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Jakob Philipp Hackert in Weimar

Jakob Philipp Hackert, Blick vom Forum triangulare auf das große Theater von Pompeii, 1793

Mit einer groß angelegten Retrospektive stellt die Klassik Stiftung Weimar seit dem Wochenende Jakob Philipp Hackert vor und feiert ihn als „einer der wenigen deutschsprachigen Landschaftsmaler seiner Zeit von europäischem Rang“. Mit etwa 80 Gemälden sowie 120 Gouachen, Aquarellen und Zeichnungen ist sie die bisher umfangreichste Schau zum Werk des 1737 in Prenzlau geborenen Klassizisten. Der Zeichenlehrer und Freund Goethes blieb nach seinem Tod 1807 in S. Piero di Careggi bei Florenz vorwiegend in Italien im Gedächtnis; erst seit den 1960er Jahren gibt es auch in Deutschland eine Hackert-Renaissance. Kein Wunder, denn nach seiner Ausbildung in Berlin und Aufenthalten in Schweden und Frankreich verbrachte er die überwiegende Lebenszeit in Italien. Hier etablierte er sich als international gefragter Künstler, der bis ins 19te Jahrhundert hinein das Bild der mediterranen Landschaft prägte.

Zu Hackerts Themen gehörten Veduten, Hafenszenen, Küsten- und Flusslandschaften, Paraden und Jagdszenen sowie schwerpunktmäßig die in mildes stimmungsvolles Licht getauchte Campagna di Roma und die malerischen Landstriche Süditaliens und Siziliens. Zunächst ab 1769 in Rom tätig, arbeitete er ab 1786 für König Ferdinand IV. als Hofmaler in Neapel. Italienreisende aus aller Welt, unter ihnen deutsche Künstler, englische Adlige und prominente fürstliche Auftraggeber wie die russische Zarenfamilie, verbreiteten seine Werke in ganz Europa. Schließlich festigte die 1811 von Johann Wolfgang von Goethe veröffentlichte Biografie seinen Ruf als herausragender Landschaftsmaler des 18ten Jahrhunderts. Doch schon bald schwand sein Ruhm, denn die neue beseelte Landschaftsauffassung der Romantiker war auf dem Vormarsch. Hier hatten ideal komponierten, mit historisierender Staffage oder antiken Stätten angereicherten, kühl empfundenen Naturschilderungen Hackerts keinen Platz mehr.

Dennoch will die Weimarer Ausstellung Jakob Philipp Hackert auch als Wegbereiter kommender Generationen verstanden wissen. Denn seine topografisch exakten Versatzstücke und präzisen Beschreibungen der Naturdetails durchbrachen die Kriterien der zeitgenössischen, streng idealisierenden Kunstauffassung und boten dadurch einen Ansatzpunkt für die Künstler der Romantik. Sein Interesse an spektakulären Naturgegebenheiten, an Wasserfällen, Vulkanausbrüchen und Gebirgsschluchten fand in der Verknüpfung von Landschaftsmalerei und Naturwissenschaft, in einer verfeinerten Beobachtung geologischer und atmosphärischer Phänomene eine logische Fortsetzung im folgenden Jahrhundert.

Die Ausstellung „Jakob Philipp Hackert. Europas Landschaftsmaler der Goethezeit“ ist bis zum 2. November zu sehen. Das Neue Museum Weimar ist täglich außer dienstags von 11 bis 18 Uhr, samstags zusätzlich bis 19 Uhr, das Schiller-Museum Weimar täglich außer dienstags von 9 bis 18 Uhr, samstags zusätzlich bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6,50 Euro, ermäßigt 5 Euro und für Schüler 1,50 Euro. Der Katalog kostet in der Ausstellung 35 Euro, im Buchhandel 49,80 Euro.

Neues Museum Weimar
Weimarplatz 5
D-99423 Weimar

Schiller-Museum
Schillerstraße 12
D-99423 Weimar

Telefon: +49 (0)3643 – 545 401
Telefax: +49 (0)3643 – 419 816


25.08.2008

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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