 |  | Heribert C. Ottersbach, Arkadia I,1, 2008 | |
Mythos Arkadien – der gebirgige Landstrich in der Mitte der griechischen Halbinsel Peloponnes mit seiner idyllischen Landschaft und dem beschaulichen Schäferleben ist immer wieder in der Literatur, der Philosophie und der Kunst verklärt worden: In der Hirtendichtung Vergils, in Gemälden etwa von Nicolas Poussin, in der Dichtung Goethes und der Malerei seines Zeitgenossen Jakob Philipp Hackert. „Hackert ist derjenige, der unser Bild eines betretbaren Arkadien gemalt hat“, schwärmt Hubertus Gaßner, Direktor der Hamburger Kunsthalle. Kurz vor der Eröffnung der großen Hackert-Ausstellung in der Galerie der Gegenwart präsentiert die Hamburger Kunsthalle jetzt einen zeitgenössischen Maler, der sich, unbeirrt von allen gängigen Trends, zu einer eher traditionellen Malerei bekennt.
In den Bildern des gebürtigen Kölners Heribert C. Ottersbach steht die malerische Annäherung an ein mal idyllisches, mal durch zivilisatorische Eingriffe gebrochenes Landschaftsbild im Vordergrund. Seinen Werkzyklus „Arkadien Block“ vergleicht Ottersbach gern mit der Ordnung einer Symphonie von der Ouvertüre bis hin zum kakophonen Finale oder mit dem klassischen Drama mit Prolog, mehreren Akten und einem resümierenden Epilog. Zu sehen sind Ausschnitte einer Landschaft in Braun-, Blau oder Schwarztönen auf weißem Fond. Es könnte eine italienische Ideallandschaft wie die Campagna Romana sein, die auch Goethe und Hackert faszinierte, oder eben Arkadien oder die ostdeutschen Landschaften, wie man sie bei Caspar David Friedrich findet.
Charakteristisch für die Malweise von Ottersbach ist das gezielte Einbauen von Störelementen, die an Bildstörungen auf dem Fernsehmonitor erinnern. Auf den friedlichen Bildern von dichten Wäldern und Landschaften tauchen immer wieder irritierende Balken auf, die ihrerseits manchmal von Landschaftselementen durchzogen sind. „Es geht mir nicht darum, eine Landschaft zum Abbild zu bringen, sondern es ist für mich interessant, was in der Malerei noch zu erwarten ist“, sagt Heribert C. Ottersbach. „Was kann in der Malerei seinen Ort finden, was in anderen Medien wie zum Beispiel der Fotografie nicht möglich ist.“
Ottersbach spürt in seinen Bildern einem verlorenen Arkadien nach. Längst haben sich die unkontrolliert wachsenden, einst als ideal und fortschrittlich verklärten Industriestädte und die Nachfolgebauten vormals utopischer Architekturen etwa eines Le Corbusier der Landschaft bemächtigt. An den Stadträndern entwickeln sich ungeordnete Bauten, die in die Landschaft wie krebsartige Geschwüre hineinwachsen. Die Idee der modernen Metropole hat auch ihre Schattenseiten. Lateinamerikanische, afrikanische, asiatische und auch südeuropäische Städte versprühen einerseits das kreative Flair des Improvisierten und Unaufgeräumten, andererseits sind sie häufig gekennzeichnet vom drohenden Versinken in Chaos, Müllprobleme und Kriminalität. Der italienische Anti-Mafia-Roman „Gomorrha“ von Roberto Saviano und seine Verfilmung bieten hierfür ein aktuelles Beispiel.
Doch Heribert C. Ottersbach ist in erster Linie Maler und kein Zivilisationskritiker. Er registriert, beobachtet und arbeitet sich an einem gefundenen Motiv ab. „Es geht mir nicht darum, mich dem Motiv zu nähern und zu sagen, so muss es sein, sondern: So kann es sein“, sagt er. Das funktioniert in der Acrylmalerei, die er in Gruppen und aufgeschnittenen Blöcken präsentiert, ebenso wie auf seinen detailgenauen Tuschezeichnungen. Ausgeführt mit einem schwarzen japanischen Tuschestift, entstehen sie nicht als Skizzen vor der malerischen Annäherung an das Motiv, sondern erst, nachdem er sich am Motiv malerisch abgearbeitet hat. Bestimmte Bildmotive tauchen so in verschiedenen Zusammenhängen des gesamten Zyklus mehrmals auf. Ottersbach: „Es gibt nicht das letztlich richtige Bild, es sind Möglichkeiten der Klärung.“
Heribert C. Ottersbach bewegt sich in seinen Landschafts- und Stadtbildern abseits hipper Trendkunst und gängiger Theoriediskurse. Sein eher wertkonservatives Bekenntnis, das als Schlussakkord im letzten Saal der Ausstellung an der Wand steht, lautet: „Ich glaube nicht mehr an die Gnade von Innovation und Avantgarde, es hilft alles nichts! Kunst ist keine Trostanstalt!“
Die Ausstellung „Heribert C. Ottersbach: Arkadia Block“ läuft vom 27. November bis zum 15. Februar 2009. Die Hamburger Kunsthalle hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 21 Uhr, an Silvester und Neujahr von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt am Heiligabend. Der Katalog ist im Kehrer Verlag für 29 Euro erschienen. Zur Ausstellung erscheint eine Edition von Heribert C. Ottersbach. Die Radierung in einer Auflage von 30 Stück kostet 480 Euro. |