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Marktberichte |
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Etwas zurückhaltend: Alte Meister im Wiener Dorotheum  Schrumpeliger Kohl

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 |  | Antonio Joli, Die Peterskirche und der Petersplatz in Rom | |
Dies verspricht nicht die große Auktion zu werden wie noch diejenigen vor einem oder zum 300jährigen Jubiläum vor zwei Jahren. Die Alten Meister im Wiener Dorotheum haben sich fürs erste etwas zurückgezogen. Nur wenige sechsstellige Schätzpreise haben sich an die über 250 Objekte geheftet, die für die Versteigerung am 31. März vorgesehen sind. Die ersten beiden dürften es nicht allzu schwer haben: Italienische Veduten des 18ten Jahrhunderts in der Art Giovanni Antonio Canals wie diejenige Antonio Jolis waren und sind immer gefragt. Der im Jahr 1700 in Modena geborene Meister zeigt uns den vielbevölkerten Petersplatz in Rom, umfangen von den weiten Kolonnaden Gian Lorenzo Berninis, die im Hintergrund auf die große Fassade Carlo Madernos und die gewaltige Kuppel Michelangelos führen. Die zeichnerische Anlage des Gemäldes ist typisch für die Zeit. Kosten soll es 120.000 bis 150.000 Euro. Und so ist auch Francesco Albottos Impression am Grand Canal in Venedig ein heißer Kandidat für 120.000 bis 140.000 Euro.
Ein weiterer Meister heißt Jan Fyt. Mit geradezu knorriger Wirklichkeitsnähe hielt er 1652 einen verschrumpelten Wirsingkopf, Zwiebeln, Kürbisse, wenige Blumen und sogar einen Holzeimer fest. Für dieses bemerkenswert unbequeme Stillleben werden 80.000 bis 100.000 Euro erwartet. Ansonsten dominieren zahlreiche Gemälde der gehobenen Mittelklasse, für die die Preise entsprechend vorsichtig angesetzt sind. Aus der Spätrenaissance beeindruckt Carlo Ceresas Kniestück einer vornehmen Dame im fein plissierten und ornamentierten Kleid (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Aus noch älterer Zeit stammt eine Tafelmalerei der Madonna im Hortus conclusus mit musizierendem Engel, die immerhin der Nachfolge Rogier van der Weydens zugewiesen wird (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Teil einer vierteiligen, heute in alle Welt zerstreuten Serie ist Lambert Sustris’ Triumph der Fama auf einer großen Fläche von 150 mal 240 Zentimetern, aber in schlechtem Erhaltungszustand. 80.000 bis 120.000 Euro werden dennoch erwartet.
Noch manche weitere erstrangige Künstler treten auf, so Peter Paul Rubens mit einer beachtlich plastischen Studie des geflügelten Amor zu seinem Gemälde „Meleager und Atalante“ in der Münchner Alten Pinakothek (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) und der Fassung einer mehrfach ausgeführten Madonna (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Für beide Gemälde wird seine Werkstatt verantwortlich gemacht. Der wichtigste römische Maler unter Papst Sixtus V. zwischen 1585 und 1590 war Cesare Nebbia. Allerdings stand die römische Kunst damals ohnehin nicht auf der Höhe der Zeit. Dennoch tritt uns Nebbia in seiner großformatigen Darstellung der Heilung des blinden Tobit als versierter Figurenmaler entgegen, der freilich noch manche, woanders schon seit fünfzig Jahren ad acta gelegte Stilmittel anwendet (Taxe 60.000 bis 90.000 EUR). Im frühen 18ten Jahrhundert, als die römische Kunst wieder auf dem absteigenden Ast war, gehört Andrea Locatelli zu den bekanntesten Malern der Papststadt. Seine ebenso figurenreiche wie gebirgige Flusslandschaft in leuchtendem Abendrot wurde erst kürzlich in einer deutschen Privatsammlung wiederentdeckt und rangiert jetzt bei 60.000 bis 80.000 Euro.
In der Zeitspanne dazwischen liegen erstklassige Meister wie Giovanni Francesco Barbieri, besser bekannt unter dem Namen Guercino, dem ein Ecce Homo zugewiesen wird (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), oder Luca Giordano, dessen Zuschreibung einer Tötung der Niobiden allerdings etwas zweifelhaft erscheint (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Mehr Chancen hat wohl das eindringliche Bildnis eines alten Mönches aus der neapolitanischen Schule des 17ten Jahrhunderts, allerdings liegt der Preis auch nur auf 3.000 bis 5.000 Euro. Auch zwei zarte Schmetterlingsdarstellungen auf schwarzem Grund der recht gefragten Giovanna Garzoni sollten bei jeweils nur 10.000 bis 14.000 Euro Freunde finden. Bernardino Mei kommt für eine Szene aus der Kindheit des Herakles in Frage: Der kleine Mann erwürgt gerade die Schlangen, die ihm die böse Hera geschickt hat, Mama Alkmene erhebt nutzlos ihr Geschrei (Taxe 45.000 bis 60.000 EUR).
Eine merkwürdig helle, mitunter fast schreiende Farbigkeit zeigen manche italienische Bilder des späten 18ten Jahrhunderts, so Giuseppe Bernardino Bisons Winterlandschaft am Tagliamento mit einem Eselstreiber (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Da wenden wir uns doch lieber den venezianischen Meistern zu, so Sebastiano Ricci und seiner duftig hingestrichenen Verbildlichung der Versuchungen des heiligen Antonius (Taxe 40.000 bis 70.000 EUR) oder Francesco Guardi, dessen ebenfalls gleichsam vorimpressionistische Feuersbrunst in einem alten Schloss in der Lagune mit 90.000 bis 120.000 Euro zu den Anwärtern auf Höchstpreise rechnet. Mit Marco Ricci, dem Neffen Sebastianos, wird eine mächtig rauschende Küstenlandschaft in Verbindung gebracht. Gleichgültig, 25.000 bis 35.000 Euro sollte die brillante Schilderung entfesselter Naturgewalten jedenfalls bringen. Auch Giovanni Battista Pittonis ausschließlich in Rotbrauntöne gekleidete Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies im Hochoval darf erwähnt werden: Mit hoher dramatischer Kraft und schonungsloser Offenheit schildert der Meister diesen Knackpunkt der Menschheitsgeschichte (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).
Den strengen französischen Klassizismus etwa der gleichen Epoche äußert Bernard Picart in einer ebenso eleganten wie steifen Schlossparkgesellschaft. Das Gemälde war bisher nur durch Stiche bekannt (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Niederländische Landschaften mit großen Bäumen und wenigen Figuren kommen unter anderem von Alexander Keirincx und Jacob Salomonsz van Ruysdael für bis zu 34.000 Euro zum Aufruf. Mehr Figuren bedeuten gelegentlich auch höhere Kosten, so bei Theobald Michaus feiernden Bauern auf einem Dorfplatz (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) oder Jan Breughels d.J. fantastischer Felslandschaft mit Messe in einer Grotte. Hier haben wir auch endlich den fünften Spitzenpreis: 80.000 bis 100.000 Euro stehen auf dem Etikett. Onkel Pieter Breughel d.J. gibt in derber Bildsprache einen Überfall auf ein Bauernpaar zum Besten (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Für die Stilllebenmalerei erklärt sich neben Fyt unter anderem Joris van Son zuständig. Bei ihm bekommen wir auch endlich saftige Weintrauben, dralle Pfirsiche, leuchtende Blumen und eine glänzende Nautilusmuschel – nicht so ollen Kohl (Taxe 45.000 bis 65.000 EUR). Etwas weniger schonend konfrontiert uns Cornelis Norbertus Gysbrechts mit Totenkopf und abgebrannter Kerze als unverkennbare Vanitas-Motive (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR).
Die Portraitkunst vertritt Gerard ter Borch mit dem Ganzfigurenbildnis eines Herrn, der verloren vor einer braunen Wand steht (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), Simon de Vos die Historienmalerei. Als Thema wählte er sich offenbar eine Schlacht aus der römischen Frühgeschichte – man lässt sich nicht festlegen, kann aber ordentlich drauflos modellieren (Taxe 30.000 bis 36.000 EUR). Unter den Deutschen macht sich Joachim Franz Beich mit viel Personenstaffage in zwei Gegenstücken an die Predigt Johannes des Täufers und die Enthauptung des Jakobus (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Der 1654 in Sangerhausen geborene Heinrich Christoph Fehling avancierte nach mehrjährigem Aufenthalt in Italien zum Oberhofmaler in Dresden. Aus dieser Zeit stammen auch vier Portraits kursächsischer Generäle, die Fehling gemalt haben soll. Trotz qualitativer Unterschiede sind sie jeweils mit 8.000 bis 10.000 Euro angesetzt. Friedrich Heinrich Füger gehört – nach Aufenthalten und Studien unter anderem bei Anton Raphael Mengs in Rom – zu den frühen deutschen Klassizisten. Der Entwurf „Apollo unter den Hirten“ für einen Vorhang des Wiener Burgtheaters ist ein eindrucksvolles Beispiel seiner abgeklärten Kunst (Taxe 28.000 bis 34.000 EUR). Auch Johann Joachim Fabers Sicht auf Orvieto von Südwesten mit lagernden Reisenden im Vordergrund ist der klassizistischen Malerei zuzurechnen (Taxe 20.000 bis 24.000 EUR).
Die Auktion beginnt am 31. März um 17. Uhr. Die Vorbesichtigung ist noch bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Katalog ist im Internet unter www.dorotheum.com abrufbar. |  | Kontakt: Dorotheum Dorotheergasse 17 AT-1010 Wien |
 | Telefon:+43 (01) 515 60 0 | Telefax:+43 (01) 515 60 443 |  |  | E-Mail: client.services@dorotheum.at |  | Startseite: www.dorotheum.com |
25.03.2009 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 24 | Seiten: 1 • 2 • 3
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (21) |  | •  | Veranstaltung vom: 31.03.2009, Alte
Meister |  | •  | Bei: Dorotheum
|  | •  | Bericht: Starke Niederländer
|  |  | •  | Kunstwerk:  Peter Paul Rubens Werkstatt, Ölskizze zu einem geflügelten
Amor |  | •  | Kunstwerk:  Jan Fyt, Stillleben mit Eimer, Wirsing,
Kürbissen, Zwiebeln und Blumen, 1652 |  | •  | Kunstwerk:  Jan Breughel d.J., Felslandschaft mit Messe in
einer Grotte |  |  | •  | Kunstwerk:  Cesare Nebbia, Die
Heilung des blinden Tobit durch seinen Sohn Tobias |  | •  | Kunstwerk:  Pieter Breughel d.J., Überfall auf ein Bauernpaar |  | •  | Kunstwerk:  Francesco Guardi, Feuersbrunst eines Schlosses |  |  |
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 Pieter Breughel
d.J., Überfall auf
ein Bauernpaar |  | Taxe: 40.000 - 60.000 EURO Zuschlag: 85.000,- EURO Losnummer: 60 |  |  |  |  |  | 
 Joachim Franz Beich,
Die Enthauptung des
Jakobus – Die Predigt
Johannes des Täufers |  | Taxe: 30.000 - 40.000 EURO Zuschlag: 50.000,- EURO Losnummer: 33 |  |  |  |  |  | 
 Francesco Guardi,
Feuersbrunst eines
Schlosses |  | Taxe: 90.000 - 120.000 EURO Losnummer: 76 |  |  |  |  |  | 
 Lambert Sustris, Der
Triumph der Fama |  | Taxe: 80.000 - 120.000 EURO Zuschlag: 50.000,- EURO Losnummer: 78 |  |  |  |  |  | 
 Jan Fyt, Stillleben
mit Eimer, Wirsing,
Kürbissen, Zwiebeln
und Blumen, 1652 |  | Taxe: 80.000 - 100.000 EURO Losnummer: 57 |  |  |  |  |  | 
 Cesare Nebbia, Die
Heilung des blinden
Tobit durch seinen
Sohn Tobias |  | Taxe: 60.000 - 90.000 EURO Zuschlag: 60.000,- EURO Losnummer: 6 |  |  |  |  |  | 
 Jan Breughel d.J.,
Felslandschaft mit
Messe in einer Grotte |  | Taxe: 80.000 - 100.000 EURO Zuschlag: 100.000,- EURO Losnummer: 59 |  |  |  |  |  | 
 Francesco Albotto,
Vedute des Canal
Grande in Venedig |  | Taxe: 120.000 - 140.000 EURO Losnummer: 11 |  |  |  |  |  | 
 Jasper van der Lanen,
Reisende in
bewaldeter
Landschaft, ein
Pferd sattelnd |  | Taxe: 8.000 - 10.000 EURO Zuschlag: 9.500,- EURO Losnummer: 164 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni Francesco
Barbieri, Giovanni
Francesco Barbieri
zugeschrieben, Ecce
Homo |  | Taxe: 20.000 - 30.000 EURO Losnummer: 19 |  |  |  |  |  | 
 Bernardino Mei,
Bernardino Mei
zugeschrieben,
Szene aus der
Kindheit des
Herkules |  | Taxe: 45.000 - 60.000 EURO Losnummer: 192 |  |  |  |  |  | 
 Rogier van der
Weyden, Rogier van
der Weyden
Nachfolge, Maria mit
dem Kinde und einem
musizierenden Engel
unter einer Pergola
in einem Hortus
conclusus |  | Taxe: 50.000 - 70.000 EURO Zuschlag: 52.000,- EURO Losnummer: 39 |  |  |  |  |  | 
 Cornelis Norbertus
Gysbrechts,
Vanitas-Stillleben |  | Taxe: 30.000 - 50.000 EURO Losnummer: 215 |  |  |
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