Félix González-Torres in der Fondation Beyeler Hat der 1996 früh an Aids gestorbene Félix González-Torres ein Werk geschaffen, das sich in den üblichen Kategorien des Ausstellungs- und Museumswesens überhaupt präsentieren lässt? Diese Frage untersucht seit dem Wochenende die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Denn der 1957 in Kuba geborene, ab 1979 in New York lebende Künstler, der mit scharfer Beobachtungsgabe gesellschaftliche, kulturelle und politische Situation in unspektakuläre Formen goss, hat kaum etwas fest Fixiertes hinterlassen. Seinen Kunstwerken liegt oft die Prämisse der Instabilität und der potenziellen Veränderung zugrunde, etwa den Papierstapeln und Bonbonhaufen, bei denen sich die Museumsbesucher bedienen dürfen und die für Verlust, Vergänglichkeit, Erinnerung und Tod stehen. Die Ausstellung „Specific Objects without Specific Form“ bietet daher verschiedene Versionen an, von denen keine einen autoritativen Anspruch erhebt: eine optimale Präsentationsform für das Œuvre eines Künstlers, der Fragilität, das Vergehen der Zeit und das Infragestellen von Autorität ins Zentrum seiner Kunst stellte, gibt es nicht. Sobald die Hälfte ihrer Dauer erreicht ist, wird die Ausstellung denn auch von der jungen Schweizerin Carol Bove neu eingerichtet.
Dabei sind die Arbeiten Félix González-Torres’ in die die permanente Sammlung der Fondation Beyeler eingestreut. So hat es González-Torres oft selbst gehalten. „Ohne Titel“ von 1989/1995, ein aus privaten und historischen Ereignissen, die ein Selbstporträt ergeben, zusammengesetztes Fries säumt zum Beispiel die Wand neben berühmten Porträts von Malern wie Paul Cézanne und Pablo Picasso. „Ohne Titel (Golden)“ von 1995, ein schimmernder Vorhang aus goldenen Perlen, durchzieht einen mit zu Ikonen gewordenen Werken von Alberto Giacometti und Francis Bacon bestückten Saal und zeigt eine andere Möglichkeit, auf den Körper zu verweisen. „Ohne Titel (Throat)“ von 1991, ein nur selten zu sehendes Werk und González-Torres’ kleinster Bonbonhaufen, hockt bescheiden in der Ecke eines Saals, um unter den Gemälden mit den einfachsten Mitteln Emotionen wie Verwundbarkeit und Melancholie hervorzulocken.
Die Ausstellung „Félix González-Torres. Specific Objects without Specific Form“ ist bis zum 29. August zu sehen. Die Fondation Beyeler hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 25 Franken; es gibt verschiedene, auch von bestimmten Tagen abhängige Ermäßigungen. Im Anschluss an die Wanderretrospektive wird 2011 ein reich illustrierter Katalog mit Essays der Kuratorin Elena Filipovic und der Künstlerkuratoren Danh Vo, Carol Bove und Tino Sehgal sowie Interviews mit Künstlern verschiedener Generationen erscheinen.
Fondation Beyeler
Baselstraße 101
CH-4125 Riehen
Telefon: +41 (0)61 – 645 97 00
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