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Marktberichte |
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Möbel und Einrichtungsgegenstände sind im Wiener Dorotheum immer noch stark  Mühsame Skulpturen

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 |  | Kommode, Berlin, um 1800/10 | |
Was das Design für das 20ste Jahrhundert, ist die Möbel- und Antiquitätenauktion für die Jahrhunderte zuvor im Wiener Dorotheum. Auch im Ergebnis: In den vergangenen Jahren hat sich das Auktionshaus zum wichtigsten Anbieter gediegener Einrichtungsgegenständige auf dem österreichischen Versteigerungsmarkt entwickelt. Die Veranstaltung am 2. April bestätigte diesen Trend. Nicht nur das hohe Bruttoergebnis von gut 1,83 Millionen Euro stellt sich in die Tradition der letzten Jahre, auch mit einer Zuschlagsquote von mehr als 60 Prozent stemmte sich das Dorotheum gegen den Strom, verglichen etwa mit den Einbußen, die Koller in Zürich hinnehmen musste. Dass Möbel etwa keineswegs immer eine zähe Angelegenheit sind, war in Wien diesmal besonders deutlich zu erleben.
Möbel
Denn in dieser Sparte gab es einige der attraktivsten Ergebnisse. Gleich zu Beginn etwa verbesserte sich ein künstlerisch eher wenig spektakulärer spanischer Renaissancestuhl des 16ten Jahrhunderts, der aber das Interesse aufgrund einer Wappenkartusche samt ausführlicher Inschrift auf sich zog, von 8.000 bis 12.000 Euro auf 26.000 Euro. Ebenfalls auf 26.000 Euro verdoppelte sich der Wert zweier Bücherkästen des Biedermeier um 1820/30, die zu Beginn des 20sten Jahrhunderts allerdings einige Veränderungen im Sockelbereich hinnehmen mussten. Mit 1.000 bis 2.000 Euro war eine Berliner Kommode des Klassizismus um 1800/10 von vornherein zu niedrig angesetzt, hier sprangen 11.000 Euro heraus. Unveräußert blieb allerdings das schöne Biedermeier-Giraffenklavier der Wiener Firma Heinrich Janssen aus der Zeit um 1820/30 für geschätzte 20.000 bis 25.000 Euro.
Die größte Wertsteigerung legte ein lombardischer Aufsatzschreibschrank im Barockstil der ersten Hälfte des 18ten Jahrhunderts hin – und das, obwohl er erst im 19ten Jahrhundert nachgemacht wurde. Dennoch: 75.000 Euro honorierten perfekte handwerkliche Qualität (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Ein Trend, der ohnehin zunimmt: Historismusmöbel werden immer beliebter. Für 14.000 Euro gingen beispielsweise zwei französische Salonkommoden im Louis XV-Stil weg (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), und von 6.000 bis 8.000 Euro auf 11.000 Euro verbesserte sich ein Ausziehtisch der Neorenaissance um 1870/75 aus dem Haus Bernhard Ludwig zu Wien. Und 38.000 Euro musste ein Interessent für einen Kabinettschrank im Frühbarockstil hinblättern, den die Wiener Firma F. Würfel ebenfalls gegen Ende des 19ten Jahrhunderts virtuos geschnitzt und mit figürlichen Reliefs geschmückt hat (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).
Skulpturen und Uhren
Bei den Skulpturen lief es deutlich zäher. Unveräußert blieb auch im zweiten Anlauf eine Andrea Riccio zugeschriebene Terrakottafigur der thronenden Muttergottes von etwa 1500 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Viele der angebotenen Werke blieben zum Teil weit unterhalb ihrer Erwartungen stecken, so eine schöne steiermärkische Madonna des Weichen Stils um 1390 für 56.000 Euro (Taxe 80.000 bis 90.000 EUR), die Barockfigur eines heiligen Bischofs aus der Werkstatt des Grazer Meisters Marx Schokotnigg von etwa 1720 für 4.000 Euro (Taxe 8.000 bis 9.500 EUR) und ein heiliger Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm vielleicht von Johann Josef Schwanthaler für 8.000 Euro (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Eine Ausnahme bildete ein niederrheinisches Relief der Kreuzabnahme Christi von circa 1500/20 für 16.000 Euro (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR).
Den gleichen Betrag erzielten ein Bologneser Rundrelief des mittleren 17ten Jahrhunderts mit einer hübschen und meisterlichen Weihnachtsdarstellung (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) und – als Vertreter der Bronzen um 1900 – die virtuose Darstellung „Einfangen eines Wildpferdes“ des Russen Jewgenij Alexandrowitch Lanceray (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Von den hochpreisigen Uhren wurde eine Kaminuhr mit Carillon aus der Zeit des englischen Königs George I. um 1700/20 für 18.000 Euro übernommen (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Die beiden Biedermeier-Bilderuhren von C. L. Hoffmeister und einem unbekannten Maler mit den Initialen „CLK“ mussten dagegen die Heimreise antreten (Taxen zwischen 12.000 und 20.000 EUR).
Silber
In der Silberabteilung belebte sich das Geschäft wieder zusehens, und auch hier punkteten nicht selten die historistischen Werke des 19ten Jahrhunderts. Gleich zu Beginn war es ein Wiener Sturzbecher der Firma Mayerhofer und Klinkosch von 1857, der seinen Wert auf 12.000 Euro verdoppelte, anschließend ein emailliertes Wiener Trinkhorn der Zeit um 1870, das sogar von 2.500 bis 3.500 Euro auf 17.000 Euro gehoben wurde. Doch als nicht minder zugkräftig erwiesen sich auch die Werke des Barock und Rokoko. Eine Londoner Weinkanne mit köstlicher Reliefdarstellung eines Bacchantenzuges um 1717/18 schoss von 2.500 bis 3.500 Euro auf 16.000 Euro, und drei Londoner Teedosen von John Langford und John Schille aus den 1760er Jahren mit chinoisen Figurinen ließen sich, mit 12.000 bis 15.000 Euro schon anspruchsvoll bewertet, erst bei 32.000 Euro bitten.
Fand auch Fedor Rückerts Moskauer Cloisonné-Schale der letzten Zarenzeit für 18.000 bis 24.000 Euro keinen Abnehmer, so war das russische Silber doch im Allgemeinen ebenfalls recht gefragt. 26.000 Euro kostete eine Kette mit 35 kleinen Eianhängern, was für Fabergé spricht, ohne es zu sein (Taxe 16.000 bis 20.000 EUR). Diese berühmte St. Petersburger Firma war unter anderem für einen Klingelknopf und einen Flakon verantwortlich, die beide für 10.000 Euro in neue Sammlungen übergingen. Die Meister hießen Henrik Emanuel Wigström und Johan Viktor Aarne (Taxen zwischen 6.000 und 12.000 EUR). Nicht nur schön, sondern auch praktisch durfte es sein bei einem 239teiligen Tafelbesteck für zwölf Personen aus dem Hause Wilhelm Binder in Schwäbisch Gmünd, das 14.000 Euro verschluckte (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).
Glas und Porzellan
12.000 und 20.000 Euro honorierten die ausgezeichneten Leistungen des Wiener Biedermeierglaskünstlers Anton Kothgasser in Form zweier Ranftbecher, von denen der eine den Innenhof der Wiener Hofburg, der andere dagegen in beinahe naturalistischer Weise ein Spinnennetz mit Spinne und zwei Fliegen wiedergibt (Taxen zwischen 10.000 und 20.000 EUR). Die Exemplare seiner Kollegen Johann Joseph Mildner und Gottlob Samuel Mohn blieben dagegen unveräußert stehen (Taxen zwischen 3.000 und 9.000 EUR). Auch das Porzellan machte keine großen Sprünge, sondern erwies sich als solider Geschäftszweig. 22.000 Euro waren hier der höchste Betrag, der für ein unikates, fast komplett vergoldetes Dejeuner mit süßlichen Malereien von Claudius Herr entrichtet wurde (Taxe 20.000 bis 35.000 EUR). Jeweils 10.000 Euro erbrachten ein Japaner aus Peter Reinickes Meißner Serie „Fremde Völker“ von 1743 (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR), zwei Vasen aus der Königlich Preußischen Porzellanmanufaktur Berlin aus den späten 1840er Jahren (Taxe 10.000 bis 18.000 EUR) und ein russischer Vedutenteller aus der Zeit Zarin Katharinas II. (Taxe 1.200 bis 2.000 EUR). 30.000 bis 60.000 Euro für einen russischen Soldatenteller von 1895 waren dagegen zu hoch bemessen. Nur entsprechende Biedermeier-Stücke bringen so hohe Preise.
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Dorotheum Dorotheergasse 17 AT-1010 Wien |
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14.04.2009 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: |  | •  | Veranstaltung vom: 02.04.2009, Antiquitäten und Möbel
|  | •  | Bei: Dorotheum
|  | •  | Bericht: Ein Tier als
Klavier |  |  | •  | Kunstwerk:  John Langford und John
Schille, 3 Teedosen, London 1760er Jahre |  | •  | Kunstwerk:  Anton Kothgasser, Ranftbecher, Wien um 1830 |  | •  | Kunstwerk:  Anton Kothgasser, Becher, Wien um 1815 |  |  | •  | Kunstwerk:  Kommode, Berlin, um 1800/10 |  | •  | Kunstwerk:  Madonna, Steiermark, um 1390 |  | •  | Kunstwerk:  Claudius Herr, Dejeuner, Wien 1803 |  |  |
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 Claudius Herr,
Dejeuner, Wien 1803 |  | Taxe: 20.000 - 35.000 EURO Zuschlag: 22.000,- EURO Losnummer: 861 |  |  |  |  |  | 
 Anton Kothgasser,
Ranftbecher, Wien um
1830 |  | Taxe: 12.000 - 20.000 EURO Zuschlag: 12.000,- EURO Losnummer: 809 |  |  |  |  |  | 
 Anton Kothgasser,
Becher, Wien um 1815 |  | Taxe: 10.000 - 15.000 EURO Zuschlag: 20.000,- EURO Losnummer: 811 |  |  |  |  |  | 
 John Langford und
John Schille, 3
Teedosen, London
1760er Jahre |  | Taxe: 12.000 - 15.000 EURO Zuschlag: 32.000,- EURO Losnummer: 714 |  |  |  |  |  | 
 Madonna,
Steiermark, um 1390 |  | Taxe: 80.000 - 90.000 EURO Zuschlag: 56.000,- EURO Losnummer: 609 |  |  |
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