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Marktberichte |
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Erfolgreicher Saisonstart bei Nagel in Stuttgart  Reich mit St. Petersburg

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 |  | Mandylion, Moskau, 1908 | |
Einen starken Start in die neue Saison hat das Stuttgarter Auktionshaus Nagel am 10. Februar mit seiner Auktion von über 630 Kunstwerken und Antiquitäten hingelegt. Der Umsatz lag bei 2,6 Millionen Euro, nach Losen wurden zwei Drittel des Angebots abgegeben, die Vorbehaltszuschläge herausgerechnet immer noch gute 54 Prozent, und eine Reihe Spitzenpreise ließ die Verkaufsquote gemessen an der Schätzpreissumme nach Angaben des Hauses sogar auf 125 Prozent schnellen. Gleich die ersten beiden Positionen ließen ahnen, wie die Versteigerung verlaufen werde: Für 110.000 Euro sowie 30.000 Euro wurden ein russisches Ikonenbild mit dem Christusantlitz und reichem Emailoklad von 1908 und eine im spätnazarenischen Stil gehaltene Darstellung der Heiligen Alexandra und Paulus aus dem Jahr 1889 zugeschlagen. Vielleicht hat die Provenienz aus dem Hause der russischen Zaren diese enorme Steigerung veranlasst. Die Schätzungen lagen lediglich bei 10.000 und 3.000 Euro.
Russisches erwies sich auch bei den Gemälden wieder als zugkräftig. Gut, dass der Bayer Joseph Andreas Weiß zeitweise in St. Petersburg ansässig war und sogar im Auftrag des Zaren arbeitete, denn so hatte sein 1880 festgehaltener Blick über die Newa auf die Admiralität und die Isaakskathedrale bei Mondschein beste Chancen auf satte Gewinne: 4.000 Euro standen auf dem Etikett, stolze 67.000 Euro kamen schließlich von einem Kunden aus St. Petersburg und damit fast der Auktionshöchstpreis, der bei 88.000 Pfund für den wenig bekannten Maler liegt. Für eine virtuose Bronze Jewgenij Alexandrowitch Lancerays wurde das Vierfache der Schätzung von 5.000 Euro fällig, ein ruhiger Meeresblick bei Sonnenuntergang Nikolai Nikanorovich Dubovskois von 1906 kostete 32.000 Euro (Taxe 15.000 EUR).
Kunsthandwerk und bildende Kunst hielten sich bei dieser erstmals in einer attraktiven Mischung präsentierten Auktion in etwa die Waage. Schwer ins Gewicht fielen bei Malerei und Plastik noch einige hochkarätige Werke, die bis vor kurzem als Leihgaben in der Kemptener Zweigstelle des Bayerischen Nationalmuseums zu sehen waren. Überwiegend waren sie recht realistisch bewertet wie zwei Südtiroler Flügelaltarreliefs mit der Verkündigung und de Heimsuchung Mariens um 1500 für 11.000 Euro und 12.000 Euro (Taxen je 10.000 EUR) oder eine halbrund geschlossene Tafelmalerei mit der heiligen Elisabeth bei der Pflege der Aussätzigen aus dem Umkreis Hans Holbein d.Ä. für taxgerechte 35.000 Euro.
Manche waren dann doch etwas zu hoch angesetzt wie ein gemalter süddeutscher Renaissancealtar um 1600 für 15.000 Euro oder ein kleiner oberschwäbischer Flügelaltar um 1500 in etwas aufdringlichem neugotischem Rahmenwerk für 18.000 Euro. Sie fanden keinen Abnehmer. Eine hölzerne Johannesfigur aus einer überlebensgroßen Kreuzigungsdarstellung vom Ende des 15ten Jahrhunderts steigerte sich auf 21.000 Euro. Ihr Pendant, die trauernde Maria, blieb dagegen unveräußert (Taxen je 6.000 EUR). Eine spanische Relieftafel mit der Darstellung von vier Handwerkszünften verdoppelte ihre Schätzung auf 10.000 Euro.
Höhepunkt der Barockskulptur wurde ein anmutiger, wenngleich etwas wehmütig dreinschauender Putto, der ehemals wohl in der Höhe auf einem großen Altar des bedeutenden Bildschnitzers Ignaz Günther sein Wesen trieb. Er konnte seinen Wert auf 30.000 Euro beinahe verdoppeln. Ein Paar italienischer Reliquienbüsten heiliger Ritter um 1700 musste sich dagegen mit Platz zwei bescheiden und wurde bei 20.000 Euro, weil 5.000 Euro fehlten, lediglich unter Vorbehalt zugewiesen. Den gleichen Betrag schaffte ein Paar spanische Reliefpaneelen des Frühbarock mit den Heiligen Agatha und Lucia (Taxe 16.000 EUR). Von 2.500 Euro auf 19.000 Euro schossen die qualitätvollen Schnitzereien eines norddeutschen Renaissancemeisters, die ehemals wohl zu einer Kanzel aus der zweiten Hälfte des 16ten Jahrhunderts gehörten.
Das teuerste Altmeistergemälde, eine bereits im September angebotene Gemeinschaftsarbeit Jan Breughels d.J. und Frans Wouters’ mit der Darstellung von Aktäon und Diana beim Baden, blieb auch diesmal wieder trotz Reduzierung um die Hälfte auf 40.000 Euro unveräußert. Die veranschlagten 10.000 Euro spielte ein lustiger Puttenreigen aus dem Umkreis des Haarlemer Meisters Cornelis Cornelisz van Haarlem ein, wie erwartet 25.000 Euro das Ovalbildnispaar zweier Kinder aus dem Jahr 1732 von Arnold Boonen und einem gewissen Jan Gollevens d.J.. Ein Bozzetto für ein Altargemälde, der dem österreichischen Barockmeister Franz Anton Maulbertsch zugeschrieben wird, kam auf 5.500 Euro (Taxe 4.000 EUR). Johann Christian Vollerdts heitere Flusslandschaft samt Dorf, Lastkähnen und Reisenden von 1758 schloss bei 11.000 Euro ab (Taxe 12.000 EUR). Ansonsten blieb bei den Alten Meistern manches höher taxierte Werk liegen, wie die beiden sommerlichen Flusslandschaften Franz Hocheckers für 10.000 Euro sowie eine Ansicht des Dogenpalastes von Venedig und ein Architekturcapriccio vom Meister der Veduten der Langmatt-Stiftung, der heute mit Apollonio Domenichini identifiziert wird, für 20.000 Euro und 12.000 Euro.
Unter den Werken Neuerer Meister war ein 1853 datiertes Paar Ansichten der weiten Bucht von Neapel des nur wenig bekannten Salvatore Candido besonders begehrt. Ein neapolitanischer Händler verdoppelte den Wert der Panoramalandschaft auf rekordträchtige 70.000 Euro. Sogar auf 85.000 Euro hob deutscher Kunsthandel Franz Xaver Winterhalters Bildnis des Prinzen Karl von Württemberg in Uniform aus dem Jahr 1856 (Taxe 15.000 EUR). Franz Richard Unterbergers Blick auf „Capri im Abendlicht“ brachte es immerhin auf 33.000 Euro (Taxe 35.000 EUR). Dann gab es noch Giovanni Costas gefälliges Bildnis einer jungen Dame im rosa Samtkostüm mit weißem Pelzbesatz, passend zu Fasching, für 22.000 Euro (Taxe 4.000 EUR) sowie als krönenden Abschluss Otto Eerelmans Bernhardinerwelpen, die aufmerksam einen Vogel am Futternapf beobachten, für starke 140.000 Euro (Taxe 15.000 EUR).
Johann Anton Castells romantische weite, bergige Landschaft aus Böhmen, die der Dresdner Maler mit dem Blick auf eine Burg im Abendlicht anreicherte, spielte die vorgesehenen 3.500 Euro ein. Eine 1873 gestaltete Gebirgslandschaft samt brausendem Wasserlauf des 1932 im Alter von hundert Jahren in Amerika gestorbenen Bremers Hermann Herzog spielte 11.000 Euro ein (Taxe 6.000 EUR). Heinrich von Zügel hatte mit seinen Schafen und Hütehund am Stalleingang bei 9.000 Euro Erfolg (Taxe 4.000 EUR), mit dem teueren Gemälde „In der Höhle des Löwen“ nicht (Taxe 14.000 EUR). Und damit die Modernen auch etwas zu feiern hatten, wurde Josef Mangolds recht günstig angesetztes, neusachliches Stillleben mit zwei gelben Tulpen in einer Glasvase von 1.000 Euro auf 6.500 Euro gehoben.
Im Bereich des Historismus setzte sich ein reich mit einer mittelalterlichen Reiterschlacht in Elfenbein geschnitzter, deutscher Deckelhumpen samt Montierung aus vergoldetem Silber aus dem späten 19ten Jahrhundert bei 13.000 Euro ab (Taxe 2.500 EUR). Die Porzellanofferte gab sich diesmal dagegen bescheidener: Hier markierten 14.000 Euro für eine wohl aus Meißen stammende Tabatiere um 1745 das obere Ende der Skala – freilich auch dies fast eine Verzehnfachung der Erwartung. Ebenso hoch kletterte im Jugendstil eine aus Holz und Elfenbein gefertigte Dame namens „Emanzipation“ der Grazer Rodin-Schülerin Maria Peter-Reininghaus (Taxe 3.200 EUR), gefolgt von einigen dekorativen Chryselephantineskulpturen unter anderem von Demetre Chiparus, Pierre Le Faguays, Aurore Onu und Alfred Wilhelm Brandel für bis zu 9.000 Euro jeweils deutlich über den Schätzungen. Jeweils mit 4.500 Euro bedachten die Bieter Michael Powolnys Jahreszeitenputti Frühling und Herbst (Taxe je 2.500 EUR). Und auch die extravagante Art Déco-Deckenlampe in Form eines schwebenden Zeppelins um 1930 ließen sie bei 5.200 Euro nicht unbeachtet (Taxe 3.800 EUR).
Höhepunkt der Möbel und Einrichtungsgegenstände wurde eine, wie sich erst nachträglich herausstellte, nicht auf der iberischen Halbinsel, sondern in Rom gefertigte Rokokokommode, die ihren Reiz nicht zuletzt aus dem Gegensatz zwischen dem streng geometrischen Muster und den spielerischen Bronzen bezieht. Auf 18.000 Euro angesetzt, setzte sich ein römischer Bieter erst bei 85.000 Euro gegen die Konkurrenz durch. Ein Paar figürlicher Wiener Empireleuchter um 1815 brachte es auf 26.000 Euro (Taxe 20.000 EUR), 19.000 Euro kostete eine flandrische Tapisserie des ausgehenden 16ten Jahrhunderts mit einer Schlachtendarstellung (Taxe 12.000 EUR). Bei taxgerechten 8.500 Euro wurde ein prächtiger italienischer Barockrahmen des 17ten Jahrhunderts übernommen, bei 9.000 Euro ebenso ein wohl im Piemont gefertigtes Barockkabinett mit gemalten Blumenbouquets. Auf 8.000 Euro kletterte ein schlichter gotischer Kastenschrank aus dem Rheinland um 1500 mit dem wenigen Schmuck von einigen Eisenbeschlägen (Taxe 5.800 EUR). Mit 40.000 Euro zu hoch bewertet war dagegen erwartungsgemäß eine eher dokumentarisch als künstlerisch bedeutende calvinistische Renaissancetafel, die in etwas steifer Manier Moses mit den aufgeklappten Gesetzestafeln zeigt (Taxe 40.000 EUR).
Alle Einzelergebnisse verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Nagel Auktionen Neckarstraße 189-191 DE-70190 Stuttgart |
 | Telefax:+49 (0711) 649 69 696 | Telefon:+49 (0711) 64 96 90 |  |  | E-Mail: contact@auction.de |
19.02.2010 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 33 | Seiten: 1 • 2 • 3 • 4
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (30) |  | •  | Veranstaltung vom: 10.02.2010, Kunst und Antiquitäten
|  | •  | Bei: Nagel Auktionen
|  | •  | Bericht: In bester
Gesellschaft |  |  | •  | Kunstwerk:  Maria Peter-Reininghaus, Emanzipation |  | •  | Kunstwerk:  Aurore Onu, Beschwörung, um 1920 |  | •  | Kunstwerk:  Pierre Le Faguays, Zwei Ballspielerinnen |  |  | •  | Kunstwerk:  Michael Powolny, Putto „Herbst“, um 1907 |  | •  | Kunstwerk:  Paar Figurenleuchter, Wien, um 1815 |  | •  | Kunstwerk:  Tabatiere, wohl Meißen, um 1745 |  |  |
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 Josef Mangold,
Stillleben mit zwei
gelben Tulpen in
einer Glasvase |  | Taxe: 1.000,- EURO Zuschlag: 6.500,- EURO Losnummer: 632 |  |  |  |  |  | 
 Jewgenij
Alexandrowitch
Lanceray, Cossack
Plunder |  | Taxe: 5.000,- EURO Zuschlag: 20.000,- EURO Losnummer: 504 |  |  |  |  |  | 
 Italien, Rahmen, 17.
Jahrhundert |  | Taxe: 8.500,- EURO Zuschlag: 8.500,- EURO Losnummer: 189 |  |  |  |  |  | 
 Tabatiere, wohl
Meißen, um 1745 |  | Taxe: 1.600,- EURO Zuschlag: 14.000,- EURO Losnummer: 93 |  |  |  |  |  | 
 Südtirol, Mariä
Heimsuchung, um 1500 |  | Taxe: 10.000,- EURO Zuschlag: 12.000,- EURO Losnummer: 301 |  |  |  |  |  | 
 Piemont,
Kabinettschrank,
wohl 2. Hälfte 17.
Jahrhundert |  | Taxe: 9.000,- EURO Zuschlag: 9.000,- EURO Losnummer: 193 |  |  |  |  |  | 
 Friesland, Reste
einer
Kirchenkanzel, wohl
2. Hälfte 16.
Jahrhundert |  | Taxe: 2.500,- EURO Zuschlag: 19.000,- EURO Losnummer: 347 |  |  |  |  |  | 
 Salvatore Candido,
die Bucht von Neapel,
1853 |  | Taxe: 35.000,- EURO Zuschlag: 70.000,- EURO Losnummer: 471 |  |  |  |  |  | 
 Südtirol,
Verkündigung an
Maria, um 1500 |  | Taxe: 10.000,- EURO Zuschlag: 11.000,- EURO Losnummer: 300 |  |  |  |  |  | 
 Hermann Herzog,
Gebirgslandschaft
mit Mühlen an einem
Wasserfall, 1873 |  | Taxe: 6.000,- EURO Zuschlag: 11.000,- EURO Losnummer: 550 |  |  |  |  |  | 
 Franz Xaver
Winterhalter, Prinz
Karl von Württemberg
in Uniform, 1856 |  | Taxe: 15.000,- EURO Zuschlag: 85.000,- EURO Losnummer: 480 |  |  |  |  |  | 
 Joseph Andreas Weiß,
St. Petersburg –
Blick über die Newa
auf die Admiralität
und die
Isaakkathedrale bei
Mondschein, 1880 |  | Taxe: 4.000,- EURO Zuschlag: 67.000,- EURO Losnummer: 503 |  |  |
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