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Das flanierende Paar / Max Stern

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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

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Kunst und Antiquitäten in Hülle und Fülle bei Schloss Ahlden

Rokoko, etwas veralbert



Georg Atzwanger,  Paar Altarleuchter, Augsburg 1712/15

Georg Atzwanger, Paar Altarleuchter, Augsburg 1712/15

Der Klumpen von Katalog, den das niedersächsische Schloss Ahlden für seine zweitägige Auktion am 28. und 29. November vorgelegt hat, ist wieder ein Fest vor allem für Freunde des gehobenen Porzellans und Silbers. Besonders bei letzterem darf es ruhig auch mal ein bisschen Historismus des 19ten Jahrhunderts sein, das beeindruckt die Preisgestalter wenig. So rangiert eine prunkvolle Tafeldekoration aus fünf Teilen der Wiener Firma Brüder Frank im Neobarockstil um 1900 bei 28.500 Euro, und ein kleiner St. Petersburger Deckelhumpen, von Gustav Magnus Akerblom 1857 reich und ganz unorthodox mit zahlreichen bunten Schmucksteinen, emailliertem Bandelwerk, Renaissancebüsten und obenauf dem heiligen Georg als Drachentöter geschmückt, soll 16.500 Euro kosten.


Silber

Im Barock dienten die Silberschmiede oft kirchlichen Auftraggebern. Ein Paar Altarleuchter schuf 1712/15 der Augsburger Georg Atzwanger (Taxe 12.000 EUR), einen Abendmahlskelch um 1693 ein unbekannter Meister aus Breslau für die dortige Prämonstratenserkirche St. Vinzenz (Taxe 19.500 EUR). Unter den profanen Dingen sind ein achtseitiger Stangenbecher um 1640 von Meister Clauß Sülßen II. aus Hamburg (Taxe 18.000 EUR) und ein mit Landschaften verzierter Deckelhumpen des Leipziger Meisters Johann Paul Schmidt um 1690 zu nennen. Letzterer trat schon im Mai bei Schloss Ahlden für 19.000 Euro an und geht jetzt mit reduzierter Taxe von 14.500 Euro erneut an den Start.

Porzellan und Zinn

Beim Porzellan erklimmen die Schätzpreise noch höhere Höhen. Meißen sei Dank: Hierher kommen unter anderem eine Augustus Rex-Vase aus dem Besitz Augusts des Starken mit feinsten Rokokomalereien Johann Georg Heintzes für geschätzte 68.000 Euro, Johann Joachim Kändlers von zwei commedia dell’arte-Figuren gestützte und einem Affen bestiegene Vase von etwa 1750 und sein um 1735 konzipierter und wenig später gefertigter Leopard auf einem Bronzesockel für jeweils 48.000 Euro sowie ein Paar Figurenleuchter mit Schnapsverkäufer und Fischverkäuferin aus dem Zyklus „Cris de Paris“ von circa 1755 für 38.000 Euro – um nur die wirklich herausragendsten Stücke aufzuführen. Die anderen Manufakturen stehen dagegen so im Schatten, dass man gleich zum Zinn übergehen kann. Hier wartet mit einer großen schlesischen Zunftkanne der Wagner und Schmiede um 1590 ein echtes Schmuckstück auf Raritätenjäger. Geschaffen hat die fast einen halben Meter hohe Kostbarkeit Johann Beneschoffsky, der als Glocken- und Zinngießer seit 1588 in Mährisch-Trübau nachweisbar ist (Taxe 28.500 EUR).

Gemälde Alter und Neuerer Meister

Über die Schmuckabteilung – in der allerdings immerhin das teuerste Los der gesamten Auktion, ein Marquis-Diamant-Solitärring von rund 10,07 Karat für 120.000 Euro prangt – geht es zur Gemäldeabteilung. Das Angebot ist auch hier reichlich, allerdings qualitativ eher durchschnittlich. Das schlägt sich auch in den Preisen nieder. Über 28.000 Euro gelangen weder die Alten noch die Neueren Meister hinaus. Bei den Alten trägt eine Ansicht von Venedig mit Dogenpalast und Campanile, die Francesco Guardi allerdings nur zugeschrieben ist, diesen Preis, bei den Jüngeren Rudolf Epps romantisierende „Einkehr des Malers bei einer Bauernfamilie“. Jeweils 12.000 Euro sollen Gerard de Jagers etwas dünnblütige Marine mit Segelschiffen vor Dordrecht und Dirk Dalens’ I. große Landschaft mit Hirten und Reitern vor einem Schloss kosten. Ein gutes Portrait fertigte der wegen seines hugenottischen Bekenntnisses aus Venedig nach Berlin übersiedelte Gedeon Romandon von dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Preußen an, auch der „Große Kurfürst“ genannt (Taxe 18.000 EUR).

Das „lange“ 19te Jahrhundert wird, abgesehen von Epp, auch sonst von etwas lieblichen Genredarstellungen bestimmt, so Hugo Kauffmanns Jäger und Bauern beim Kartenspiel im Wirtshaus aus dem Jahr 1872 (Taxe 14.000 EUR), Mariano Fortunys „Mutterglück“ ebenfalls für 14.000 Euro und Heinrich von Zügels Bauernknabe mit drei jungen Rindern von 1913 (Taxe 18.500 EUR). Da freut man sich fast über so mächtige Schinken wie Fernand Cormons „La mort de Ravana“, wenngleich man dem Werk noch heute den Champagnerdunst der Pariser Salons anmerkt (Taxe 12.000 EUR). Wer sich dagegen für den schlichten französischen Realismus interessiert, wird in Pierre Edouard Frères eindrücklich geschilderter „Kniender Magd“ von 1869 fündig (Taxe 1.800 EUR). Werke des viktorianischen Malers Edward Burne-Jones sind auf dem deutschen Markt eher selten. Die Offerte bei Ahlden verzeichnet ein diesmal studienhaft ausgeführtes junges Menschenpaar für 22.000 Euro.

Moderne Kunst

Einige markante Arbeiten der Moderne kommen aus Russland, allen voran – nicht nur preislich – Vassilij Ermilovs suprematistische Reliefkomposition „Argentinischer Tango“ wohl aus den frühen 1920er Jahren (Taxe 18.000 EUR). Markant auch, wenngleich nicht unbedingt einnehmend, Lajos Tihanyis junge Frau im grünen Mantel vor rotblauem Hintergrund von 1937 (Taxe 12.000 EUR). Fritz Erlers merkwürdige künstlerische Haltung zwischen Jugendstil und Bodenständigkeit dokumentiert erneut ein Gemälde der Jahre um 1910/12. Es zeigt ein ganz gewöhnliches Liebespaar auf einer Caféterrasse, doch im Hintergrund steht der nackte Knabe Amor mit Bogen am Schurz und Pfeil in der Hand (Taxe 11.000 EUR). Zu Eduard Bargheers schöneren Arbeiten gehört der kleine Malkarton „Stadt in Tunis“ in hellen Ölfarben aus dem Jahr 1961 (Taxe 9.500 EUR). Otto Gleichmann steuert die aquarellierte Federzeichnung streunender Katzen in der Nacht von 1920 für 1.700 Euro, Norbert Kricke eine lineare Komposition von 1953 für 700 Euro bei.

Möbel und Einrichtungsgegenstände

Das letzte Viertel der Auktion teilen sich die Waffen, Bronze sowie vor allem Möbel und Einrichtungsgegenstände. Wohl aus der Neuwieder Roentgen-Werkstatt stammt ein frühklassizistischer Klappsekretär in kantigen Formen um 1780 (Taxe 14.000 EUR). Auch ein rund dreißig Jahre früherer Spieltisch dürfte dort entstanden sein. Damals stand die Firma noch unter der Ägide Abraham Roentgens (Taxe 14.800 EUR). Auf die Stadt Dresden der Mitte des 18ten Jahrhunderts verweisen Form und Intarsiendekor einer großen Aufsatzkommode. In den Blumen- und Blütenmotiven auf Türen und Schubladen fand auch Elfenbein Verwendung (Taxe 19.000 EUR). „Erfurt um 1730“ steht auf dem Etikett eines barocken, durch dunkel ebonisierte Rahmungen gekennzeichneten Schrankes. Und der Preis von 14.000 Euro.

Der Historismus kommt in einer Prunkuhr aus der Zeit des deutschen Kaiserreichs wieder zum Zuge. Auf der Spitze des viersäuligen Aufbaus thront eine feine Büste Wilhelms II. von Otto Rohloff (Taxe 16.500 EUR). Etwa der gleichen Zeit gehört die große, etwas alberne Bronzestatue eines feinen Herrn der Rokokozeit an – wenn auch südlich der Alpen von dem Mailänder Antonio Pandiani geschaffen (Taxe 12.500 EUR). Schon im ersten Teil der Auktion ist das Kunstgewerbe und Design des 20sten Jahrhunderts lokalisiert. Darunter befindet sich neben einer violetten Schale mit fliegenden Schwänen von Gabriel Argy-Rousseau für 6.800 Euro auch eine Speisezimmereinrichtung des italienischen Designers Aldo Tura in charakteristischem Nietendekor auf weißem Ziegenleder von etwa 1950/60. Die 3,2 Meter breite Anrichte liegt bei 8.500 Euro, der Ausziehtisch mit zwölf Stühlen bei 12.500 Euro und Barschrank wieder bei 8.500 Euro.

Die Auktion beginnt am 28. November um 11 Uhr mit Silber, Jugendstil, Porzellan, Zinn und Keramik, am 29. November wird sie um 11 Uhr mit Schmuck, Gemälden, Möbeln und Bronze fortgeführt. Die Besichtigung der Objekte ist bis zum 26. November täglich von 13 bis 18 Uhr möglich.

Kontakt:

Kunstauktionshaus Schloss Ahlden

Große Straße 1

DE-29693 Ahlden

Telefon:+49 (05164) 80 100

Telefax:+49 (05164) 522

E-Mail: auctions@schloss-ahlden.de



24.11.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Johann Georg Heintze, Augustus Rex-Vase, um 1730
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Gabriel Argy-Rousseau,  Schale, Paris um 1925

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Taxe: 6.800,- EURO

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Mariano Fortuny,  Mutterglück

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Taxe: 14.000,- EURO

Losnummer: 1434

 Dresden, Aufsatzkommode, Mitte 18. Jahrhundert

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Taxe: 19.000,- EURO

Losnummer: 1669

Clauß Sülßen II,  Stangenbecher, Hamburg um 1640

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Taxe: 18.000,- EURO

Losnummer: 219

Dirk Dalens I,  Landschaft mit Hirten und Reitern vor einem Schloss

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Taxe: 12.000,- EURO

Losnummer: 1258

Pierre Edouard Frère,  Kniende Magd, 1869

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Taxe: 1.800,- EURO

Losnummer: 1339

Rudolf Epp,  Einkehr des Malers bei einer Bauernfamilie

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Taxe: 28.000,- EURO

Losnummer: 1326

Johann Georg Heintze,  Augustus Rex-Vase, um 1730

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Taxe: 68.000,- EURO

Losnummer: 792

Antonio Pandiani,  Adeliger des Rokoko

Antonio Pandiani, Adeliger des Rokoko

Taxe: 12.500,- EURO

Losnummer: 1921

Gerard de Jager,  Segelschiffe vor Dordrecht

Gerard de Jager, Segelschiffe vor Dordrecht

Taxe: 12.000,- EURO

Losnummer: 1246

Johann Joachim Kändler,  Vase, um 1750

Johann Joachim Kändler, Vase, um 1750

Taxe: 48.000,- EURO

Losnummer: 746




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