Baukunst an der Düsseldorfer Kunstakademie Mehr denn je werden an die Architektur Ansprüche gestellt, die über praktische Dienstbarkeiten hinausgehen. Vitruvs klassischen Dreiklang der utilitas, firmitas, venustas – Funktion, Konstruktion, Form – ergänzen heute Nachhaltigkeit und Einbindung ins Umfeld. Schon bald nach ihrer Gründung 1773 stellt die Baukunst einen Bestandteil des Studienangebotes der Düsseldorfer Kunstakademie dar. Derzeit setzt ein Architektenquartett aus Max Dudler, Laurids Ortner, Karl-Heinz Petzinka und Axel Schultes die lange Tradition der Baukunstklasse fort, der nach dem Zweiten Weltkrieg Persönlichkeiten wie Hans Schwippert, Hans Hollein, James Stirling oder Oswald Mathias Ungers nachhaltige Impulse verliehen.
Nun führten längere Bestrebungen zum Ergebnis, Arbeiten der lehrenden Baukünstler in der Akademie-Galerie vorzustellen. Nach Sälen getrennt präsentiert die Ausstellung realisierte und geplante Projekte aller vier. Im ersten Saal stimmen den Besucher großformatige Pastellzeichnungen und kleine Tonmodelle von Laurids Ortner ein, die auf aparte Weise effektvoll die mediale Präsentation von Architektur neu formulieren. Seine Kubaturen für ein neues „Kunstkonsulat“ am Düsseldorfer Rheinufer neben der Kunstakademie, das neue Landesarchiv in Duisburg oder das neue Wiener Museumsquartier vereinen Strenge mit österreichischer Sinnlichkeit. Zusammen mit seinem Bruder Manfred Ortner gründete der Österreicher Laudris 1967 die erst 1992 aufgelöste Künstlergruppe „Haus-Rucker-Co“, deren Improvisationen einst einen Generalangriff auf die Baukunst bedeuteten.
Karl-Heinz Petzinka ist mit Inszenierungen zugegen, die Raumbeziehungen und Objekterlebnisse vorstellen. Seine Lösungen sind ebenso technisch inspiriert wie surreal angehaucht, wie die mit Elchgeweihen besetzte Ziegelsteinfront des gelben Hauses in Düsseldorf oder der Umbau der Gelsenkirchener Zeche Nordstern mit der Herkulesstatue von Markus Lüpertz an der Spitze. Im Saal von Axel Schultes, der seine architektonischen Vorstellungswelten in der Form zahlreicher Styropormodelle zum Ausdruck bringt, erlebt man eine Synthese aus Raum und Körper mit teils traumwandlerischen Zügen raumplastischer Durchdringungen. Neben seinen Planungen für Berlin, allen voran die Gestaltung des Spreebogens mit dem Bundeskanzleramt, sind auch internationale Vorhaben ausgestellt, wie die Bibliothek in Alexandria und das Parlament in Tripolis.
Im großen Finale führt der Schweizer Max Dudler die Baukunst mit seinen Vorlieben für klare Linien, simplen Formen, scharfen Kuben, strengen Fluchten wieder auf den Kern zurück. Schwer und transparent zugleich, regelhaft anmutend und ordnungsliebend stattet er seine großmaßstäblichen wie wuchtigen Figurationen mit edlen Materialien aus. Unter anderem stellt er das Museum Ritter bei Stuttgart, die Diözesanbibliothek in Münster oder eine Konzerthalle für Reutlingen vor.
Die Ausstellung „Dudler, Ortner, Petzinka, Schultes – Baukunst an der Kunstakademie Düsseldorf“ ist noch bis zum 25. Juli in der Akademie-Galerie zu besichtigen. Geöffnet ist mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 29 Euro kostet.
Akademie-Galerie
Burgplatz 1
D-40213 Düsseldorf
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