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Marktberichte |
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Rückblick: Antiquitäten und Möbel im Wiener Dorotheum  Möbelrücken

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 |  | Donaumonarchie, Tisch, um 1800/10 | |
Bis in die Extreme hinein zeigten sich die Möbel am wankelmütigsten auf des Dorotheums großer Antiquitätenauktion. Da war das eine, weniger erfreuliche Extrem in Form eines prächtigen, figurengeschmückten Spätrenaissanceschrankes aus Italien, der bei 100.000 bis 120.000 Euro unveräußert blieb. Und da war das andere, überaus erfreuliche Extrem in Form eines großen Empiretisches der Zeit um 1800/10, der – auf 18.000 bis 22.000 Euro angesetzt – auf sensationelle 170.000 Euro hochgepuscht wurde und erst bei diesem Stand zugeschlagen wurde. Ob es die feinen Tuschemalereien auf der Plattenbordüre, die martialischen Sphinxen am dreipassigen Sockelbrett oder die zu vermutende Herkunft aus der bedeutenden Wiener Möbelfabrik Josef Danhausers waren, die die hartnäckigen Interessenten zu ihrem Wahnsinnswettrennen bewogen haben – jedenfalls ist damit einer der höchsten Preise erzielt worden, zu dem je ein Möbelstück die Dorotheergasse verlassen hat.
Möbel
Viel durcheinandergewirbelt wurden am 21. April die Preisvorstellungen des Wiener Auktionshauses bei den gut hundert Möbelstücken, von denen weniger als die Hälfte übernommen wurde. Eine kleinere italiensche Barockkommode mit zarten Elfenbeineinlagen, darunter dem Bildnismedaillon einer Dame, kletterte von 10.000 Euro auf 18.000 Euro, ihr größerer venezianischer Bruder, ein ebenfalls in der ersten Hälfte des 18ten Jahrhunderts entstandener Sekretär, wanderte mit einer Schätzung von 25.000 bis 35.000 Euro dagegen an den Einlieferer zurück. Deutlich fiel der Wertzuwachs bei einer römischen Barockkonsole mit halbnackten Meerjungfrauen als Trägern und vollplastisch geschnitzten Maskarons aus: Von gleicher Basis aus wurde sie auf 45.000 Euro gehoben. Mit 36.000 Euro erreichte eine vierteilige Folge Genueser Armlehnstühle mit Elementen des beginnenden Klassizismus die Schätzung, eine hochklassizistische, streng kastenförmige Kommode mit eingelegten Architekturfantasien, hergestellt Ende des 18ten Jahrhunderts vielleicht von Giovanni Maffezzoli, wurde ebenfalls für 36.000 Euro weitergereicht (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).
Einiges wurde den anspruchsvollen Vorstellungen des Hauses nicht ganz gerecht: 40.000 Euro genügten für einen römischen oder Florentiner Konsoltisch des Hochbarock, wo 50.000 bis 60.000 Euro gefordert waren, und 15.000 Euro für einen österreichischen Hallenschrank mit Bastionsfüllungen um 1740 (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Für andere hochkarätige Objekte war das Interesse zu gering: Neben dem Sakristeischrank bildet ein englisches Konsolpaar des frühen Empire mit mächtigen Adlerskulpturen für 60.000 bis 70.000 Euro den größten Rückgang. Das frühe 19te Jahrhundert hatte nicht nur mit Danhausers Tisch Erfolg, sondern auch mit einem hübschen Tintenzeug gleicher Zeit und Herkunft, bei dem sich ein bürgerlich gekleideter Herr als Träger der Tintenfässer betätigt. Hier verdoppelte sich der Preis auf 12.000 Euro. Die Wiederkäuer des Historismus bestätigten ebenfalls ihre Zugkraft, wenn Perfektion und äußerer Glanz stimmen. Mit 40.000 Euro erzielte ein Paar Bücherkästen mit Boulle-Marketerie den höchsten Zuschlag (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR).
Silber
Ähnlich verhielt es sich in der mit fast 77 Prozent Absatz gut bebotenen Silberabteilung. Unter den älteren Stücken schaffte nur eine niederländische Teekanne um 1700 einen fünfstelligen Preis, ihre untere Schätzung von 15.000 Euro. Alles andere war jünger: ein von Max Blondat im Jugendstilgestus geformter Siegerpreis, den Fürst Albert I. von Monaco 1913/14 für die schönste Yacht in seinem Zwergstaat absahnte, ging bei 15.000 Euro weg (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR), ein Paar siebenflammige Kandelaber im Stil des Rokoko, die Hofjuweliere Heinrich Mau und Moritz Elimeyer nach Originalen Christian Heinrich Ingermanns aus der Zeit Augusts III. von Sachsen anfertigten, bei 16.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), und ein 372teiliges Tafelbesteck, benannt „August der Starke“, von der Firma Wilkens & Söhne bei 26.000 Euro (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Erst in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts verließ ein repräsentatives, noch immer im Stilmix des späten 19ten Jahrhunderts gehaltenes Schachspiel die Hanauer Firma Rauch. Ein Sammler eroberte es jetzt zur unteren Schätzung von 20.000 Euro.
Skulpturen und Antiquitäten
Mit den Skulpturen tat man sich am 22. April wieder ein wenig schwer. 30.000 bis 35.000 Euro und 40.000 bis 50.000 Euro waren für zwei Madonnen der Spätgotik einfach zuviel, und auch die dritte und älteste im Bunde, das Werk eines süddeutschen Bildhauers um 1460/80 blieb bereits an 30.000 Euro hängen (Taxe 45.000 bis 55.000 EUR). Ein Stuckrelief mit Maria und dem Jesusknaben auf dem Schoß aus der Florentiner Werkstatt Antonio Rossellinos um 1470 erzielte 26.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Steigern konnten sich zwei qualitätvolle Barockbüsten wohl antiker Philosophen um 1700 auf 12.000 Euro (Taxe 4.500 bis 6.500 EUR) sowie die vergoldeten Damen von Frühling und Sommer aus einem italienischen Jahreszeitenzyklus um 1800 von 15.000 bis 20.000 Euro auf stattliche 34.000 Euro.
Aus dieser Abteilung wurden auch ein Erd- und ein Himmelsglobus, von Louis Charles Desnos als Paar zwischen 1768 und 1770 erstellt, erst für 42.000 Euro abgeholt (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Für 11.000 Euro und 20.000 Euro galoppierten zwei Reiterbronzen der Russen Wassilij Jakowlewitsch Gratschew und Jewgenij Alexandrowitch Lanceray über die Bühne (Taxen zwischen 2.500 und 4.000 EUR). Teuerste Uhr wurde mit 30.000 Euro ein kantig gebildetes Werk des französischen Art Déco um 1930 mit Lapislazulisockel (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Eine Sammlung von zehn Miniaturportraits der wichtigsten Staatsmänner um 1800 aus dem Nachlass des bayerischen Staatsministers Maximilian Graf von Montgelas fand bei 70.000 bis 90.000 Euro indes keinen Abnehmer.
Glas und Porzellan
Bei Glas und Porzellan überzeugten schließlich die klassischen Produkte, wie die berühmten Becher der Biedermeiermeister Gottlob Samuel Mohn und Anton Kothgasser für bis zu 15.000 Euro sowie Meißner Stücke aus der Glanzzeit der Manufaktur wie einem Fischerpaar um 1745 zur unteren Schätzung von 20.000 Euro und einem tanzenden Bauernpaar der gleichen Zeit für 16.000 Euro (Taxe 16.000 bis 26.000 EUR). Aus Peter Reinickes ebenfalls Mitte der 1740er Jahre datierter Serie „Cris de Paris“ stammt ein Ausrufer mit der Landkarte des damals zwischen Preußen und Österreich hoch umstrittenen Herzogtums Schlesien – der Mann scheint gerade den zweiten schlesischen Krieg auszurufen –, dessen Seltenheit mit 24.000 Euro belohnt wurde (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Ohne ausreichende Gebote blieben dagegen diesmal drei russische Soldatenteller des 19ten Jahrhunderts, für die man sonst jeweils 30.000 bis 50.000 Euro durchaus erwarten konnte.
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Dorotheum Dorotheergasse 17 AT-1010 Wien |
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24.06.2010 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 29 | Seiten: 1 • 2 • 3 • 4
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (26) |  | •  | Veranstaltung vom: 21.04.2010, Antiquitäten und Möbel
|  | •  | Bei: Dorotheum
|  | •  | Bericht: Kirchlicher
Prunk |  |  | •  | Kunstwerk:  Konsoltisch, wohl Rom oder Florenz, 1. Hälfte 18. Jahrhundert |  | •  | Kunstwerk:  Zwei Büsten, um 1700 |  | •  | Kunstwerk:  Peter
Reinicke, Ausrufer mit Landkarte des Herzogtums Schlesien, um 1744 |  |  | •  | Kunstwerk:  Anton Kothgasser, Ranftbecher, Wien um 1825 |  | •  | Kunstwerk:  Gottlob Samuel Mohn, Becher, Wien 1813 |  | •  | Kunstwerk:  Georg Kramer, Kaminuhr, Österreich 1824 |  |  |
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 Antonio Rossellino,
Antonio Rossellino
Werkstatt, Madonna
mit Kind, Florenz um
1470 |  | Taxe: 25.000 - 35.000 EURO Zuschlag: 26.000,- EURO Losnummer: 968 |  |  |  |  |  | 
 Anton Kothgasser,
Ranftbecher, Wien um
1825 |  | Taxe: 9.000 - 15.000 EURO Zuschlag: 12.000,- EURO Losnummer: 1112 |  |  |  |  |  | 
 Italien, Frühling
und Sommer, um 1800 |  | Taxe: 15.000 - 20.000 EURO Zuschlag: 34.000,- EURO Losnummer: 995 |  |  |  |  |  | 
 Niederlande,
Teekanne, um 1700 |  | Taxe: 15.000 - 18.000 EURO Zuschlag: 15.000,- EURO Losnummer: 805 |  |  |  |  |  | 
 Tanzendes
Bauernpaar, Meißen,
um 1745 |  | Taxe: 16.000 - 26.000 EURO Zuschlag: 16.000,- EURO Losnummer: 1204 |  |  |  |  |  | 
 Zwei Büsten, um 1700 |  | Taxe: 4.500 - 6.500 EURO Zuschlag: 12.000,- EURO Losnummer: 978 |  |  |  |  |  | 
 Frankreich
Frankreich,
Tischuhr, Cartier,
Frankreich um 1930 |  | Taxe: 40.000 - 50.000 EURO Zuschlag: 30.000,- EURO Losnummer: 1087 |  |  |  |  |  | 
 Kommode, Italien,
Ende 18. Jahrhundert |  | Taxe: 20.000 - 30.000 EURO Zuschlag: 36.000,- EURO Losnummer: 704 |  |  |  |  |  | 
 Max Blondat,
Siegerpreis für die
schönste Yacht in
Monaco 1913/14 an
Fürst Albert I |  | Taxe: 15.000 - 25.000 EURO Zuschlag: 15.000,- EURO Losnummer: 840 |  |  |  |  |  | 
 Österreich,
Hallenschrank, um
1740 |  | Taxe: 20.000 - 25.000 EURO Zuschlag: 15.000,- EURO Losnummer: 688 |  |  |  |  |  | 
 Florenz,
Konsoltisch, wohl
Rom oder 1. Hälfte 18.
Jahrhundert |  | Taxe: 50.000 - 60.000 EURO Zuschlag: 40.000,- EURO Losnummer: 680 |  |  |  |  |  | 
 Italien, Kommode, 1.
Hälfte 18.
Jahrhundert |  | Taxe: 10.000 - 12.000 EURO Zuschlag: 18.000,- EURO Losnummer: 673 |  |  |
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