Gotthard Graubner trifft Josef Albers in Bottrop Mit Gotthard Graubners grandiosen Farbbildern wird jeder von uns unfreiwillig des Öfteren konfrontiert. Kein Geringerer als der Bundespräsident Richard von Weizsäcker ließ den großen Empfangssaal seiner Berliner Residenz Schloss Bellevue in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre mit einer Serie wandfüllender Werke des Malers ausstatten. Bis heute bilden sie einen einprägsamen, aber dezenten Hintergrund für Staatsbesuche oder Medienkonferenzen. Nicht allzu weit entfernt, im Bundestagsgebäude, beherrscht ebenfalls ein stattliches Werk Graubners einen Empfangssaal. Dies lässt ihn zu einem beachteten Repräsentanten deutscher Kunst werden, so wie es für eine andere Epoche auch Josef Albers ist. Beide treten nun im Bottroper Josef Albers Museum in einen künstlerischen Dialog.
Beider Gemeinsamkeit liegt im Bestreben, farbliche Effekte auszuloten. Dabei beschreiten sie jeweils eigene Wege, bedingt durch divergente historische Ausgangspositionen sowie persönliche Vorlieben. Gotthard Graubner arbeitet mit Leinwänden, die er mit synthetischer Watte unterfüttert und so in den Raum ausbaucht. Darauf werden lasierende Farben aufgetragen. Früher verwendete Gotthard Graubner Ölfarben, gesundheitsbedingt nutzt er heute verwässerte Acrylfarben, die, in Schüben aufgetragen, in die Kissen einsinken und so mittels variierender Intensität Körperhaftes suggerieren. Die Wand wird zum Bild. Ein Verschieben der Mitte steigert die Dynamik. Graubners Konzept, das eine Aufspaltung der Töne in feine Modulationen beinhaltet, entwickelt der 81jährige Maler weniger im Austausch mit der Gegenwart als im Dialog mit älteren Meistern der Farbe, insbesondere Grünewald, Tizian, El Greco und Cézanne.
Den lebendigen, teils romantisch ausformulierten Klängen Graubners stehen sieben Bilder von Josef Albers gegenüber, die keinerlei persönliche Handschrift offenbaren. Albers verknüpft drei oder vier Farben neutral miteinander und überlässt die Zusammensetzung den Augen der Betrachter. Bei längerem Hinsehen entfalten seine Bilder ein unberechenbares Spiel. „Farbe ist das relativste Medium der Malerei und in der Welt überhaupt“, soll der Bauhaus-Lehrer einmal zu Protokoll gegeben haben, dessen Werke vor pädagogischem Hintergrund bewertet werden müssen. Dagegen fußt Graubners Umgang mit der Farbe auf gestischen Prägungen des Informel. Sein ältestes Exponat „Schwebende Zeichen“ aus dem Jahr 1956 verharrt klar in dieser Tendenz. Über 55 Jahre spannt sich dann der zeitliche Bogen mit 32 Werken bis hin zu extra für den großen Oberlichtsaal des Museums anlässlich dieser Ausstellung angefertigten fünf hellen großformatigen Arbeiten, darunter „pra chan I, II, III“ aus dem Jahr 2011. Die sehr hellen, wässrigen Bilder scheinen für das Haus wie geschaffen.
Die Ausstellung „Gotthard Graubner. Gespräch mit Josef Albers“ ist bis zum 15. Januar 2011 zu besichtigen. Das Josef Albers Museum hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags schon ab 10 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zur Ausstellung wird noch ein Katalog zum Preis von 34 erscheinen.
Josef Albers Museum – Quadrat Bottrop
Im Stadtgarten 20
D-46236 Bottrop
Telefon: +49 (0)2041 – 29 716
Telefax: +49 (0)2041 – 22 578 |