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Marktberichte |
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Das Dorotheum fährt in Wien Silber aus ganz Europa auf  Vorbild Antike

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 |  | Paul Storr, Aufsatzschale mit Tauben, London 1838/39 | |
Egal für welche Epoche oder welche Kunstgattung – die Antike war und ist vielfach Inspiration, Objekt der Nachahmung und Bewunderung. Das zeigt eine die große „Londoner Aufsatzschale mit Tauben“ von Paul Storr. Der Silberschmied aus London ließ sich von dem griechischen Mosaikkünstler Sosos zu seinem Ziergefäß auf einem Sockel mit Lapislazuliverkleidung und drei Volutenfüßen anregen. Auf dem Rand der Schale von 1838/39 sitzen vier Tauben, von denen sich eine ihr Federkleid putzt und eine andere trinkt. Vielleicht hat der Neoklassizist eine Reise nach Rom unternommen und dort in den Kapitolinischen Museen die römische Nachbildung des ursprünglich griechischen Mosaiks bewundert. Mit 480 weiteren Silberobjekten kommt diese Schale für 40.000 bis 60.000 Euro im Dorotheum unter den Hammer.
Gute 20 Jahre früher schuf der nicht identifizierte Meister WP ebenfalls in London einen vierflammigen Leuchter. Da der Besitzer um 1841/42 ein Pendant wünschte, ging er zu Meister EF und ließ sich eine identische Kopie anfertigen. Auf rundem Stand erheben sich nun die beiden schweren Kerzenhalter, reich mit floralen Reliefs und Adlerdarstellungen verziert. Der König der Lüfte mit ausgebreiteten Schwingen bekrönt die Leuchter herrschaftlich (Taxe 25.000 bis 28.000 EUR). Für je drei Kerzen schuf der bedeutende Pariser Meister Jean-Baptiste-Claude Odiot um 1798/1809 sein Leuchterpaar in klassizistischen Formen. Elegant nur mit einfachem Akanthus und Blattbändern verziert, sind die vergoldeten Silberleuchter auf 15.000 bis 20.000 Euro geschätzt.
In der Abteilung älterer Silberobjekte ist am 22. November ein Nürnberger Doppelbuckelpokal mit einer Schätzung von 20.000 bis 28.000 Euro ein Spitzenlos. Der fränkische Meister Franz Fischer, der von 1600 bis 1653 tätig war, schmiedete und vergoldete das Prachtexemplar, von dem sich vergleichbare Stücke in der Rüstkammer des Kremls in Moskau befinden. Der Nürnberger Traubenpokal von Hans Rühl war bei der Silberauktion des Dorotheums im Mai auf 4.000 bis 6.000 Euro angesetzt, doch verkaufte er sich mit 13.000 Euro. So ist jetzt auch die Schätzung für einen ähnlichen Pokal auf 15.000 bis 18.000 Euro in die Höhe geschossen. An dem jetzt angebotenen Exemplar von Hans Beutmüller steht ebenfalls ein kleines Figürchen am baumstammartigen Schaft des Pokals und schwingt seine Axt.
Prachtvolle Deckelhumpen fehlen auch in dieser Versteigerung nicht. Simon Wickert verziert einen Augsburger Deckelhumpen von 1705/08 reich mit Früchten und Schleifen. Die Medaillons zeigen eine Seelandschaft und Tierdarstellungen. Teilweise vergoldet, soll das Prachtstück 5.000 bi 8.000 Euro einfahren. Dieselbe Form benutzte auch der Meister Benedikt Clausen um 1680 in Danzig. Er verziert den Deckelhumpen mit fein graviertem Blumendekor und partieller Vergoldung (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Hochpreisiges exotisches Stück ist die frühe osmanische Hamam-Schale aus der ersten Hälfte des 17ten Jahrhunderts. Das mit Tieren und Blumen reich geschmückte Stück wird auf 16.00 bis 20.000 Euro geschätzt.
Die römische Kaffeekanne, deren Ausguss sich aus einem Maskaron entwickelt, kann mit ihrer zierlichen Form, dem geschwungenen Holzhenkel und der vergoldeten Eichelbekrönung elegant genannt werden. Die Kanne wurde um 1760 geschaffen und soll bald vielleicht wieder für 24.000 bis 28.000 eine Kaffeetafel zieren. Ebenfalls aus Italien stammt der Tischbrunnen, der von drei plastischen Meerjungfrauen getragen wird. Kleine Amoretten auf Delfinen vergnügen sich auf der unteren der beiden Etagen aus Muschelschalen, aus der oberen springen geflügelte Pferde. Als Bekrönung lässt der neapolitanische Meister mit dem Zeichen AS um 1740 eine Fama in ihr Horn blasen (Taxe 6.000 bis 9.000 EUR). Wohl in Schleswig-Holstein entstand um 1740/50 die kleine Deckelterrine mit plastischer Blumenbekrönung am Steckdeckel. Der unbekannte Meister „SCH.. TER“ versah das ovale Gefäß mit mehreren geraden Faltenzügen, später gravierten die Besitzer Widmungen in das Silber (Taxe 3.500 bis 5.000 EUR).
Die Prager Kaffeekanne mit achteckiger Wandung, zwei aufgelegten Philosophenmedaillons und einer plastischen Hundebekrönung gehört in die Stilrichtung des Empire (Taxe 2.200 bis 2.800 EUR). Auch im Empire, aber in Paris, ist die achtteilige Gewürzgarnitur mit kobaltblauen Glaseinsätzen entstanden. Auguste Hubert-Desnoyers gestaltete die Füße mit kleinen plastischen Hermenfiguren (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Die große Pariser Tee- und Kaffeegarnitur der Firma Odiot befindet sich noch in ihrem Originalholzkasten und war ein Geschenk des Grafen von Caserta. Jetzt soll sie für 15.000 bis 20.000 Euro einen neuen Besitzer finden. Schönheiten der neueren Zeit ist das Paar Sheffielder Leuchter für drei Kerzen mit Säulenschaft und Volutenarmen in Neoberockformen von 1909/10 für 4.000 bis 5.000 Euro oder die schlanke Mokkagarnitur von Tiffany & Co aus vergoldetem Silber für 2.000 bis 2.800 Euro. Die alte Form des Tafelaufsatzes transformiert Georg Jensen um 1930 in Geist des Art Déco. Der Fuß und die Schale sind schlicht und stehen damit im Kontrast zu dem gedrehten Schaft und der Traubenranke, die die Schale trägt (Taxe 3.500 bis 5.000 EUR).
Aber Silberauktionen sind auch immer wieder gut um Kurioses und Ungewöhnliches zu entdecken, wie zum Beispiel das vergoldete Silberpferd mit abnehmbarem Kopf wohl aus dem 17ten Jahrhundert (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) oder die seltene Malteser Öllampe mit höhenverstellbarem Lichtschirm um 1770/80 vom Meister GC, was vielleicht Giuseppe Cousin heißt (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Auch die italienische Kusstafel aus Silber mit einer Darstellung von Christus und seinen Jüngern in vergoldetem Rahmen samt reliefierten Engelsköpfen vom Anfang des 18ten Jahrhunderts ist nicht zu verachten (Taxe 1.200 bis 1.800 EUR). Um 1737/64 hat Andrea Cinelli in Perugia das dreieckige Schreibzeug auf Delfinfüßen mit Blattranken und Hermenfiguren kunstvoll gefertigt (Taxe 10.000 bis 14.000 EUR).
Schon zu Zeiten des Historismus ist die Miniaturausgabe des Vermählungsbrunnens auf dem hohen Markt in Wien entstanden. Vielleicht lässt sich ein Wienliebhaber für das Stück von Franz Rumwolf von Ende des 19ten Jahrhunderts zu einem Preis von 10.000 bis 15.000 Euro hinreißen. Der kaiserliche und königliche Hoflieferant in Wien Josef Carl Klinkosch trägt einiges zur Auktion bei, darunter eine vollplastische Darstellung zweier reitender Husaren über „Das letzt Hindernis“ (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Wenn man den Hebel bei dem Singvogelautomat umlegt, dann kommt aus der Klappe ein kleines gefiedertes Vögelchen heraus und singt. Für Liebhaber ist die Spieluhr der Firma Scheurle aus Schwäbisch Gmünd vom Anfang des 20sten Jahrhunderts für 3.500 bis 5.000 Euro zu haben.
Einen eigenen Katalog hat das Dorotheum dem russischen Silber eingeräumt. Ähnlich wie der Nürnberger Traubenpokal ist auch der von Wassilij Nikitin aufgemacht. Die traubenförmige Kuppa läuft etwas rundlicher zu, aber es wollen auch zwei kleine Männchen dem Schaft in Form eines Baumstammes mit ihrer Axt zu Leibe rücken (Taxe 6.000 bis 9.000 EUR). Mit fast 20 Zentimetern Durchmesser nimmt der Deckelhumpen mit dem Meisterzeichen W.L.O. aus den 1750er Jahren auslandende Formen an. Seine reich getriebenen Rocaillen und kleinen Architekturszenen erstrahlen für eine Schätzung von 20.000 bis 28.000 Euro in Gold. Für einen Angehörigen des russischen Adels ließ Katharina die Große den Moskauer Deckelhumpen des Meisters S.F. um 1770 anfertigen. Stolz prangt der russische Doppeladler auf der vergoldeten Wandung, die von drei Kugelfüßen mit Blattansatz getragen wird (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).
Von adeliger Provenienz ist auch die große St. Petersburger Deckelterrine des Fürsten Orlow. Die ovale Terrine steht auf einem Füßen aus Rocaillen, weist zwei Wappenkartuschen auf und wird von einem plastischen Bären bekrönt. Nicholls & Plincke sind für das 10.000 bis 16.000 Euro teuere Speisegefäß aus den 1860er Jahren verantwortlich. Um 1809 fertigte der Meister, der das Zeichen POMO verwendete, die geschmackvollen St. Petersburger Speiseglocken mit Blattdekor und Adlergriff (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Ein außergewöhnliches Stück in der Art der Firma Fabergé ist die Steinschneidearbeit in Form eines Himbeerzweiges aus Gold, Bergkristall, Rhodonit, Jade und Nephrit um 1900 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Zahlreiche Cloisonné-Objekte, wie die Schale mit Moskauer Kokoschnikkopfpunze von 1908/17 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), und einige Positionen der Firma Fabergé, wie der emaillierte Wodkabecher von Karl Gustaf Hjalmar Armfeldt (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR), runden das russische Sortiment ab.
Die Auktion beginnt am 22. November um 14 Uhr. Die Objekte können bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Katalog ist unter www.dorotheum.com abrufbar. |  | Kontakt: Dorotheum Dorotheergasse 17 AT-1010 Wien |
 | Telefon:+43 (01) 515 60 0 | Telefax:+43 (01) 515 60 443 |  |  | E-Mail: client.services@dorotheum.at |  | Startseite: www.dorotheum.com |
18.11.2010 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Lisa Witte |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 21 | Seiten: 1 • 2 • 3
 Adressen (1) • Kunstwerke (19) • Im Verkauf - Events (1) |  | •  | Bei: Dorotheum
|  | •  | Kunstwerk:  Wassilij Nikitin, Traubenpokal, Moskau 1742 |  | •  | Kunstwerk:  Deckelhumpen, Moskau, 1756 |  |  | •  | Kunstwerk:  Deckelhumpen, Moskau, um 1770 |  | •  | Kunstwerk:  Paar, Speiseglocken, St. Petersburg 1809 |  | •  | Kunstwerk:  Nicholls & Plincke,
Deckelterrine aus dem Besitz des Fürsten Orlow, St. Petersburg 1866 |  |  | •  | Kunstwerk:  Karl Gustaf Hjalmar Armfeldt, Wodkabecher,
1908/17 |  | •  | Kunstwerk:  Andrea Cinelli, Schreibzeug, Perugia 1737/64 |  | •  | Kunstwerk:  Tischbrunnen, Neapel, um 1740 |  |  |
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 Rom, Kaffeekanne, um
1760 |  | Taxe: 24.000 - 28.000 EURO Losnummer: 64 |  |  |  |  |  | 
 Georg Jensen,
Tafelaufsatz, um
1930 |  | Taxe: 3.500 - 5.000 EURO Losnummer: 320 |  |  |  |  |  | 
 Moskau,
Deckelhumpen, 1756 |  | Taxe: 20.000 - 28.000 EURO Losnummer: 366 |  |  |  |  |  | 
 Franz Fischer,
Doppelbuckelpokal,
Nürnberg 1603/29 |  | Taxe: 20.000 - 28.000 EURO Losnummer: 7 |  |  |  |  |  | 
 Louis Comfort
Tiffany,
Mokkaservice,
Tiffany & Co, New York |  | Taxe: 2.000 - 2.800 EURO Losnummer: 316 |  |  |  |  |  | 
 Franz Rumwolf,
Modell des
Vermählungsbrunnen
auf dem Hohen Markt in
Wien, 1872/1922 |  | Taxe: 10.000 - 15.000 EURO Losnummer: 272 |  |  |  |  |  | 
 Moskau,
Deckelhumpen, um
1770 |  | Taxe: 20.000 - 30.000 EURO Losnummer: 368 |  |  |  |  |  | 
 St. Petersburg,
Paar,
Speiseglocken, St.
Petersburg 1809 |  | Taxe: 20.000 - 30.000 EURO Losnummer: 382 |  |  |  |  |  | 
 Perugia, Andrea
Cinelli,
Schreibzeug,
Perugia 1737/64 |  | Taxe: 10.000 - 14.000 EURO Losnummer: 57 |  |  |  |  |  | 
 Karl Gustaf Hjalmar
Armfeldt,
Wodkabecher,
1908/17 |  | Taxe: 15.000 - 18.000 EURO Losnummer: 459 |  |  |  |  |  | 
 Benedikt Clausen,
Deckelhumpen,
Danzig um 1680 |  | Taxe: 18.000 - 24.000 EURO Losnummer: 11 |  |  |  |  |  | 
 Wassilij Nikitin,
Traubenpokal,
Moskau 1742 |  | Taxe: 6.000 - 9.000 EURO Losnummer: 363 |  |  |  |  |  | 
 Simon Wickert,
Deckelhumpen,
Augsburg 1705/09 |  | Taxe: 5.000 - 8.000 EURO Losnummer: 21 |  |  |
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