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Marktberichte |
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Alte Kunst und Antiquitäten bei Neumeister  Klassizismus in Reinform

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 |  | Angelika Kauffmann, Lasset die Kindlein zu mir kommen – Christus segnet die Kinder, 1796 | |
Idealtypischer kann man ein Werk des Klassizismus kaum malen. Streng sind die dreizehn Figuren in drei dicht hintereinander gestaffelten Ebenen und in drei Blöcken angeordnet. Von links nähern sich Frauen und bringen ihre Kinder zu Christus, der auf einer Steinbank vor einer schlichten Mauer sitzt. Dabei gehören zwei der Kinder zu je zwei Figurengruppen und verbinden somit die einzelnen Blöcke. Drei der Kinder blicken zudem direkt aus dem Bild den Betrachter an und beziehen ihn so in das Geschehen auf dem Gemälde mit ein. Auch in der Farbgestaltung sind die Lehren der klassizistischen Malerei gekonnt umgesetzt: Die Grundfarben Gelb, Rot und Blau sind betont und treten leuchtend aus den Mischfarben hervor. 1796 vollendete Angelika Kauffmann ihr Ölgemälde „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ und lobte es in ihren „Losen Blättern“ selbst: „This picture is noteworthy for the beauty of the subject and the variety of the characters depicted and especially Christ’s figure and expression is interesting, as it is full of sweetness and dignity.“
Unangefochten steht Angelika Kauffmann an der Spitze der kommenden Auktion bei Neumeister. Die Klassizistin, die sich vor allem durch Portraits und Historiendarstellung in den internationalen Kunstkreisen des ausgehenden 18ten Jahrhunderts einen Namen gemacht hatte, wandte sich gegen Ende ihres Schaffens vermehrt religiösen Themen zu und bemühte sich um Aufträge aus dem kirchlichen Umfeld. Auftraggeber des Gemäldes war höchstwahrscheinlich der Münsteraner Weihbischof Max Freiherr Droste zu Vischering. Bereits kurz nach seiner Fertigstellung wechselte es in den Besitz der Grafen zu Stolberg-Stolberg und verblieb auf deren Schloss Brauna bei Kamenz in Sachsen bis 1945. Im Zuge der Bodenreform wurde es enteignet, 1999 an die rechtmäßigen Eigentümer restituiert und gelangte danach in eine süddeutsche Privatsammlung. Nun wird es erstmals auf einer Auktion angeboten, und Neumeister hat nicht zuletzt wegen der Vergleichsarbeit „Christus und die Samariterin“ von 1796 in der Münchner Neuen Pinakothek die Taxe auf hohe 480.000 Euro angesetzt.
Kunsthandwerk
Sonst bewegt sich das insgesamt recht günstig taxierte Angebot der Auktion am 11. März in München mit Gemälden alter und neuerer Meister und dem Kunsthandwerk in den üblichen Bahnen und beginnt mit der Keramik. Die Fayence-Manufaktur von Peter Anton Hannong produzierte in Straßburg um 1760 zwei schlanke amphorenartige Vasen, neben denen je ein bunter Harlekin sitzt (Taxe 800 EUR). Die lothringische Manufaktur Niderviller ist für zwei aufwändige Terrinen aus Steingut um 1800 zuständig, die mit Allegorien auf die Kriegskunst und die Künste bekrönt sind (Taxen je 600 EUR). Bei den Majoliken soll ein Albarello mit Blatt- und Blütenranken und männlichen Bildnissen der zweiten Hälfte des 16ten Jahrhunderts aus Werkstatt Domenico da Venezias stammen (Taxe 1.200 EUR).
Das Silber ist etwas reicher bestückt. Es wartet mit einem glockenförmigen Traubenpokal des 17ten Jahrhunderts aus dem thüringischen Mühlhausen auf. Als Meisterzeichen ist lediglich ein „W“ auszumachen (Taxe 3.000 EUR). Sicher kann man dem Augsburger Gold- und Silberschmied Johann Wagenknecht eine Ecuelle der 1720er Jahre mit Bandelwerkdekor und Delfinfüßchen zuordnen (Taxe 12.000 EUR). Fürs nötige Nachwürzen bei Tisch sorgt eine Plat-de-ménage seines Augsburger Kollegen Samuel Bardet von 1765/67 mit Zuckerstreuer, Rahmgießer, zwei Glasflakons und fünf Gewürzschälchen (Taxe 5.800 EUR), für das rechte Licht Leuchterpaare, etwa ein strenges Duo mit kanneliertem Säulenschaft von Philipp Friedrich Bruglocher, ebenfalls aus Augsburg von 1785/87 (Taxe 2.500 EUR), oder aus Berlin von Carl Heinrich Hoffmann um 1825 (Taxe 1.800 EUR).
Skulpturen
In der Hanauer Firma von Ludwig Neresheimer entstanden um 1900 kleine Figuren nach den „Schwarzen Mandern“, den Hauptfiguren am Grabmal Kaiser Maximilians I. in der Hofkirche zu Innsbruck. Die acht historistischen, rund 24 Zentimeter hohen Arbeiten in Sterlingsilber mit teilweiser Vergoldung und Elfenbein sollen je 700 Euro erzielen. Ihrer Entstehungszeit um 1620 entsprechend ist eine heilige Margarethe mit dem Drachen aus Schwaben gestaltet, die an die Werke Christoph Rodts erinnert (Taxe 3.500 EUR). Dann tun sich bei den Skulpturen noch zwei italienische Bronzen hervor: In der Nachfolge Tiziano Aspettis entstand die Statuette des Kriegsgottes Mars, von der leicht abgewandelte Versionen in Museen in New York und Wien existieren (Taxe 1.500 EUR). Mit 2.200 Euro ist eine Allegorie des Friedens mit Fackel bewertet, die im 16ten oder 17ten Jahrhundert in Florenz gegossen wurde.
Möbel und Arbeiten auf Papier
Die Möbel leiten mit einem südwestdeutschen, nüchternen Schreibsekretär auf Stollenfüßen des frühen 18ten Jahrhunderts (Taxe 3.500 EUR), einem österreichischen türkisgrünen Keramikofen der Jahrhundertmitte (Taxe 17.500 EUR) oder der Kopie einer Commode à portes von Guillaume Beneman aus der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts (Taxe 29.000 EUR) zu den Arbeiten auf Papier über. Die flüchtige, aber dennoch effektvolle Skizze eines Tritonen samt eines kleinen Engelchens wird dem Florentiner Giovanni Angelo Montorsoli zugeschrieben (Taxe 6.000 EUR). Den empfindsamen Klassizismus bestreiten etwa die mit Aquarell und Deckfarben gemalten Gegenstücke zweier Menschen am Grab ihres Geliebten von Johann Jakob Hoch (Taxe 800 EUR) oder vier beliebte Gouachen mit allegorischen schwebenden Frauengestalten, die wohl von Michelangelo Maestri nach antiker Inspiration gemalt wurden (Taxe 6.000 EUR). Aus dem Nachlass des Bayernkönigs Ludwig II. stammt Friedrich Würthles Aquarell „Am Hintersee bei Berchtesgaden“ (Taxe 600 EUR), von Johann Baptist Pflug die seltene Lithographie „Matheis der Vogelfänger“ von etwa 1825 (Taxe 1.800 EUR).
Gemälde Alter Meister
Teuerste Arbeit bei den Altmeistergemälden niederländischer Provenienz soll mit 20.000 Euro das „Stillleben mit Früchten, Austern und Silbergefäß“ von Gerardt van Duynen werden. Aber Simon de Vlieger könnte ihm mit seinem dramatischen „Schiffbruch im Sturm vor felsiger Meeresküste“ Konkurrenz machen (Taxe 10.000 EUR). Eine Werkstattkopie Pieter Lastmans, datiert auf das Jahr 1626, soll das selten dargestellte alttestamentliche Zusammentreffen von Elisäus mit der Sunamitin auf dem Berg Karmel aus dem Zweiten Buch der Könige sein (Taxe 2.500 EUR). In deutsche Gefilde, nämlich zu dem aus Antwerpen nach Frankenthal eingewanderten Anton Mirou, kommt man mit der kleinen Kupfertafel eines Dorfes samt einiger Landleute (Taxe 9.800 EUR) und ganz in den Süden mit zwei ruhigen arkadischen Ideallandschaften aus dem Umkreis Andrea Locatellis (Taxe 16.000 EUR), um über den Umweg Italien und Marcello Bacciarelli nach Polen vorzudringen. Denn über den Dresdener Hof verschlug es den 1731 in Rom geborenen Maler nach Warschau. Hier schuf er auch das qualitätvolle Bildnis des Fürsten Michal Jerzy Poniatowski (Taxe 1.200 EUR).
Gemälde Neuerer Meister
Mit rund 150 Positionen ist Offerte von Gemälden des 19ten Jahrhunderts und ihrer Nachfolger im frühen 20ten Jahrhundert wieder reich bestückt. Biedermeierliche Idyllen entwerfen etwa Carl Conjola 1826 mit einem Gebirgssee bei aufziehendem Regen (Taxe 2.800 EUR), Wilhelm von Kobell mit zwei Reitern und einem am Wegesrand sitzenden Jäger von 1828 (Taxe 12.000 EUR) und Heinrich Marr mit einer volksreichen oberbayerischen Szene „Nach dem Kirchgang“ aus dem Jahr 1840 (Taxe 14.000 EUR). Auch die Genremalerei ist gut vertreten, etwa durch Adolf Eberles „Tischgebet“ samt Hund in der Bauernstube (Taxe 9.000 EUR), Wilhelm Schützes „Bäuerliches Idyll“ von Großmutter, Tochter und Enkeln vor der Haustüre (Taxe 12.000 EUR) oder Karl Raupps zum wiederholten Male antretende „Angenehme Unterhaltung“ für nun reduzierte 17.000 Euro.
Mehr menschliche Charakterstudien denn Genre sind Franz von Defreggers „Dirndl am Fenster stehend“ aus dem frühen Jahr 1869 (Taxe 39.000 EUR), Hugo Kauffmanns junger, etwas mutlos blickender „Pifferaro“ von 1870 (Taxe 3.000 EUR), sein alter Mann mit Pfeife und erbosten Gesichtszügen von 1879 (Taxe 5.000 EUR) oder die Schilderung einer ärmlichen Bäuerin beim Essen von Johanna Kirsch (Taxe 3.000 EUR). Anselm Feuerbachs venezianische Szene, die nach den Kleidern der Damen im Barock spielt, lässt sich nur durch den „ferro“, den Bugbeschlag einer Gondel, dorthin lokalisieren (Taxe 12.000 EUR). Als eigene Gattung bildete das 19te Jahrhundert das Tierbild heraus. Bei Friedrich Voltz ist es wieder einmal ein wild gewordener Stier, die eine Schafherde auseinandersprengt (Taxe 7.000 EUR), bei Alexander Koester natürlich zehn weiße Enten in Schilf für 35.000 Euro und bei Heinrich von Zügel ein Hirte mit Schafherde und Maultier unter Bäumen im Halbschatten (Taxe 30.000 EUR).
Winterlich wird es mit einer Landschaft Heinrich Höfers, die an einem zugefrorenen Dorfteich spielt. Bauern mit Pferdeschlitten stehen um einen Dorfbackofen und warten auf die guten Waren (Taxe 7.000 EUR). Josef Wenglein hat sich dagegen einen Sommertag ausgesucht, um seine zwei Jäger mit ihren Hunden und erlegtem Reh in einer Moorlandschaft zu gestalten (Taxe 25.000 EUR). Das italiensche Finale zog schon häufiger Künstler an. Auch Edmund Kanoldt verewigte das ligurische Städtchen 1902 in seiner impressionistischen Villa auf einem Felsen über der Meeresküste (Taxe 1.800 EUR). Michael Neher zog es zur Karlsbrücke nach Prag. Hier nahm er 1864 das Gemälde „Die Brückentürme in Prag“ auf (Taxe 18.000 EUR), während sich der 1795 in Mechelen geborene Belgier Frans Vervloet ganz in Venedig verliebte. Davon zeugt sein sonniger Blick von Santa Maria della Salute auf die Einfahrt in den Canal Grande (Taxe 8.000 EUR).
Die Auktion beginnt am 11. März um 9:30 Uhr. Die Vorbesichtigung findet bis zum 9. März täglich von 9 bis 17:30 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr statt. |  | Kontakt: Neumeister Münchener Kunstauktionshaus Barer Straße 37 DE-80799 München |
 | Telefax:+49 (089) 23 17 10 55 | Telefon:+49 (089) 231 71 00 |  |  | E-Mail: auctions@neumeister.com |
03.03.2009 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 38 | Seiten: 1 • 2 • 3 • 4 • 5
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (35) |  | •  | Veranstaltung vom: 11.03.2009, Alte
Kunst - Varia |  | •  | Bei: Neumeister Münchener
Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG |  | •  | Bericht: Furore um
Venedig |  |  | •  | Kunstwerk:  Wohl Werkstatt Domenico da
Venezia, Albarello, Venedig 2. Hälfte 16. Jahrhundert |  | •  | Kunstwerk:  Josef Wenglein, Zwei Jäger mit ihren Hunden und
erlegtem Reh in Moorlandschaft |  | •  | Kunstwerk:  Peter Anton Hannong, Ein Paar Harlekine,
Straßburg-Hagenau um 1760 |  |  | •  | Kunstwerk:  Terrine „Allegorie der Kriegskunst“, Niderviller, um 1800 |  | •  | Kunstwerk:  Terrine „Allegorie der Künste“, Niderviller um 1800 |  | •  | Kunstwerk:  Heilige Margaretha, Süddeutschland/Schwaben, um 1620 |  |  |
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 Domenico da Venezia,
Wohl Werkstatt
Albarello, Venedig
2. Hälfte 16.
Jahrhundert |  | Taxe: 1.200,- EURO Zuschlag: 2.000,- EURO Losnummer: 24 |  |  |  |  |  | 
 Friedrich Voltz,
Johann Der
wildgewordene Stier |  | Taxe: 7.000,- EURO Zuschlag: 5.000,- EURO Losnummer: 596 |  |  |  |  |  | 
 Heilige Margaretha,
Süddeutschland/Schwaben,
um 1620 |  | Taxe: 3.500,- EURO Losnummer: 239 |  |  |  |  |  | 
 Anselm Feuerbach,
Venezianische
Szene, wohl um 1856 |  | Taxe: 12.000,- EURO Losnummer: 490 |  |  |  |  |  | 
 Wilhelm von Kobell,
Zwei Reiter und bei
der Strecke
sitzender Jäger,
1828 |  | Taxe: 12.000,- EURO Zuschlag: 10.000,- EURO Losnummer: 522 |  |  |  |  |  | 
 Alexander Koester,
Zehn weiße Enten im
Wasser, 1864 |  | Taxe: 35.000,- EURO Losnummer: 524 |  |  |  |  |  | 
 Terrine „Allegorie
der Kriegskunst“,
Niderviller, um 1800 |  | Taxe: 600,- EURO Zuschlag: 1.100,- EURO Losnummer: 20 |  |  |  |  |  | 
 Friedrich Würthle,
Am Hintersee bei
Berchtesgaden |  | Taxe: 600,- EURO Losnummer: 372 |  |  |  |  |  | 
 Hugo Kauffmann,
Pifferaro, 1870 |  | Taxe: 3.000,- EURO Losnummer: 516 |  |  |  |  |  | 
 Frans Vervloet,
Venedig, 1842 |  | Taxe: 8.000,- EURO Zuschlag: 61.000,- EURO Losnummer: 591 |  |  |  |  |  | 
 Franz von Defregger,
Dirndl am Fenster
stehend, 1869 |  | Taxe: 39.000,- EURO Losnummer: 478 |  |  |  |  |  | 
 Peter Anton Hannong,
Ein Paar Harlekine,
Straßburg-Hagenau
um 1760 |  | Taxe: 800,- EURO Zuschlag: 1.600,- EURO Losnummer: 17 |  |  |  |  |  | 

Aufsatzschreibschrank,
Südwestdeutschland,
1. Drittel 18.
Jahrhundert |  | Taxe: 3.500,- EURO Zuschlag: 4.000,- EURO Losnummer: 269 |  |  |
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