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Marktberichte |
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Das Heilbronner Auktionshaus Fischer ist wieder in der Glasstadt Zwiesel zur Gast und versteigert dort Waren aus 500 Jahren Glasproduktion  Explosion und Erosion

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 |  | Vasenpaar mit Chinoiseriedekor, Gräflich Buquoysche Glashütten, Georgenthal oder Silberberg, um 1825/30 | |
Tiefrot wie Siegellack schimmert der Glasgrund, auf dem sich goldene chinesische Drachen ringeln und kleine Libellen mit allerlei Schmetterlingen, Mücken und Käferchen elegante Arrangements aus Bambus, Gräsern und exotischen Blüten umschwirren. Zierliche Sternennetzborten komplettieren das Chinoiseriedekor der beiden Vasen aus dem in der Verarbeitung besonders anspruchsvollen und daher seltenen roten Hyalithglas. Sie stammen aus den Gräflich Buquoyschen Glashütten in Südböhmen, die das Patent auf das exquisite Material hielt. In roter Farbe ist es noch seltener als in dem gängigeren Schwarz. Um 1825 bis 1830 entstanden, ist das seltene Vasenpaar mit 7.000 Euro das durch die Experten des Auktionshauses Dr. Jürgen Fischer bei weitem höchst dotierte Stück der 22ten Glasauktion in Zwiesel. Die zerbrechliche Ware verteilt sich auf zehn Kategorien von sehr unterschiedlichem Umfang.
In der Abteilung Zwischengold-, Milch-, Email-, Stein- und Transparentglas finden sich am 2. Juli neben den Hyalithvasen eine vielfach facettierte Judaica-Karaffe vom Ende des 19ten oder beginnenden 20ten Jahrhunderts mit einem farbig gemalten schmalen Fries von Raub- und Beutetieren und einer Inschrift in Jiddisch (Taxe 1.600 EUR) oder ein ebenfalls gegen Ende des 19ten Jahrhunderts entstandener, mit „S.F. Fec.“ signierter Becher mit der Ansicht der Kirche „Maria am Gestade in Wien“ (Taxe 1.200 EUR). Unter dem Schnittglas fällt ein mitteldeutscher Deckelpokal aus der Mitte des 18ten Jahrhunderts auf, den variationsreiche Schliffe und ein goldenes Wappenfeld zieren (Taxe 3.300 EUR). Ein Deckelpokal mit Bacchus und Jagdszene aus Schlesien aus dem 19ten Jahrhundert rezitiert in seiner Umschrift: „Der Edle Reben Safft hat in sich Tod und Leben: Er wehle was du willst, er kann dir beydes geben“ (Taxe 2.500 EUR). Das Formglas wartet mit einem venezianischen Pokal samt blauem Stiel wohl aus dem 17ten Jahrhundert (Taxe 1.900 EUR) und einer Kuriosität auf, einer gläsernen Steinschlosspistole (Taxe 1.600 EUR).
Die große Sammlung des Farbglases enthält als teuerstes Stück einen stellenweise bernsteinfarben lasierten Pokal von August Böhm aus Nordböhmen. Den um 1840 entstandenen schweren Pokal ziert die in Tiefschnitt äußerst fein ausgeführte Darstellung eines Hirsches, der sich auf einer Waldlichtung verzweifelt den Angriffen einer ihn attackierenden Hundemeute zu erwehren sucht (Taxe 2.200 EUR). Friedlich-heiteren Charme versprüht hingegen ein vielteiliges, böhmisches oder schlesisches Bowleservice aus der Mitte des 19ten Jahrhunderts. In weiß-gold-transparentem Farbklang wartet es, dekoriert mit Bouquets von heimischen Gartenblüten in bunter Emailmalerei, auf seinen Einsatz bei fröhlichen Festen. Anlass zu manch heiterem Ratespiel mag die kundige Zuordnung der botanisch korrekt dargestellten Blumen geben (Taxe 1.700 EUR).
Die um 1860 entstandene Prunkkanne aus österreichisch-ungarischer Herkunft tritt prächtig und zeremoniell auf. Das rubinfarbig unterfangene Glas des bauchigen Gefäßes bedecken feine ornamentale Golddekors mit einem Schwanenpaar in einer zentralen Kartusche. Ein weiterer Schwan, der einer sich flink davon schlängelnden Eidechse nachstellt, bildet die Bekrönung des Deckels, der ebenso wie der Stand und ein Besatz am Karaffenhals aus vergoldetem Silber mit Emaileinsätzen besteht. Ranken- und Gitterornamente werden hier durch farbige Steine prachtvoll akzentuiert (Taxe 1.100 EUR). Weiterhin reich ist die Historismus-Abteilung besetzt, etwa mit einer Zwillingsschwester der Vase, die als Teil der Lobmeyr-Kollektion für die Weltausstellung 1878 in Paris entstand. Ein markantes Dekor aus Nelkenzweigen in arabisch anmutender Stilisierung bedeckt als pastose Emailmalerei mit Goldkontur die von Meyr’s Neffe produzierte Doppelhenkelvase aus rauchfarbenem Glas (Taxe 2.800 EUR).
In die gleiche Preisklasse wird eine um 1880 entstandene grüne Karaffe mit sechs Fußbechern und der Signatur „F.P. Emberton“ eingeordnet, die ornamentale Emailmalereien mit üppigen Ranken und charakteristischen Maskerons zieren. Auf dem großen Humpen aus der Gräflich Harrachschen Glasfabrik in Neuwelt von 1870/80 wird die Formensprache der altbekannten Akanthusranke in vertikal verlaufende Weinblattranken mit prallen Reben übersetzt. Dazwischen eingesetzte Medaillons zeigen fleißige Heinzelmännchen mit attributiven Winzerwerkzeugen. Unterhalb des vergoldeten Lippenrandes gibt ein Spruchband einen launigen Trinkspruch „der liebste Buhle den ich hab’ der liegt beim Wirth im Keller, er hat ein hölzern Röcklein an u. heißt der Muskateller!“ zum Besten (Taxe 2.300 EUR). Ein Stiel in Form eines lang gezogenen gewundenen Fisches balanciert in prekär erscheinendem Gleichgewicht die Kuppa des verspielten türkisfarbenen Pokals der Rheinischen Glashütten-Actien-Gesellschaft in Köln-Ehrenfeld. Das zierliche Objekt entstand um 1888 und greift alte venezianische Formen auf (Taxe 1.700 EUR). Nicht minder originell, dabei jedoch etwas handfester kommt der Ringhumpen aus demselben Hause von 1886 daher. In 48 Ösennuppen, welche Wandung und Deckel des antikgrünen Humpens bedecken, sind gedrehte Metallringe eingehängt (Taxe 1.300 EUR).
Die bei weitem größte Sammlung ist wie üblich die der Glaskunst von Jugendstil und Art Déco. Daum Frères treten unter anderem mit der gefleckten Vase mit bittersüßem Nachtschatten um 1918/25 an. Der den Vasenkörper umspannende Blütenzweig des symbolträchtigen Gewächses wurde in Emailmalerei aufgetragen (Taxe 3.700 EUR). Hoch dotiert sind weiterhin die etwas rückständige Vase mit Fuchsienzweigen aus der Zeit um 1927 mit einer Henkelmontierung aus versilbertem Kupfer (Taxe 2.400 EUR), eine betont hohe schlanke Vase, entstanden um 1903, mit einem Dekor von Feuerlilien (Taxe 2.300 EUR) und ein orangefarbenes Exemplar mit auf klare Grundformen reduziertem wie rhythmisiertem vegetabilem Fries um 1930 im neuen Stil des Art Déco (Taxe 1.600 EUR).
Emile Gallé wartet etwa mit einer auf 3.600 Euro geschätzten Vase mit Eichenlaub in Grün- und Brauntönen aus der Zeit um die Jahrhundertwende auf, einer kugeligen türkisblauen Doppelhenkelvase mit Weinblattdekor und vergoldetem Rankenfries um 1895 (Taxe 2.700 EUR) oder mit der frühen, eher grafisch gestalteten Vase mit Gottesanbeterin und Chrysanthemen, entstanden um 1880/1885 (Taxe 2.500 EUR). Mit Grüßen aus dem Reich der Insekten erfreut auch die längliche Schale mit Hirschkäfer nach einem Entwurf von Henri Bergé für Amalric Walter aus den 1920er Jahren (Taxe 1.400 EUR). Auf 2.500 Euro wird die extravagante langhalsige Vase „Amourettes“ aus den Verreries Schneider geschätzt, die zwischen 1918 und 1933 entstand und ein Ätzdekor von stilisiertem Schlangenholz trägt.
Auch österreichische und deutsche Produkte machen sich bemerkbar. Johann Lötz Witwe tritt mit der apart gefleckten Vase „Tricolor“ um 1900 mit Zinnmontierung der Firma F. van Hauten Sohn aus Bonn an (Taxe 2.000 EUR) oder mit der Vase „Orange Phänomen GRE 6893“ von 1898 mit irisiertem Wellendekor bei (Taxe 2.200 EUR). Perlmuttartig schimmern die Vasen „Phänomen GRE 6893“ mit floraler Metallmontierung, um 1899 gefertigt für E. Bakalowits Söhne, und die Vase „Titiana Orangeopal mit Blattgrün“ von 1906 (Taxe je 1.700 EUR). Mit dem Entwurf für einen transparenten Deckelpokal mit verspielter Emailmalerei für Joh. Oertel & Co. wartet 1915 die Glasfachschule Haida auf (Taxe 1.600 EUR). Josef Emil Schneckendorf ist mit einer in Rosttönen irisierten Vase von 1907/09 vertreten, die federartige abstrakte Motive trägt (Taxe 2.200 EUR). Eine weitere ostasiatisch inspirierte Vase mit Golddekor auf rotbraunem Grund stammt aus der Hand Josef Riedels um 1900 (Taxe 1.700 EUR).
Das überschaubare Angebot an Stängelgläsern bietet zum Schätzpreis von je 1.100 Euro ein mit Kobaltblau verziertes Glas mit markant geformtem Schaft von Meyr’s Neffe aus der Zeit um 1910 und ein weiteres Stück nach den Ideen von Karl Massanetz für Lobmeyr um 1914 mit fein ausgezeichneten Ornamentfeldern in Schwarz auf transparentem Grund. Originell präsentiert sich ein Ensemble aus vier „Wendegläsern“ für den doppelten Genuss von Schaumwein, um 1890 hergestellt bei Ludwig Moser. Je nach Art der Aufstellung kann jedes der farbig unterfangenen Gläser mit Golddekor wahlweise als Sektschale wie auch als -flöte genutzt werden.
Neben den obligaten Vasen bietet die Abteilung Glas nach 1930 und Studioglas allerlei verschiedenartige Objekte mit großteils im unteren dreistelligen Bereich angesiedelten Taxen. Muranoglas liegt preislich an der Spitze mit der bunt karierten Vase „Pezzato“ nach dem um 1950 entstandenen Entwurf von Fulvio Bianconi (Taxe 3.700 EUR) und einem Paar in sich gewundener goldfarbener Tischleuchter von Barovier & Toso aus dem frühen 20ten Jahrhundert mit originalen Klebeetiketten der Manufaktur (Taxe 1.800 EUR). Seeigel und Muscheln standen Pate für die schwarzroten „Seaforms“ von Dale Chihuly aus dem Jahr 1991 (Taxe 1.900 EUR). Die Stangenvase von Pavel Hlava aus dem Jahr 1968 charakterisieren farblich hervorgehobene saugnapfartige Einbuchtungen (Taxe 1.700 EUR). Eine Explosion inspirierte Vera Lisková im selben Jahr zu ihrer abstrakten Skulptur aus transparentem Glas (Taxe 1.000 EUR). Milan Handl betitelte seine 1989 entstandene Plastik aus grünem und blauem, aufgebrochenem Glas mit „Erosion“ (Taxe 1.400 EUR).
Die Auktion beginnt am 2. Juli um 10 Uhr in der ehemaligen Mädchenschule, Kirchplatz 3, in Zwiesel. Dort findet auch die Besichtigung am 29. Juni von 15 bis 17 Uhr sowie am 30. Juni und 1. Juli von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr statt. Der Katalog ist im Internet unter www.auctions-fischer.de abrufbar. |  | Kontakt: Dr. Jürgen Fischer Heilbronner Auktionshaus Elbinger Straße 11 DE-74078 Heilbronn |
 | Telefax:+49 (07131) 15 55 720 | Telefon:+49 (07131) 15 55 70 |  |  | E-Mail: info@auctions-fischer.de |  | Startseite: www.auctions-fischer.de |
29.06.2011 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Susanne Prein |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 44 | Seiten: 1 • 2 • 3 • 4 • 5
 Adressen (1) • Kunstwerke (42) • Im Verkauf - Events (1) |  | •  | Bei: Dr. Jürgen Fischer Heilbronner
Auktionshaus |  | •  | Kunstwerk:  Josef Emil Schneckendorf, Vase, Darmstadt 1907/09 |  | •  | Kunstwerk:  Deckelpokal, Fachschule Haida, um 1915 |  |  | •  | Kunstwerk:  Vase „Titania Orangeopal mit Blattgrün“, Lötz
Witwe, Klostermühle 1906 |  | •  | Kunstwerk:  Vase „Titania Maigrün mit Rosa GRE 2534“, Lötz Witwe,
Klostermühle 1906 |  | •  | Kunstwerk:  Vase „Titania Maigrün mit Rosa GRE 2534“, Lötz Witwe,
Klostermühle 1906 |  |  | •  | Kunstwerk:  Vase „Orange Phänomen GRE 6893“, Lötz Witwe, Klostermühle 1898 |  | •  | Kunstwerk:  Vase „Phänomen GRE 6893“, Lötz Witwe, Klostermühle um 1899 |  | •  | Kunstwerk:  Vase „Tricolor“, Lötz Witwe, Klostermühle 1900 |  |  |
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 August Böhm, Pokal
mit Hirschjagd,
Nordböhmen um 1840 |  | Taxe: 2.200,- EURO Losnummer: 226 |  |  |  |  |  | 
 Rheinische
Glashütten-Actien-Gesellschaft,
Pokal,
Köln-Ehrenfeld um
1888 |  | Taxe: 1.700,- EURO Losnummer: 376 |  |  |  |  |  | 
 Meyr’s Neffe,
Stängelglas, Adolf
bei Winterberg um
1910 |  | Taxe: 1.100,- EURO Losnummer: 731 |  |  |  |  |  | 
 Emile Gallé, Vase mit
Gottesanbeterin und
Chrysanthemen,
Nancy um 1880/85 |  | Taxe: 2.500,- EURO Losnummer: 441 |  |  |  |  |  | 
 Deckelpokal,
Fachschule Haida, um
1915 |  | Taxe: 1.600,- EURO Losnummer: 593 |  |  |  |  |  | 
 Verreries d’Art
Lorrain, Vase mit
Fuchsienzweigen,
Croismare um 1927 |  | Taxe: 2.400,- EURO Losnummer: 433 |  |  |  |  |  | 
 Emile Gallé,
Doppelhenkelvase
mit Weinblattdekor,
Nancy um 1895 |  | Taxe: 2.700,- EURO Losnummer: 443 |  |  |  |  |  | 
 Josef Riedel, Vase,
Polaun um 1900 |  | Taxe: 1.700,- EURO Losnummer: 622 |  |  |  |  |  | 
 Daum Frères, Daum
Frères, Vase, Nancy
um 1930 |  | Taxe: 1.600,- EURO Losnummer: 474 |  |  |  |  |  | 
 Rheinische
Glashütten-Actien-Gesellschaft,
Ringhumpen,
Köln-Ehrenfeld 1886 |  | Taxe: 1.300,- EURO Losnummer: 375 |  |  |  |  |  | 
 Karaffe mit Stöpsel,
19./20. Jahrhundert |  | Taxe: 1.600,- EURO Losnummer: 181 |  |  |  |  |  | 
 Dale Chihuly,
Seaforms, 1991 |  | Taxe: 1.900,- EURO Losnummer: 865 |  |  |
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