Richters übermalte Fotografien im Museum Morsbroich Gerhard Richters übermalte Fotografien sind noch erschwinglich und eine entsprechende Ausstellung daher auch versicherungstechnisch für kommunale Einrichtungen wie das Museum Morsbroich noch machbar. Die Fülle von fast fünfhundert Arbeiten, die das Leverkusener Haus für die Werkschau zusammengetragen hat, lässt dann allerdings doch erstaunen, zumal hier erstmals ein nahezu unbekannter Strang im Werk des Malerfürsten präsentiert wird, der erst kürzlich vom britischen Kunstmagazin „Art Review“ wieder als bedeutendster deutscher Künstler auf Platz 18 des internationalen Kunstrankings gesetzt wurde. Sämtliche Leihgaben stammen aus Privatbesitz, worin das Museum einen Beleg für die weitgehende Unkenntnis einer breiteren Öffentlichkeit von der Entstehung dieses Œuvres sieht.
Die übermalten Fotos verdanken sich eigentlich einem Zufall: Während Gerhard Richter Fotografien und Zeitungsausschnitte als Vorlagen für seine Ölgemälde benutzte und sie miteinander abglich, sind ihm immer wieder Ölfarben auf die Fotos getropft. Die dabei entstandenen Farbeffekte und die Wechselwirkung zwischen den unterschiedlichen Bildgattungen regten ihn zu Experimenten mit dieser außergewöhnlichen Kombination und schließlich zu einer eigenständigen Werkgruppe an. Bezahlbar sind die Arbeiten schon allein aufgrund ihrer Größe: In der Regel verwendet der Künstler für seine Übermalungen handelsübliche Fotoabzüge in der Größe von zehn mal fünfzehn Zentimetern. Ihre Entstehung im Familien- und Freundeskreis, im Urlaub und auf Reisen, auf Motivsuche für Gemälde oder einfach beim Spazierengehen weisen sie trotz aller Planung denn auch eher als Gelegenheitsarbeiten aus.
Die Übermalungen erzeugt Richter oft nach der harten Arbeit an den Ölgemälden mit den Farbresten auf seinen Malwerkzeugen. Dennoch entfalten die Bilder aus dem reizvollen Gegensatz zwischen Malerei und Fotografie eine bezwingende Wirkung, die sich vor allem aus ihrer surrealen Erscheinung speist. Richter selbst kommentiert seine kleinen Lieblinge so: „Ich war entzückt von den Farben der Übermalung und des Bildes darunter, und als ich mit der Betrachtung fortfuhr, wurde ich wehmütig, traurig, amüsiert, verwirrt, erstaunt, und manchmal überkam mich ein Gefühl eines schmerzlichen Verlusts. Einige Male habe ich laut gelacht. Ich war die ganze Zeit fasziniert.“ Vielen Ausstellungsbesuchern im Museum Morsbroich wird es ähnlich ergehen.
Die Ausstellung „Gerhard Richter. Übermalte Fotografien“ läuft vom 17. Oktober bis zum 18. Januar 2009. Das Museum Morsbroich hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, dienstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Der im Hatje Cantz Verlag erschienene Katalog kostet 39,90 Euro. Übrigens läuft parallel im Museum Ludwig Köln die Ausstellung „Gerhard Richter. Abstrakte Bilder“ mit rund vierzig Gemälden aus den Jahren 1986 bis 2006.
Museum Morsbroich
Gustav-Heinemann-Straße 80
D-51377 Leverkusen
Telefon: +49 (0)214 – 855 560
Telefax: +49 (0)214 – 855 56 44 |