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Marktberichte |
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Jugendstil und Art Déco bei Quittenbaum in München  Weiße Afrikaner

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 |  | Michael Powolny, Putto „Afrika“, um 1913 | |
Von Michael Powolny, der im frühen 20sten Jahrhundert für die Wiener Werkstätte arbeitete, ist man ja vor allem seine großformatigen Jahreszeitenputti gewohnt, die als Frühling an Blumenbouquets oder als Herbst an Weintrauben schier bis zur Erschöpfung herumschleppen. Bei Quittenbaums Auktion „Jugendstil – Art Déco“ am 20. April aber kommt einmal eine ungewöhnliche Schöpfung zum Aufruf: ein Putto „Afrika“, auf dem Kopf ein federgeschmücktes Diadem, in der Rechten ein Szepter ebenfalls aus Federn, mit einer langen großen Perlenkette über dem Oberkörper und aus dichtem Laubwerk geradezu hinauswachsend. Entworfen um 1913, im Jahr des Zusammenschlusses der Wiener Keramik mit der Gmundner Keramik, wurde die einen guten halben Meter hohe Skulptur von der berühmten Manufaktur aus rötlichem Scherben hergestellt, aber – eigentlich wider die Natur – ganz mit weißer Glasur versehen. Für 10.000 Euro möchte das Münchner Auktionshaus den kleinen Kerl einem neuen Zuhause überantworten.
Den Beginn der knapp 750 Losnummern bestreiten gewohntermaßen die französischen Glasfirmen. Sie allein steuern fast ein Drittel zum Gesamtangebot bei. Höhepunkte unter einer beachtlichen Fülle an Werke Amalric Walters ist die Schale „Bernard l’Ermite“ aus den 1920er Jahren, bei der sich ein Einsiedlerkrebs unter Algen und einem Schneckenhäuschen versteckt (Taxe 9.000 EUR). Bei Daum Frères ist es die Vase „Cerises et sauterelles“ um 1900, deren pflanzlicher Dekor mit Heuschrecken vollständig in Hochschnitt gearbeitet wurde (Taxe 13.000 EUR), unter den mehr als sechzig Produkten von Emile Gallé eine Tischlampe namens „Lys“ um 1903, benannt nach ihrem fließenden, kraftvoll roten Liliendekor (Taxe 15.000 EUR). Einen aufwändigen Entstehungsprozess erforderte in den 1920er Jahren die Vase „Quetsches“, bis die Plastizität der Zwetschgen auf der Wandung erreicht war (Taxe 22.000 EUR).
4.800 Euro und 4.500 Euro lauten die Preisansagen für Vasen von René Lalique. Dafür erhält man dann die türkisgrünen „Perruches“ mit paarweise zusammensitzenden Wellensittichen auf Ästen oder die blaugrünlich patinierten „Aras“ mit fliegenden und ruhenden Papageien vor Dornenranken. In ähnlicher opaleszierender Gestalt arbeitet Marius-Ernest Sabino um 1930 eine Kugelvase mit Fuß, deren Dekor aus Kreisen und Voluten den Ideen der italienischen Futuristen recht nahe kommt (Taxe 1.100 EUR). Florales greifen in den 1920er Jahren die Muller Frères in Luneville auf und formen daraus die stilisierte Tischlampe „Anémones“ (Taxe 5.500 EUR), während sich die Cristalleries de Saint-Louis in Münzthal um 1928 bei ihrem Dekor für eine Deckeldose ganz auf ein grünbraunes Sternenmuster verlegen (Taxe 600 EUR).
Emile Gallé taucht auch in der Keramikabteilung noch einmal auf: Bis in die 1880er Jahre hinein fertigte die expandierende Firma hauptsächlich Fayencen, was angesichts der anschließenden Überfülle an Glasarbeiten kaum bekannt ist. Aus dieser Übergangszeit gelangen mehrere Tierplastiken wie ein Kakadu als Deckelkanne von 1882/84 für 7.000 Euro oder eine schwermütige Eule um 1889 für 8.000 Euro zum Aufruf. Den Keramikmarkt bedienten auch Jérôme Massier fils, etwa mit einer naturalistischen Heuschrecke als Jardiniere um 1900, der man indessen kaum im Dunkeln begegnen möchte – misst sich doch gut und gerne siebzig Zentimeter in der Länge (Taxe 3.800 EUR). In Tulpenform gestaltete Albert Cheuret eine dreiteilige Tischlampe für die Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Indsturiels Modernes in Paris 1925 (Taxe 8.000 EUR).
Die teuersten französischen Möbel stellen erneut Gallé in Form einer verspielten Etagere mit Libellendekor und einer intarsierten Uferandeutung (Taxe 20.000 EUR), Jacques Gruber mit einer strengeren Anrichte ebenfalls um die Jahrhundertwende (Taxe 16.000 EUR) und Louis Majorelle unter anderem um 1912 mit der Vitrine „Sagittaire“ – das Pfeilkraut rankt sich an den Kanten des kostbaren Möbels empor (Taxe 24.000 EUR). Schon für 1.600 Euro gibt es einen schlichten Schreibtisch von Charles Plumet und Tony Selmersheim von etwa 1900 (Taxe 1.600 EUR), für 1.100 Euro das dazugehörige Stuhlpaar. Beim Silber ragt Paul Follot Kaffeekanne von 1902 heraus, deren stilisiertes Blattwerk eher wie ein reicher Faltenzug erscheint (Taxe 5.500 EUR). Zu ihr gesellen sich seine entsprechende Sahnekanne für 1.800 Euro und eine ebenso teuere Zuckerdose. Für einfachere Materialien ist Max Le Verrier zuständig, der eine Deckenlampe aus Gusseisen in Gitterdekor lediglich mit Geierfiguren an den vier Kanten verzierte (Taxe 2.600 EUR). Zudem schickt er noch die Figur eines Löwenführers aus dunkel patiniertem Stahl in die Auktion (Taxe 2.000 EUR).
Unverzichtbarer Bestandteil jeder Art Déco-Auktion sind dann die Chryselephantineskulpturen des rumänischstämmigen Unternehmers Demetre Chiparus aus der Mitte der 1920er Jahre. Die luxuriösen Bronze-Elfenbein-Kombinationen richteten sich vornehmlich an ein männliches Publikum, stellen sie doch ganz offen die weiblichen Reize einer großen „Danseuse de Palmyra“ zur Schau (Taxe 25.000 EUR) oder verbergen sie verheißungsvoll als „Cendrillon“, jener märchenhaften Schönheit, deren innerer Wert erst noch entdeckt werden musste (Taxe 18.000 EUR). Ferdinand Preiss kann als Chiparus’ deutsches Pendant gelten. Seine Darstellung der Elfenbein-Aphrodite mit Goldbronzegewand datiert indes bereits in die Zeit um 1910, kommt allerdings auch weniger luxuriös daher (Taxe 6.000 EUR). Ungeniert erotisch geht es in einer Bronze- und Elfenbeingruppe Bruno Zachs zu: Bei ihm schmiegt sich eine junge Frau in Reizwäsche genüsslich an einen überdimensionierten Phallus (Taxe 8.000 EUR). Für ebenso viel Geld schreitet ein schwarz patinierter Bronzepanther von Maurice Prost daher.
Mit den Glasprodukten der Klostermühler Firma Lötz Witwe ist man bald darauf aber wieder auf dem Boden der – diesmal österreichischen – Tatsachen angekommen. Mit 6.000 Euro ist eine Vase mit silbergelben Streifen auf dreieckigem Stand angesetzt, für deren Form der britische Entwerfer Christopher Dresser verantwortlich ist. Nun dominiert wieder praktisch Gebräuchliches, wie eine dreizehnteilige Toilettengarnitur des Prager Hofjuweliers Wenzel Rummel um 1895 (Taxe 12.000 EUR) oder Möbel des funktionalen Jugendstil wie Josef Hoffmanns Schalensessel „720F“ von 1902 (Taxe 6.000 EUR). In ähnlicher Weise setzen die Deutschen etwa mit Joseph Maria Olbrichs Paar Kerzenleuchter aus Zinn um 1902 fort (Taxe 8.000 EUR), wobei auch Figürliches wie Max Laeugers expressionistische „Figur mit Girlande“ von 1928 nicht zu kurz kommt (Taxe 5.500 EUR). Paul Scheurich entwarf 1930 für Majolika Manufaktur in Karlsruhe einen sitzenden Akt, dessen Beine unterhalb der Knie gekappt sind (Taxe 4.000 EUR). Bernhard Hoetger ist für Allegorisches bekannt, wie die beiden grimmigen Männerfiguren „Hinterlist“ und „Habgier“ aus seinem Zyklus der „Licht- und Schattenseiten“ von 1912 (Taxen je 1.500 EUR).
Schönstes Stück des italienischen Möbeldesigns ist ein kantiges Sideboard Paolo Buffas um 1940 mit Diamantquadern aus Ahornholz an der Front für 6.000 Euro samt zugehörigem Esstisch für 2.500 Euro. Als besondere Dreingabe gibt es gegen Ende noch eine Handvoll Eierschalenporzellane der Haagschen Plateelbakkerij Rozenburg aus einer Privatsammlung. Die um die Jahrhundertwende entstandenen Jugendstilarbeiten zeichnen sich durch ungewöhnliche, reizvoll zwischen kompakten und filigranen Momenten vagierende Formen und eine unverwechselbare Malerei aus, die gern zackige Figurationen wie etwa Disteln verwendet. Beispielhaft stehen hierfür eine 1901 datierte Henkelvase, auf der sich zudem ein Vogel tummelt (Taxe 12.000 EUR) oder eine bauchige Vase von 1906 mit zwei prächtigen Papageien (Taxe 9.000 EUR). Hingucker zum Schluss der Versteigerung ist die Tischlampe „Dogwood“ aus den späten 1900er Jahren von Tiffany Studios in New York für geschätzte 15.000 Euro.
Fremde Kulturen, aber auch die Tierwelt, sowohl heimisch als auch exotisch, waren der Werkstätte Hagenauer keineswegs fremd. Ein Sonderkatalog mit einer Privatsammlung, die sich ausschließlich aus Stücken dieser Wiener Firma speist, ergänzt am 21. April die Basisauktion. Der im Jahr der Firmengründung 1898 geborene und 1919 mitbeteiligte Karl Hagenauer führte den Betrieb zu seiner Blüte. Aus dieser Glanzzeit der 1920er Jahre stammen die meisten Objekte wie ein von einem stilisierten Frauenakt getragener Beistelltisch (Taxe 7.000 EUR) oder ein abstrahierter Frauenkopf um 1925 aus Messing. Dessen Entwurf könnte allerdings der damals kaum zwanzigjährige jüngere Bruder Franz Hagenauer beigesteuert haben (Taxe 8.000 EUR). Und eben eine ganze Reihe von Tierdarstellungen wie auch in verschiedenen Tätigkeiten gezeigte Afrikaner entstanden in dieser Zeit. Sie kosten oft nur wenige hundert Euro. An das Hauptlos, ein erst in den 1960er oder 1970er Jahren hergestelltes Kopfpaar in stark geometrisierten Formen, das in der Hauptauktion für 18.000 Euro angeboten wird, reichen die Schätzpreise der Sammlung aber nicht heran.
Die Auktion beginnt am 20. April um 12 Uhr, die Hagenauer-Sammlung schließt sich am 21. April um 14 Uhr. Die Besichtigung der Objekte ist am 15. und 16. April von 10 bis 18 Uhr, am 17. und 18. April von 13 bis 17 Uhr und am 19. April on 10 bis 15 Uhr möglich. Der Katalog lässt sich auch online unter www.quittenbaum.de einsehen. |  | Kontakt: Quittenbaum Kunstauktionen Theresienstraße 60 DE-80333 München |
 | Telefon:+49 (089) 273 702 125 | Telefax:+49 (089) 273 702 122 |  |  | E-Mail: info@quittenbaum.de |  | Startseite: www.quittenbaum.de |
14.04.2010 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 21 | Seiten: 1 • 2 • 3
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (18) |  | •  | Veranstaltung vom: 20.04.2010, Jugendstil - Art Déco. Hagenauer -
Eine Privatsammlung |  | •  | Bei:
Quittenbaum Kunstauktionen |  | •  | Bericht: Ungenierte Lust
|  |  | •  | Kunstwerk:  Emile Gallé, Vase „Quetsches, 1920er Jahre |  | •  | Kunstwerk:  Franz Hagenauer zugeschrieben, Weiblicher Kopf,
um 1925 |  | •  | Kunstwerk:  Beistelltisch, Werkstätte Hagenauer, Wien 1920er Jahre |  |  | •  | Kunstwerk:  Bernhard Hoetger, Hinterlist, 1912 |  | •  | Kunstwerk:  Daum Frères, Vase „Cerises et sauterelles“, um 1900 |  | •  | Kunstwerk:  Franz Hagenauer, Männlicher und weiblicher Kopf, 1960/70er
Jahre |  |  |
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 Max Laeuger, Figur
mit Girlande, 1928 |  | Taxe: 5.500,- EURO Losnummer: 538 |  |  |  |  |  | 
 Paolo Buffa,
Sideboard, um 1940 |  | Taxe: 6.000,- EURO Losnummer: 703 |  |  |  |  |  | 
 Emile Gallé,
Deckelkanne
„Kakadu“, 1882/84 |  | Taxe: 7.000,- EURO Zuschlag: 6.500,- EURO Losnummer: 247 |  |  |  |  |  | 
 René Lalique, Vase
„Perruches“, 1919 |  | Taxe: 4.800,- EURO Zuschlag: 4.500,- EURO Losnummer: 160 |  |  |  |  |  | 
 Emile Gallé, Vase
„Quetsches, 1920er
Jahre |  | Taxe: 22.000,- EURO Losnummer: 154 |  |  |  |  |  | 
 Albert Cheuret,
Tischlampe
„Tulipes“, 1925 |  | Taxe: 8.000,- EURO Losnummer: 269 |  |  |  |  |  | 
 Jacobus Lucas
Verhoog,
Henkelvase, 1901 |  | Taxe: 12.000,- EURO Zuschlag: 10.000,- EURO Losnummer: 709 |  |  |  |  |  | 
 Jacques Gruber,
Anrichte, um 1900 |  | Taxe: 16.000,- EURO Losnummer: 311 |  |  |  |  |  | 
 Marius-Ernest
Sabino, Vase, um 1930 |  | Taxe: 1.100,- EURO Losnummer: 189 |  |  |  |  |  | 
 Daum Frères, Daum
Frères, Vase
„Cerises et
sauterelles“, um
1900 |  | Taxe: 13.000,- EURO Losnummer: 52 |  |  |  |  |  | 
 Louis Majorelle,
Vitrine
„Sagittaire“, um
1912 |  | Taxe: 24.000,- EURO Losnummer: 321 |  |  |  |  |  | 
 Louis Comfort
Tiffany, Tischlampe
„Dogwood“, Tiffany
Studios, New York
1905/10 |  | Taxe: 15.000,- EURO Losnummer: 743 |  |  |  |  |  | 
 Franz Hagenauer,
Franz Hagenauer
zugeschrieben,
Weiblicher Kopf, um
1925 |  | Taxe: 8.000,- EURO Zuschlag: 7.000,- EURO Losnummer: 28 |  |  |
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