 |  | Conrad Felixmüller, Liebespaar vor Fabrik, um 1921 | |
„Der Krieg war eine scheußliche Sache, aber trotzdem etwas Gewaltiges“, bekannte der Dresdner Maler Otto Dix (1891-1969), der wie kaum ein anderer die Schrecken des Ersten Weltkrieges in seinen Bildern zum Thema gemacht hat. Conrad Felixmüller (1897–1977), der keinen Militärdienst leistete und Dix freundschaftlich zugetan war, näherte sich diesem bewegenden Sujet ebenso wie Dix unter dem Eindruck des Kubismus, Futurismus und Expressionismus.
Beide Künstler spiegelten in ihren Arbeiten den Alltag des Großstadtlebens, dem der Krieg seinen Stempel aufgedrückt hatte: Der Wegfall des erstarrten gesellschaftlichen Korsetts von Kaiserzeit und Belle Epoque ließ die Menschen zwischen Not und Halbwelt taumeln. Jener Halbwelt hat das Museum der Bildenden Künste Leipzig eine Ausstellung mit Papierarbeiten von Dix und Felixmüller gewidmet. Die in Leipzig gezeigten 116 Aquarelle, Pastelle und Zeichnungen entstammen einer deutschen Privatsammlung und waren vielfach seit Jahrzehnten nicht mehr öffentlich zu sehen.
Weil er den Menschen im entfesselten Zustand gesehen haben und etwas über den menschlichen Charakter in existenzieller Bedrängnis erfahren wollte, meldete sich Dix 1914 freiwillig zum Kriegsdienst. Viele seiner Bilder greifen die schrecklichen Erlebnisse während dieser Zeit auf oder geißeln die Folgen des Krieges. Ausgemergelte, abgearbeitete und geschundene Menschen des Proletariats bevölkern seine Werke, die ihn oft den Vorwurf eintrugen, er sei der Faszination des Schreckens erlegen.
Sich als Chronist seiner Zeit verstehend, zog es Dix nach seiner Rückkehr aus dem Krieg in den Sumpf der Großstadt mit ihrem hungernden und bettelnden Menschen, die er ebenso wie die gefallenen Soldaten als Opfer des Krieges sah. Die Großstadtmalerei der Neuen Sachlichkeit konstatierte und protokollierte die Entladungen, Hemmungslosigkeiten und Abgründe. Die Großstadt wird aber auch zur Kulisse für eine neue Sorte Mensch: Kunsthändler, Varietékünstler und Kaffeebesucher waren auf der Suche nach Selbstverwirklichung und Freiheit.
Als Dix 1919 an der Dresdner Akademie sein Studium der Malerei fortsetzte, traf er auf Conrad Felixmüller, der ihn fortan zu fördern begann und ihn in die unterschiedlichen grafischen Ausdrucksmittel einführte. Ganz anders als Dix wehrte sich der talentierte Maler gegen den Militärdienst, da er sich von den Ereignissen des Krieges von Beginn an abgestoßen fühlte. Stattdessen engagierte er sich politisch und versuchte, mit seinen Bildern Missstände bewusst zu machen. Felixmüller, der die Dresdner Sezession 1920 wegen deren mangelnder politischer Tendenz verließ, wurde mit dem Sächsischen Staatspreis ausgezeichnet. Lehnte jedoch einen damit verbundenen Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom ab und trat stattdessen eine Reise ins Ruhrgebiet an, um das Leben der Bergarbeiter zu studieren. Hier trifft er auf Menschen, die in ihrer ärmlichen Einfachheit und in ihrem täglichen Kampf um ihre Existenz dennoch Demut, Größe und Schönheit ausstrahlten.
Zur Ausstellung ist im Hatje Cantz Verlag ein Katalog (39 Mark Museumskasse/68 Mark Buchhandel) mit Beiträgen von Herwig Guratzsch, Peter Barth und Karl-Heinz Mehnert erschienen.
Öffnungszeiten: Bis 5. November 2000, Dienstag sowie Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Mittwoch von 13 bis 21:30 Uhr.
Museum der Bildenden Künste
Grimmaische Straße 1-7
D-04109 Leipzig
Telefon: +49 (0)341 – 21 69 90
Telefax: +49 (0)341 – 96 09 925 |