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Les baigneurs, 1980/81 / Niki de Saint Phalle

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Das flanierende Paar / Max Stern

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Winterlandschaft, Blick von Hoflößnitz / Theodor Rosenhauer

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Kunst und Antiquitäten bei Neumeister in München

Eigenartige Englandfreunde



Wilhelm Gail,  Die Mitglieder der Gesellschaft „Altengland“, 1851

Wilhelm Gail, Die Mitglieder der Gesellschaft „Altengland“, 1851

Zum Teil recht kuriose Dinge listet der Katalog von Neumeisters kommender Kunst- und Antiquitätenauktion am 24. März in München. Da ist zum Beispiel Wilhelm Gails Jubiläumsgemälde zum 25sten Stiftungsfest der 1826 gegründeten Münchner Gesellschaft „Altengland“ aus dem Jahr 1851: Auf zwei Plattformen um einen Turm im Tudorstil versammeln sich die „Lords“, die sich allesamt als Mitglieder der besten Münchner Kreise identifizieren lassen, Fahnen unter anderem mit dem Motto „Trinkt’s und singt’s“ werden gehisst, Sektkorken knallen aus den Kanonen in den Schießlöchern, neue Champagnerflaschen werden über Leitern herbeigeschleppt. 28.000 Euro möchte Neumeister für das Gemälde sehen. Ein anderes merkwürdiges Stück ist Otto Soltaus Ölgemälde einer Neandertalerfamilie mit Bären im Eismeer. Angesichts dieses zwei Meter messenden Breitformats wundert man sich nicht, dass der Künstler zu Lebzeiten eher erfolglos war. Viel Zeit hatte er ohnehin nicht: 1915 starb er kaum dreißigjährig als Soldat an der Ostfront. Veranschlagt für das Gemälde aus dem Jahr 1909 sind 12.000 Euro.


Gemälde des 19ten Jahrhunderts

Im Übrigen verzeichnet der Katalog für die Malerei des 19ten Jahrhunderts einen für Neumeister charakteristischen Querschnitt. Viel gefällige und günstig bewertete Landschaftsmalerei ist zu haben, etwa Josef Wopfners Blick an der Tell-Kapelle am Ufer des Vierwaldstättersees vorbei auf die Berge in der Ferne (Taxe 8.000 EUR), Ignaz Ellmingers beschauliche niederösterreichische Dorfszene von 1872 (Taxe 10.000 EUR) oder Johann Bernhard Klombecks Baumlandschaft mit Bachlauf in einer ebenfalls eher mitteleuropäisch anmutenden Gegend (Taxe 11.000 EUR). Für die frühe, fast noch romantische Landschaftsauffassung steht Georg Heinrich Crolas alter, knorriger Eichenbaum an einem Bachlauf von 1836 (Taxe 4.000 EUR). Albert Zimmermann verbindet in seinem Talweg zwischen Felsen und Bäumen klassizistische Klarheit mit biedermeierlicher Beschaulichkeit (Taxe 2.500 EUR).

In lichtere Gefilde begeben sich Eduard Pape mit einer abendlichen Impression am Dom von Cefalù auf Sizilien von 1848 (Taxe 12.000 EUR), Rafael Contell mit einer venezianischen Gondelfahrt von 1883 (Taxe 12.000 EUR) und Woldemar Friedrich mit seiner „Indischen Straßenszene“ vielleicht aus Hyderabad 1890 (Taxe 10.000 EUR). Auch Genreszenen gibt es reichlich, darunter Hugo Kauffmanns „Die gute Partie“ von 1889 (Taxe 18.000 EUR), Friedrich von Kellers vielleicht etwas selbstironische Sicht „Der Maler auf dem Lande“ von 1876 (Taxe 12.000 EUR) oder eine idyllische Aufnahme spielender Kinder vor einem Bauernhaus vermutlich von dem Flamen Ferdinand de Braekeleer d.Ä. für 11.000 Euro. Der Hamburger Maler Louis Julius Asher schildert 1834 anheimelnd eine junge Hirtenfamilie in einer weiten italienischen Landschaft (Taxe 6.500 EUR), während Jean-Eugène Buland 1903 das junge Elternglück in einer realistisch aufgefassten, einfachen Holzhütte spielen lässt (Taxe 4.000 EUR).

Selten einmal wird es gleichsam „ernst“: 1877 schuf Wilhelm Leibl ein Portrait des Schriftstellers Julius Langbehn. Bereits wenige Jahre später wurde das in Tempera gemalte Bildnis verkürzt und die auf den Oberschenkeln ruhenden Hände des Dargestellten abgetrennt. Ob ihrer hohen künstlerischen Qualität wurden sie bald berühmter als das Portrait selbst. Die rechte Hand befindet sich heute im Besitz der Kunsthalle Mannheim, die linke bietet Neumeister aus einer süddeutschen Privatsammlung nun für 16.000 Euro an. Hausgast Carl Spitzweg bringt diesmal ein „Mädchen im Walde“ im schattigen Tal für 18.000 Euro und eine kleine, unspektakuläre Version seiner „Scharwache“ für 12.000 Euro mit.

Zunächst einen gewissen Ruf als Angehöriger der Neuen Sachlichkeit in Österreich konnte sich Karl Truppe erwerben. Sein 1927 datiertes Stillleben mit Pfirsichen ist in seinem gemäßigt strengen Arrangement und der noch ein wenig schrundigen Farbigkeit eher untypisch für diesen Stil. Später machte sich Truppe als Nutznießer der nationalsozialistischen Kunstpolitik allerdings einen eher unrühmlichen Namen (Taxe 7.000 EUR). Je nach Sujet haben die Preise für Otto Pippel in jüngerer Vergangenheit etwas angezogen. Zwischen 1.000 und 10.000 Euro für seine neoimpressionistischen Werke wie zwei Abendgesellschaften – eine davon datiert 1949 –, einen Blick auf den Watzmann oder eine Ansicht des Ponte Pietra in Verona liegt man bei Neumeister recht günstig.

Alte Meister

Ältestes Stück der Alten Meister ist eine Anbetung des Jesuskindes durch Maria aus dem letzten Viertel des 15ten Jahrhunderts wohl aus dem Umkreis des toskanischen Meisters von San Miniato (Taxe 15.000 EUR). Teuerste Stücke sind das Portrait einer Lautenspielerin aus dem Atelier Georges Desmarées und ein üppiges Blumenbouquet vielleicht von Johann Baptist Drechsler für jeweils 20.000 Euro. Ohnehin ist das 18te Jahrhundert stark vertreten: Es liefert ferner Johann Georg Trautmanns tanzende Bauern in einer Wirtschaft mit einer um 10.000 Euro reduzierten und mit nun 9.000 Euro angesetzten Bewertung, den Altarblattentwurf einer Aufnahme Mariens in den Himmel Johann Franz Felders wohl aus den 1760er Jahre Jahren (Taxe 7.500 EUR) und zwei zusammengehörige Philosophenbildnisse Johann Heinrich Tischbeins d.Ä. aus dem Jahr 1777 für jeweils 6.000 Euro. Für die altniederländische Landschaftsmalerei steht Timotheus de Graefs bergige Landschaft mit Wassermühle (Taxe 10.000 EUR), für das Genre Egbert van Heemskercks grobschlächtige Wirthausschilderung (Taxe 6.000 EUR), und eine biblische Szene aus der Hand eines italo-flämischen Meisters repräsentiert, wenngleich auf etwas derbem Niveau, die Kunst des Manierismus (Taxe 15.000 EUR).

Arbeiten auf Papier

Mit einem fein ausgeführten Pastellbildnis eines vornehmen, gutmütig blickenden Herrn, datiert auf 1759, eröffnet der Franzose Pierre Allais die Grafikabteilung (Taxe 6.500 EUR). Franz Alt gewährt 1879 einen aquarellierten Blick auf das alte, unzerstörte Braunschweig mit dem gotischen Kirchturm von St. Andreas als Fluchtpunkt (Taxe 5.000 EUR). Jean-Baptiste Métivier nahm sich 1832 München und darin einen Straßenzug um das Kosttor zum Ausgangspunkt seines Aquarells (Taxe 800 EUR), während Anton Perko 1896 die malerische Stadtanlage Dubrovnik bei hellem Sonnenschein verewigte (Taxe 4.200 EUR). Landschaft und Figurendarstellung gehen in Johann Fischbachs Lithografie eines Hirtenidylls unter Bäumen eine Einheit ein (Taxe 400 EUR). Dagegen schildert Alois Greil in seinem Aquarell fahrender Musikanten eher deren entbehrungsreiches Leben (Taxe 4.500 EUR). Bei den beiden ruhenden Soldaten unter einem Zitronenbäumchen von Eugen Adam mag man gar nicht an die Gräuel des Krieges denken (Taxe 1.200 EUR). Eine der jüngsten Arbeiten in Carl Strathmanns trinkender Satyr unter einem Baum, ein launiger Jugendstilentwurf für eine Wein- oder Menükarte (Taxe 250 EUR).

Kunsthandwerk

Ein großes teilvergoldetes Taufbecken, um 1900 von Theodor Heiden in München getrieben und gegossen, sowie ein Nymphenburger Tête-à-tête mit chinoisem Dekor um 1921 nach Entwurf Rudolf Diewocks stehen mit jeweils 12.000 Euro bei Silber und Porzellan preislich an der Spitze. Die Möbel und Einrichtungsgegenstände werden bei 25.000 Euro von einem um 1720/25 entstandenen Konsolenpaar des Münchner Hofkünstlers Johann Adam Pichler angeführt. Dazu gesellen sich eine rheinische Konsole aus der Mitte des 18ten Jahrhunderts, die sich durch ihren blauen Fond auszeichnet (Taxe 6.000 EUR), und eine etwas ältere, wohl böhmische Tabernakelaufsatzschreibkommode mit Bandelwerkdekor (Taxe 10.000 EUR).

Skulpturen

Aus der Skulpturensammlung ragen zwei Madonnenfiguren des späten 15ten Jahrhunderts hervor, die eine, sitzende, aus dem oberösterreichischen Raum (Taxe 35.000 EUR), die andere, stehende, aus Oberschwaben (Taxe 15.000 EUR). Qualitätvoll ist eine Nürnberger Pietà aus Alabaster des mittleren 15ten Jahrhunderts. Wegen ihrer geringen Größe, diverser Bruchstellen und der lediglich in Resten vorhandenen farblichen Fassung wird sie jedoch nur mit 19.000 Euro gehandelt. Schließlich schwebt noch ein geflügelter Engelskopf herein, der in der Werkstatt des Münchner Bildhauers Ignaz Günther das Licht eines Kirchenhimmels erblickte (Taxe 12.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 24. März um 9:30 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft bis zum 22. März täglich von 9 bis 17:30 Uhr, samstags uns sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



19.03.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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