Kunst der Orientalisten
Den höchsten Umsatz innerhalb der einzelnen Sparten am 30. Mai erzielte mit gut 8 Millionen Pfund „The Orientalist Sale“. Hier gab es auch den besten Einzelpreis und zwar für Osman Hamdi Bey. Der 1842 in Istanbul geborene Maler, Museumsgründer und Archäologe gilt als der erste türkische Künstler, der westliche und östliche Traditionen, die er in Paris als Schüler von Gérôme, Boulanger und Zonaro erlernte, miteinander verband und sie an seiner 1883 gegründeten Kunstschule verbreitete. Auch in seiner „Lady of Constantinople“ von 1881 verarbeitet er beide Welten; trägt die lebensgroß geschilderte Dame vor goldenem Brokatstoff doch ein schwarzes Kleid, in dem sich türkische und Pariser Mode mischen. Das exemplarische Werk wurde denn mit dem neuen Auktionsrekord für Hamdi Bey von 3 Millionen Pfund bedacht (Taxe 3 bis 4 Millionen GBP).
Dass auch seine Lehrer begeisterte Orientalisten waren, bewiesen Jean-Léon Gérômes Bronze- und Marmorskulptur „Femme voilée“ von 1897 zur oberen Taxe von 30.000 Pfund und Fausto Zonaros belebte Straßenszene in Istanbul mit dem Tophane-Brunnen und der Kilic Ali Pasa Moschee im Hintergrund, die sich von 40.000 Pfund auf 170.000 Pfund aufschwang. Der Vorliebe für das orientalisch Exotische durchzog im 19ten Jahrhundert alle Länder Europas, und die Maler bedienten gewinnbringend einen großen Markt. In Spanien waren es etwa José Tapiró y Baro, der in seinem nun 68.000 Pfund teuren Werk „Die Vorführung“ eine Gruppe nordafrikanischer Jungen Stadtwächter spielen lässt (Taxe 25.000 bis 35.000 GBP), Luis Ricardo Faléro mit einer schon recht freizügigen dargestellten, jungen Frau von 1878 für 70.000 Pfund (Taxe 45.000 bis 60.000 GBP), oder mit gleichem Ergebnis Salvador Sánchez Barbudo mit der Nachtwache einer Frau wohl am Totenbett ihres Mannes (Taxe 70.000 bis 90.000 GBP).
Großen Anteil an der Produktion orientalistischer Kunst hatten die Kolonialmächte England und Frankreich. Georges Washington verewigte etwa die Zitadelle Hosap im östlichen Anatolien für 38.000 Pfund (Taxe 8.000 bis 12.000 GBP) oder ein Reiterlager in einer Waldlichtung für 42.000 Pfund in impressionistischer Manier (Taxe 12.000 bis 18.000 GBP). An die Malweise Delacroix’ mit zentral platziertem Reiter erinnert Henri-Emilien Rousseaus nun mit „Entrée au village“ bezeichnete Leinwand von 1921 (Taxe 80.000 bis 120.000 GBP). Sie brachte jetzt 180.000 Pfund, vor einem Jahr bei Sotheby’s in London unter dem Titel „Riders’ Return“ nur 110.000 Pfund. Der früh verstorbene Romantiker Théodore Chassériau ist für junge Schönheiten zuständig, die er wie die „Jeune fille mauresque“ von 1853 in aufwändig ausgestatte Räume mit Ausblick auf Moscheekuppeln drapiert. So etwas kostet dann 240.000 Pfund (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP). Emile Auguste Pinchart mag es in seiner „Bédouine à Tunis“ mit kleinem Mädchen auf dem Rücken dagegen eher rührselig und hatte bei 75.000 Pfund damit Erfolg (Taxe 15.000 bis 20.000 GBP).
Die Briten steuerten etwa eine lustige Kissenschlacht bei, in der die jungen Damen des Harems einen jungen Mann ganz schön in die Enge treiben. Gemalt hat das humorvolle, die Schätzung auf 60.000 Pfund verdreifachende Bild 1868 Alfred Fowler Patten. Ihm gesellte sich prominent John Frederick Lewis’ „Greeting in the desert“ zur Seite. Auch wenn das etwas abgezirkelte Gemälde von 1855 mit 480.000 Pfund die untere Taxgrenze um 20.000 Pfund verfehlte, ist es doch Nummer zwei bei den Orientalisten. Die Deutschen warteten etwa mit Adolf Schreyers Reiter an einer Tränke für gute 44.000 Pfund (Taxe 8.000 bis 12.000 GBP), oder Ernst Koerners Seti-Tempel in Abydos für 66.000 Pfund auf (Taxe 35.000 bis 45.000 GBP), die Österreicher mit Leopold Carl Müllers „Rast in der Wüste“ für 77.000 Pfund (Taxe 25.000 bis 35.000 GBP) oder Rudolf Ernsts „Romantischem Zwischenspiel“ eines Herrschers mit seiner Angebeteten für 200.000 Pfund (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP).
Hermann David Salomon Corrodi, Italiener Schweizer Abstammung, steuerte ein stimmungsvolles arabisches Zeltlager in der Abenddämmerung bei, das auf 295.000 Pfund kletterte (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP). Ja sogar aus Ungarn, Böhmen und Polen stammende Künstler konnten mithalten, Arthur von Ferraris mit dem in einem Buch studierenden alten „Gelehrten von Kairo“ bei 250.000 Pfund (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP), Anton Robert Leinweber mit dem fotografischen Blick in den „Souk des étoffes“ in Tunis von 1889 für 170.000 Pfund (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP) und Adam Styka mit den „Banks of the Nile“ für 63.000 Pfund (Taxe 25.000 bis 35.000 GBP).
Skandinavische Kunst
Die nachfolgende Kunst aus den skandinavischen Ländern hatte es etwas schwerer. Losbezogen wurden nur 52 Prozent ab- und damit knapp 5,2 Millionen Pfund umgesetzt. Den weitaus größten Anteil daran hatten Helene Schjerfbeck und ihr frühes, noch realistisches Gemälde „Tanzschuhe“ von 1882. Mit tiefem Einfühlungsvermögen portraitiert die Finnin ihre kleine Kusine Esther Lupander beim Anziehen der weißen Schuhe. Dieses Sujet war so beliebt, dass Schjerfbeck es zweimal als Ölgemälde und dann noch als Lithografie wiederholen musste. Bei einer günstigen Ausgangsposition von 500.000 bis 700.000 Pfund ließen denn auch vier Sammler davon nicht los, bis ein Bieter am Telefon bei 2,7 Millionen Pfund netto, mit Aufgeld über 3,04 Millionen Pfund, die Oberhand behielt und damit den neuen Auktionsrekord für Schjerfbeck und zugleich den Spitzenpreis für ein finnisches Gemälde aufstellte.
Weit abgeschlagen landete dann mit taxgerechten 200.000 Pfund der Blick auf das Forum Romanum von Kolosseum aus, gemalt zwischen 1814 und 1816 von dem Dänen Christoffer Wilhelm Eckersberg, auf Platz zwei dieses Auktionsabschnitts, gefolgt von Anders Zorns beim Betreten eines Raumes aufgenommene junge Frau bei 185.000 Pfund (Taxe 180.000 bis 250.000 GBP). Poul Fischer ließ sich bei seinem Wintertag auf dem Kongens Nytorv in Kopenhagen vom Impressionismus und dem mondänen Leben der Belle Epoque inspirieren und verlangte dafür schließlich 130.000 Pfund (Taxe 80.000 bis 120.000 GBP).
Auch zeitgenössische Kunst hatte Aufnahme in den Katalog gefunden, etwa Asger Jorns frühe, heitere „Nocturne“ von 1939/40 für 110.000 Pfund (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP), der ebenso bunte wie fröhliche Himmelsbote seines CoBrA-Kollegen Carl-Henning Pedersen von 1992 für 54.000 Pfund (Taxe 30.000 bis 50.000 GBP) oder Jens Johannessens Ölgemälde „Rabbineren“ von 1970 aus seiner „Patriarchen“-Serie zum neuen Spitzenpreis von 90.000 Pfund (Taxe 60.000 bis 80.000 GBP). Doch das 19te Jahrhundert und die Klassische Moderne überwog, etwa mit Carl Holsøes verträumten Interieur „Frau am Fenster“ für rekordträchtige 68.000 Pfund (Taxe 50.000 bis 70.000 GBP), Ernst Josephsons erotische Militärfantasien von 1890 zur unteren Schätzung von 100.000 Pfund oder Carl Larssons Aquarell „Glückwünsche vom Kattegat“ für 55.000 Pfund (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP).
Französische und italienische Malerei
Den letzten Teil der Auktion bestritten unter der allgemeinen Überschrift „19th Century European Painting“ mit einem Umsatz von gut 2,5 Millionen Pfund dann vorwiegend die Franzosen und Italiener. An die Spitze setzte sich hier mit 430.000 Pfund Gustave Courbets schon die Gegenständlichkeit auflösende Meereswelle, die unter einem mit braungrauen Wolken verhangenen Himmel emporschwillt (Taxe 200.000 bis 400.000 GBP), gefolgt von 320.000 Pfund und fünf Venezianerinnen, die in Eugen von Blaas’ ein wenig zu glatter Genreszene auf einer Terrasse in der Lagunenstadt plaudern (Taxe 150.000 bis 200.000 GBP). Der 1843 in Rom geborene Maler österreichischer Abkunft gehört dennoch zu den Lieblingen der Sammler. Sie nahmen zudem sein Jungenportrait „Sein neuer Hut“ von 1896 für 25.000 Pfund (Taxe 6.000 bis 8.000 GBP) und eine venezianische Schönheit für 60.000 Pfund mit (Taxe 15.000 bis 20.000 GBP).
Ähnlich perfekt und glatt malte Charles Giron, der in Genf geborene Portraitist der Belle Epoque, seine Pariser Straßenszene „Les deux sœurs“, auch wenn er sozialkritische Impulse in sein Bild verfrachtet. Geschätzt wurde es trotzdem bei 220.000 Pfund (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP). Eindrücklicher schildert dann doch der Belgier Alfred Stevens die Gemütslage einer jungen Frau, die vom Garten her in ein Zimmer blickt. Das Gemälde aus den frühen 1870er Jahren unter dem Titel „Das blaue Band“ kam zur unteren Schätzung von 200.000 Pfund ans Ziel. Sein Landsmann Emile Claus, ein nicht so bekannter Impressionist, vereinigte 75.000 Pfund auf seinen 1919 gemalten lichten Blick auf die Themse (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP), 100.000 Pfund auf seinen drei Jahre älteren, farbintensiveren „Bateaux a vapeur sur la Tamise“ (Taxe 100.000 bis 150.000 GBP). Auch zu Doppelungen mit anderen Abteilungen der Auktion kam es, etwa mit Jean-Léon Gérômes übertriebener biblischer Historie „Moses auf dem Berg Sinai“ für 50.000 Pfund (Taxe 60.000 bis 80.000 GBP).
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |