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Das flanierende Paar / Max Stern

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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Kunst und Antiquitäten bei Nagel in Stuttgart

Herrschaftliches Silber



Philipp Jakob Drentwett VI, Philipp Jakob Drentwett VI., Deckelterrine, Augsburg 1722/26

Philipp Jakob Drentwett VI, Philipp Jakob Drentwett VI., Deckelterrine, Augsburg 1722/26

Bunt wie immer ist die Mischung aus alter Kunst und Antiquitäten, die das Stuttgarter Auktionshaus Nagel für seine kommende Versteigerung am 6. Juni arrangiert hat. Wenngleich auf Malerei und Skulptur ein gewisses Schwergewicht liegt, kommen die Kunsthandwerker keineswegs zu kurz. Gewohnheitsmäßig machen sie den Auftakt in dem Haus an der Neckarstraße, und gelegentlich hegt man hier hohe Erwartungen, etwa wenn es um eine herrschaftliche barocke Deckelterrine des Augsburger Meisters Philipp Jakob Drentwett VI. aus den 1720er Jahre geht, für die Nagel nicht weniger als 50.000 Euro veranschlagt hat. Oder im Fall eines historistischen Tafelaufsatzes im Stil des Neobarock, den das Auktionshaus um 1899/1908 nach St. Petersburg in die Firma von Carl Fabergé lokalisiert. 20.000 Euro stehen auf dem Etikett. Für einen fetischartigen Jugendstilaufsatz Friedrich Pöhlmanns von 1908, unter anderem mit Steinbockhörnern und einem bekrönten Frauenakt, werden 15.000 Euro erwartet, ebenso viel wie für einen prächtigen Pinzgauer Stubenschrank, der trotz der späten Datierung 1785 noch die verspielten Formen des Rokoko präsentiert.


Eine dichtere Folge heißer Wettkämpfe versprechen aber wohl doch die Gemälde Alter und Neuerer Meister. Preislich rangieren die kostbarsten Tafeln und Leinwände meist im niedrigen fünfstelligen Bereich wie die rundbogige Darstellung „Moses und die eherne Schlange“ des Münsteraner Renaissancemalers Hermann tom Ring (Taxe 10.000 EUR), eine Anbetung des Christusknaben im Blumenkranz wohl von Andries Daniels (Taxe 30.000 EUR), ein großes Kücheninterieur mit Dame und Dienstmagd, das dem 1645 in Frankfurt verstorbenen Jeremias van Winghe zugeschrieben wird (Taxe 28.000 EUR), oder Pieter de Grebbers Allegorie des Geschmacks für 13.000 Euro. Einer Gruppe Antwerpener Bilder des frühen 16ten Jahrhunderts, deren Schöpfer bisher nicht ermittelt werden konnten, lässt sich eine hübsche Madonna zuordnen. Der Notname „Meister mit dem Papagei“ bezeichnet den kennzeichnenden Vogel für diese Gemälde, den das Christuskind auch im vorliegenden Fall auf dem Finger hält (Taxe 15.000 EUR).

Unter den Landschaften ragt Claes Dircksz van der Hecks weiter Blick vom Gebirge aus ins Flusstal mit zwei offenbar blinden Jakobspilgern hervor, der deutlich die Schulung an der Kunst Josse de Mompers d.J. verrät (Taxe 18.000 EUR). Stilistisch an Jan Brueghel d.Ä. lehnt sich eine auf Alexander Keirincx verweisende Waldlandschaft mit der Ruhe auf der Flucht nach Ägypten an (Taxe 18.000 EUR). Willem van Diest und der eine Generation jüngere Ludolf Backhuysen bedienen mit zwei Panoramen aufs weite Meer die Verehrer der maritimen Malerei in der aufstrebenden holländischen Seemacht des 17ten Jahrhunderts (Taxen 14.000 und 22.000 EUR). Den Betrachter versetzt Jan Blom in den Schatten einer italienischen Villa und hat bei strahlend blauem Himmel dort zudem eine muntere Jagdgesellschaft im Garten versammelt (Taxe 20.000 EUR). Auch Johannes Lingelbach gehörte zu den italianisanten Malern Nordeuropas. Ein reges Marktreiben auf dem Platz einer südlichen Stadt soll von ihm stammen (Taxe 14.000 EUR). Als teuerstes Werk der Altmeister tritt bei 50.000 Euro eine dörfliche Bauernkirmes Claes Molenaers an, die mit anderthalb Metern Breite überdies zu den größten Formaten des Haarlemer Meisters rechnet.

Auf italienischer Seite beeindrucken zwei alttestamentliche Szenen mit Beziehung auf den König Salomo, die vermutlich der Römer Giovanni Stanchi gegen Mitte des 17ten Jahrhunderts mit prächtigen Blumengirlanden versah (Taxe 24.000 EUR). Auch manch Namenloser kann sich sehen lassen, zum Beispiel ein Caravaggist des frühen 17ten Jahrhunderts vielleicht aus dem Umkreis des Neapolitaners Giovanni Battista Caracciolo, der mit sicherem Pinsel und Sinn für Humor zwei Bauern beim genüsslichen Pastaessen zeigt, derweil sie von einem Straßenjungen um ihre Wertgegenstände erleichtert werden (Taxe 15.000 EUR). Frankreich ist durch eine Limosiner Emailplakette auf Kupfer aus dem frühen 16ten Jahrhundert vertreten. Die Darstellung der Geißelung Christi basiert allerdings unmittelbar auf einem Kupferstich des oberrheinischen Malers und Grafikers Martin Schongauer (Taxe 25.000 EUR). Keine Zuordnungsprobleme bereitet ein Duo allegorischer Landschaften, die den Frühling und den Herbst als eine Huldigung an Flora und als Bacchusfest deklarieren: Die Leinwände sind von Johann Thomas Christian Winck signiert und 1769 datiert (Taxe 35.000 EUR).

Im 19ten Jahrhundert dominiert Landschaftliches wie Christian Malis 1869 gemalte Idylle einer holländischen Uferpartie mit heimkehrender Schafherde (Taxe 12.000 EUR), Oswald Achenbachs „Abendstimmung am Golf von Neapel“ für günstige 9.000 Euro sowie Pietro Baruccis stark querformatige und zwei Meter breite Campagna-Ebene ebenfalls im Licht der untergehenden Sonne für 13.000 Euro. In die russischen Weiten entführen Serhij Iwanowytsch Switoslawskyjs Reiter und Pferdefuhrwerk in weiter Steppe (Taxe 15.000 EUR) sowie der Frankfurter Wilhelm Amandus Beer, dessen 1886 datierter Karton den umständlichen Titel trägt: „Vor der Jagd auf Ellenthiere. Bauern erhalten ihre Instruktionen als Treiber vom Gutsherren im Gouv. Smolensk“. In Boettichers berühmten „Malerwerken des neunzehnten Jahrhunderts“ ist das Breitformat sogar abgebildet (Taxe 29.000 EUR). Nichtlandschaftliche Ausnahmen sind ein aus breiten Pinselstrichen gefügtes Entenbild Alexander Koesters (Taxe 28.000 EUR) und das anmutige Portrait eines jungen Mädchens mit weißem Kleid, blumengeschmücktem Strohhut und Sonnenschirm von dem Franzosen Léon-Jean-Basile Perrault für 25.000 Euro.

Im Skulpturensaal brillieren neben einigen spätgotischen Arbeiten wie zwei Apostelbüsten des oberbayerischen „Meisters von Rabenden“ (Taxe 15.000 EUR) zwei Arbeiten der Renaissance. Zunächst ist das eine rund 25 Zentimeter hohe Bronze mit der Darstellung des Kampfes zwischen Herkules und Antaeus, dessen übermenschliche Kraft erst dann versiegt, wenn seine Füße die Bodenhaftung verlieren. Bartolomeo Bellano aus Padua wird diese durchaus gelungene Version eines häufig dargestellten Themas zugewiesen (Taxe 25.000 EUR). Süddeutscher oder Tiroler Herkunft sind zwei schildhaltende Bronzelöwen des 16ten Jahrhunderts (Taxe 18.000 EUR). Zu den bemerkenswertesten Zeichnungen zählt eine Bleistiftskizze, die in engem Zusammenhang mit dem Fresko „Verkauf des Josef“ des deutschrömischen Nazareners Johann Friedrich Overbeck steht und wohl auch von diesem stammt (Taxe 2.200 EUR). Für 4.800 Euro entwirft Hermann Pleuer 1904 eine Sicht auf den Stuttgarter Bahnhof mit einfahrenden Dampfloks bei Regen.

Die Auktion beginnt am 6. Juni um 9:30 Uhr. Die Vorbesichtigung findet vom 1. bis zum 4. Juni tätlich von 11 bis 18 Uhr statt.

Kontakt:

Nagel Auktionen

Neckarstraße 189-191

DE-70190 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 649 69 696

Telefon:+49 (0711) 64 96 90

E-Mail: contact@auction.de



01.06.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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