Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 25.03.2026 Auktion 420: März-Auktion - Alte Kunst, Moderne, Contemporary Art, Schmuck

© Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Anzeige

Das flanierende Paar / Max Stern

Das flanierende Paar / Max Stern
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Vorbericht

Von gotischen Meistern bis Fernando Botero: in Berlin öffnete gestern Abend die erste Spezialmesse für Skulpturen – die „Sculptura – European Sculpture Fair“

Madonnen, Bacchanten und preußische Könige



Lawrence Macdonald, Hyazinthus, Rom 1842

Lawrence Macdonald, Hyazinthus, Rom 1842

Ein wenig mutet die erste „Sculptura“, die von dem am Starnberger See beheimateten Händlerehepaar Benno C. Gantner und Maria-Louise Hopp-Gantner initiiert und realisiert wurde, wie ein Kräftemessen mit den Beständen der großen Berliner Museen an. Die sanft in ihrem Ausdruck gestaltete und weich gearbeitete Lütticher Madonna aus der Zeit um 1450, die der Düsseldorfer Kunsthandel Esch für 42.000 Euro anbietet, oder das außergewöhnliche Gegensatzpaar Pilatus und Christus – Pilatus im Gewand, Christus fast nackt mit wundenübersäter Haut, das um 1480 in Franken entstand und das die Kunsthandlung Julius Böhler aus Starnberg mit 480.000 Euro bepreist,– sind Kunstwerke, die mit den Exponaten des renommierten Bode-Museums auf der anderen Seite der Spree durchaus konkurrieren können.


In fast gleicher Entfernung wie das Bode-Museum: die Alte Nationalgalerie. Sie beheimatet mit Arbeiten von Schadow, Rauch und Tieck die Berliner Bildhauerschule des frühen 19ten Jahrhunderts. Auch hier lässt sich der Bogen spannen. Der Fokus liegt wie auch bei dem Sculptura-Aussteller Galerie Neuse auf den Arbeiten Christian Daniel Rauchs. Die in Marmor ausgeführten Rauchschen Büsten der preußischen Könige Friedrich Wilhelm III., Friedrich Wilhelm IV. als Kronprinz, deren Modelle Rauch in den 1820er Jahren schuf, sowie eine Büste des russischen Zaren Nikolaus I. – Schwiegersohn beziehungsweise Schwager der zuvor erwähnten Hohenzollern –, aber auch Porträtarbeiten des Rauch-Schülers Albert Wolff können hier für 80.000 bis 180.000 Euro erworben werden.

Auch wenn das kunsthistorische Spektrum, wie die Münchner Galerie Thomas mit einem von nur drei bekannten Güssen des „Großen grasenden Fohlens“ der Berliner Bildhauerin Renée Sintenis von 1929 (Preis 235.000 Euro) oder mit Bronzeskulpturen von Fernando Botero im Bereich zwischen 265.000 und 485.000 Euro belegt, bis in die Moderne, ja bis in die Gegenwart reicht, Skulpturenhandel in Deutschland heißt vor allem Beschäftigung mit gotischen und mittelalterlichen Arbeiten aus dem süddeutschen, alpenländischen oder rheinisch katholischen Raum. Kein Wunder also, dass auch die meisten Händler aus diesen geografischen Breiten stammen. Kunsthandel Senger aus Bamberg beispielsweise zeigt eine „Heilige Barbara“ von dem Ulmer Meister Michel Erhart, deren Preis bei 240.000 Euro liegt. Erst kürzlich war diese Skulptur mit ihrem einstigen Gegenstück, der heiligen Katharina, im Kunsthistorischen Museum Wien ausgestellt, das eben diese Figur besitzt. Marktfrisch bei Senger ist eine Skulpturengruppe mit Muttergottes, Johannes und der heiligen Margarethe bestehenden, die im 15ten Jahrhundert von einem Nürnberger Meister gefertigt wurde und hier für 480.000 Euro angeboten wird.

Für 75.000 Euro ist bei Marie-Louise Hopp-Gantner ein lebendig wirkender, mit seinem roten Umhang lebensbejahender „Heiliger Urban“ von 1480/85 des Brixener Meisters Hans Klocker zu haben, den eine Weintraube in der linken Hand eindeutig als Schutzpatron der Winzer ausweist. Zu einer der frühesten mittelalterlichen Arbeiten, die die Sculptura präsentiert, zählt hier der um 1320 entstandene thronende Christus aus dem Rhein-Mosel Gebiet. Die Plastik mit einem Preis von ebenfalls 75.000 Euro gehörte bis Anfang des 20sten Jahrhunderts noch zum Bestand des Germanischen Nationalmuseums, das sie 1884 wohl als süddeutsche Arbeit erwarb.

Nur wenige Jahre später als die Christusfigur entstand eine grazile kölnische „Thronende Madonna mit Kind“. Der Frankfurter Skulpturenspezialist Bernhard Decker, der die Muttergottes mit 550.000 Euro auszeichnet, hält die Arbeit für eine zentrale Figur des Claren-Altars des Kölner Doms. Sein Angebot auf eine deutsche Sammlerschaft hat auch der Londoner Sam Fogg zugeschnitten, dessen Domäne die mittelalterliche Kunst ist. Mit 100.000 bis 150.000 Euro schätzt er den Marktwert zweier süddeutscher Bronzekleinplastiken „Adam und Eva“ aus der Zeit um 1530, die in ihrer grazilen Nacktheit das Ideal der Antike aufgreifen, während er eine Christusdarstellung als Schmerzensmann mit Dornenkrone – Preis um 500.000 Euro – dem Meister von Rabenden zugeschrieben hat, einem Bildhauer, der im 16ten Jahrhundert in Oberbayern tätig war und als einer der individuellsten Künstler seiner Zeit galt.

Mag sein, dass man abgesehen von den großen Museumssammlungen in den USA, wie dem Cleveland Museum of Art oder dem Metropolitan Museum in New York, die gotischen und mittelalterlichen Meister immer noch in der Region ihrer Entstehung am meisten schätzt, grenzüberschreitend aber ist damals wie heute das Interesse an Skulpturen der Renaissance, die in den fürstlichen Kunstkammern den Intellekt und die Sinne gleichermaßen anregten. Eines dieser Beispiele zeigt die Kunstkammer Georg Laue aus München: einen von Wut, Zorn und Hysterie getriebenen Charakterkopf von etwa 10 Zentimetern Höhe aus Alabaster, um 1600 von dem Amsterdamer Künstler Hendrick de Keyser gefertigt und hier mit 48.000 Euro beziffert. Nur einen Schritt weiter findet man bei Mehringer Kunsthandel, ebenfalls aus München, für 65.000 Euro einen Charakterkopf ganz anderer Art. Realistisch, ungeschönt und ausdrucksstark hat der Engländer John Cheere um 1750 nach dem „Generale Romano“ aus dem 2ten Jahrhundert n. Chr. die römische Feldherrnbüste im Sinne eines aufgeklärten Menschenbildes umgesetzt und in Blei gegossen.

Welchen Einfluss die Antike seit der Renaissance auf die Kunst nördlich und südlich der Alpen hatte, zeigt auch der international renommierte Kunsthandel Daniel Katz Ltd. aus London mit einer ausgewählten Kollektion von Kleinbronzen des Florentiners Francesco Fanelli, der im frühen 17ten Jahrhundert nach England ging und mit seinen Cupido- und Herkules-Figuren, die übrigens in England gegossen wurden, einen Hauch Italien an die Themse brachte. Die Preise dafür liegen zwischen 20.000 und 45.000 Euro. Katz’ Spitzenstück hingegen stammt direkt aus Italien: ein martialisch an einem Baumstamm hängender, vergoldeter heiliger Sebastian aus der Zeit um 1600, der Pietro Tacca zugeschrieben und bei 185.000 Euro eingeordnet ist. Italien und die Antike – das Thema reflektiert auch der niederländische Kunsthandel Wijermars Antiquairs. Für 325.000 Euro ist hier ein 141 Zentimeter hohe, 1842 in Rom entstandener Hyazinth aus Marmor des „schottischen Canovas“ Lawrence Macdonald zu haben. Es ist die erste der drei Fassungen dieses „Hyazinthus“, die zweite bestellte kein geringerer als Queen Victoria-Gatte Prinz Albert. Sie steht noch heute im Buckingham Palast.

Eins dürfte die Messe gewiss erreicht haben: Deutschlands und Europas renommierte Skulpturenhändler zum ersten Mal an einem Ort versammelt zu haben, wenn gleich die Auswahl der „moderneren“ Teilnehmer wie die Galerie am Gendarmenmarkt, die mit einigen Arbeiten Fritz Cremers und des Kollwitz-Zeitgenossen Ludwig Kasper vertreten ist, oder das Angebot der Galerie Appel aus Frankfurt mit zwei Holzfiguren von Walter Moroder für je 25.000 Euro oder mit einer 1972 entstandenen Bronze von Toni Stadler für 30.000 Euro bei weitem nicht an die hohe museale Qualität der Händler alter Kunst heranreicht. Zumal der Bereich Antike bis Klassizismus durch internationale Beteiligungen, wie die der Pariser Galerie Ratton-Ladrière mit einer aus dem 13ten Jahrhundert stammenden Steinskulptur der drei Grazien, die des Maastrichter Händlers Jan Roelofs, der mit einer Sandsteinfigur des heiligen Adrian aus dem Burgund des 15ten Jahrhunderts nach Berlin gekommen ist, oder auch die des in Basel ansässigen Antikenhändlers Jean-David Cahn, eine Vielfalt und damit auch eine Potenz erreicht hat, die selbst die unglückliche Messearchitektur vergessen lässt.

Ob diese Messe im Herzen Berlins, an der 25 Aussteller aus Deutschland, Belgien, England, aus er Schweiz und den USA teilnehmen und die von einem wissenschaftlichen Symposium mit international namhaften Referenten begleitet wird, eine Nischenveranstaltung für Museumskuratoren wird oder sich als akzeptierte Plattform für Sammler etabliert, wird sich freilich erst mit dem letzten Tag, dem 16. November, entschieden.

Die „Sculptura – European Sculpture Fair“ ist im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums bis zum 16. November zu sehen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr, freitags bis 21 Uhr.

www.sculptura-artfair.com



13.11.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Variabilder:

Lawrence Macdonald, Hyazinthus, Rom 1842
Lawrence Macdonald, Hyazinthus, Rom 1842










Copyright © '99-'2026
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce