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Marktberichte |
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Das Auktionshaus Fischer versteigert eine große Bandbreite an Glas in Zwiesel  Nabel der Glaskunst

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 |  | Friedrich Egermann, Lithyalinbecher, um 1830/35 | |
Mit seiner fast 700jährigen Tradition ist die kleine niederbayerische Stadt Zwiesel ein Zentrum der Glaskunst. Viele kleine und große Glasbetriebe reihen sich hier aneinander. Für Freunde des Glashandwerks gibt es dieses Jahr nicht nur eine Kunstausstellungen, eine Modenschau und eine Glasmesse, sondern auch die Versteigerung des Auktionshauses Dr. Fischer. Der Heilbronner Auktionator ruft am 7. Juli über 900 Lose in dem Städtchen im Bayerischen Wald auf. Er startet mit knapp 80 Formgläsern, also Objekten, die direkt am Ofen vollendet werden und nicht noch durch Glasur, Schliff oder Bemalung verziert werden. Zu dieser Kategorie gehören die Nabelflaschen, die vor allem im alpenländischen Bereich gefertigt wurden. Das grüne, längsoptisch geblasene Glas mit Abriss und mittig beidseitig eingestochenem Nabel aus dem 18ten Jahrhundert soll zwischen 2.000 bis 2.500 Euro einbringen. Ihr blaues Pendant mit etwas gekrümmten Hals steht bei 1.500 bis 2.500 Euro und eine gleichaltrige braune Schnapsflasche, diesmal ohne Nabel, bei 2.500 bis 3.500 Euro.
Ein Passglas aus dem Kaufunger Wald ist aus gelblichgrünem Glas mit Abriss gefertigt, zusätzlich hat der Glasbläser um 1700 die schlanke zylindrische Wandung mit sechs umlaufend aufgelegten gekniffenen Fäden versehen (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR). Noch größere Kunstfertigkeit musste der Handwerker bei einem rauchfarbenen Pokal aus dem 17ten Jahrhundert beweisen. Das einst streng geheim gehaltene Wissen der venezianischen Glasbläser drang doch in die nördlichen Teile Europas vor und ermöglichte dort die Produktion von Gläsern à la façon de Venise. Die dünnwandige trichterförmige Kuppa wird von einem schräg gerippten mehrfach eingeschnürten Hohlschaft getragen, der auf einem Scheibenfuß steht (Taxe 2.300 bis 2.800 EUR). Ein Flügelglas stammt aus der gleichen Zeit und verlangte dem Mann am Ofen mit dem schlangenartig gewundenen spiralförmig gedrehten Fadenfuß mit applizierten waffelartig gekniffenen Flügeln in kobaltblauem Glas viel Geschick ab (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR).
Ein Pokal aus Goldrubinglas strahlt für 5.000 bis 8.000 Euro. Der hochgezogene Scheibenfuß trägt über dem Balusterschaft mit Nodi eine glockenförmige Kuppa. Der Meister schuf das Stück mit Bordüren aus Rundbögen, Lanzetten und Olivschliffreihen in Zechlin um 1740. Figürliches Schliffdekor ist auf dem seltenen Becher aus der zweiten Hälfte des 17ten Jahrhunderts zu bewundern. Auf der geweiteten Wandung hat der Meister des Koulabechers in feinem, poliertem Tiefschnitt Aphrodite und Hermes in einer engen Umarmung, auf der Rückseite ein pralles Fruchtgebinde graviert (Taxe 4.000 bis 4.500 EUR). Die Abteilung mit Schnittgläsern hat vier wertvolle Deckelpokale zu bieten. Das mit 2.500 bis 3.500 Euro teuerste Exemplar stammt aus dem ersten Viertel des 18ten Jahrhunderts. Das böhmische Glas erhebt sich über einem Scheibenfuß, einem spiralförmig gerippten und mit eingeschmolzenen Goldrubinfäden dekorierten Schaft. Die glockenförmige Kuppa ziert ein breites mattiertes Band mit eingeschnittenem Blatt- und Blütendekor. Ein Nürnberger Hohlbalusterpokal für 1.500 bis 1.800 Euro datiert in die derselbe Zeit. In Relation zu der schmalen Kuppa mit bekröntem Spiegelmonogramm zwischen Palmzweigen und umlaufend floraler Girlande wirkt der Schaft zwischen Ringscheiben und Hohlpuffern sehr mächtig.
Bei dem wohl sächsischen Deckelpokal um 1740 sind die Proportionen zwischen Balusterschaft und Kuppa mit tief geschnittenem und partiell geblänktem Dekor einer Jagdszene mit Reiter, Treiber, Hund, Fuchs und Hase in baumbestandener Landschaft mit Kirchdorf besser verteilt (Taxe 2.500 bis 2.800 EUR). Der seltene Deckelpokal aus der Zechliner Hütte des ersten Drittel des 19ten Jahrhunderts weist ein aufwendiges Dekor mit Strahlenschliff und hochgeschliffenen Spitzbogenfeldern auf und präsentiert mittig eine vielfigurige Szene mit Soldaten und Militärkapelle (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR). Die Henkelkaraffe in Form einer Lekythos mit der Apotheose dreier antikisierender weiblicher Figuren und zweier Putten mit Fackeln produzierte Franz Ullmann aus Steinschönau um 1880/90 für das Wiener Handelshaus J. & L. Lobmeyr (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR).
Der Humpen eines Metzgers von 1748 stammt wahrscheinlich aus dem Fichtelgebirge und schildert in bunten Emailfarben, wie ein Fleischer unter der Mithilfe seiner Frau mit einem Beil einen Ochsen betäubt. Mit dem Emblem der Metzgerzunft auf der Rückseite und dem Floraldekor mit Maiglöckchen wird der Humpen bei 1.500 bis 2.500 Euro aufgerufen werden. Die Flasche mit Zinnschraubverschluss aus Deutschland oder Böhmen des 17ten Jahrhunderts besteht aus amethystfarbenem Glas, einer achtpassigen Wandung mit Streifen-, Strich- und Zick-Zack-Muster in Gold, Weiß und eisenroter Emailmalerei (Taxe 6.000 bis 9.000 EUR). Ein Becher mit Chinoiserien wird Ignaz Preissler aus der Kronstadt in Böhmen um 1730 zugeschrieben. Fischer setzt das manganstichige Glas mit vielfach facettierter Wandung sowie Rankenwerk, Architektur- und Landschaftskulisse samt Kutsche in teils transparent gemaltem, nadelradiertem Schwarzlot bei 2.500 bis 4.500 Euro an.
Das 19te Jahrhundert steuert einen seltenen Portraitbecher im Etui für 3.000 bis 5.000 Euro bei. Das Milchglas zieren florale Bordüren und Portraitmedaillons der Feldmarschälle Loudon und Daun, die Unterseite ein auf radierter Goldfolie aufgetragenes Brustbild der Kaiserin Maria Theresia (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Der Wiener Glas- und Porzellanmalers Anton Kothgasser steuert drei Ranftbecher bei. Als Zeichen der Freundschaft malte um 1820 in das von Blattzweigen und Rosettenblüten gerahmte Feld ein Mädchen auf einer Anhöhe, das auf einen Felsen „Souvenir fragile d’une amitiè durable“ schreibt (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR). Der Ranftbecher mit dem heiligen Stephan und dem ungarischen Wappen liegt preislich höher bei 3.000 bis 4.000 Euro, der Ranftbecher „Le respect“ mit einem eine Weihrauchampel schwenkenden Engel bei 3.500 bis 4.500 Euro.
Für den Lithyalinbecher von Friedrich Egermann aus Blottendorf oder Haida, der in der Harrachschen Hütte bei Neuwelt um 1830/35 gefertigt wurde, sind 4.000 bis 6.000 Euro angesetzt. Der leicht eingezogene sechsfach facettierte Körper ist auf seinem transparent grünen Glas mit sechs Kartuschen in gezackter Goldumrandung verziert. Der Schriftzug „Amitie“ umspannt das Gefäß in Gold. Hingucker unter den Pastengläsern ist die Aufsatzschale der Cristalleries de Clichy um 1850 für 3.500 bis 4.500 Euro. Den Scheibenfuß ziert ein Kranz aus Clichy-Rosen und blauen Blütencanes, die Schale ist mit einer eingeschmolzenen Rosette aus verschiedenen Blütenbändern verschönert, um den Fuß- und Schalenrand spannt sich ein rot-grüner Spiralfaden.
Teuere und schöne Stücke hat auch die Abteilung Jugendstil und Art Déco zu bieten. Für die graubraune Pâte de verre-Vase mit violettem Früchtefries von Gabriel Argy-Rousseau aus dem Jahr 1922 sind 3.500 bis 4.500 Euro kalkuliert. Für Daum Frères geht eine seltene Deckeldose aus Nancy um 1898 ins Rennen. Das umlaufende Banddekor hat erhabene und vertieft geätzte, mit Poliergold und rotbraunem Email bemalte Blütenmotive. Dieses Dekor passt gut zu der vergoldeten floralen Silbermontierung (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR). Zudem stellen Daum Frères eine bauchige Vase um 1900, die hellgrün unterfangen und blau überfangen ist. Auf dem schuppigen Grund läuft ein flach reliefierter geätzter Dekor aus Distelzweigen und einem kleinen Falter(Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Stangenvasen aus Nancy haben noch ambitioniertere Preise. Der Entwurf von Henri Bergé um 1910 setzt auf dem schlanken farblosen Glas eine hochgewachsene Iris mit ein- und aufgeschmolzenem Pulver in Weißopal, Grün, Opakgelb und Orange in Szene (Taxe 4.200 bis 4.700 EUR). Genauso funktioniert die große Vase mit den „Fleurs du tabac“ um 1912 der Daum Frères mit gelber und orangefarbener Pulvereinschmelzung sowie doppeltem Überfang in Orange und Rotviolett für 4.500 bis 5.000 Euro.
In Form eines Kanus geht die große Jardinière für Emile Gallé in die Auktion. Für 3.000 bis 3.500 Euro soll das innen partiell lachsfarben unterfangene und außen hellblau und violett überfangene mit umlaufend reliefiert geätzten Blüten, Zweigen und Blättern der Fuchsie geschmückte Glas einen neuen Besitzer finden. Eine Kugelvase von Gallé um 1920 in zitronengelbem unterfangenem Opal und mit blühenden rotvioletten Kirchzweigen liegt bei 5.000 bis 6.000 Euro. Für das französische Art Déco steht diesmal prominent Marius-Ernest Sabino. Um 1930 erdachte er sich eine Vase in exaltiertem Schwarz, auf der in drei Reihen versetzt Fledermausfische ihre Bahnen ziehen (Taxe 1.400 bis 1.600 EUR). Mit diesem Wert ist zudem eine Kelchvase der Verreries Schneider um 1922/25 mit stilisierten Begonienblüten in leuchtendem Gelb, Rot und Blau angesetzt.
Fast in die Ungegenständlichkeit entführt schon um 1900 Ludwig Sütterlin bei seiner Opalvase, deren Beerenmotiv weit abstrahiert ist und nur als Spiel von Formen und Farben gedeutet werden kann (Taxe 1.300 bis 1.500 EUR). Bei Ferdinand von Poschingers grüner Marqueterie-Vase um 1900/03 erinnert der in Violett und zartem Gold ausgeführte Frauenschuh noch eher an ein Abbild der Natur (Taxe 1.100 bis 1.300 EUR). Von Lötz Witwe aus Klostermühle 1904 stammt die Zierhenkelvase „Cytisus“ aus farblosem mit lachsfarbenem Opal unterfangenem Glas. Der Körper ist umsponnen mit kobaltblauen unregelmäßig verzogenen Fäden und dazwischen verstreuten Kröseleinschmelzungen in Silbergelb. Die drei Henkelappliken weisen silbergelbe Pulvereinschmelzungen auf (Taxe 3.800 bis 4.300 EUR). Ein typisches zweifarbiges Weinglas von Otto Prutscher mit bordeauxfarbenem, geometrischem Schliffdekor um 1906 war schon viele Male ausgestellt, unter anderem bei der Kunstschau in Wien 1908 und im Bayerischen Nationalmuseum 1984 bei der Ausstellung „Jugendstil Floral Funktional“ (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).
Den Sprung zum Glas nach 1930 macht Tobia Scarpa, dessen Entwurf um 1959 bei Venini auf Murano verwirklicht wurde. Wie der Name „Occhi“ schon sagt, sind in das farblose Glas alternierend viereckige Mosaikplättchen mit farblosem Kern und rotem und schwarzem Rand eingeschmolzen (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Fulvio Bianconi benutzte 1950 die gleiche Technik bei seiner Vase „Pezzato“, als er Plättchen, sogenannte tessere, in Rot, Grün, Blau und Beige aufschmolz (Taxe 3.000 bis 3.300 EUR). Zu den Glasobjekten zählt Ivo Rozsypals offene Würfelform von 1989. Die verschiedenen Dreiecke aus schwarzen und weißen Opaxitscheiben und opakem gelbem Glas bilden diese diamantähnliche Gestalt aus (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Erwin Eischs Ideen konkretisierten sich 1972 in einem „Telefon“ aus formgeblasenem farblosem Glas, das er flächig mit Gold bemalt hat (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR).
Die Auktion findet am 7. Juli um 10 Uhr in der Glasfachschule Zwiesel, Fachschulstraße 15-19, 94227 Zwiesel statt. Die Objekte können am 4. Juli von 15 bis 17 Uhr, am 5. Juli und 6. Juli von 10 bis 13 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Katalog ist unter www.auctions-fischer.de einsehbar. |  | Kontakt: Dr. Jürgen Fischer Heilbronner Auktionshaus Elbinger Straße 11 DE-74078 Heilbronn |
 | Telefax:+49 (07131) 15 55 720 | Telefon:+49 (07131) 15 55 70 |  |  | E-Mail: info@auctions-fischer.de |  | Startseite: www.auctions-fischer.de |
04.07.2012 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Lisa Witte |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 20 | Seiten: 1 • 2 • 3
 Events (1) • Adressen (1) • Kunstwerke (18) |  | •  | Veranstaltung vom:
07.07.2012, 23. Glasauktion in Zwiesel |  | •  | Bei: Dr. Jürgen Fischer Heilbronner
Auktionshaus |  | •  | Kunstwerk:  Daum Frères, Vase mit Falter, um 1900 |  |  | •  | Kunstwerk:  Henri Bergé, Vase mit Iris, um 1900 |  | •  | Kunstwerk:  Emile Gallé, Kugelvase mit Kirschblüten, um 1920 |  | •  | Kunstwerk:  Marius-Ernest Sabino, Vase mit
Fledermausfischen, um 1930 |  |  | •  | Kunstwerk:  Ludwig Sütterlin, Vase mit Beerenmotiv, um 1900 |  | •  | Kunstwerk:  Otto Prutscher, Weinglas, um 1906 |  | •  | Kunstwerk:  Fulvio Bianconi, Vase „pezzato“, um 1950 |  |  |
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 Alpenländisch,
Nabelflasche, 18.
Jahrhundert |  | Taxe: 2.000 - 2.500 EURO Losnummer: 46 |  |  |  |  |  | 
 Anton Kothgasser,
Ranftbecher, Wien um
1820 |  | Taxe: 3.000 - 4.000 EURO Losnummer: 195 |  |  |  |  |  | 
 Böhmen,
Deckelpokal, 1.
Viertel 18.
Jahrhundert |  | Taxe: 2.500 - 3.500 EURO Losnummer: 87 |  |  |  |  |  | 
 Marius-Ernest
Sabino, Vase mit
Fledermausfischen,
um 1930 |  | Taxe: 1.400 - 1.600 EURO Losnummer: 518 |  |  |  |  |  | 
 Glashütte Zechlin,
Deckelpokal, 1.
Drittel 19.
Jahrhundert |  | Taxe: 1.500 - 2.500 EURO Losnummer: 121 |  |  |  |  |  | 
 Cristalleries de
Clichy,
Aufsatzschale, um
1850 |  | Taxe: 3.500 - 4.500 EURO Losnummer: 332 |  |  |  |  |  | 
 Ludwig Sütterlin,
Vase mit
Beerenmotiv, um 1900 |  | Taxe: 1.300 - 1.500 EURO Losnummer: 607 |  |  |  |  |  | 
 Ivo Rozsypal,
Glasobjekt, 1989 |  | Taxe: 2.500 - 3.000 EURO Losnummer: 877 |  |  |  |  |  | 
 Henri Bergé, Vase mit
Iris, um 1900 |  | Taxe: 4.200 - 4.700 EURO Losnummer: 437 |  |  |  |  |  | 
 Fulvio Bianconi,
Vase „pezzato“, um
1950 |  | Taxe: 3.000 - 3.300 EURO Losnummer: 852 |  |  |  |  |  | 
 Daum Frères, Daum
Frères, Vase mit
Falter, um 1900 |  | Taxe: 3.000 - 3.500 EURO Losnummer: 436 |  |  |  |  |  | 
 Façon de Venise,
Pokal, 17.
Jahrhundert |  | Taxe: 2.300 - 2.800 EURO Losnummer: 12 |  |  |  |  |  | 
 Daum Frères, Daum
Frères, Deckeldose,
um 1898 |  | Taxe: 4.500 - 5.500 EURO Losnummer: 429 |  |  |
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