Peter Beye feiert seinen 80sten Geburtstag  |  | Peter Beye feiert seinen 80sten Geburtstag | |
Am kommenden Sonntag kann Peter Beye auf 80 Lebensjahre und ein erfülltes Wirken als Museumsmann zurückblicken. Immerhin war der 1932 in Berlin geborene Kunsthistoriker 25 Jahre lang Direktor der Staatsgalerie Stuttgart. Nach seinem Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Christlichen Archäologie, das er mit der Promotion über den italienischen Frührenaissance-Maler Cimabue 1957 abschloss, war Beye bis 1960 zunächst als wissenschaftlicher Volontär und freier wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München tätig. Dann wechselte er nach Stuttgart und blieb dem Haus bis zur seiner Pensionierung im Jahr 1994 verbunden. Bis 1969 war Beye als Hauptkonservator der Staatsgalerie beschäftigt und übernahm in März jenes Jahres die Direktion in der Nachfolge von Erwin Petermann.
Unter seiner Leitung entwickelte sich die Stuttgarter Staatsgalerie zu einem der führenden Museen moderner Kunst in Deutschland. Wie schon sein Vorgänger erweiterte Peter Beye die Sammlung zielstrebig und konnte dank erheblicher Zuwendungen aus Lotto- und Totomitteln sowie der Museumsstiftung Baden-Württemberg gerade im Bereich der Klassischen Moderne wichtige Werke hinzukaufen. So gelangten etwa Henri Matisses „Rücken“ von 1909/30, Constantin Brancusis „Torso“ von 1912, Pablo Picassos „Badende“ von 1956 und Paul Klees „Vierteiliger Palast“ von 1933 in die Staatsgalerie, ebenso Piet Mondrians „Komposition im Quadrat“ von 1922 und Max Beckmanns „Reise auf dem Fisch“ von 1934. Ganze Sammlungsbereiche wie Dadaismus und Surrealismus, darunter Giorgio de Chiricos „Metaphysisches Interieur mit großer Fabrik“ von 1916, kamen hinzu.
Um die damals aktuellen Positionen hat sich Peter Beye ebenfalls gekümmert. Die Rauminstallation von Joseph Beuys in der Neuen Staatsgalerie, Andy Warhols „White Desaster I“ von 1963 und Barnett Newmans „Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue II“ von 1967 runden seine Ankaufstätigkeit ab. Zählt man noch die Spitzenerwerbungen italienischer Barockbilder von Giovanni Paolo Panini, der Frühitaliener sowie der niederländischen und altdeutschen Malerei mit Hans Memling und Bernhard Strigel hinzu, so haben sich die Bestände des Museums unter Peter Beye um mehr als ein Drittel erweitert.
Auch die Erweiterung um die Neue Staatsgalerie von James Stirling fiel in seine Amtszeit. Mit der Eröffnung des international gelobten postmodernen Baus im Jahr 1984 wurden Präsentationen von größeren Wechselausstellungen möglich. Peter Beye initiierte Eigenproduktionen wie auch Kooperationen mit in- und ausländischen Museen und Ausstellungshäusern, die mit Salvador Dalí oder Alberto Giacometti der Klassischen Moderne und mit Ad Reinhardt oder Daniel Buren der zeitgenössischen Kunst gewidmet waren. Sie standen durchweg im Einklang mit Struktur und Gewichtung der museumseigenen Sammlung.
Außerhalb der Tätigkeit für sein Stuttgarter Haus gehörte Peter Beye von 1970 bis 1994 zum Ausschuss für deutsche Kunstausstellungen im Ausland beim Auswärtigen Amt und war von 1987 bis 1994 Vorsitzender der Museumskommission im Beirat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst, zu dem er das Großen Bundesverdienstkreuz erhielt, stand er beratend beim Aufbau verschiedener Unternehmungssammlungen, etwa für die Deutsche Bank, zur Verfügung und hat 2002 gemeinsam mit Felicitas Baumeister den Werkkatalog der Gemälde von Willi Baumeister herausgegeben. |