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Standortbestimmung mit Signalcharakter: Die Hamburger Privatsammlung Falckenberg lud jetzt zeitgenössische Künstler zur Auseinandersetzung mit ihren Beständen ein. Ein gelungenes Experiment - kuratiert von zwei Künstlern

Lasset die Künstler zu mir kommen



Bei der Eröffnung der Ausstellung „Pop Life“, einer von der Londoner Tate Modern übernommenen Thesenausstellung über Künstler als Selbstvermarkter und egozentrische Celebrities, wälzte sich das Publikum in der Hamburger Kunsthalle Mitte Februar eher gelangweilt durch die Parade der Schrecklichkeiten: Jeff Koons’ pornografische Verrenkungen, ein „Goldenes Kalb“ von Damien Hirst und kitschige Manga-Kunst des Japaners Takashi Murakami. Alles schon gesehen und irgendwie blutleer. Kein einziger Künstler der Schau war zur Eröffnung nach Hamburg gekommen. Im Foyer lief nervige House-Musik der 1990er Jahre. Wer sich satt geschaut hatte, ergriff die Flucht. Die traurige Erkenntnis: Das System Museum setzt auf Distanz. Da stört es nicht weiter, wenn die Künstler zu Hause bleiben.


Kontrastprogramm: Einen Abend später eröffnete der Privatsammler Harald Falckenberg, Jahrgang 1943, in den ehemaligen Phoenix-Werken in Hamburg-Harburg die Ausstellung „Weißer Schimmel“. Hier war alles ganz anders. Alle zehn Minuten stieß die S-Bahn ihre menschliche Fracht aus, und ein neuer Pulk Kunstinteressierter stürmte die 4.000 Quadratmeter große Ausstellung. Man kam miteinander ins Gespräch, machte spannende Entdeckungen, eroberte nach und nach die über fünf Ebenen verteilten Ausstellungsräume – und traf an jeder Ecke auf leibhaftige Künstler der Schau.

Denn genau darum geht es Falckenberg: den unmittelbaren Dialog mit den Künstlern. „Genau genommen gibt es die Kunst gar nicht. Es gibt nur Künstler“, zitiert Falckenberg gerne den österreichisch-britischen Kunsthistoriker Ernst H. Gombrich. Falckenberg hat sich diese Formel zu Eigen gemacht. 16 Jahre nach Beginn seiner Sammeltätigkeit lud er jetzt zwei alte Weggefährten ein, eine Standortbestimmung seiner Sammlung vorzunehmen. Die Künstler Nicola Torke, 49, und Christoph Grau, 61, waren es, die dem spät berufenen „Jungsammler“ Falckenberg einst „die Grundlektion in Sachen Kunst erteilt haben“. Mittlerweile hat sich Falckenberg – als Jurist ist er das Erfassen komplexer Zusammenhänge gewohnt – längst freigeschwommen. Er ist Autor zahlreicher Bücher, Kunstbuchverleger, international gern gesehener Gast auf Symposien und sogar Professor für Kunsttheorie an der Hamburger Kunsthochschule.

Torke und Grau, die Carte blanche bei der Auswahl der Künstler hatten, konfrontieren jetzt mit leichter Hand Etabliertes aus der Sammlung mit Frischware aus der meist jüngeren Hamburger Produktion. Da darf sich der für seine orientalisch aufgeladenen Glitzerinstallationen bekannte Jungkünstler Malte Urbschat, 37, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Wandobjekt Robert Rauschenbergs austoben. Und der Maler Volker Hueller, 33, reagiert auf Dieter Roths „Selbstportrait als alter Mann“, eine blau angemalte Tonbüste aus dem Jahr 1968, indem er seine strahlend weiße Porzellanbüste „Piefke“ von 2009 mit Zigarettenkippe im Mund frech daneben stellt.

Doch auch lange Übersehenes wird in dieser Schau wieder an die Oberfläche gespült. So die metaphernreichen Arbeiten der früh verstorbenen Konzeptkünstlerin Hilka Nordhausen. Der älteste Teilnehmer der Schau ist die Kiezlegende Herbert Hoffmann, 90, Deutschlands ältester Tätowierer. Hoffmann hat immer wieder seine Kunden fotografiert. Die großformatigen schwarzweißen Aufnahmen aus seinem Archiv liefern ein subkulturelles Panoptikum der 1950er und 1960er Jahre und korrespondieren ganz wunderbar mit den opulent inszenierten Porträtfotos des Hamburger Fotokünstlers Bernhard Prinz, 56. So entstehen an jeder Ecke überraschende Begegnungen und künstlerische Wahlverwandschaften zwischen Alt und Jung, Weltstars und Newcomern.

Die sehenswerte, provokant antimuseal inszenierte Schau „Weißer Schimmel“ zeigt, dass genaues Hinschauen und unbedingtes Vertrauen zu den Künstlern am Ende viel wichtigere Voraussetzungen für das Gelingen einer Ausstellung sind als der oft allzu nüchterne Blick der Institution Museum.

Harald Falckenberg und Dirk Luckow, seit Herbst 2009 neuer Direktor der Deichtorhallen, haben der Hamburger Kulturbehörde vor kurzem ein Modell dauerhafter Kooperation vorgeschlagen. Falckenbergs aus über 2.000 Stücken bestehende Sammlung stünde demnach den Deichtorhallen als Dauerleihgabe zur Verfügung. Die 6.500 Quadratmeter großen Phoenix-Hallen würden zum attraktiven Satelliten der Deichtorhallen südlich der Elbe. Geld verlangt Falckenberg dafür nicht. Lediglich den zusätzlichen Finanzbedarf von rund 500.000 Euro pro Jahr für Betriebs- und Personalkosten sowie eine neu zu schaffende Kuratorenstelle müsste die Kulturbehörde finanzieren. Eigentlich ein einmaliges Angebot. Doch die Verhandlungen stocken. Hamburg wäre dumm, wenn es sich dieses Schnäppchen entgehen lassen würde.

Die Ausstellung „Weißer Schimmel – Ausgewählte Werke zeitgenössischer Kunst im Kontext der Sammlung Falckenberg“ ist bis zum 11. April zu sehen. Die Sammlung Falckenberg kann nur nach vorheriger Anmeldung besucht werden. Öffentliche Führungen finden jeden Samstag um 15 und 17 Uhr statt. Anmeldung unter 040 – 3250 6762 oder besuch@sammlung-falckenberg.de. Der 96seitige Katalog ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen.

Kontakt:

Deichtorhallen Hamburg - Sammlung Falckenberg

Wilstorfer Straße 71

DE-21073 Hamburg

Telefon:+49 (040) 32 50 67 62

Telefax:+49 (040) 32 50 67 63

E-Mail: besuch@sammlung-falckenberg.de

Startseite: www.sammlung-falckenberg.de



26.03.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


13.02.2010, Weißer Schimmel - You can observe a lot by watching

Bei:


Deichtorhallen Hamburg - Sammlung Falckenberg

Bericht:


Ideen statt Lärm

Künstler:

Nicola Torke

Künstler:

Christoph Grau










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