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Marktberichte |
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Mit niedrigen Bewertungen kam Koller in Zürich bei den Alten und Neueren Meister auf einige gute Ergebnisse  Tod mal zwei

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 |  | Carl Spitzweg, Lueg ins Land, um 1870 | |
Der Markt mit Gemälden bleibt beim Zürcher Auktionshaus Koller stabil: ohne größere Einbrüche, mit einigen Sensationen. 49 Prozent der Alten und etwas mehr als die Hälfte der 64 Neueren Meister brachte Koller während der gut zweistündigen Veranstaltung am 17. September unter die Leute. Recht vorsichtige Schätzungen für ein im Durchschnitt nicht außergewöhnliches, aber schönes Angebot ließen einzelne Stücke preislich in die Höhe schnellen. Knapp gab es sogar einen Millionenzuschlag: Genau 997.500 Franken inklusive Aufgeld musste ein Münchner Sammlerpaar für Carl Spitzwegs ganz und gar nicht martialischen Festungswachtmeister „Lueg ins Land“ bezahlen, ein um 1870 entstandenes Beispiel feinsinnigen Humors und biedermeierlicher Beschaulichkeit des Münchner Originals. Ohne Aufgeld waren das 850.000 Franken. Die Schätzung für das seit 1937 in Schweizer Privatbesitz befindliche, davor zeitweise in der Neuen Pinakothek in München beheimatete Gemälde hatte bei 300.000 bis 400.000 Franken gelegen. Und 986.000 Franken kostete bei den Alten Meistern Pieter Breughels d.J. und Josse de Mompers d.J. breitformatiges Landschaftspanorama mit einem volkreichen Kalvarienberg im Vordergrund. Die 1618 datierte Leinwand, netto also nur 10.000 Franken günstiger als der Spitzweg, war bei 350.000 bis 500.000 Franken ebenfalls einer der Favoriten gewesen und landete nun in einer russischen Privatsammlung.
Alte Meister
„Wir versuchen unsere Schätzungen realistisch und attraktiv zugleich zu gestalten. Dem Markt wird damit der Entscheid über die Höhe des Preises für ein Objekt selbst überlassen“, erklärte Cyril Koller die Strategie der „kleinen Preise“. Die Alten Meister schlugen sich insgesamt besser als ihre neueren Kollegen und sorgten für die spannenderen Bietgefechte. Das ging gleich beim ersten Los los, dem Jean Decourt zugeschriebenen Bildnis eines charaktervollen Edelmanns mit Renaissancehalskrause von 1581 für 50.000 Franken (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR), setzte sich fort mit der Karikatur eines Geldwechslers mit einer merkwürdigen roséfarbenen Perücke aus dem Umkreis des Marinus van Reymerswaele für stattliche 63.000 Franken (Taxe 22.000 bis 28.000 SFR) bis hin zu einer Madonna mit Johannesknaben vielleicht von dem Florentiner Frührenaissancemaler Francesco Botticini für 78.000 Franken (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR). 140.000 Franken am unteren Rand der Schätzung brachte eine Folge von fünf Tafeln einer ehemaligen Altarpredella mit den Darstellungen Christi und der zwölf Apostel des Sieneser Malers Andrea di Bartolo. Die Kreuzabnahme Christi aus der Werkstatt des Kölner Meisters des Bartholomäus-Altars entschwand erst bei 48.000 Franken aus dem Auktionssaal (Taxe 22.000 bis 30.000 SFR).
Etliche Stücke hatte Koller aus der Stilllebenmalerei parat, und hier schien auch das Interesse am größten. Bei Abraham Mignons hängendem Blumenarrangement mit Trauben und Pflaumen ließ ein deutscher Kunde mit 65.000 Franken den Verkauf erst langsam angehen (Taxe 65.000 bis 75.000 SFR). Dann aber folgten Hammerpreise wie 400.000 Franken, ebenfalls aus deutscher Hand, für eines der wenigen Stillleben der Antwerpener Malerin Clara Peeters’ mit Früchten, Eichhörnchen und Hummer in verschiedenen Gefäßen auf einer Tischplatte (Taxe 400.000 bis 600.000 SFR), 410.000 Franken für Jacob Marrels prächtigen Blumenstrauß in einer Terrakottavase aus dem Jahr 1640, mit denen ein russischer Bieter die Schätzung von 320.000 bis 380.000 Franken hinter sich ließ, und eine Ansammlung von Muscheln, Früchten und weiteren Pflanzen neben und in einem Korb von dem 1628 kaum 22jährig verstorbenen Johannes Bosschaert für 190.000 Franken (Taxe 150.000 bis 200.000 SFR).
Es folgten Balthasar van der Asts Blumenkorb mit einigen Muscheln und Früchten auf der Tischplatte um 1625 für 48.000 Franken (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR), Frans Snyders’ Jagdstillleben unter anderem mit erlegtem Hasen für 130.000 Franken (Taxe 120.000 bis 180.000 SFR) und Johannes Bormans feine, in Licht- und Schattenpartien kontrastreiche Wiedergabe von Früchten, Austern, Silberplatte und Orientteppich um 1655 für 65.000 Franken (Taxe 65.000 bis 75.000 SFR). Den Ausklang bildeten Vincent Casteleyns verspielte Vanitasallegorie von 1642 mit Himmelsglobus, Musikinstrumenten und -noten, Rüstungen und Waffen, einem Totenkopf und einem drallen Putto, der mit Seifenblasen spielt, für taxgerechte 30.000 Franken und die von duftigen Blumen umgebene Mariendarstellung Johann Rudolf Byss’. Die hübsche Gouache auf Papier des Würzburger Hofmalers brachte es auf 13.000 Franken (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR).
Eine Überraschung bot noch Frans Francken II. mit seiner bemerkenswerten Interieurszene „Der Geigende Tod“ um 1625. Eigentlich sind es zwei Tode: Im Vordergrund bringt er dem reichen Mann ein Ständchen, dem er, wie ein Ausblick im Hintergrund zeigt, vor langer Zeit seine Seele gegen Reichtum abgekauft hatte. Die erst kürzlich wiederentdeckte Holztafel erfreute sich insbesondere ihres frischen Erhaltungszustandes wegen großer Beliebtheit und kletterte hurtig von 20.000 bis 30.000 Franken auf 172.000 Franken. Weitere nennenswerte Ergebnisse waren die 62.000 Franken für eine kleine Winterlandschaft mit Eisläufern Isaac van Ostades (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR), 95.000 Franken für eine italienische Landschaft mit Figuren in braunen Tönen Jan Boths (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR), 73.000 Franken für ein ebenfalls in Braun gehaltenes, ruhiges Seestück mit Fischerbooten an der Küste Jan van Goyens (Taxe 65.000 bis 75.000 SFR) und die 140.000 Franken, die eine offensichtlich aus der Werkstatt Peter Paul Rubens’ stammende und zuletzt 1895 dokumentierte Anbetung der heiligen drei Könige einspielte (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR). Keinen Abnehmer fanden dagegen die beiden hoch taxierten Werke Franz de Paula Fergs: Seine vielfigurige Winterlandschaft mit einer Windmühle war mit 120.000 bis 150.000 Franken, seine kleinere Kupfertafel einer dörfliche Szene mit reisender Schauspieltruppe mit 65.000 bis 80.000 Franken veranschlagt.
Neuere Meister
Etwas mit Spitzweg Vergleichbares konnten die neueren Meister nicht mehr aufbieten. Es blieb bei gängigen, wiewohl von Russen luxuriös bezahlten Landschaften einiger ihrer Landsleute wie einer flauschigen Wintergegend bei Davos von Ivan Fedorovic Choultsé für 140.000 Franken (Taxe 70.000 bis 120.000 SFR), Julius Sergius Klevers winterlicher Flusslandschaft von 1897 für 60.000 Franken (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR) oder Konstantin Yakovlevich Kryzhitskys Meeresbrandung auf einige Felsklippen von 1908 für 80.000 Franken (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR). Paul Désiré Trouilleberts luftiger Blick auf einen Canotier am Flussufer steigerte sich zu Recht von 7.000 Franken auf 17.000 Franken, ebenso Charles-Samuel Delapeines sommerliche Küste mit mächtigen Bäumen, junger Familie in deren Schatten und Ausblick auf ein südländisches Dorf von gleicher Basis auf 15.000 Franken.
Ferner gab es einige Genreszenen von heute mehr oder weniger vergessenen Routiniers, von denen Johann Georg Meyer von Bremens kindliche „Die Plaudertasche“ am Fenster zweier kleiner Freundinnen 1885 mit 38.000 Franken den höchsten Preis erzielte (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR). Für Friedrich Eduard Meyerheims kummervolle „Mütterliche Fürsorge“ von 1847 blieb dir untere Schätzung von 18.000 Franken übrig. Begehrt wie immer waren schließlich zwei der massenweise umlaufenden Wüstenszenen Otto Pilnys, von denen „Das Abendgebet“ aus dem Jahr 1918 mit 100.000 Franken die teurere wurde (Taxe 60.000 bis 90.000 SFR). Symbolistisch angehaucht malte Robert Burns um 1900 eine Dame am Fenster mit Blick auf den Dom von Florenz. Sie heimste 19.000 Franken ein (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR). Verschmäht wurde dagegen Ivan Konstantinovich Ajvazovskijs skizzenhafte Küstenlandschaft mit zarten Segelschiffen aus dem Jahr 1894 für 70.000 bis 90.000 Franken.
Zeichnungen und Druckgrafik
Die hohen Preise hielten sich in den Abteilungen Zeichnung und Druckgrafik erwartungsgemäß in Grenzen. Dennoch konnte Koller hier mit einem gewohnt qualitätvollen Angebot die Zuschlagsquote auf ausgezeichnete 71 Prozent hochschrauben. Die Spitzenstücke wurden bestätigt oder übertrafen die Schätzung um ein Vielfaches: 36.000 Franken kostete die Rückenansicht eines sitzenden Orientalen mit Turban wohl aus der Hand Giovanni Battista Tiepolos (Taxe 18.000 bis 25.000 SFR), 100.000 Franken zwei Skizzen heiliger Bischöfe von dem Augsburger Dürer-Zeitgenossen Hans Burgkmair d.Ä. um 1505/08 (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Der beliebte Schweizer Ansichtenmaler Johann Heinrich Bleuler erlöste mit einer feinen Gouache samt Blick auf Zürich 14.000 Franken (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR), und ein unbekannter Straßenmaler des mittleren 19ten Jahrhunderts erträumte sich mit seiner altgouachierten Lithografie des mit gotischem Zierrat überzuckerten Mailänder Domes 8.500 Franken (Taxe 1.500 bis 2.000 SFR).
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Koller Auktionen Hardturmstrasse 102 CH-8031 Zürich |
 | Telefon:+41 (044) 445 63 63 | Telefax:+41 (044) 273 19 66 |  |  | E-Mail: office@kollerauktionen.ch |  | Startseite: www.kollerauktionen.com |
28.09.2010 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 32 | Seiten: 1 • 2 • 3 • 4
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (29) |  | •  | Veranstaltung vom: 14.09.2010, Kunst, Antiquitäten, Schmuck und
Asiatica |  | •  | Bei: Koller Auktionen
AG |  | •  | Bericht: Starkes
Mittelfeld |  |  | •  | Kunstwerk:  Jean Decourt zugeschrieben, Bildnis eines Edelmannes mit Halskrause, 1581 |  | •  | Kunstwerk:  Meister des Bartholomäus-Altars Werkstatt,
Kreuzabnahme Christi |  | •  | Kunstwerk:  Johannes Bosschaert, Stillleben mit Lilien,
Tulpen, Pfingstrosen und anderen Blumen in einem Korb auf einer Platte mit Früchten, Muscheln und einer Fliege |  |  | •  | Kunstwerk:  Frans Francken II., Der geigende Tod, um 1625 |  | •  | Kunstwerk:  Isaac van Ostade, Winterlandschaft mit Eisläufern |  | •  | Kunstwerk:  Jan Both, Italienische Landschaft mit Figuren |  |  |
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 Hans Burgkmair d.Ä.,
Zwei Darstellungen
des heiligen Ulrich
von Augsburg, um
1505/08 |  | Taxe: 25.000 - 35.000 SFR Zuschlag: 100.000,- SFR Losnummer: 3327 |  |  |  |  |  | 
 Paul Désiré
Trouillebert, Le
Canotier |  | Taxe: 7.000 - 9.000 SFR Zuschlag: 17.000,- SFR Losnummer: 3204 |  |  |  |  |  | 
 Otto Pilny, Das
Abendgebet, 1918 |  | Taxe: 60.000 - 90.000 SFR Zuschlag: 100.000,- SFR Losnummer: 3226 |  |  |  |  |  | 
 Jacob Marrel,
Blumenstillleben in
einer
Terrakottavase auf
einem Sockel, 1640 |  | Taxe: 320.000 - 380.000 SFR Zuschlag: 410.000,- SFR Losnummer: 3040 |  |  |  |  |  | 
 Jean Decourt, Jean
Decourt
zugeschrieben,
Bildnis eines
Edelmannes mit
Halskrause, 1581 |  | Taxe: 8.000 - 12.000 SFR Zuschlag: 50.000,- SFR Losnummer: 3001 |  |  |  |  |  | 
 Francesco
Botticini, Madonna
mit Christusknaben
und einem Engel |  | Taxe: 50.000 - 70.000 SFR Zuschlag: 78.000,- SFR Losnummer: 3007 |  |  |  |  |  | 
 Johann Heinrich
Bleuler d.Ä., Blick
auf Zürich |  | Taxe: 4.000 - 6.000 SFR Zuschlag: 14.000,- SFR Losnummer: 3402 |  |  |  |  |  | 
 Vincent Casteleyn,
Vanitasdarstellung
mit Putto auf einem
Tisch, der mit
Seifenblasen
spielt, 1642 |  | Taxe: 30.000 - 40.000 SFR Zuschlag: 30.000,- SFR Losnummer: 3072 |  |  |  |  |  | 
 Balthasar van der
Ast,
Blumenstillleben in
einem Flechtkorb, um
1625 |  | Taxe: 50.000 - 70.000 SFR Zuschlag: 48.000,- SFR Losnummer: 3078 |  |  |  |  |  | 
 Johannes
Bosschaert,
Stillleben mit
Lilien, Tulpen,
Pfingstrosen und
anderen Blumen in
einem Korb auf einer
Platte mit Früchten,
Muscheln und einer
Fliege |  | Taxe: 150.000 - 200.000 SFR Zuschlag: 190.000,- SFR Losnummer: 3041 |  |  |  |  |  | 
 Johann Georg Meyer
von Bremen, Die
Plaudertasche, 1885 |  | Taxe: 30.000 - 40.000 SFR Zuschlag: 38.000,- SFR Losnummer: 3217 |  |  |  |  |  | 
 Frans Francken II,
Frans Francken II.,
Der geigende Tod, um
1625 |  | Taxe: 20.000 - 30.000 SFR Zuschlag: 172.000,- SFR Losnummer: 3047 |  |  |
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