Karlsruhe untersucht das Religiöse in Gesellschaft und Kunst Mit der Ausstellung „Medium Religion“ will das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe einen umfassenden Einblick in die mediale Reproduktion und Bedeutung von Religion geben. Ausgehend von der derzeit viel diskutierten „Rückkehr der Religionen“ erfolgt der Zugang zum Thema sowohl dokumentarisch als auch künstlerisch. Dabei nehmen die Kuratoren Boris Groys und Peter Weibel insbesondere die geopolitischen Brennpunkte im Mittleren Osten, in Asien, Russland, den USA oder Südamerika unter die Lupe. Die religiösen Bewegungen der Gegenwart operieren mit Bildern, die sich mittels der Massenmedien fast augenblicklich in die Welt verbreiten lassen. Video ist zum ausgesuchten Medium der religiösen Propaganda geworden, da es sich dank der heutigen Technologie besonders schnell produzieren und ausstrahlen lässt. Die Rückkehr der Religionen, von der man heute spricht, bedeutet nach Meinung der Kuratoren nicht unbedingt, dass heutzutage mehr Menschen gläubig geworden sind, sondern vielmehr, dass sich die Religionen aus der privaten Sphäre des persönlichen Glaubens heraus in die öffentliche Sphäre der visuellen Kommunikation bewegt haben.
So will die Schau zum einen die mediale Seite der Religion anhand aktueller Beispiele der religiösen Video-Propaganda veranschaulichen. Zum anderen werden Werke einzelner Künstlerinnen und Künstler präsentiert, die sich mit Bildern dieser Propaganda auseinandersetzen. Gezeigt werden etwa Selbstmörderbekenntnisse religiös inspirierter Terroristen, religiös-propagandistische TV-Serien und Dokumentationen über aktuelle Sekten und Glaubensgemeinschaften. Die künstlerischen Arbeiten, unter anderem von Adel Abdessemed, Maja Bajevic, Omer Fast, der Künstlergruppe Irwin, Vitaly Komar, Andree Korpys & Markus Löffler, Rabih Mroué, Dorcas Müller, Anri Sala, Christoph Schlingensief, Michael Schuster und Jalal Toufic, entstammen meist demselben Zusammenhang wie die von ihnen thematisierten religiösen Bewegungen. Sie stehen den religiösen Ritualen, Bildern und Texten der jeweiligen Kultur weder affirmativ noch kritisch, sondern eher blasphemisch gegenüber. Sie stellen die religiöse Symbolik der jeweiligen Kultur in einen unkonventionellen Kontext, um eine andere Wahrnehmung zu provozieren. So wird sowohl eine kritische Analyse der jeweiligen religiösen Ikonographie als auch ihre Überführung in die kulturelle Moderne möglich.
Die Ausstellung „Medium Religion“ ist bis zum 19. April 2009 zu sehen. Das ZKM hat Mittwoch bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.
ZKM – Museum für Neue Kunst
Lorenzstraße 19
D-76135 Karlsruhe
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