Peter Zumthor erhält Pritzker-Preis  |  | Peter Zumthor, Kolumba – Kunstmuseum des Erzbistums Köln, 2007 | |
Renzo Piano, Frank O. Gehry, Zaha Hadid, Hans Hollein, Norman Foster, Philip Johnson, Gottfried Böhm – trotz aller Pluralität, trotz der Hunderttausenden, die schaffen in Kunst und Kultur, bleibt die Reihe der bedeutenden Persönlichkeiten, die man doch einigermaßen kennen sollte, auch im Bereich der zeitgenössischen Architektur fast überschaubar. Peter Zumthor, 1943 in Basel geborener Schweizer Architekt mit internationaler Karriere, ist spätestens jetzt in diesen Olymp der Baukunst aufgestiegen. Mit jedem seiner geheimnisvollen, nach außen hin so hermetisch abgeriegelt wirkenden Bauten wuchs sein Ruhm, auch wenn er erst relativ spät in die ganze Welt hinausgetragen wurde. Dies dürfte endlich 1997 mit dem auch in denkmalpflegerischer und stadtbildnerischer Hinsicht spektakulären Kunsthaus in Bregenz der Fall gewesen sein. Die merkwürdig transparent anmutende und ihr Inneres doch wie ein Schutzfilm vor den Blicken des Außen verschließende Hülle dieses kompakten Blockes wirkt wie ein Schemen in dieser so haptischen, realen Mittelstadtarchitektur.
Zumthors „Klangkörper“, dem Schweizer Pavillon auf der Expo 2000 in Hannover, gebührte nach Meinung vieler Besucher die Palme unter den zahlreichen originellen Lösungen dieses prächtigen Schaulaufens. Ungewöhnliche Einhelligkeit herrschte im September 2007 nach der Einweihung des neuen Kunstmuseum der Erzdiözese Köln unter dem schönen Namen „Kolumba“. Freilich, nicht immer stieß man auf derart offene Geister: Das Land Berlin wird sich für den Ende 2004 erfolgten Abriss von Zumthors Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“, für den sein Entwurf 1993 den ersten Preis im Wettbewerb erhielt und das 1997 teilweise realisiert wurde, noch einmal die Haare raufen. Seine 2007 eingeweihte Feldkapelle für den heiligen Bruder Klaus in dem Eifelort Mechernich-Wachendorf ist gar zu einer Touristenattraktion avanciert, für die bei Wallfahrtskirchen sonst eigentlich Barock und Rokoko in Süddeutschland zuständig sind.
Der offiziellen Anerkennungen wurden immer mehr und bedeutendere, 1989 noch die Heinrich-Tessenow-Medaille der Technischen Universität Hannover, 1995 schon der International Prize for Stone Architecture, 1998 der Mies van der Rohe Award for European Architecture in Barcelona, 2006 der Prix Meret Oppenheim des Schweizer Bundesamt für Kultur, 2008 der japanische Praemium Imperiale. Nun hat Peter Zumthor diesen den „Nobelpreis der Architektur“, den mit 100.000 Dollar dotierten Pritzker-Preis, hinzugefügt, den auch seine eingangs erwähnten Kollegen schon erhielten. Die Auszeichnung wird ihm am 29. Mai in Buenos Aires überreicht. |